Die Marke, so wird im MARKETING BUCH gezeigt, befindet sich im Spannungsfeld zwischen Magie, Mystik, Religion und Vernunft, letztere erfunden dereinst als die Wunderwaffe gegen eine allmächtige klerikale Vorherrschaft. Vernunft hat jedoch nicht zwingend etwas mit vernünftig zu tun, sondern führt vielmehr in den Zustand eines postmodernen Dauerparadoxons: Das zwangsbefreite Individuum hat nun, beraubt aller Religionen und aller traditioneller Wertewelten nur noch den Glauben an sich selbst und treibt traumatisiert in einem postmodernen Wertevakuum zwischen prometheischer Scham und Lustgewinnungsabsichten (letztere torpediert durch marode, aber dennoch funktionstüchtige Religionssysteme), verstärkt durch reduzierte Kommunikation und Allgemeinbildung. Die Typologisierung der metro-A-sexuellen Frau ist an der Tagesordnung.

In Anlehnung an Mannoni kategorisiert Pfaller in die Sphäre der Einbildungen ohne Eigentümer (i.e. Aberglauben), derzeit in westlichen Gesellschaften massiven Zerstörungen ausgesetzt und unterdrückt durch Einbildungen mit Eigentümer (i.e. Bekenntnis). Die postmoderne Kultur ist in seinen Augen eine Bekenntniskultur, i.e. eine Kultur der massiven Aneignungen der Einbildungen. Niemals musste das Individuum in so hohem Maß selbst an etwas glauben wie in der Postmoderne.

Pfaller konstatiert, dass Unterdrückung der Einbildungen ohne Eigentümer eine Unterdrückung der Lust mit sich bringt, da Einbildungen ohne Eigentümer die Ressource kultureller Lust sind. Die Kultur der Postmoderne ist eine asketische, lustfeindliche Kultur. Lustfeindlichkeit macht das Individuum politisch wehrlos.

Der WIRRklichkeitsRAUM, so konnte gezeigt werden, ist geprägt durch hohe systemische Komplexität sowie linearer Zugriff durch das Individuum sowie die weiter oben skizzierte Bandbreite zwischen Mystik und reiner Vernunft, i.e. der Tod der Götter, die stringente Entmystifizierung der Gesellschaft und die Entzauberung des täglichen Lebens. Als weiteres Element gesellt sich nun die zynische Vernunft hinzu. Dem Glauben an Religiöses wird einerseits abgeschworen, so zeigt Pfaller, und andererseits ist es umso wichtiger, zumindest den Kindern eine religiöse Schule angedeihen zu lassen. Die gelebte zynische Vernunft setzt sich auf staatlicher Ebene fort, die Trennung zwischen Staat und Kirche wird nicht praktiziert, staatlich finanzierte Kindergärten nennen sich evangelische oder katholische Kindergärten, werden jedoch von Atheisten finanziert.

Der postmoderne Unglaube wird Glaube, der Glaube an sich selbst. Der Verlust der Religion zieht denknotwendigerweise weitere sakrale Institutionen in Mitleidenschaft. Pfaller führt in diesem Zusammenhang den Soziologen André Béjin auf, der in westlichen Gesellschaften die ehelose Zweierbeziehung (mariage extra-conjugal) als Normalkonstellation erkennt. Konnte sich der doppel-codierte Ich-Sender postmoderner Prägung früher nicht entscheiden, ob er die Stadtwohnung oder den Landsitz nehmen sollte, ob er Cabrio fährt oder SUV und demzufolge ALLES wählte, so entscheidet er sich heute nur ungern für eine längerfristige Verpflichtung. „Emotional unbelastet“ lautet demzufolge die sozio-mediale Übersetzung von Singles und es kommen partnerschaftliche Konstrukte zustande wie  Beziehungsstatus „On The Rocks“, „angestupst“ oder „vorläufig Schluss“.

