Wer im Schatten von Kellogs und Co. schwäbisches Müsli auf den bundesdeutschen Markt wirft, muss sich werblich schon etwas Besonderes einfallen lassen. Gut gemacht also: Der schwäbische Werbespot schärft ganz vorzüglich die Positionierung und hämmert gnadenlos die Botschaft in die Köpfe der Konsumenten. Nachteil von Hausmacherwerbung: Nicht jeder findet Seitenbacher Werbung witzig, um es höflich auszudrücken, aber ihren Zweck erfüllt sie allemal. Sie wird koschtengünschdig produziert und was wichtiger ist, sie wird gerne parodiert

Die mediale Hebelwirkung ist dem Seitenbacher sein Karle sicher (schwäbischer Genitiv). Am Wochenende hat Seitenbacher aber noch mal richtig einen oben drauf gesetzt und eine Guerilla Marketing Aktion der schwäbischen Art gestartet: Seitenbacher zeigte allen Besuchern des Schwabenlandes, die aufgrund des Radiospots fluchtartig das Land verlassen wollten, wie schön doch das Schwabenland ist. Seitenbacher organisierte hierzu eine Fremdenverkehrsführung durch die schwäbische Alb. Alle die am Wochenende gen Bayern fuhren, konnten im Radio hören, dass der Lämmerbuckeltunnel von Freitag 22.00 Uhr bis Sonntag bis 21.00 Uhr gesperrt war und weiträumig umgeleitet wurde.

Bereits bei der Raststättte Gruibingen wurde die Autobahn auf eine Spur verengt, damit sich der Reisende auf die engen Landstraßen mental vorbereiten konnte. Mit dem Motorrad konnte man die etwa sechs Kilometer lange Schlange gut studieren.  Die Kleinwagen hatten wegen der fehlenden Klimaanlage fast alle die Fenster geöffnet, 70% aller Kleinwagenfahrer sind starke Raucher, 30 % tun so, als ob sie LKW Fahrer wären und versperren Motorrädern den Weg. Das haben sie im Urlaub gelernt, weil ihr Auto so klein ist, verwechseln sie es schon mal mit den Handtüchern, die sie am Pool ausgelegt haben, aber das ist jetzt noch mal eine andere Geschichte…

Zurück zum Seitenbacherstau. Nachdem man die Schlange passiert hat, sieht man die sofort Ursache: In der Ortschaft Mühlhausen im Täle hat Seitenbacher die Ampel abstellen lassen. So müssen alle Autos, die von der Autobahn kommen, erst nach links und rechts schauen und warten, bis die Landbevölkerung vorbei gefahren ist. Dann erst geht es mit Tempo 30 durch das schöne Dorf (Seitenbacher hat extra noch zusätzliche Baustellen anlegen lassen, damit der Durchgangsverkehr Zeit hat, nach rechts und links zu fahren). Die Route führt ins 17 km entfernte malerisch gelegene Geislingen. Damit die Autobahnkarawane zusammenbleibt, hat Seitenbacher viele Fußgängerampeln installiert, die den Tross zum Verweilen einladen.

Von Geislingen dann weitere 18 km nach Merklingen, damit der Reisende Gelegenheit hat, sich die legendäre Märklin Eisenbahnshow anzusehen. Alles in allem fast vierzig Kilometer Offroad Cruising durch die schwäbische Alb, Landschaft pur und Gemeinschaftsgefühl inklusive. Seitenbacher sei dank. Eines jedoch hat das schwäbische Käpsele vergessen: Verkaufsstände am Straßenrand! Bei der kilometerlangen Schlange hätte ein Plakat einen G-Wert von mindestens 300 (für alle metro-A-sexuellen Frauen: Das ist eine Markforschungseinheit der GfK für Plakate und nichts Unanständiges). Der benachbarte Kirschenstrich zeigt, dass Generationen von Gärtnern und Landwirten mit dieser Praxis gut leben.

Also woischt Karle, das nägschde Mal au a Müsli verkaufa, net bloss schwätze…