Es ist nicht nur kompliziert, es ist sehr kompliziert: Kommt man nach dem Medienforum in Mittweida (für alle, die es noch nicht wissen: Mittweida war für zwei Tage die Medienhauptstadt der Republik – Mittweida das bedeutet spannende Diskussionen und spannende Vorträge, Mittweida ist aber auch ein Synonym für perfekte Shows, perfekte Abschlussparties und vor allem für PERFEKTE ORGANISATION) in Stuttgart an (das war jetzt ein sehr langer Einschub, aber ein sehr wichtiger) dann stellen sich einem dort ankommenden Münchner viele Fragen:

  1. Wie komme ich durch die Nikotinmauer unbeschadet aus dem Bahnhofsgebäude? In München muss man zwar auch die Luft anhalten, wenn man zum Zug will, aber verglichen mit Stuttgart ist das gar nichts, denn hier stehen neben den üblichen rauchenden sozialen Randgruppen auch noch die Stuttgart 21 Gegner und qualmen vor ihrem Zelt und vor den Eingängen. Luft anhalten alleine reicht also nicht, die Sauerstoffmaske ist für den Reisenden nach Stuttgart dringend notwendig. Kompliziert das alles und vor allem ungesund…
  2. Wenn man die Nikotinmauer überlebt hat, dann die nächste Frage: Warum reißen die nicht gleich im Umkreis von einem Kilometer die Betonwüste ab und machen was Schönes aus der Stadt?
  3. Ebenfalls kompliziert: Wer schützt eigentlich die Reisenden und den Rest der Stadt vor den Parkschützern? Fällt denn niemandem auf, dass es ziemlich schmuddelig im Park aussieht?
  4. Nicht kompliziert, aber auffällig: Die Stuttgart 21-Gegner reißen die Pro-Stuttgart-21 Plakate nieder oder zerstören sie.
  5. Kompliziert in diesem Zusammenhang: Die Volksabstimmung wurde „umgedreht“. Wer für Stuttgart 21 ist, muss „NEIN“ ankreuzen und wer dagegen ist sagt einfach JA. Aus bayrischer Sicht nicht nachvollziehbar, aber die Verantwortlichen für diese Aktion scheinen wohl oft Zug zu fahren und die Nikotinmauer hat auch ihnen das Hirn vernebelt…
  6. Wie aber auch immer die benebelte Aktion ausgeht: Es wird ein Veto gegen das vernebelte Ergebnis geben, also: lieber doch nicht abstimmen??

Fazit: Das Leben ist eigentlich unkompliziert, wenn man nicht gerade in Stuttgart lebt. Wobei: Auch hier könnte es unkompliziert sein, WENN NICHT Warlord Mappus hätte zeigen wollen, dass es noch knallharte Männer gibt die Law & Order aufrecht erhalten und gleichzeitig aber die 68er nicht ihren 27ten Frühling bekommen hätten und deshalb eine rührige Nostalgiewahl veranstaltet haben. Dem schwäbischen Landesverkehrsminister ist Stuttgart 21 ohnehin egal, er konzentriert sich auf wirklich wichtigen Themen wie die Helmpflicht für schwäbische Fahrradfahrer, falls die Bahn irgendwann Stuttgart nicht mehr ansteuert, weil sie den Schadensersatz nicht bekommt. Ob der Schadensersatz nun 1,5 Milliarden Euro oder dann doch „nur“ 350 Millionen Euro beträgt ist dabei unerheblich, denn wie die Vergangenheit zeigte, können schon mal 55 Milliarden auf der falschen Seite der Bilanz landen und der schwäbische Steuerzahler hat es ja. Wichtiger als die Helmpflicht wäre natürlich der Schutz des Nichtrauchers am Stuttgarter Hauptbahnhof gewesen, da aber beim schwäbischen Verkehrsminister das Knie oben am Kopf durchkommt, ist ihm die Kopfbedeckung für alle doch sehr ans Herz gewachsen…

Wie gesagt:

Es ist kompliziert…

(Ich will wieder nach Mittweida!)