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Dekontextuierter Wochenstart
Es konnte an anderer Stelle bereits gezeigt werden, dass die Headline wichtiger als der Inhalt ist und so soll die Woche auch dekontextuiert begonnen werden.
Italien: Erdbeben vernichtet tonnenweise Parmesan-Käse: Muss die Pasta bald ohne Parmesan auskommen?
“Gottes Segen” gibt Bundespräsident#Gauck Norbert #Röttgen zum Abschied mit auf den Weg – und Peter #Altmaier zum Start ins neue Amt.
Hierzu ein Zitat von Sloterdijk: Der homo religiosus, der sich mit surrealen Riten an die Überwelt wendet, darf den verdienten Abschied nehmen.
…und wo wir gerade beim Thema Philosophie sind:
Wenn man auf einen Apfelchip beißt, hört es sich an als würde man ein Insekt zerkauen. Wissen jetzt auch die anderen in der Tram.
— Fräulein van Thom(@madame_tam_tam) Mai 22, 2012
Mind Store Marketing wünscht einen guten Start in die neue Woche…
Crowdguessing Brokerage: Trading für Arme
Die Facebook Aktien, so kann man heute überall lesen, werden für 38 Dollar ausgegeben. Das bedeutet so viel, dass Facebook bzw. Mark Zuckerberg ca. 16 Milliarden Dollar in die Kriegskasse gespült bekommt.
Rechtzeitig zum Börsengang startet das Handelsblatt mit einer „spektakulären Innovation“: Via twitter oder Facebook können User eine Schätzung abgeben, wie viel die Aktie am Ende des Tages Wert ist.
An dieser Stelle kommt dann die irritierte Frage zum Wochenende auf: Gibt es denn die Börse nicht mehr?? Dort konnte man früher solche „Wetten“ gewinnbringend platzieren…
Fazit: Crowdguessing – für alle, die sich nicht mehr trauen, Entscheidungen zu fällen, aber doch noch ein wenig dabei sein wollen…
Gesellschaft 2.0 – Erregungsaufschieber, der Papst und andere Künstler
Früher (als alles noch VIEL besser war) traf sich der Mitarbeiter eines Unternehmens (egal ob Konzern oder Mittelstand) an der Kaffeemaschine und erzählte erst einmal, wie spannend der gestrige Abend war. Übersetzt: man tauschte sich über das Fernsehprogramm des Vorabends aus.
Ganz früher, also lange bevor es die metro-A-sexuelle Frau moderner Prägung gab, die twitternd mit Sonnenbrille und Ohrenstöpseln vor #sg, #bsf oder #ST saß und parallel die facebook Kommentare bearbeitete, da gab es noch sogenannte Straßenfeger, das waren Filme wie „Das Messer“ von Francis Durbrige und am nächsten Tag, man stelle sich das vor, hatte die ganze Nation diesen einen Film gesehen. Lange Sätze wie der Vorherige konnten aufgrund des besseren Bildungsstandes (man beachte den Genitiv) noch nach einmaligem Lesen verstanden werden (und wie oft hast du jetzt von vorne angefangen?).
Parallelnutzung von Medien gab es de facto nicht. (Durbridge Filme hatten Marktanteile von ca. 90 Prozent – kein Wunder, denn es gab ja nur ARD und ZDF). Doch kehren wir zurück zum Büroalltag: Heute ist das erste, was der moderne Arbeitnehmer tut, wenn er morgens ins Büro kommt, nicht mehr der Gang zur Kaffeemaschine (die wurde ohnehin eingetauscht gegen eine Espresso-Maschine von den Jungs, die ständig mit Klavieren werfen und sich dann wundern, wenn sie in einen Shit Storm geraten), sondern er twittert erst einmal #kaffee (dieser hashtag rangiert gefühlt dicht hinter #duschen, was dann zu unzähligen Re-Tweets führt und dann erst zu einem Gang an die Espresso-Maschine (von den Jungs mit dem Klavier und dem Botschafter mit einem Schild zwischen den Eiern). Dann begibt sich der Homo Office-Socialis an seinen Arbeitsplatz und lässt den Gedanken freien Lauf (er nennt es Arbeit, aber wenn man die Anzahl der Facebook Postings zusammenzählt, die Mittagspause sowie die Zeit an der Espresso-Maschine abzieht, dann fängt man an, nach anderen Begrifflichkeiten zu suchen). Der Homo Sozio-Optionalis liest nach den Meldungen aus dem Facebook Account und den Twittermeldungen zunächst einmal alle Mails, telefoniert ein wenig, verschickt die eine oder andere SMS, googelt und ist dann eigentlich auch schon bereit für die Mittagspause.
