In Chatrooms, speziell in Single-Portalen alter Prägung war und ist er ein gern gesehener Gast (zumindest aus Sicht der Portalbetreiber). Er gehört zum übergeordneten Cluster „Playstationspieler“, differenziert sich jedoch durch sein Aussehen nochmals deutlich. Kennzeichen: Nudelbremser im Gesicht und Pullunder – kurz: Ein Langweiler. Sein Nickname: Bubibärli.

Im Internet (lange bevor es Web 2.0 hieß) fiel der Typus „Bubibärli“ in den letzten 10 Jahren besonders auf durch die Antizipierung des vermeintlich Erwarteten. Frauen schrieben, damals als sie noch wirklich Lust auf Sex hatten, also bevor der Typus metro-A-sexuelle Frau auf die Bühne der gesellschaftlichen Evolutionsgeschichte trat, viele Jahre lang in klassischen Single Communities auf ihr Profil: „Keine ONS“ – was übersetzt bedeutete „ich will Spaß“, denn keine wirklich intelligente Frau wollte und will die Katze im Sack kaufen (Diese Formulierung wurde heutzutage von der moderneren Form „es ist kompliziert“ abgelöst).

Die Übersetzung von „ich will Spaß“ wird jedoch vom Typus „Bubibärli“ gänzlich ignoriert und so lautet seine stereotype Begrüßungsformel: „Ich mag ja ONS auch nicht“, „ich mag ja auch nur kuscheln“, oder unverfänglicher: „ich bin ein ganz Lieber“ (ohne aber zu registrieren dass im Kleingedruckten von allen Frauenprofilen deutlich steht: „wer will schon nett“…)

Aufgrund seines schnauzbärtigen Profilfotos bekommt Bubibärli in 70 Prozent aller Fälle keine Antwort (welche Frau steht schon auf Pornobalken), was den zartbesaiteten Typ Mann natürlich sehr trifft, denn er will ja nur lieb sein. Und so reiht er sich ein in die Karawane der unbefriedigten Menschen und postet gar lustige Geschichten, die aber niemanden interessieren…

Soziale Netzwerke gäben Bubibärli zumindest theoretisch das Gefühl, Teil des Spiels zu sein, denn hier wird eine Antwort ohnehin nicht erwartet. Ein Post wie „8.00 Uhr und ich bin hellwach“ hätte in klassischen Chatrooms alter Prägung eine Antwort ausgelöst wie „wo gehen wir frühstücken?“, die dann in 80 Prozent aller Fälle „zielführend“ gewesen wäre (vorausgesetzt, sie wäre nicht von einem Bubibärli mit Oberlippenspoiler gekommen).

Bei Facebook und Twitter ist Bubibärli zwar zahlenmäßig reichlich vertreten, schließlich haben die Bitte-keine-ONS-Frauen die Mal-eben-Hallo-Sag-Plattformen mittlerweile verlassen und vergnügen sich bei Facebook – ich geh dann mal eben laufen…

Und so folgt auch der Bubibärli-Tross, allerdings sind seine „Hallo-erstmal-Postings“ timeline-irrelevant  und werden demzufolge aus den News Flüssen geXt.

Ein Held, so kann an dieser Stelle festgehalten werden, ist Bubibärli also definitiv nicht und ein Meinungsführer oder Trendsetter schon gar nicht. Aus Markensicht ist er derjenige, der ein Produkt bei einem Meinungsführer sehen muss und es dann kauft. Für das Marketing gilt es also Bubibärli über klassische Medien zu erreichen (Bubibärli liest noch die Tageszeitung aus Papier!) und den Kaufauslöser über einen Trendsetter zu erreichen. Helden, so musste die Marketingabteilungen am Jahresende 2010 lesen, werden immer rarer: Nur vier Prozent aller Onliner bestimmen die Markenbildung im Internet. Das Hauptproblem für die Marke ist es also, die entscheidenden Keyplayer zu identifizieren und dann Teil ihrer Timeline zu werden.

Nur wenn eine Marke über die notwenige Religiosität verfügt, die angesagtesten Themen und Strömungen kennt und in der Lage ist, die relevanten Quellen zu identifizieren, nur dann kann sie erfolgreich kommunizieren. Nur diejenige Marke sticht aus der sozio-virtuellen Informationsflut hervor, die auch timeline kompatibel ist. Bubibärlis mit Rotzbremse und Pullunder (und sei er noch so modisch) sind dabei wenig hilfreich…