Gestern startete Google eine Kampagne zum Thema Leistungsschutz und es verwundert nicht, dass die Verleger heute mit geballter Wucht zurückschlagen.

Die FAZ unterstellt brutalste Vereinfachung und unterstreicht, dass die Verleger Daten liefern und Google sie zu Geld macht. Warum nur, fragt sich der geneigte FAZ Leser, schaffen es die Eigentümer der geistigen Güter nicht, ihre wertvollen Schätze zu monetarisieren?

Die Beantwortung dieser Frage bleibt die FAZ schuldig. Statt dessen die Feststellung: „Ein Interessenskonflikt ist kein Kampf um die Meinungsfreiheit“

In diese Kerbe schlägt auch der Spiegel Online: Google ist nicht das Netz. Dem ist sicherlich zuzustimmen, aber angesichts der Marktposition sollte man zumindest den Dialog suchen…

Google ist nicht das Netz, und Verlage sind nicht der gute Journalismus“, kontert folgerichtig Stefan Niggemeier und zeigt sehr differenziert auch die andere Seite der Medaille. Scheinheilig, wie die Süddeutsche glauben machen will, ist Google´s Verhalten aus seiner Sicht nicht. Unwahr ist es in den Augen von Niggemeier auch, wenn Heribert Prantl in der Süddeutschen schreibt, dass das Leistungsschutzrecht nicht die Blogger belastet. Reine Lüge aus seiner Sicht auch, wenn man schreibt, dass das neue Gesetz einzig und allein die großen Suchmaschinen betrifft.

Die Politik ist entsetzt: Die Bundesjustizministerin probt den Aufstand und ruft zum Boykott gegen Google auf. Einer ihrer Berater hatte wohl festgestellt, dass es noch andere Suchmaschinenanbieter gibt, das gibt ihr Aufwind. Das Staatsfernsehen stößt obrigkeitshörig ins selbe Horn.

Moralische und geistige Unterstützung bekommen die „Netz-Schützer“ und Google auch vom Max-Planck-Institut für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht – fehlende Erforderlichkeit eines Schutzrechts: „ …Neue Schutzrechte dürfen auch aus ökonomischen Gründen nicht unbesehen einge- führt werden. Grundlage einer liberalen Marktordnung ist die möglichst weitreichende Handlungsfreiheit aller Akteure. Nur dort, wo ohne Rechtsschutz Investitionen nicht getätigt würden, weil nicht der Investierende selbst, sondern ein Dritter davon profitieren könnte, rechtfertigt es sich, die Wettbewerbsposition des Investors für eine befristete Zeit gegenüber Trittbrettfahrern abzusichern. Erforderlich ist ein Schutzrecht mit andern Worten nur dort, wo ohne ein solches ein Marktversagen droht (BGH GRUR 2011, 436, 438 – hartplatzhelden.de).

Diese Konstellation liegt in Bezug auf Presseerzeugnisse im Verhältnis zu Suchmaschinenbetreibern aber nicht vor. Suchdienste gefährden nicht die Möglichkeit der Presseverleger, ihre eigenen Inhalte auf dem Internet zur Verfügung zu stellen. Denn solche Angebote werden durch Suchmaschinen nicht substituiert, sondern das Gegenteil ist der Fall: Die Möglichkeit, solche Inhalte aufzufinden, wird gefördert (BGH GRUR 2003, 958, 962 – Paperboy). Im Ergebnis landet der die Information Suchende beim Verlagserzeugnis; Suchmaschinen vermindern also nicht den sog. „Traffic“ auf den Webseiten der Verleger, sondern sie erhöhen ihn…

An dieser Stelle fragt sich der geneigte Leser, warum Google nur einen Film ins Netz gestellt hat? Eine kurze „Live Demo“ wie in Belgien wäre wesentlich deutlicher gewesen, das hätte dann vielleicht auch die Politik verstanden…

Politik und Verlage haben das Internet zehn Jahre ignoriert, dann hat man weitere zehn Jahre gehofft , dass der Spuk vorüberziehen möge, dann hatte man kurz gehofft, dass man das analoge Anzeigengeschäft 1:1 auf das iPad übertragen und munter in Gutsherrenart weiterwurschteln könne und nun in aller höchster Verzweiflung wird der Gesetzgeber angefleht, die fehlende Phantasielosigkeit zu „überbrücken“ und dem aussterbenden Ast einer pulsierenden Branche unter die Arme zu greifen…