Prokrastination nennt die Psychologie dieses Verhalten. Chronisches Aufschieben: Der Begriff kommt vom lateinischen Verb „procrastinare“, was so viel bedeutet wie: etwas aufschieben, vertagen. In der Literatur werden zwei Typen von chronischen Aufschiebern unterschieden: Der sogenannte Erregungsaufschieber. Er braucht den Kick, der ihn erst angesichts eines sehr nahen Abgabetermins ans Arbeiten bringt und ihn dann nächtelang durchackern lässt. Der Vermeidungsaufschieber. Er leidet an Versagensängsten und vermeidet es, sich an unangenehme Aufgaben zu begeben, um an ihnen nicht zu scheitern. Die Web 2.0 Falle scheint dabei überall zu stehen. Im „Gefällt-mir-Modus“ ist der Homo Sozio-Optionalis prädestiniert, in jede virtuelle Falle zu stolpern und sein Leben genussvoll zu ruinieren.
Die Wissenschaft geht davon aus, dass ca. 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung vom Trendleiden Prokrastination betroffen sind. Den Typus Erregungsaufschieber kennt man seit Jahren aus der akademischen Welt, denn nahezu jeder Student hat vor Prüfungen plötzlich sogar den Hausputz und das Abspülen geliebt. Nach dem finalen Examen war die (Hausputz)“Krankheit“ jedoch schnell und für immer verflogen. Heute jedoch verlängert sich das Prokrastinieren stringent in die Unternehmen. Dort kann man den Begriff wegen seines lateinischen Ursprungs und der gebachelten und gebeutelten Ausbildung nicht mehr aussprechen und deshalb lebt man dort zeitnah. Er vermeidet Entscheidungen, um nichts falsch zu machen und womöglich dadurch seinen Job zu verlieren. Er kommt aus Meetings quasi nicht mehr heraus (wie er sich ernährt ist noch nicht restlos aufgeklärt) und er stimmt sich ab, was den Entscheidungsprozess auf eine neue Ebene hebt, auf der man von vorne anfangen kann.
Halten wir an dieser Stelle fest: 20 Prozent der Bevölkerung leiden an Prokrastination, weitere 30-40 Prozent leben zeitnah und stimmen sich fröhlich mit Kollegen ab (was wirtschaftliches Leben erlahmen lässt) 10 Prozent sind im Staatsdienst und verwalten sich selbst (in Griechenland sind es 25% mit bekannten Folgen), 2-5 Prozent der Bevölkerung gehören zur Kapitalintelligenz, wir nennen sie Robinson Krösus & Friends, sie haben angewidert von diesem Zustand, das Land verlassen und leben auf einer Schweizer Insel (für alle gebachelten Studenten: Zugegeben, dieser Satz war auch etwas lang, aber dafür enthielt er keinen Genitiv).
Was bleibt, sind ca. 20-25 Prozent der Bevölkerung, die mit klassischer Arbeit versuchen müssen, das Bruttosozialprodukt so hoch zu halten, damit der Rest der Bevölkerung sein Dasein als Hartz-IV-Fernsehgemeinde (Sender brauchen dringend Quote!) in angenehmer Weise weiterfristen kann (außerdem: wer will schon brennende Autos) und einer muss ja auch die Diäten der Politiker finanzieren (schon wieder zu lang der Satz, schon klar). Erschwerend kommt an dieser Stelle noch hinzu, dass dieser Teil der Bevölkerung bald nur noch in Freigehegen oder Reservaten zu beobachten sein wird, denn laut Demografie-Bericht der Bundesregierung halbiert sich die Anzahl der Erwerbstätigen bis 2050. Ohne Zuwanderung, und das wird den braunen Hirnen dieses Landes nicht gefallen, gehen Deutschland die Arbeitskräfte aus. Ohne besondere Berücksichtigung der Prokrastination sind demzufolge eine halbe Million Einwanderer nötig.
