Dass Smartphones das Leben junger Menschen nachhaltig verändern, konnte durch die aktuelle Nomophobie Studie gezeigt werden. Rund 90 Prozent nehmen das Smartphone mit ins Bett, kein Wunder also, dass eine Marktforschungsstudie unterstellt, dass Partner auch schon mal eifersüchtig auf das Smartphone werden (rein rechnerisch nimmt das Smartphone pro Tag gute drei Stunden Zeit, die man nicht mit dem Partner verbringen kann).

Was aber passiert, wenn das nomophobe Single-Wesen sich zusammen tut und beschließt, nur noch als Paar aufzutreten? In diesem Fall versucht das Männchen zum Mann zu werden und der Held fürs Weibchen zu werden (was dieses aber nicht erwartet und womit das Weibchen auch nicht wirklich klar kommen würde). Im ICE zum Beispiel versucht das Männchen den besten Platz zu ergattern, da es aber nicht in der Lage ist Entscheidungen ohne das Weibchen zu treffen, steht es hilflos im Mittelgang und blockiert die anderen Reisenden. Wichtig ist, dass das Daddel-Männchen zwei nebeneinander befindliche Plätze ergattern muss, würde man gegenüber sitzen, müsste man wohlmöglich Konversation betreiben.

Sobald das Daddel-Paar einen Platz gefunden hat, wo es nebeneinander sitzen kann, zeigt es tradierte Füttertriebe. Er hält die erjagte Beute in Form einer chinesischen Glutamat-Box, beide stochern liebevoll und ritualisiert in der unförmigen Masse.

Nach dem „Essen“ packen beide ihren Kompass durch den WIRRklichkeitsRAUM aus. Sie holt ein Smartphone der Android Klasse aus der Handtasche, er ein iPad aus dem Rucksack. Beide spielen auf ihren Lebensfernbedienungen. Die Kommunikation findet in der Form statt, dass er eine Spiele-App aufruft, ein Labyrinthspiel. Er macht den ersten Zug und schiebt ihr „liebevoll“ sein iPad hinüber worauf sie auch einen Zug macht…

Für den Außenstehenden zeigt sich, dass die Beziehung der beiden auf eine wärmegebende Funktion reduziert ist, es zieht ja in ICEs meist sehr stark und so tut man das, was früher als „kuscheln“ bezeichnet wurde (allerdings ohne die veraltete Gefühlsebene).

Die Art und Weise des Umgangs lässt darauf schließen, dass er auf die Funktion des Bio-Kissens reduziert wurde, sie legt den Kopf an seine Schulter ohne ihr Daddel-Spiel zu unterbrechen. Auf der Bahnfahrt von Hamburg nach Berlin wurden keine 10 Sätze getauscht! Es kann davon ausgegangen werden, dass er keine Problem macht, den Müll runter trägt und auch sonst nicht schmutzt. Wenn sie Besuch von ihren Freundinnen bekommt, beschäftigt er sich still in seinem Arbeitszimmer.

Er ist auch kräftig genug, um am Reihenhaus Hand anzulegen und wenn sie das Smartphone mal zur Seite legen sollte, um mit ihm leidenschaftslos einen Zeugungsakt zu vollziehen, wird er sicherlich ordentlich und gesittet seine Pflicht und Schuldigkeit tun.

Wie nur, fragt man sich, konnten sich die beiden Kuscheltiere überhaupt kennenlernen? Snapchat und dann die Katze im Sack gekauft? Möglich, aber wenig wahrscheinlich, denn dann hätte man ja auch virtuell bleiben können. Bang with Friends? Unwahrscheinlich, die beiden Kuscheltiere sind zu „SOWAS“ nicht im Stande, es bleibt also nur ein reales Event, ein Single-Treffen. Der Begriff Single-Treffen ist unverfänglich, da kann man schon mal hingehen, so ganz unverbindlich…

Single-Treffen werden traditionell von Single-Frauen veranstaltet, die keinen Bock auf oder Angst vor Blind-Dates haben. Beliebt für solche Treffen sind Tapas Bars mit langen Tischen an den man sich austauschen kann. Das Single-Treffen verläuft immer stereotyp: Die beiden veranstaltenden Frauen (es sind immer Frauen) stehen auf der linken Seite des langen Tisches und warten auf Teilnehmer. Der erste männliche Gast begrüßt die Frauen artig und bestellt sich dann ein Weizenbier, das er dann auf der gegenüberliegenden Seite des langen Tisches in sich reinschüttet. Der zweite Weizenbiertrinker muss dann nicht mehr artig grüßen, er geht gleich zum Weizenbier-Langweiler und bestellt sich sein Weizenbier mit dem er dann zur Frauenecke rüber prostet. Im Laufe der Zeit bilden sich zwei Lager: Langweiler auf der einen und Frauen auf der anderen Seite. Die männliche Kategorie „gutes Schwein“ gesellt sich bei solchen Treffen zur weiblichen Seite und hat nach 2-3 Caipirinhas freie Auswahl…

Am Ende eines Single Abends gehen guten Schweine mit 1-2 Frauen nach Hause und haben Spaß. Die Weizenbiertrinker gehen auch nach Hause und schreiben den Mädels auf der anderen Seite, dass sie den Abend so toll fanden. Nach 3-5 Monaten schreiben, einem Zoobesuch, diversen Kaffeeverabredungen und einem Abendessen werden sie dann ein Daddel-Paar.