Die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele war wirklich bombastisch, farbenfroh und spektakulär. Zwei Dinge brachte die Eröffnungsfeier in London an den Tag: Sie unterstrich Sloterdijks Gedanken zum Thema Formreligiosität und verdeutlichte den Balanceakt des Individuums in den unendlichen Weiten des medienWIRRklichkeitsRAUMes.

Formreligiosität, das konnte man im Rahmen Eröffnungsfeier erkennen, bedeutet die Form in den Vordergrund zu stellen, weil die eigentliche Religion als ungenügend angesehen wird, da sie zu sehr an Inhalten haftet – das aber nur am Rande…

Wichtiger: Im Rahmen der formreligiösen Inszenierung des Regisseurs Danny Boyle wurde deutlich, wie Medienwirklichkeit die vermeintliche wirkliche Wirklichkeit des Individuums beeinflusst.

Wenn die Queen mit James Bond (einer von beiden könnte echt gewesen sein) in den Hubschrauber steigt, um mit ihm einen Fallschirmsprung ins Stadion zu machen, verschieben sich die Wirklichkeitsebenen sehr schnell. Das Phänomen ist nun nicht wirklich neu, im März 1995 wurde dem Fernsehzuschauer vor Augen gehalten, was ein WIRRklichkeitsRAUM ist: Im Rahmen des Wirtschaftsmagazins „WiSo“ wurde Madonna in die Reihe der Regierungschefs beim G-7-Gipfel montiert.

Die Technik war dem Zuschauer seit „Forrest Gump“ bekannt. Tom Hanks, schüttelt diversen Präsidenten wie Kennedy, Johnson oder Nixon die Hand. Für den Zuschauer ist rein technisch die Montage nicht erkennbar. Lediglich die Tatsache, dass er einen Kinofilm betrachtet, lässt ihn in Kombination mit dem Wissen über das Ableben der Akteure, die Montage „erkennen“ oder besser, vermuten. Bei Madonna und den Politikern war das schon wesentlich schwieriger. Und das amerikanische Videospiel „Irak-Krieg“ hatte diverse Schwierigkeitsgrade in Sachen Wirklichkeit eingebaut. Und nun auch noch die Queen, wo soll das noch alles hinführen…