Wie aber kommt die Nation aus der prokrastinierenden Zeitnah-Falle? Diese Frage wird immer wichtiger, denn diejenigen, deren Kreativität durch zeitnahe Kollegen blockiert wird, werden bald zu einem ernsten Problem für das Gesundheitswesen, denn Frustration erhöht die Anzahl psychosomatischer Krankheiten. In Anlehnung an das Papst Motto „Wer will schon Ökumene“, muss an dieser Stelle die vorliegende Deduktionskette erweitert werden: „Wer will schon Katholiken?“. Es folgt die Ausrichtung der Gesellschaft auf den Taoismus oder wie Laotse sagt: „Im Nichtstun wird alles getan“, was einem konstruktiven Prokrastinieren gleichkäme. Konstruktiver Destruktivismus 2.0
Lehnen wir uns also fatalistisch zurück, drücken fröhlich auf „gefällt mir“ und schauen erwartungsvoll auf die Ergebnisse.
Übrigens: Für alle hyperaktiven Manager, die die Füße nicht stillhalten können, die entgegen des hier skizzierten Trends noch etwas bewegen wollen, bieten wir, vollkommen rezeptfrei Trendtage an…
Nespresso Espresso Strikes Back
“Hello, bitte sehen sie Nespresso Antwort auf das Video von Solidar Suisse, danke schön!”, so lautet die verschlüsselte Botschaft mit Nespresso Espresso Logo in unserem Twitter Account. Wir folgen dem dort angegebenen Link und lesen die Antwort der Nespresso Espresso Dealer: “Nespresso lancierte sein AAA Sustainable Quality Program in Zusammenarbeit mit Rainforest Alliance auf der Basis Sustainable Agriculture Network Standards für Faire Behandlung und gute Arbeitsbedingungen neben ökonomischen und ökologischen Standards. AAA Kaffee Farmer profitieren von einem Premiumpreis von rund 30% – 40% über dem Marktpreis, damit deutlich über dem Fair Trade Mindestpreis. Im Jahre 2010 kamen 60% des Nespresso Rohkaffees aus dem AAA Program, das Ziel 80% bis 2013“.
Übersetzt bedeutet das: Wir tun schon was, wir tun sogar sehr viel, aber wir sagen es halt etwas umständlich und wir sagen auch nur dann, wenn George Clooney was zwischen die Eier bekommt…
Fazit: Wer mit Klavieren schmeißt und dicke, unfreundliche Verkäuferinnen in seinem Stuttgarter Outlet hat, der hat auch ein gutes Social Media Monitoring. Zumindest sollte man das vermuten. Aber die Jungs aus der Schweiz haben uns zwar auf Twitter “gefunden”, die wesentlich grössere Facebook Gruppe ist dem Sender verschlüsselter Botschaften verborgen geblieben…
Und wenn uns die eidgenössischen Nespresso Espresso Dealer hier direkt angeschrieben hätten, hätten wir ihnen unser Nespresso Espresso Salat-Rezept geschenkt, das mit der legendären Nespresso Espresso Vinaigrette…
Also: Wenn ihr die Klöten von George wieder regeneriert und euren Ruf wieder auf Tripple A gebracht habt, wir wären dann gesprächsbereit und hätten a) ein gutes Social Media Analyse Tool und b) jede Menge gute Ideen…
Sozialautisten im Sommerloch
Sommer 2011: An DEM Tag haben wir Picknick gemacht. Gegen Ende wird der Sommer dann doch noch Mal heiß. Im Mittelpunkt steht der kühle Norden. Die CDU verliert einen Spitzenkandidaten, und das ausgerechnet dann, wenn die Partei es ein Mal geschafft hat, bei der Jugend gut anzukommen….
Und dann reitet auch noch der oberste Datenschützer (im Grunde genommen auch er ein Sozialautist) eine Attacke gegen facebook – aus Feigheitsgründen natürlich nur indirekt. Aus südlichem Sommerblickwinkel alles in allem nichts wirklich Dramatisches, denn bei fortschreitender Klimakatastrophe steht Schleswig-Holstein ohnehin bald unter Wasser…
Ebenfalls aus dem Norden kam DIE Nachricht der letzten Woche: Der Melitta Mann lebt. Für den Liebhaber schlabbriger schwarzer Brühe wurde er wieder zum Leben erweckt bzw. wird es am 24. August qua TV Ausstrahlung. Der Foltertüten Hersteller aus Minden (Freud´scher Versprecher) setzt somit voll auf die Masse der männlichen Gesellschaft, die Playstation Spieler. Der weichgespülte Barista wird gegen George Clooney und herabfallende Klaviere ins Rennen geschickt und es bleibt zu befürchten, dass die Masche Erfolg haben wird, die metro-A-sexuelle Frau wird den Typ „Koffeinfreier Mann“ sicher auch lieben.
