Nach den gestrigen Überlegungen zum Thema Predictive Analytics, heute die grobe Frage: Was ist normal? Eine Norm, so könnte man herleiten, entsteht aus gesellschaftlichen Strömungen, der Kreis zu Predictive Analytics könnte also konstruiert werden (die Konstruktion der Realität wird an dieser Stelle jedoch nicht diskutiert).

Voll NORM(al) I: Rechtsprechung

Der faktische Zugriff auf das Normative ist extrem schwierig, das hat die Netzgemeinde in der letzten Woche deutlich wahrnehmen können. Der Fall Ecclestone spaltete die Nation: Für die einen ist es, wie Ecclestones Anwalt kund tat, ein normaler Weg der Justiz, der nichts mit dem Reichtum seines Mandanten zu tun hat und für die anderen ist es ein Skandal. Die ehemalige Justizministerin bezeichnete den Freispruch als Frechheit, die ZEIT titelte „Lief ja wie geschmiert“…

Andere Stimmen sprechen von Ablasshandel und der NDR stellte die satirische Frage in den Raum, ob sich wohl auch Frau Zschäpe gegen ein Entgelt von einer Milliarde freikaufen könne…

EccleStone FreiKaufen Börny

Quelle: Screenshot NDR.de

Voll NORM(al) II: Pressefreiheit

Artikel 5 des Grundgesetztes regelt die Presse- und Meinungsfreiheit. Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern, eine Zensur findet nicht statt. Was aber wenn die Pressevertreter ihr Recht dazu nutzen, um Meinungen zu manipulieren? Die Lobby-Diskussion geistert seit längerem durch das Netz. Eine ZDF Sendung hatte die Nähe verschiedener Journalisten zu Lobby Organisationen thematisiert und sich dadurch eine einstweilige Verfügung eingehandelt. Scharfe Kritik seitens der Wissenschaft, eine Leipziger Studie gießt nochmals Öl ins Feuer. Einer der betroffenen Journalisten bezieht Stellung: Nähe bedeutet nicht Verbrüderung  

Für den Außenstehenden lässt sich an dieser Stelle keine eindeutige Position ermitteln, es gibt nun mal keine objektive Wahrheit…

Aufeinandertreffen zweier Wahrheiten auch im Fall Gaza Berichterstattung: vermeintlich israelfreundlich in den USA und propalästinensische Berichterstattung  auf der europäischen Seite, die Medien kritisieren kein Land so oft wie Israel ist die Vermutung einer Linguistin, die Sloterdijk´sche Erbsünde(schuld) scheint in Deutschland nicht mehr zu greifen.

Neu in der bunt eingefärbten Berichterstattung: der Bürger/Leser muss sich nicht mehr zwischen zwei Meinungen entscheiden, als Ich-Sender steht er mittendrin und „kommentiert“ vollkommen schmerzbefreit.

Was bleibt, ist über die Realitätskonstruktion durch Medien und Ich-Sender neu nachzudenken. Am Anfang, so stellt Sloterdijk fest, war nicht das Wort, sondern das Unbehagen, das Worte sucht.

Voll NORM(al) III: Der feudalistische Vermieter

Der feudalistische Vermieter hat nichts mehr in unserem Land zu suchen, sagt die Gesetzgebung. Dennoch: Anwälte und Lehrer haben es schwer, eine Wohnung zu bekommen, der dann doch feudalistische Vermieter befürchtet einen Verlust seiner Macht (wer lässt sich schon gerne belehren oder verklagen?). Ist das wirklich so? Haben Mieter in Anzug und Krawatte größere Chancen, eine Wohnung zu bekommen? Wir machen den Praxis-Test: Anzug oder zerrissene Jeans? Gesucht wird eine tätowierte Frau für unser IMMOBILIENMAGAZIN