Es ist Sonntag, man hat Zeit zum Lesen, ein guter Anlass also, den roten Faden zum Thema Dieselgate von Volkswagen aufzunehmen: In einem vorherigen Beitrag konnten die Parallelen zum Deepwater Horizon Skandal skizziert werden. Gezeigt wurde, wie begrenzt doch die menschlichen Speicherkapazitäten sind und wie schnell selbst dramatische Ereignisse verdrängt bzw. durch neue Katastrophen News ersetzt werden.

Tschernobyl, Deepwater Horizon, Fukushima, die Katastrophen reihen sich nahtlos aneinander und auch ein Dieselgate passt in diesem Zusammenhang zu Günter Anders These, dass alle Katastrophen zu Ende gedacht wurden, sie müssen jetzt nur noch passieren….

Honda Fireblade Motorrad

Honda Fireblade (mit Lucy)

Und plötzlich ein VW-Special auf der Startseite eines Automagazins: Vorgestellt werden unter einem separaten Reiter „VW Special“ der VW Golf GTI Clubsport, der VW Touareg, der VW Touran 1.4 TSI sowie der VW Passat GTE. Gekaufte Werbung? Definitiv nicht. Das Magazin zeigt lediglich, dass man mit einem Skandal auch konstruktiv umgehen kann. Die VW Fans haben ohnehin, wie nicht anders zu erwarten, Markentreue bewiesen.

Natürlich wird man sich in Wolfsburg freuen, dass es in Zeiten übertriebener Skandalberichterstattung auch noch neutrale Fahrzeugdarstellungen zum Thema Volkswagen gibt, aber das nur am Rande…

Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung, sagt ein altes Sprichwort und so konnte man beim VW Dieselgate sehen, wie sehr die Journaille auf einen Skandal gewartet hat. Und das dann auch noch ausgerechnet zur IAA. Wie passend…

Allen voran wetterte die Bildzeitung, wie sehr doch Volkswagen die deutsche Wirtschaft ruiniert habe. So etwas bringt Quote, ebenso wie die Liste der entlassenen VW Top Manager, da freut sich der kleine Mann von der Straße, den Großen geht es an den Kragen. KÖPFE-ROLLEN BEI VW.

VW Abgas Skandal

VW Dieselgate (Screenshot Bild.de)

Witzig an diesem Beitrag, aber das nur am Rande, die jakobinische Killer-Liste wurde von einem treffenden Bad Ad flankiert: Hinfallen. Aufstehen. Weitermachen…

Ansonsten war im VW Skandal alles wie auch sonst: Kaum liegt jemand am Boden, treten alle drauf und/oder versuchen sich viral zu bereichern. Bei BP war es die Adbuster Anzeige „Seid doch froh, dass wir keine Kernkraftwerke bauen“ und bei VW waren es die „dreckigen Witze“.

Dieselgate

Fundstück Internet (Quelle: Facebook)

Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung und plötzlich schießen sich alle auf den VW Skandal ein. „Sag was dreckiges“ oder wie ein Dessous Hersteller es ausdrückte: Erzähl mir deine dreckigen Geheimnisse…

Dirty Secrets

Fundstück Internet (Quelle: blush Lingerie)

Und natürlich darf auch die Konkurrenz nicht fehlen bzw. ein Business Magazin, das Tesla vorschickt, um die eigene Viralkampagne zu pushen.

Tesla VW Abgas Skandal

Fundstück Internet (businesspeopleinc.com)

Zurück zum Abgas-Skandal: Der eigentliche Skandal liegt nicht im Hause Volkswagen. Es ist auch unerheblich, ob Winterkorn informiert war oder nicht. Dramatischer erscheint, dass das politische System nicht in der Lage ist, seine Bürger vor dem Feinstaub-Tod zu bewahren und die politischen Versprechen für eMobilität einzulösen (ebenso wenig wie es Nichtraucher vor Rauchern schützt oder das Gesundheitssystem vor den Folgekosten von Cola Konsum).

Skandal ist es, dass Politik nicht von Politikern gemacht wird, sondern von der Lobby. Skandal ist es, dass es dem Bürger auch vollkommen egal ist, wer ihn zuerst vergiftet. Er drückt im Falle einer Katastrophe bei Facebook noch auf „Gefällt mir“.

Zurück zum VW Special des befreundeten Automagazins: Gut, dass jemand einfach mal positiv Flagge zeigt und nicht ins allgemeine VW Bashing einsteigt. Und weil es dem Bürger egal ist, wer gerade im Shitstorm ist und von ihm beschimpft wird, scheißen auch wir auf die Feinstaub Diskussion und fahren ab Donnerstag für unser Musikmagazin eine Honda CBR1000RR Fireblade, drehen einen Viralclip und shooten was das Zeug hält…