Kaffee bzw. #kaffee scheint bei twitter gleich nach #duschen gefühlt auf Platz zwei zu rangieren. Man braucht die Brühe einerseits, um morgens in Gang zu kommen, andererseits lernt man viel über das Sexualverhalten von Twitter-Frauen. War früher der Kaffee der Startschuss für einen vielversprechenden Abend (JA, ich komme GERNE auf eine Kaffe mit hoch…), so ist #kaffee heute Ausdruck einer neuen Sexualität
Am Ende des Wochenrückblicks kann festgehalten werden: Der Leser dieses Beitrages hat erstens, mindestens zehn Fenster geöffnet und zweitens, die metro-A-sexuelle Frau ist nicht unbedingt nur sozialautistisch oder verpeilt, sie ist ganz einfach nur verhaltensoriginell und das Leben als solches ist einfach kompliziert….
Was aber ist wirklich neu in diesem Sommer? Ganz einfach: Mind Store Marketing hat einen neuen Bürohund aus dem Tierheim geholt, er ist Casting Spezialist, wir lernen viele blonde Frauen kennen, er nimmt zum Schmusen immer Anlauf, er bestimmt, wer auf das Grundstück kommt und vor allem, wer wieder gehen darf. Er ist ein Do Khyi UND: der Briefträger ist jetzt DEUTLICH schneller geworden…
Duscht du schon? Neue Aspekte für Hersteller von Duschen.
Früher sagte man: Golfen Sie schon oder haben Sie noch Sex? Heute müsste die Frage umformuliert werden: Duschen Sie oder haben Sie noch Sex? Es kann festgehalten werden, dass sich die „Sportarten“ mittlerweile drastisch geändert haben. Zu der Statusmeldung „ich geh dann mal Laufen“ gepostet von metro-A-sexuellen Frauen bei facebook hat sich ein „Ich bin dann mal duschen“ bei twitter gesellt (zweifelsohne einer der gängigsten Tweets). Das metro-A-sexuelle Weibchen signalisiert mit dem #duschen, dass sie unter der sexy H&M Kleidung theoretisch wie praktisch nackig ist und simuliert somit die nicht (mehr) vorhandene Sexualität. Das Playstation-Männchen tut dann so, als ob er auch mit duschen wolle bzw. es auch dürfe…
An dieser Stelle wird jedoch schnell deutlich, dass hier auf der Seite des Männchens der Wunsch der Vater des Gedanken ist und auch die metro-A-sexuelle Frau tastet sich mehr theoretisch in Richtung eines erweiterten MöglichkeitsRAUMes . Weitere Erkenntnis: Kurz vor der Quarterly Crisis, soviel erscheint gesichert, wird geduscht…
Vereinzelt kann beobachtet werden, dass sogar recht provozierend mit dem Thema Duschen umgegangen wird. und weil man sich sicher sein kann, dass ohnehin kein Männchen Anstalten machen wird, mit unter die Dusche zu kommen, kann Frau sich sogar extrem weit aus dem Fenster lehnen bzw. auch die unerfahrene junge Frau kann sich durch das Thema Duschen gefahrlos an eine vermutete Sexualität wagen… (irritiert zwar durch die die These einer Guerilla Marketing Agentur, wonach “duschen” das moderne Wort für nicht mehr vorhandenen Sex zu sein scheint, aber das ist dann nochmals eine andere Sache…)
An dieser Stelle kann festgehalten werden:
- Duschen passiert längst nicht mehr zu Reinigungszwecken
- Kein einziger Hersteller von Duschen geht auf dieses Phänomen ein: Weder Duravit noch Kaldewei oder Bette.
