Die neue GQ ist komplett überarbeitet und metrosexuell, so die Ankündigung des Verlages. Überarbeitet, so zeigt ein Blick in die September Ausgabe, war dann aber nicht nur die GQ Redaktion, sondern auch der Anzeigenvertrieb, denn der dürfte so richtig rotiert haben, wenn man auf die geschalteten Anzeigen schaut:

GQ, die einzige Werbung, die durch Zeitschrift unterbrochen wird.

Wenn man den Nerv hat, sich durch 36 Seiten (Mode)Werbung zu kämpfen, entdeckt man auf Seite 37 (!), selbstverständlich umrahmt von Werbung, ein kleines Foto von einem Mann, der sich Chefredakteur nennt und man fragt sich an dieser Stelle, warum ein Modekatalog einen eigenen Chefredakteur hat. Auf Seite 40 dann die ersten News, interne natürlich, damit der Leser nicht durch zu viel Text verunsichert wird und selbstverständlich flankiert von ganzseitiger Werbung.

Metrosexuell sei das neue Magazin, so kündigte der Kataloghersteller aus München es zumindest an. Metrosexualität, so können wir bei Wikipedia lesen, ist ein moderner Lebensstil, der von der modischen Ausrichtung nicht mehr zwischen Frau und Mann unterscheidet, sich aber auf Accessoires und äußere Attitüde reduziert.

Der Definition nach, so lesen wir ebenfalls, lassen metrosexuelle Männer auch die weibliche Seite ihrer Persönlichkeit zu und zeigen nach außen hin Verhaltensweisen, die bis dato eher dem Lebensstil von Frauen oder dem Klischee des homosexuellen Mannes zugeordnet werden. Wir haben also, wenn wir die Definition ein wenig enger sehen, mit GQ im Grunde genommen ein neues Schwulenmagazin, in dem sich, wir nennen sie jetzt mal nicht schwule, sondern metrosexuelle Männer, über ihr neues Handtäschchen informieren können.

Damit der metrosexuelle Mann mit seinem metro-A-sexuellen Leben klar kommt, ist auch das Dr. Sommer Team mit an Bord. Dr. Sommer heißt im GQ Magazin nicht Dr. Sommer, gibt sich intellektuell, lässt den Doktortitel weg, nennt sich nach der gleichnamigen Puddingwerbung Frau Paula und präsentiert sich als leichtbekleidete Domina, was einem von uns ermittelten Trend nachkommt, wonach 70% aller Männer (zunehmend devoter werdende) Langweiler sind, die für die Frauenwelt nicht zu gebrauchen sind, 20% sind dilettantische Schweine (die eine Frau schon gut quälen können, aber nicht Beziehungsfähig sind) und nur 10% fallen nach unseren Statistiken in die Kategorie „gute Schweine“ (die allerdings niemals die GQ lesen würden, aber das ist ein anderes Thema).

Der metrosexuelle Mann, so konnte gerade gezeigt werden, entspricht also dem von uns skizzierten Bild des Playstationspielers. Wen wundert es also, dass die neue GQ auch eine Spiele Ecke anbietet – irgendwo muss der metrosexuelle Mann ja seine Sexualität ausleben.

Übrigens: In der Mitte des Heftes findet man eine Reportage, die die Tradition des Condé Nast Verlages fortsetzt – guter Journalismus in Kombination mit exzellent gemachter Fotografie. Damit aber der metrosexuelle Leser nicht irritiert wird, hat man die Reportage geschickt als Werbe-Shooting verpackt. Man zeigt darüber hinaus viel Haut in Form von schönen langen Beinen und spricht, damit es nicht praktiziert werden muss, von Sex…

Um den metrosexuellen Leser qua relevantem Keyword anzulocken, wird der Modekatalog namens GQ mit prominenten Namen garniert. Auf der Titelseite können wir lesen: Milla Jovovich – Keine Angst vor starken Frauen. Darüber hinaus Prominenz von Ben Tewaag bis Mezut Özil.

Passend zum Thema „wie finde ich redaktionelle Beiträge zwischen den Werbeanzeigen“, hat sich der Navgationsspezialist Garmin mit einer Tandem Anzeige ins redaktionelle Autoumfeld gesetzt.

Warum aber aber macht sich eine Guerilla Marketing Agentur über die neue metrosexuelle GQ Gedanken? Ganz einfach: Wir wollten mal sehen, ob wir mit den Begriffen GQ und metrosexuell bei Google auf die ersten Plätze kommen, wer sich dann aus dem Hause Condé Nast bei uns meldet oder ob wir vielleicht sogar Post von einem GQ Werbekunden bekommen. Wir nennen diese Vorgehensweise intuitive Ballistik und finden es immer wieder spannend, auf diese Weise neue Menschen kennenzulernen!