Es ist nun schon eine ganze Weile her, dass Dennis Hopper und Peter Fonda im Film Easy Rider durch die Staaten fuhren und wenn man es sich so recht überlegt, sind coole Jungs wie James Dean, die einfach lässig auf den Bikes saßen, ebenfalls verschwunden.

Aber nicht nur die coolen Jungs, auch die coolen Bikes scheinen verschwunden zu sein. Motorradfahren definiert sich heute anscheinend nicht mehr über Coolness und Emotionen, sondern durch ausgefeilte Technik. Unser Monitoring zeigt, dass Fahrgefühl fast nur noch über Technik definiert wird und deshalb wird auch fast nur in technisch angehauchten Plattformen im Internet diskutiert und gepostet. Dass man mit Motorrädern auch schöne Regionen erleben kann, dass man dadurch Erlebnisse zu zweit oder in der Gruppe haben kann, geht in derartigen Diskussionen unter. Man kommt perfekt von A nach B, dass man Motorrad fährt, um von A auf geile Art und Weise über B nach C und D kommt und liebend gerne über E zurück fährt, das scheint in Vergessenheit geraten zu sein.

Und wo ist er geblieben, der coole Herzensbrecher aus den guten alten Schwarzweiss Filmen? Sollte es keine würdigen Nachfolger von James Dean geben? Die Motorradindustrie, so könnte man den Eindruck bekommen, hat das Motorrad entmystifiziert. Selbst Harley Davidson scheint zum Transportvehikel für den Sommer mutiert zu sein, die Werkstätten haben aufgehört, ihre meist akademischen Kunden zu duzen und sind bürokratischer als so manche Mercedes- oder BMW Niederlassung – mit dem Resultat, dass der ansonsten Anzug tragende Kunde den bereits im Katalog rostenden Auspuff dann irgendwann auch nicht mehr so cool findet…

Natürlich könnte es auch sein, dass der GQ lesende metrosexuelle Mann mittlerweile nur noch auf rosaroten Rollern durch die Stadt fährt, damit er sich beim einparken in viel zu enge Parklücken keinen Fingernagel durch hektisches Einschlagen des Lenkrades abbricht. Die Göttin im Sandkasten fährt ohnehin standesgemäß ein Cabrio, eventuell noch einen schicken Roller, wenn er denn stylish zum Hosenanzug passt. Der von ihr verachtete Playstationspieler schaut ihr schmachtend nach, geht wieder an seine Playstation und fährt dort die richtig harten Maschinen, was die Frage, wo die richtig coolen Jungs sind, immer noch nicht beantwortet. Fakt ist, dass sie sich sicherlich nicht mit den Roller- und Moped fahrenden Kindern auf eine Stufe stellen (lassen) wollen und somit wohl dem Motorrad-Markt den Rücken kehren und sich andere Männerspielzeuge suchen…

Das Marketing so manchen Herstellers reduziert budgetbezogen den universitär erlernten Marketing Mix auf zwei (bezahlbare) Größen: Event (manchmal Rennstrecke, meist aber See) und Flyer (maximal vielleicht noch eine Anzeige in einem führenden Printmagazin, damit der Journalist dort den mitgelieferten Pressetext dann auch abdruckt), eine auf unterschiedliche Alters- oder sonstige Zielgruppen differenzierte Kommunikation ist nicht zu bemerken, punktgenaue Clusterung ebenfalls, was in Summe den Anzug tragenden Ex-Biker dann erfolgreich in die Klapphelmfraktion oder aber in die Oldtimer Szene treibt, denn nur um eine Stripperin zu sehen, muss man ja nicht tausende Kilometer fahren, so etwas gibt es in der Großstadt schon lange.