Die Medientage München brachten es auf den Punkt: Da saßen in der Eröffnungsveranstaltung auf der linken Seite Menschen, die von der „Demokratie-Abgabe“ lebten und auf der rechten Seite Stefan Tweraser, Google Deutschland Chef, der, nachdem die Elefantenrunde sich ausgeweint hatte, trocken bemerkte, dass zu viel reguliert würde, was den Verlagsmenschen in der Runde wie eine Rakete zum Firmament steigen ließ.

Stefan Tweraser blieb dann auch auch angesichts der zahlreichen „Sie-werden-schon-sehen“ Bekundungen gelassen und schnell wurde dem Zuschauer deutlich, dass wir in einer Zwei-Welten-Medienlandschaft leben. Auf der einen Seite die 60 plus Sender mit Regierungsauftrag und auf der anderen Seite die junge Online-Welt. Zwischendrin die sterbenden Verlage…

Und plötzlich kommt in einer ohnehin überhitzen Situation ein Vertreter des Staatsfernsehens und spricht von einer Demokratie-Abgabe. Ungeschickt, denn angesichts der Tatsache, dass der Bürger nicht weiß, warum er eine Zwangsabgabe zahlen soll, warum nun auch Behinderte zur Kasse gebeten werden.

Schön nun zu lesen, dass es inmitten aller aufgebrachter Stimmung nun auch einen Mahner gibt, der auffordert, in einen Diskurs einzutreten und als Bürger Verantwortung zu übernehmen, der aber von den öffentlich-rechtlichen Sendern das „Ende der Betäubung“ fordert, dass wir uns das Web zurückerobern müssen, war uns ja seit längerem bewusst…

Es gilt aber nicht nur das Web und die Medien zurückzuerobern, es gilt auch, die Demokratie zurückzuerobern und alte Erbpachthöfe zu zerschmettern. Der Lobbyismus, das wurde in den letzten Tagen allen deutlich, hat einen nicht länger hinnehmbaren  emanzipatorischen Vorgriff vorgenommen, der den Bürger entmündigt bzw. dessen Politikverdrossenheit schamlos ausnutzt. Zum Thema öffentlich-rechtlicher Medienauftrag: Die größte Partei mit über 50% aller Stimmen sind nach wie vor die Nichtwähler (bei der letzten Wahl in Stuttgart waren es über 53 Prozent!).