- Wir sind käuflich und helfen Herstellern von Duschen gerne in Social Media Welten
- Unabhängig davon: Twitter Frauen scheinen mehr unter der Dusche zu stehen als im realen Leben
- Last but not least: Bietet man einer Duscherin einen realen Teller Spaghetti an, wird man sofort wegen zu großer Sexualitätsnähe entfreundet und entfolgt…
FAZIT: Das mit dem Duschen, es ist kompliziert…
Jacques Tati – Von der Umkehrung der Kommunikation
Sonntag, 27. März: Es war Wahlsonntag und die twitter Gemeinde kämpfte sich zaghaft aus den Betten. „Sommerzeit“ und „Zeitumstellung“ waren neben Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Trendbegriffe des Tages. Am Nachmittag gesellte sich dann noch „Kuchen“ dazu, kurz vor den ersten Hochrechnungen dann noch „Wahllokal“ und „#LTWBW“ und kurz vor 18.00 Uhr dann auch #hochrechnungen und dann ein weiteres Trendwort die „Grünen“. In guter alter CDU Trauer Tradition dann auch die erste Facebook Gruppe: „wir wollen unsern Mappus wieder“. Kehrtwende dann am frühen Abend, ein neues Zauberwort taucht auf: „Überhangmandat“.
Zwischendrin, und das könnte jetzt für den „Rohrreiniger“ sehr interessant sein, jede Menge „Mapschiedsseiten“ und Microsites zum Thema „CSU-Restlaufzeiten“ und auch wir haben als Guerilla Marketing Agentur einen Geigerzähler installiert, der exemplarisch zeigt, dass man mit einem Augenzwinkern fast jedes Thema aufgreifen kann – sponsored by Rohrreiniger…
Was aber hat das alles mit Jacques Tati zu tun? Ganz einfach: Man sollte sich gelegentlich in die alte Welt zurück beamen. Das beste Beispiel hierfür ist Tatis Film „Die Ferien des Monsieur Hulot“. Der Film ist alles andere als als Timeline kompatibel, keine Reduktion auf 140-Zeichen-Botschaften und er ist alles andere als schnell geschnitten. Langatmig auf den ersten Blick, dann aber merkt man die Tiefgründigkeit, mit der Tati Bilder malt. Jede Pointe wird mitunter extrem lange aufgebaut und langsam reiht sich Geschichte an Geschichte…
An dieser Stelle fragt man sich, was französisches savoir vivre aus dem Jahre 1958 und Timeline Kompatibilität zu tun hat. Ganz einfach: Nur wer Geschichten erzählen kann, kann faszinieren und nur wer weiß, was den Kunden fasziniert, hat den Kunden verdient…
High Noon: Das Social Media Duell im Morgengrauen. Oder: Langweilige Firmeninterna prallen gnadenlos auf sozio-virtuelle Welten. Untertitel: Vom unendlich harten Leben der Rohrreiniger (Teil 1)
Showdown auf der Hauptstraße. Zwei Revolverhelden stehen sich mit geladenen Pistolen gegenüber. Entschlossen bis zum Letzten. Der Colt sitzt locker. Die Anspannung ist groß. Und dann der erste Schuss: Eine Führungskraft murmelt ferngesteuert und wüst entschlossen „Wir müssen was mit Social Media machen“ (dieser Satz aus der Stille des Raumes ist aus alten Zeiten bekannt als: Wir müssen ins Internet…). Im Hinterkopf die klare Vision: Koschtengünschtig sein (wie es der Schwabe ausdrückt).
Die gesamte Tragweite des Satzes „wir machen was mit Social Media“ ist den wenigsten Managern bewusst. In Konzernen hat man vielleicht die eine oder andere positive Erfahrung gemacht, übersieht aber gerne, dass nicht jede Sparte oder jedes Produkt socialmediatauglich ist und der Mittelstand verkennt, dass die Vision „koschtengünschtig“ auch richtig teuer werden kann, weil man dadurch eine faire Chance hat, die Marke oder das Image der Firma zu ruinieren.
Übersehen werden im allgemeinen Social Media Zirkus meist zwei wichtige Kenngrößen: Timeline Kompatibilität und sozio-kognitive Dissonanz.
Sowohl der Koschtengünschtig-Wahn als auch die blinde Aktionismus-Variante sehen nur 16 Millionen potentielle Kunden die man koschtengünschtig erreichen kann (theoretisch könnte) und so gerät die Systematik von Social Media schnell in Vergessenheit. Die damit verbundenen Gefahren für die Marke werden vollends ausgeblendet. Vergessen wird in der ersten Euphorie fast immer, dass Social Media eben nicht nur facebook, sondern wesentlich mehr ist.
