Das Beispiel von Herrn ohne Dr. zu Guttenberg fängt an, sich famos zum Paradebeispiel sozio-virtueller Kommunikation zu entwickeln. Nach einer beispiellosen Redeschlacht im Parlament wird deutlich: Social Media Krisenmanagement hat gewisse Grenzen. Durch Ruhe und Besonnenheit konnte der Felix Krull wie die Opposition ihn nannte, zunächst wertvolle Punkte holen.

Der Fall KitKat verdeutlicht, dass konsequente Nicht-Kommunikation als Strategie erfolgreich sein kann, der Fall Wolfskin zeigte, dass rechtzeitige Reue, einen Wendepunkt zur Normalität hervorbringen kann und selbst BP und die Verschmutzung der Meere konnten ohne übertriebene Kommunikationsmaßnahmen wieder in ruhige Fahrwasser kommen.

Salamitaktik hingegen, so zeigt das Beispiel Guttenberg, zieht eine lange Ich-hab-da-auch-noch-was-gefunden-Karawane hinter sich her und die nimmt, wie es aussieht gerade mal Anlauf…

Die „Argumente“ im Freundes- und Helferkreis fangen dann an gleichlautend und platt zu werden: „und ist einer von euch ohne schuld so schmeiß er den ersten stein!! doch es stand keiner auf und schmiß!!“ oder „Hoffentlich wird dieser Mann Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland“ und und und…

Aber auch die ersten kritischen Stimmen mischen sich unter die „Fans“, die rasant steigende Zahl an Fans stagniert und auffallend ist auch die Anzahl der „Profile“, die nur 2-3 Freunde haben und merkwürdigerweise kein Foto und die alle sehr positiv eingestellt sind…

Nächste Eskalationsstufe: die Presse fängt an, sich kritisch zu äußern, es wird auch hier nachgebohrt und weiteres Fehlverhalten kommt an den Tag. In dieser Stufe kommen aber auch gefährliche Fragen ans Tageslicht wie „warum etwa mit zweierlei Maß gemessen wird“ und der eine oder andere stellt fest, dass mit dem „Kavaliersdelikt“ das gesamte Bildungssystem beschädigt wurde. So stellt beispielsweise die Süddeutsche Zeitung fest, dass „die Plagiatsdebatte um Verteidigungsminister zu Guttenberg zeigt, was Merkel & Co. sowie ein Großteil der Bevölkerung von der akademischen Welt halten. Wissenschaft ist für sie so unwichtig, dass man dort krumme Touren drehen kann, Forscher sind nur weltvergessene Eierköpfe. Das Ergebnis: Der Minister ist etwas angesengt, die Wissenschaft in Deutschland aber schwer beschädigt.

Und so kann man gespannt sein auf die nächste Eskalationsstufe: Universitäre Prüfung der Täuschung, Staatsanwalt sowie weitere Aufdeckungen?

„Guttenberg habe“, so sagt  der Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano „systematisch verschleiert, plagiiert und getäuscht. „Den Vorsatz“, so der Bremer Professor, kann man bei diesem intellektuellen Betrug dann im Grunde nur noch dadurch verneinen, dass man den Autor für unzurechnungsfähig erklärt“.

Bis hierhin stellt jedoch der Stern fest. „Minister gerettet – Werte verraten“ und auch hier die Frage, wie lange Herr ohne Dr. zu Guttenberg noch auf der Welle der positiven Vorurteile reiten kann – sozial-kognitive Dissonanz der positiven Art…

Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht ist es nun spannend, ob und wie lange sich eine öffentliche Vertrauensperson mit Spitznamen wie Felix Krull, Paste&Copy Minister, Lügenbaron oder ganz direkt Hochstapler an der Oberfläche halten kann. Wie muss ein effizientes Krisenmanagement aussehen?

Salamitaktik, so steht an dieser Stelle fest, ist kein adäquates Mittel des Krisenmanagenentes.

Und ich ich betone vorübergehend….