An dieser Stelle muss tatsächlich an den Gesetzgeber appelliert werden, aber nicht, dass er das verlegerische Latifundiensystem schützen möge, sondern dass er wieder dafür sorgt, dass das Leben in der Republik wieder politischer wird und Diskussionen wieder demokratisch und interaktiv, fernab einer Reduktion auf Headlines in der Tiefe geführt werden. Dies setzt voraus, dass die Politik hierzu den RAUM schafft (Virilio verweist in diesem Zusammenhang auf die Agora als öffentlicher Raum für die politische Einheit, als Garant gegen die Bedrohung durch einen Tyrannen).

Die politische Diskussion setzt jedoch ein differenziertes Denken voraus und somit eine differenzierte Bildung, die nicht zwingend nur in der Universitätsbibliothek erworben wird, sondern die bei Google startet und dann vertieft wird. Differenziertes Denken würde an dieser Stelle bedeuten, via Google die Vielzahl der Möglichkeiten zu erahnen und dann individuell und investigativ in die Tiefe zu gehen. Es ist nicht verwerflich, eine eigene Meinung zu haben.

Die Verleger sollten ein spannendes Angebot bereithalten, für das der User gerne bereit ist, Geld auszugeben. Es wird an dieser Stelle auf brand eins verwiesen, die keinen Leistungsschutz in Anspruch nehmen müssen. So wie man sich einst auf den Donnerstag freute, weil die ZEIT auf den Markt kam oder auf den Montag, weil der neue SPIEGEL herauskam, so ist es heute eine Freude, die PRINTAUSGABE von brand eins zu erwerben und genussvoll zu lesen…

Am Ende der Diskussion des heutigen Tages kam dann auch noch Sascha Lobo, der der geplagten Medienbranche noch einen Tritt verpasste und aufzeigte, dass Unternehmen mit Spektakeln Kunden und Journalisten anlocken und die klassische Werbung aushebeln. Was für ein Schock!

Lobo spricht das gelassen aus, was Mind Store Marketing schon seit ewigen Zeiten praktiziert, Wir nennen es nicht Spektakel, wir gehen weg vom langweiligen Kundenevent, hin zum social media tauglichen vernetzten Erlebnis, wir nennen es Trendtag und freuen uns, dass es so gut ankommt (nächster Trendtag übrigens morgen auf Schloss Monrepos).

Am Ende des Vormittages dann zwei Fronten: Böse Netzaktivisten auf der einen Seite und gute Verleger auf der anderen Seite. Eine schöne Übersicht zur heutigen Leistungsschutz Diskussion bietet rivva  – auch sie wären übrigens vom Leistungsschutz negativ betroffen, so wie wir ALLE…

Am Ende des Vormittages dann auch zwei Lager: Die alte Welt und die neue Welt. Wobei nicht gesagt ist, dass die neue unbedingt die bessere ist. Verwiesen sei auf die Kulturpessimisten und die Notwendigkeit neue Technologien kritisch zu hinterfragen…

Am Ende des Vormittages dann auch erneut die Forderung nach gemeinsamen politischen OBERFLÄCHEN und nochmals die Notwendigkeit, in Anlehnung an Heidegger das Umhafte der MITwelt mit den Räumlichkeiten des modernen DA-seins in digitalen Einklang zu bringen.

Am Ende des Vormittages dann auch noch die ERKENNTNIS, dass dieser Beitrag uns als Guerilla Marketing Agentur mit Trendtagen im Google Ranking nicht wirklich weiter bringt (obwohl wir Guerilla Marketing Agentur mit Trendtagen zwei Mal im Text erwähnt haben), weil einfach zu viele externe Links enthalten sind, aber wen interessiert schon Google sagt Frau Leutheuser-Schnarchenberger von der Vietnamesischen Unternehmer Partei und so hauen wir noch zwei Links dazu und freuen uns einen Beitrag geschrieben zu haben, den niemand interessiert und der auch nicht SEO relevant ist, der aber einen GIGANTISCH langen Schluss-Satz hat…