In Fortführung Guggenbergers  Sein oder Design könnte man zeitgenössisch die These aufstellen: Sein oder Nicht-Design, das ist hier die Klage. Erst wenn eine Marke, so konnte an andere Stelle gezeigt werden, über ein gewisses Maß an Religiosität verfügt, ist sie Social Media tauglich, was im Weiteren als Synonym für gesellschaftstauglich verwendet wird: Ich glaube an die Kraft von Nutella, mein täglich Nutellabrot gib mir heute, erlöse mich von schlechten Brotaufstrichen und bewahre mich vor herabfallenden Klavieren, dicken Nespresso Dealerinnen in Stuttgart und Seitenbacher Radiospots…

Design im Sinne von strukturgebender Oberfläche dient der Gesellschaft als Orientierungshilfe in einer zunehmend dekontextuiert kommunizierenden Gesellschaft.  Unabhängig davon ist „Design“ fester Sprachbestandteil geworden: Designerdrogen, Food Design, Designermöbel, Modedesigner, Designhotels, Webdesign oder Corporate Design. Letzteres kann als mitverantwortlich gesehen werden für die Globalisierung nordamerikanischer Marken. Dumm nur, dass diejenigen, die eigentlich keine Kultur haben, uns neben ihren koffeinhaltigen Kaltgetränken auch eine Kaffeehaus“Kultur“, i.e. Starbucks aufdrängen und Europa mit dünnem, aber teuren Designer Kaffee verseuchen, den man nur nach zahlreichen sprachtechnischen Workshops ordern kann: Venti not so hot with colesterol-free milk without whipped cream and extra chocolate powder premium hot chocolate (sollten die Workshops nicht greifen, fragen Sie Ihren Arzt oder legen Sie sich auf Ihren Therapeuten)

Sachs“ spricht in diesem Zusammenhang von Global Design. Wo die Globalisierung der einzelnen Marke nicht greift wird parallel eine Glokalisierung vorangetrieben, die Marke wird lokal angepasst. Die McDonaldization stoppt an Stellen, an denen sie an lokale Geschmacksgrenzen gelangt – die Anheuser-Busch InBev würde beispielsweise niemals ihre bayerischen Marken Löwenbräu oder Spaten in die Nähe ihrer globalen Marken Becks, Budweiser oder Stella Artois bringen.

Das Corporate Design oder das Kommunikationsdesign kann also an lokale Grenzen stoßen und muss dann über den Claim, die Geschmacksabwandlung oder aber durch eine Logo Anpassung adaptiert werden. Umgekehrt, so kann festgehalten werden, gelingt es regionalen Marken nicht so leicht, den Weg in internationale Gefilde anzutreten, der Kirschenstrich  beispielsweise ist keine allgemein bekannte Marke, die man ohne weiteres in andere Sprachen übersetzen und internationalisieren könnte. Produkte oder Firmen aus dieser Region können sich demzufolge nicht auf die Kraft eines Geo-Marketing verlassen und müssten entweder selbst große Etats aufbringen oder mit anderen Marken eine konzertierte Kommunikation entwickeln (wahlweise hat man das Glück, dass ein namhafter Caravan Koch mit Kenntnis schwäbischer Standheizungen und vor allem der afrikanischen Küche den Kirschenstrich in seinen Rezepten aufgreift). Biosphäre Schwäbische Alb müsste also (ohne den Koch aus dem Bereich Standheizungen) ein allumspannendes Kommunikationskonzept sein, dessen Design so mächtig ist, dass es die Region in aller Welt repräsentieren kann und vor allem so, dass es auch die ganze Welt aussprechen kann wie etwa Oktoberfest oder Black Forest – Design für Millionen Menschen…

Hebt man den Aspekt der Mächtigkeit des Tools Design hervor, wird sehr schnell deutlich, dass neben utilitären und funktionalen Konditionen verstärkt auch situationistische Differenzen der Interaktion mit Gütern zu berücksichtigen sind (vgl. hierzu Albus). An dieser Stelle soll demzufolge der emotionale Ansatz aus zwei Blickwinkeln in Stellung gebracht werden: Aus sozialwissenschaftlicher Sicht, wird der Aspekt der Religiosität der Marke weiter verfolgt und und aus Design Sicht verfolgen wir die Hypothese einer sozial-kognitiven Oberflächen-Dissonanz in Anlehnung an den sozialpsychologischen Terminus der kognitiven Dissonanz im ursprünglichen Sinn.

Hypothese eins: Nur konkludentes Design wird vom Verbraucher akzeptiert. Beispiel: Schlechtes Klangdesign beim Klingelton zu einer SMS erzeugt eine Ton-Bild-Schere, i.e. der Schreiber der Nachricht gerät in eine akustische Hiobsfalle – quod est demonstrandum (Übersetzung für den gebachelten und gebeutelten Studenten: was noch zu beweisen ist).

Hypothese zwei: Mangels kommunikativer Fähigkeiten, wird Kommunikation auf Design-Oberflächen reduziert. Ich bin ok, du bist ok vs. deine Jacke ist cool, dein Auto ist Scheiße. Demzufolge müssten bei einer Social Media Analyse die alltagshäufigsten Begrifflichkeiten Automobil und/oder Mobilfunk, i.e. Smartphone, exorbitant hervorstechen – quod est demonstrandum (Übersetzung für den Fußballer: schaumermal…).

Hypothese drei: Wenn Kommunikation auf Design reduziert wird, wird Design ebenfalls auf social media Kriterien reduziert: Gefällt mir vs. gefällt mir nicht. Designtypische Eigenschaften, also das worauf der Designer stolz sein kann und will, werden vom Homo Socio Medialis nicht wahrgenommen.

Hypothese vier: Design bedeutet nicht zwingend Qualität. Es ist zu vermuten, dass das sprach- und kulturreduzierte menschliche Wesen zum einen Design in sozialen Netzen in die Nähe von Webdesign bringen wird und zum anderen aufgrund der monetären Determiniertheit  auf alltagstaugliche Gegenstände reduziert – quod est demonstrandum (Übersetzung für den Saturn Kunden: Geist wäre geil)

Antithese: Wenn man vier Hypothesen veröffentlicht, werden es wie immer viele lesen, aber nur 0,01 Prozent werden eine eigene Meinung haben. Darüber hinaus gilt: vier Hypothesen erzeugen mindestens 8-12 neue halbwissenschaftliche Thesen und eine Synthese ist in weiter Ferne. Bevor jedoch ein radikal-emanzipatorischer Vorgriff eine diskursethische Entwicklung einer neuen bahnbrechenden Design-Synthese konterkariert, soll eine Social Media Analyse Klarheit verschaffen.

Man muss nicht untergehen, wenn man Dingen auf den Grund geht.