Nachdem es gelungen war, für das Landhaus in einem trotz der Werbekampagne ungeilen Elektrogeschäft in der Stuttgarter Innenstadt eine Nespresso Espresso Maschine zu kaufen, also eine dieser Espresso Maschinen, bei der immer ein Flügel von Himmel fällt, folgt nun der zweite, wichtige Schritt: Die logistische Glanzleistung, die Nespresso Espresso Maschine mit Espresso zu befüllen – was ohne abgeschlossenes Design-Studium fast aussichtslos ist, denn nur der geübte Blick findet die richtige Espressomischung ohne sich von der Farbe der Kapsel ablenken zu lassen.

Natürlich hätte man die entsprechenden Kapseln per Internet bestellen können, dann aber hätte man eine eMail von Nespresso bekommen, warum man denn nicht beim Nespresso Espresso Shop vorbeikomme, schließlich sei man in den letzten drei Wochen schon sieben Mal in der Nähe gewesen (wir erinnern uns: Beim Kauf der Nespresso Espresso Maschine bekam man einen Schlüsselanhänger mit Chip „geschenkt“).

Also: gezielter Gang zum Nespresso Espresso originalvereidigten Dealer Shop in Stuttgart. Learning eins: Wenn man voller Stolz bei facebook eingeben will, dass man sich in Stuttgart bei einem Nespresso Espresso originalvereidigten Dealer Shop befindet, muss man feststellen, dass die Stuttgarter Nespresso Espresso Maschinen Homebase nicht anklickbar ist. Ein statt dessen eingegebenes „ich bin im Breuninger“ erzeugt verständlicherweise keine „likes“, denn wer will sich schon am Samstag outen, dass er sich mitten unter der Landbevölkerung im Stuttgarter Sachbearbeiterparadies befindet.

In der Breuninger Nespresso Station angekommen, die erste Ernüchterung: Der Begriff „lungo“ bekommt angesichts der Schlange im Nespresso Espresso originalvereidigten Dealer Shop eine vollkommen neue Bedeutung…

Statt der Schlange also erst einmal an die Nespresso Probier Bar. Dort verlangen alle „den Neuen“ und wenn es also etwas Neues gibt, dann will man das natürlich auch testen und ordert ebenfalls den Neuen. Jetzt aber der erste Fehler: Die Frage, wie der Neue denn heißt. Der böse Blick der dicken Bedienung spricht Bände: Wieder einmal ein Nespresso Club Mitglied (zu erkennen am Schlüsselanhänger), der sich NICHT vorher informiert hat. Die Dicke ist jedoch gnädig und serviert „den Neuen“ trotzdem.

Jetzt aber der zweite Fehler: Der Neue schmeckt und es folgt die unbedarfte Frage nach der Mischung – aufgrund des bösen Blickes nach dem ersten Fauxpas bewusst keine Fragen nach Höhenlage, Jahrgang, Aroma und Kopfnote im Abgang… Dennoch: ein zweite böser Blick der Dicken und ein Hinweis auf die Fachverkäufer am anderen Ende der Schlange…

Es bleibt also nur das Einreihen in die  Nespresso Espresso Fan Schlange und die vage Hoffnung, noch vor Ladenschluss an den Altar zu kommen, um die geheiligte Nespresso Espresso Hostie zu bekommen. Auf halber Strecke nähert sich von rechts eine typisch metro-A-sexuelle Frau mit der zickigen Bemerkung „viel zu lang diese Schlange“. Sie geht. „Dann trink doch den dünnen Supermarktkaffee“ denkt sich jeder in der Schlange befindliche Pilger auf dem Weg zum Nespresso Espresso Priester. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man weiss, dass man länger anstehen muss, das Doppelte zahlt, dafür aber viel buntere Tabs und elegantere Darreichungsformen bekommt. Wir glauben alle an die Religiosität der Marke und warten gerne auf die Absolution am Ende der Schlange und gerne lassen wir uns von kleinen dicken Verkäuferinnen beschimpfen….

Dann die Erlösung. Der vereidigte Nespresso Espresso Papst winkt gnädig den nächsten Kunden zu sich, fragt nach dessen Wünschen und erklärt auch noch, was die Dicke nicht konnte: Mischungsverhältnis, Jahrgang, Hanglage, Höhenlage, Land, politische Zustände, ökologische Unbedenklichkeit…

Und er setzt sogar noch einen oben drauf: Er besteht nicht darauf, dass man den Stoff in der eigens dafür kreierten Designer Papier Tasche abtransportiert, sondern gestattet dem Motorradfahrer, das die geheilten Hostien im Rucksack mitgenommen werden. Das vollendete Nespresso Espresso Marketing Paradies – vergessen ist die kleine Dicke, die lange Schlange und dass sich die italienische Verkäuferin aus dem ansonsten ungeilen Stuttgarter Elektrogeschäft noch immer nicht gemeldet hat…