Gestern konnte man doch tatsächlich lesen, dass es auch Menschen gibt, die facebook ablehnen und deutlich „Nein“ zu allen anderen Exhibitionisten-Portalen sagen.

Facebook, Xing und die Lokalisten, das ist was für jene, die sich darstellen möchten, sagt die Autorin. Anbandelmaschinen nennt sie soziale Netze und das hat sie als verheiratete Frau nicht nötig (noch nicht und wir hoffen, dass es ewig so bleiben möge…)

Ein Blick in die facebook Realität sagt jedoch etwas anderes: Der dort praktizierte Exhibitionismus ist vollkommen asexuell. Zudem verbietet, typisch amerikanisch, puritanistisch verklemmt, facebook jegliches Dating-Verhalten. Facebook ist schließlich eine saubere Institution (was mit unseren Daten passiert, lassen wir an dieser Stelle mal außen vor).

Die Frage ist vielmehr: Was kommt eigentlich NACH facebook? Oswald Kolle und viele andere (die jetzt nur noch in zalando Werbeclips weiterleben) haben für die sexuelle Befreiung gekämpft, das Internet brachte (vermeintliche) Anonymität und man gab sich verwegene Nicknames, ging damit in verruchte Portale und hatte wilde Blinddates, traf sich an Parkplätzen, ging mal eben schnell in den Swingerclub und hatte ansonsten unkomplizierten Spaß – altmodisch, aber damals sehr beliebt…

Heute hingegen verlässt man die Anonymität, geht mit seinem echten Namen in Facebook, erzählt allen, wo man gerade sitzt, was man gerade isst und wo man seinen Espresso nimmt. Eine Statusmeldung wie „ich geh mal eben poppen“ würde als politisch unkorrekt eingestuft und sofort von der Gemeinde verbannt werden. Wer fragt, ob sonst noch jemand Bock auf Sex hat, muss entweder ein Fake sein oder schon deutlich unter 18, um nicht als Outlaw gebrandmarkt zu werden.

Da jeder Trend bekanntlich einen Gegentrend auslöst, kann also abgewartet werden, bis sich die Nation wieder wilder Phantasienamen gibt und sich an mysteriösen Orten zu verruchten Parties trifft. Bis dahin leben wir alle adrett und asexuell in der facebook & Co. Welt weiter, denn wie sonst sollte uns ein potentieller neuer Arbeitgeber finden und wer will denn schon zurück in die Steinzeit und Initiativbewerbungen schreiben? Außerdem: Wer will schon einem Arbeitgeber die Werbefläche wegnehmen??

Facebook, das macht der Artikel deutlich, ist kein Portal, es ist eine reine Religionsfrage: Ich glaube  oder ich glaube nicht. Ich bin katholisch, ich bin evangelisch bzw. ich bin bei Xing oder ich bin bei facebook, ich bin international, also bin ich bei LinkedIn, ich bin liberal, ich bin konservativ, ich bin ein Neutrum…

Ich bin Pirat mit einer Guerilla Marketing Agentur und ich freue mich, dass bei facebook die eindeutige URL „guerillero“ noch frei war:

http://www.facebook.com/Guerillero