Nach einem ersten Einstieg in das Thema „Marketing der Unvernunft“ konnte gezeigt werden, dass das Thema „disruptive Innovationen“ kontrovers diskutiert wird und in der deutschen Presse zudem deutlich unterrepräsentiert ist.

Bevor die semantische Abzweigung in Richtung Unvernunft vollzogen wird, soll dem Bildungswilligen die Chance gegeben werden, die Suche statt bei Google in einer klassischen Buchhandlung zu starten.

Marketing der Unvernunft

Semantisches Netz „Marketing der Unvernunft“ (Buchhandel)

Auf den ersten Blick stellt man fest, dass die semantische Aufteilung, wie sie weiter oben beschrieben wurde, in der Buchhandlung keine Gültigkeit besitzt (Grundgesamtheit: Vier Buchhandlungen in drei deutschen Großstädten – Stuttgart wird ausnahmsweise als Großstadt bezeichnet). In den untersuchten Buchhandlungen gab es vom „Marketing“ eine räumliche Trennung zur Wirtschaft, eine semantische Vernetzung könnte somit nicht stattfinden und auch das semantische Netz zur „Unvernunft“ resp. „Vernunft“ müsste virtuell erzeugt werden.

Der Suchbegriff „Vernunft“ ruft beim befragten Buchhändler sofort eindeutige Ergebnisse aus: Kant, was aber zu einen sofortigen semantischen Stillstand führen würde. Verzweifelter Versuch der Buchhändlerin (Grundgesamtheit im geisteswissenschaftlichen Bereich des Buchhandels = 100% weiblich), einen Gesprächsabbruch zu verhindern: Semantische Verknüpfung hin zum Begriff „Verstand“ (die Spieltheorie bleibt außen vor – zu prüfen wäre noch, ob die Logik der Unvernunft zielführend wäre).

Was dem Suchenden an dieser Stelle bleibt, ist der semantische Pfad von der „Vernunft“ zur „Aufklärung“ und von dort zu „Religion“, der Korridor zu den disruptiven Technologien scheint in der klassischen Buchhandlung zumindest nicht möglich oder ist gut getarnt…

Was an dieser Stelle noch bleibt, ist der Gang zum Online Buchhandel. Die Suche „Marketing der Unvernunft“ führt auch in diesem Fall nicht zu disruptiven Innovationen. Amazon differenziert unsemantisch in „Marketing ohne Vernunft“ und „Vernunft ohne Marketing“

Marketing der Unvernunft

Marketing der Unvernunft (amazon)

Auf den ersten Blick hängt die semantische Suche auch bei amazon. Man könnte natürlich das „beste Suchergebnis“ vertiefen und mit Ariely (Wer denken will, muss fühlen) in die Bereiche „Sinn der Arbeit“, „Marktversagen“ und „Emotionalität“ vordringen und semantisch die nächste Metaebene „Wirtschaft erklimmen.

Ein Klick auf „Wer denken will, muss fühlen“ führt zu unsemantischen Ansicht „Kunde, die XXX kauften, kauften auch…“. Neben den Ariely Werken tauchen dann auch schon zielführende Begriffe auf, wie etwa „Unruhe bewahren“ oder „Hört auf zu arbeiten!“, die zu einem Quasi-Zugriff auf das Normative hinleiten,  die Habermas´sche Diskursethik sowie die Appel´sche Letztbegründung einer Norm werden von amazon in diesem Zusammenhang nicht aufgeführt, ebenso wenig wie der Randbereiche „Der Wahnsinn der Normalität“ oder die „Die Pathologie der Normalität“.

Wir halten also nach diesem Exkurs in den Buchhandel fest: Semantisches Denken ist in klassischen Buchhandlungen nicht anzutreffen, amazon forciert durch Produktpräsentationen einen gewissen Ausbruch aus der Normalität, bleibt aber natürlich definitorische Erklärungsansätze und Zusammenhänge schuldig.

Zu prüfen wäre also in einem nächsten Schritt entweder die Gültigkeit des derzeitigen normativen Grundgerüstes oder aber man beginnt die Suche nach der Stelle, an der man falsch abgebogen ist, wobei mit dem Begriff „falsch“ geprüft werden müsste, ob der gegenwärtige Wahrheitsbegriff noch haltbar ist, was aber leicht die Grundfesten unserer Gesellschaft erschüttern könnte, deshalb bleiben wir bei den weiteren Überlegungen beim „Marketing der Unvernunft“. Frei nach Ariely:

Denken hilft zwar, nützt aber nichts