Ein abendlicher Blick in die Twitter Trends verdeutlicht sofort, dass je nach Fernsehformat schon mal ein knappes Drittel der Hashtags durch Fernsehthemen belegt sind. Beliebt: Sportliche Ereignisse wie Fußball oder Olympia, aber auch Sendungen, die man aufgrund des Sender-Alters eher in der Rentnerecke vermuten würde, wie beispielsweise „#tatort“. Ansonsten: #BSF,  #GZSZ oder #GNTM und viele mehr…

„Seit Twitter ist Fernsehen auch eher ein Hörspiel“ stellt deshalb eine Twitterin fest. Die klassischen Medien beeilen sich, (Gegen)Studien zu präsentieren, die belegen, dass das jeweilige Medium nicht vom Phänomen „Parallelnutzung“ betroffen ist oder dass man sogar davon profitiert. MTV belegt mit der Leisure Time Studie, dass Fernsehen als die Nummer eins Geschichte ist, dass der Medienkonsum aufgrund von Parallelnutzung steigt: TV und Internet hypen sich gegenseitig.

TV verliert an Aufmerksamkeit,  das ist auch das Credo einer Studie aus dem Hause Interone „The Age Of On“: TV verliert, Online gewinnt und das Smartphone schafft neue Felder.

Aus Sicht eines TV Vermarkters wird das Thema Parallelnutzung natürlich anders eingestuft: „TV bleibt exklusiv – nur Wenige surfen regelmäßig beim Fernsehen“ heisst es im Dezember 2011 und alle Social Media Experten fragen sich, warum es bei ihren Followern komplett anders aussieht…

In einer weiteren Studie (August 2012) unterstreicht IP Deutschland  nochmals, dass Parallelnutzung Zuschauer bindet. Parallelnutzung geht laut IP nicht zu Lasten von TV, sondern ergänzt online und mobil.

Credo: Parallelnutzung ergänzt TV und steigert darüber die Aufmerksamkeit. Ein Blick in die Twitter Timeline unterstreicht die diese These, denn die dort vorgenommen Kommentierungen ziehen weitere Zuschauer an und bringen das jeweilige Format in die Diskussion.

Interessant, das zeigt die Studie ebenfalls, ist das Thema Second Screen: Kommt neben der TV-Nutzung auch eine Second Screen Anwendung zum Einsatz, steigert sich das Zuschauer-Involvement um 25 Prozent.

Fazit: Alle aktuellen Studien, aus welchem Blickwinkel heraus auch immer, unterstreichen, dass Internet, Social Media und Mobile Media den TV Konsum immer mehr begleiten bzw. Fernsehen zu einem Begleitmedium  wird.

Für den Werbungtreibenden stellt sich natürlich die Frage, nach der Wirksamkeit einer Kampagne, wenn die Botschaft durch Parallelnutzung verwässert wird und für den Kommunikationswissenschaftler stellt sich die Frage nach der zwischenmenschlicher Kommunikation, wenn immer mehr Devices und Medien „zwischengeschaltet“ werden.

Die Hamburger Wasserwerke haben vor vielen Jahren, als Fernsehen noch monomedial war und Marktanteile zwischen 50% und 70% keine Seltenheit waren,  den Wasserverbrauch in Werbepausen dokumentiert: Man sprach damals von der Rausch Hour. Die AGF Zahlen sagten damals, dass der Zuschauer vor dem Fernseher saß, die Wasserwerk Zahlen zeigten jedoch, dass die gesamte Stadt die Klospülung betätigte und da steht nun mal nur selten ein TV Empfänger. Parallelnutzung der menschlichen ART…