Die Reaktionen auf den Beitrag Das Restaurant am Ende Des Universums oder: Warum Autohäuser von einem anderen Planeten sind haben gezeigt, dass Marketing aus Herstellersicht und Sicht des Autohauses durchaus differenziert betrachtet wird. Die Kommentare und Mails belegten, dass die altbekannte These, dass ein Restaurantgedanke in Verbindung mit einem Autohaus nicht unbedingt neu, aber diskussionswürdig ist.  An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für die zahlreichen konstruktiven Mails.

Dank auch für das aggressive Posting in unserer  Xing Gruppe, das unterstrich, dass wohl der Nerv getroffen wurde. Empfehlung an BMW:  Dringend an den Umgangsformen der Gebietsverkäufer arbeiten, denn

erstens: Auch Akademiker mit Dr. Titel spricht man mit „Herr Doktor Name“ an und

zweitens: Mit öffentlichen Unhöflichkeiten bezieht man zwar deutlich Position und kann auch gut verdeutlichen, dass man gefrustet ist, gewinnt aber nicht zwingend Sympathien und auch nicht unbedingt neue Kunden…

Danke also nochmals für die Steilvorlage, am 14.6. wird das BWM Negativ-Beispiel im Rahmen eines Vortrages in den Räumen der Akademie der media GmbH in Stuttgart vorgestellt, vertieft und mit Vertretern aus Praxis und Studenten diskutiert.

Natürlich könnte man, wenn der Autoverkäufer alter Schule den Sprung ins neue Jahrtausend noch nicht geschafft hat, ihn durch entsprechende Motivationsmaßnahmen an seinem Schlafplatz abholen und gemeinsam in eine neue Espressokultur mit Abschlusswillen führen, aber wer will das im Zeitalter einer modernen Kommunikation schon?  …ausser vielleicht Nespresso.

Wenn der Käufer nicht zum Auto kommt bzw. der Verkäufer es erfolgreich „beschützt“, muss das Auto wohl zum Käufer kommen und das tut es heute natürlich als APP. Wenn nun dieses Stichwort fällt, dann fällt meist der klassische Marketeer in klassische Kommunikationsfurchen: Jetzt Probefahrt vereinbaren! Die zeitgemäße Formulierung hingegen lautet: Jetzt fahren! Oder neudeutsch: Mobility Now.

Der moderne Mobilitätsjunkie will sich nun mal kein Auto mehr an die Backe binden, sondern lediglich seine Mobilität erhöhen. Er hat gelernt, dass die Bahn fast stündlich durch die gesamte Republik fährt und dass man dort zwar manchmal mit Verspätungen und missgelaunten Schaffnern rechnen muss, aber von Reifenwechsel und TÜV ist man hier befreit.

Auch die Airlines bringen den Mobilitätsfreak schnell von A nach B, die Frage ist nur, wie kommt man zum Flughafen, aber hierfür gibt es ja die Taxi App oder Car Sharing (der näher am studentischen Leben stehende Homo Mobilis nimmt halt dann die Mitfahr APP). Für den antiquierten Autoverkäufer, der sich vor Kunden im Autohaus immer hinter dem Computer-Monitor versteckte, bedeutet diese Entwicklung denknotwendigerweise: APP aufs Altenteil…

Für den Hersteller bedeutet diese Tendenz: APP zum Verbraucher! Verkauft wird nicht länger das Automobil, sondern das Lebensgefühl. Warum immer das selbe Auto fahren und am Ende wohlmöglich noch Parkplätze suchen und Reifen wechseln? In Anlehnung an die existierenden Car Sharing Ansätze kann der bis dahin gelangweilte Autoverkäufer das Auto auch vor die Haustür bringen (das kann ein Student auch, aber das sagen wir dem Autoverkäufer heute noch nicht). Der Trick: Der Student ist besser gelaunt und das Auto kann heute ein Cabrio für den Abend am Tegernsee sein und morgen für das Wochenende in den Bergen ein SUV oder am Wochenanfang für die Geschäftreise eine Limousine.

Wenn die Marke aber dann im Vershofen´schen Sinn nur den Grundnutzen im Auge hat, kann sie in einem neuen, vernetzt denkenden Markt nicht überleben. Erst wenn sie den Weg in die Fernbedienung des Lebens gefunden hat und der Zusatznutzen im Vordergrund steht, erst wenn die Religiosität der Marke vom Verbraucher erkannt wird und er an sie glaubt, kann die Marke in den Olymp der Konsumenten aufsteigen.

Hierzu aber muss die Marke die Pfade kennen, auf denen der Verbraucher wandelt. In der Großstadt wird wohl aus Parkplatzgründen weniger die Limousine geordert, sondern eher Car Sharing mit Chauffeur gesucht, i.e. die Taxi App und auch der ICE vom Hauptbahnhof ist ein zentraleres Thema als auf dem Lande, wo er nur durchrauscht. Gefragt ist also nicht die Automarke APP, sondern die Einbettung einer Marke in eine Mobilitäts APP.

Emotionale Allianz statt strategische Allianz!

Keynote: Robinson Krösus Flucht aus dem automobilen WIRRklichkeitsRAUM oder: wie gelangt die Automobilindustrie in die Lebens-Fernbedienung und begeistert den multioptionalen Ich-Sender?

Datum: 14. Juni 2012

Zeit: 16.00 Uhr bis 18.00 Uhr

Ort: Akademie die media GmbH in Stuttgart

Adresse: Tübinger Straße 12-16 in 70178 Stuttgart