Die Facebook Seiten zu Beziehungsstati und – problemen schießen wie Pilze aus dem Boden. Angefangen vom „Beziehungsstatus: Ich gehe mit meinem Teddy x3“  für die etwas jüngeren Frauen/Mädchen, die schon ihre ersten schmerzlichen Erfahrung machen mussten (knapp 13.000 Mitglieder) oder „Beziehungsstatus ; Papa Sagt Nein x3“ (ähnliche Altersgruppe, aber knapp 26.000 Fans) über „Beziehungsstatus : Single & es ist unkompliziert : )“ mit knapp 13.000 Fans als „Gegenwelt zu unserem „Es ist Kompliziert (das einer Erweiterung der Beziehungsebene um die wesentlich komplexere Welt der Kommunikation beinhaltet) bis hin zum „Beziehungsstatus: Ich hol mir ’nen Keks“ mit knapp 13.000 Mitgliedern. Zeitgemäß sicherlich auch: „Beziehungsstatus: Die Route wird neu berechnet.“ mit gut 7.000 Anhängern. Die Facebookseite „Beziehungsstatus: emotional verkrüppelt“ verfügt zwar nur über 3.000 Mitglieder, beschreibt den gesellschaftlichen Ist-Zustand jedoch recht deutlich.

Nicht neu, aber immer wieder treffend: „Beziehungsstatus: „ein händchen für arschlöcher“  mit gut 26.000 Fans, was dem antiquierteren „wer will schon nett“ sehr nahe kommt. Erfahrungsgemäß stecken die Mitglieder solcher Gruppen in einem „Schweinezyklus“ zwischen „Forever Single“ und „Suche nach dem guten Schwein“ (ABER: gute Schweine aber sind rar).

Die an anderer Stelle diskutierte multiple Monogamie ist zwar ein gesellschaftlich akzeptiertes Lebensmodell (sofern nicht öffentlich praktiziert), gilt aber aufgrund des wesentlich höheren Kommunikationsbedarfes in weiten Teilen der Bevölkerung als undurchführbar.

Bis hierhin konnte gezeigt werden, dass die Sinnsuche des religionsbefreiten Individuums stark verworrene Pfade geht. Erschwerend hinzu kommt, dass sich zur deutlich reduzierten Kommunikation eine extrem gesteigerte technologische Abhängigkeit gesellt. Über 66 Prozent der Bevölkerung in Großbritannien leiden an  Nomophobie, der Angst, ohne Handy leben zu müssen. Den „Phantomschmerz“, will heissen die Einbildung, dass das Handy geklingelt haben könnte, kennt man aber auch hierzulande und jeder konnte das an anderer Stelle beschriebene Info-Picking metro-A-sexueller Frauen mehrfach beobachten. Dekontextuiertes Info-Picking als auf die Spitze getriebenes Symbol einer hilflosen Sinnsuche in einer „perfekt“ atomisierten Gesellschaft. Im Mittelpunkt steht immer der Mensch, heißt es in fast jeder Corporate Culture Broschüre großer Konzerne…

Definiere Mensch!

 Übrigens:

Teile des Marketing Buches werden morgen in der Akademie des deutschen Buchhandels vorgestellt.

06.11.

Vortrag (Social Media Schwerpunkt) Akademie des deutschen Buchhandels

Vortragstitel: Die Göttin im Sandkasten an der ansprechBAR oder: Warum Verlage neue Markenstrategien und Vertriebswege brauchen könnten

Ort: München

12.11.

Vortrag (Media Schwerpunkt): “Robinson Krösus Flucht aus Erlenstegen oder: Warum die Marke unbedingt Teil der Lebens-Fernbedienung werden muss, sich die Kommunikation verändert und der Bundestrafficminister Ramsauer Jopi Gottschalk bald nur noch im Klapprechner sehen kann

Ort: Nürnberg zusammen mit dem

Kommunikationsfachverband CommClubs Bayern e. V

es wurde versprochen, laaaangsam zu sprechen….

Anmeldung über die Seite des Bayerischen Kommunikationsfachverbandes:

15.11.

Buchvorstellung im kleinen Kreis (Schwerpunkt: Immobilien Marketing)
Ort: Areal-7, Stuttgart

27.11.

Vortrag in Köln (International Digital Forum) – Vortragstitel: „Der unautonome Angstgartenzwerg im WIRRklichkeitsRAUM oder: Warum plötzlich dank global media jeder in New York deutsch versteht

Veranstalter: OBAN MULTILINGUAL SEO

Anmeldung: über amiando

29.11.

ManagementTrendForum im Schloss Monrepos.

„Unternehmer und TOP Manager im Spannungsfeld zwischen Social Media Verlockungen und technologischen Tücken“

Anmeldung: Schloss Monrepos

30.01.2013

Media für den Mittelstand – Trendtag organisiert von Studenten der Akademie der media als Abschlussarbeit des Kurses “Virales Marketing”