Der Countdown für die Zwangsharmonisierung deutscher Familien läuft, am 24.12. spätestens ab 16.00 Uhr startet die gesellschaftlich legitimierte Internierung unbescholtener Bürger. Für 48 Stunden plus einer scheinheiligen Nacht endet jedes Jahr der Individualisierungsprozess der Renaissance und das deutsche Lagerfeuerfernsehen, so will es der religiöse Brauch, übernimmt mit unzähligen Wiederholungen die Macht im Lande.

Bis zum neuen Jahr ziehen sich alle zurück in ihre analoge Höhle, mästen sich mit fettem Braten, reichlich Alk und Süßigkeiten und töten ihre Sinne mit „oh-du-fröhliche-tannenbaum-songs“, auch das will der Brauch.

Warum, so fragt man sich an dieser Stelle, steigen wir nicht um auf zeitgemäßere Weihnachtslieder wie „Ich Will“ (z.B. als Hymne aller Jugendlichen kurz vor Weihnachten). Passend zum messianischen Geburtstag wären dann auch weihnachtliche Lieder wie „Personal Jesus“ denkbar, aber irgendwie scheint sich das nicht so durchzusetzen…

Heilsverhindernde Abschweifung: Im Zusammenhang mit Geburtstag statt dessen dann Phänomene wie Sharenting. Kurze Erläuterung: Sharenting ist der zwanghafte Drang von Eltern, das Leben des Nachwuchses öffentlich auszubreiten. Sharenting wurde vom Guardian zum Buzzword 2013 gekürt und damit wären wir beim nächsten Thema: Die Welt braucht Neologismen. Wer im Trend sein will, muss neue Begrifflichkeiten in die Welt katapultieren bzw. lernen, die neologische Welle zu reiten. Unsere Nomophobie Studie hat dies unterstrichen (lediglich halbgebildete Wikipedianer haben es nicht verstanden, aber das ist nochmals eine andere Sache).

Für 2014 werden wir also an neuen Wortschöpfungen arbeiten, die Zwangsharmonisierung (deutscher Familien) ist schon mal ein guter Einstieg, mit Rohstoff Student werden wir im Januar unsere Aktivitäten fortsetzen und über Weihnachten werden wir über das Management der Potenzialität und das Thema Vernunft als Druckmittel für Kleingeister nachdenken.

Und damit 2014 auch schön kreativ wird, werden wir am 24.12. vollkommen unheilig durch Stuttgart ziehen. Wer zu uns stoßen will und sich vor Alkohol nicht fürchtet, ist herzlich willkommen…

Allen anderen wünschen wir ein frohes Fest und einen guten Rutsch!