„Angst vor Spionage“ betitelte Spiegel Online seinen Artikel und wies darauf hin, dass immer mehr DAX-Konzerne ihren Mitarbeitern den Zugang zu facebook verwehren. Es dürfte dabei aber weniger die Angst vor Ausspähungen oder Viren sein, denn letztere können durch den Mailaccount ebenso eindringen, es ist die Angst vor Unproduktivität (cluetrain nennt man das Phänomen auch und es ist seit über zehn Jahren bekannt).

Wenn große DAX-Firmen Mitarbeitern den Facebook Zugang blocken, dann bedeutet dies für viele Kritiker das Ende einer Werbe-Ära und die Unkenrufe „wir haben es ja gleich gewusst“ werden lauter. Und wenn dann noch in der aktuellen Printausgabe der w&v einer der Geschäftsführer der größten Mediaagenturgruppen des Landes das Thema Social Media als overhyped bezeichnet, dann wird daraus schnell der Hefttitel „Social Media? Nein, Danke!“

Sätze wie „Prinzipiell ist Social Media schon geeignet, um mit den Digital Natives zu kommunizieren“ gehen dann schon mal unter und der Chefredakteur fragt, ob das Ende des Hypes um Social Media erreicht ist.  Der Untertitel der w&v „Immer mehr Unternehmen prüfen, ob Facebook, Twitter & Co. überhaupt Sinn machen“ bedeutet nicht: Social Media – Nein Danke, sondern das was Unternehmen in allen Fällen tun sollten: eine Kosten-Nutzen-Analyse. Die Frage, ob sich die gewünschte Zielgruppe bei Facebook befindet, ist durchaus nicht altmodisch.

Was den Mitarbeiter anbetrifft, so ist es ein zweischneidiges Schwert. Einerseits besteht die Angst, dass durch Surfen am Arbeitsplatz ein volkswirtschaftlicher Schaden entsteht oder dass ein Arbeitnehmer durch „unintelligentes Posten“ der Firma oder der Marke einen großen Imageschaden zufügen kann. Auch der Tagesspiegel sprang auf das Mitarbeiterthema und wies darauf hin, dass Facebook den Job kosten kann. Auch hier werden zahlreiche Firmen aufgeführt, die den Zugang zu Facebook und Co, verwehren. Es werden aber auch andere Fälle aufgeführt, wie beispielsweise die Deutsche Bank, die auf das Urteilsvermögen ihrer Mitarbeiter vertraut und die differenziert, dass Mitarbeiter durchaus auch über ihr iPhone zu Facebook gelangen können. Misstrauen war noch nie ein guter Nährboden für Produktivität.

Unabhängig von der Facebook-oder-nicht-Diskussion: Nicht erst seit der „Erfindung“ von Social Media ist bekannt, dass motivierte Mitarbeiter mehr für das Unternehmen leisten. Wir nennen es Markenaufbau von innen und wundern uns, dass Konzerne der Internalisierung von Märkten oftmals mehr Aufmerksamkeit schenken als der Kraft der menschlichen Persönlichkeit. Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.