Als Guerilla Marketing Agentur stellt man sich allein schon aus kreativen Gründen jede Woche mindestens einer neuen Herausforderung bzw. sucht sich eine frische. So macht man sich beispielsweise Gedanken, wie ein Rohrreiniger in Social Media Welten gelangen könnte. Man freut sich dann, dass man durch diese Überlegungen eine mehr als nur gute Platzierung bei Google bekommen hat und die Welt dadurch erfahren hat, dass es eigentlich nur eine einzige Guerilla Marketing Agentur für Rohrreiniger gibt (geben Sie bei Google ein: Marketing für Rohrreiniger), aber im Grunde ist man schon wieder auf der Suche nach neuen Herausforderungen, die man als Marketingexperte dann natürlich Challenge nennt…

Der Rohrreiniger musste herhalten, weil er wacker gegen kognitive Dissonanzen, Time Gaps und Imageprobleme kämpft – wer will schon ein verstopftes Rohr…? Was aber könnte die nächste Challenge für einen Markenstrategen sein? Gibt es etwas, das die Brühe des Rohrreinigers übertrifft? Es gibt: Der Zahnarzt!

Der Zahnarzt hat zwar nichts mit übel riechenden Rohren zu tun, aber so richtig beliebt ist er auch nicht –  wer geht schon gern zum Zahnarzt? Der Zahnarzt kämpft also auch gegen kognitive Dissonanz, hat aber mehr Understatement und im Gegensatz zum Rohrreiniger meist auch einen Dr.-Titel (80% aller Bildzeitungsleser sind übrigens immer noch der Meinung, dass Herr zu Guttenberg seine Praxis als Arzt auch ohne Dr. Titel weiter betreiben könne, aber das ist nochmals eine andere Sache).

Der Zahnarzt würde NIE Werbung machen. Der Zahnarzt kauft sich in eine gut gehende Praxis ein oder übernimmt eine solche. Was aber, wenn der Zahnarzt doch mal werben will? Oder gar muss?? Darf der Zahnarzt das überhaupt? Er darf zum Beispiel im Internet „sachlich werben“, kann bzw. muss man in einem ellenlangen unemotionalen Text der Universität Erlangen-Nürnberg lesen.

Wenn man sich durch den schrecklich sachlichen Text kämpft (sachlich ist für Marketeers eigentlich undenkbar- geht gar nicht!), kann man sogar lesen, dass das OLG Hamm in einem Urteil vom 07.06.2005, Az. 4 U 34/05 die Anzeigenwerbung eines Zahnarztes, die einen lachenden Mund mit wohlgeformten, leicht geöffneten Lippen, mit strahlend weißen, makellosen Zähnen zeigt, als zulässig erklärt hat.

Ob der Mund stark geschminkt sein darf, steht dort nicht, das Urteil gibt jedenfalls Anlass zur Hoffnung für jeden werbewilligen Zahnarzt. Was aber passiert, wenn man den alten T-Shirt-Spruch „meine Augen sind hier oben“ für einen Zahnarzt „modifiziert“ und beispielsweise auf ein weisses T-Shirt in Brusthöhe schreibt: „meine Zähne strahlen hier oben“?

Das Urteil vom Oberlandesgericht sagt nicht, dass an dem lachenden Mund mit den wohlgeformten Lippen keine ganze Frau dranhängen darf. Ein einziges Plakat, so es die mittelalterliche Zahnarzt-Verordnung zulassen würde, könnte also einen großen Hebel erzeugen, wenn man so eine Zahnarztwerbung mit einer PR Kampagne und einem Social Media Seeding streuen würde…

Die Frage, die sich an dieser Stelle stellt: Gibt es einen Zahnarzt in München der mutig genug ist, eine unkonventionelle Kampagne zu starten, die auf der Erzielung einer einstweiligen Verfügung in Kombination mit einem extrem starken PR Hebel aufbaut?? Besser noch wäre sicherlich eine Zahnärztin.

Und eine blonde Zahnärztin wäre natürlich PERFEKT…

Wir sind gespannt…