Unabhängig davon: Social Media Marketing bedeutet Content, spannender Content, gerne auch witziger Content, interessanter Content, der timeline kompatibel sein muss. Wenn die Marke nicht religiös ist oder das Produkt nicht sexy genug, straft dies die Social Media Gemeinde gnadenlos ab. Hierbei wird von den Verfechtern der koschtengünschtigen Variante dann auch vergessen, dass Social Media nicht nur Ablehnung (früher: Zapping) bedeutet, sondern unter Umständen auch aktiver „Gegenwind“ und im schlimmsten Fall Mobilmachung (siehe Kitkat).
Es folgt der Versuch, Entscheidern den Leidensprozess verkürzen zu können in Form einer kurzen Anleitung zum Unglücklichsein. Hierzu nehmen wir ein nicht-timeline kompatibles Produkt/Dienstleistung wie beispielsweise Bestattungen (= hohe kognitive Dissonanz – wer will sich schon mit dem Tod auseinander setzen – wobei es hier eine herausragende Ausnahme gibt), Stützstrümpfe (der Slogan Erotik fürs Krampfadergeschwader funktioniert nur bedingt…) oder „Rohrreinigung“.
Der Rohreiniger wird angerufen, wenn alle verzweifelten Versuche fehlgeschlagen sind, die stinkende „Suppe“ aus dem Küchenausguss heraus zu bekommen. Der Rohrreiniger zwängt dann heldenhaft eine Spirale in die Brühe und treibt sie mit einer Maschine in die Tiefe. Er berechnet dabei nach Metern. Wenn der Kunde am Ende die Rechnung bekommt, wird jedes Mal spekuliert, ob die Spirale den Erdmittelpunkt erreicht hat, aber das ist ein anderes Thema…
Jeder Verbraucher hofft also, genau diese Dienstleistung nie in Anspruch nehmen zu müssen. Der Rohrreiniger hat es also sehr schwer mit Marketingmaßnahmen. TV oder Radio-Werbung scheidet aus, denn für 30 Sekunden bei TV Total müsste er tatsächlich bis zum Erdkern bohren. Ausserdem: Wenn der Rohrreiniger in München sitzt, wären die Streuverluste viel zu groß. Auch Radiowerbung scheidet aus, denn auch wenn viele Radios in der Küche stehen, sie wirkt nur, wenn der Schadensfall auch parallel eintritt, was statistisch allerdings fast unmöglich ist, aber das hatte auch die Atomlobby vor dem Japan Unglück über Atomkraftwerke gesagt…
Zurück zur Rohrreinigungsfirma: Nachdem er sich entschlossen hat, keinen sechsstelligen Betrag für einen 30-Sekünder im Blockbuster Film zu investieren und auch lieber Radio zu hören als Radio zu finanzieren, geistert ihm das schwäbische „kostengünschtig“ durch den Kopf bzw. die Long Version: Social Media kostet nix! Und so fällt beispielsweise eine einsame Entscheidung für die Einrichtung eines Twitter Accounts.
Der Twitter geübte weiss: Wenn man in die Timeline die Nachricht streut: „…reinigt jetzt das Rohr“, könnte dies witzige Retweets auslösen und auch die Nachricht „kommt mal eben zum Rohrreinigen vorbei“ könnte Beifall der weiblichen Twitterwelt auslösen. Alles aber unter dem Aspekt, dass da jemand versucht, einen Witz zu reissen. Wenn die Twitter Gemeinde merkt, dass da jemand eine kommerzielle Dienstleistung verkaufen will, dann könnte der SPAM Schuss nach hinten losgehen. Ergo: Die Twitter Timeline erscheint aufgrund ihres News und Self Expression Charakters (witzige und sinnentleerte Posts inklusive) vollends ungeeignet (es sei denn, man ist wie der weiter oben zitierte Bestatterblog authentisch…)
Schicken wir den Rohrreiniger also jetzt zu facebook. Dort würde er zumindest schon mal auf 81 Personen treffen, die die Gruppe „geh rohrreiniger trinken“ witzig findet, aber die im Vergleich zu Twitter deutlich spaßorientiertere facebook Community wird eine Dienstleistung wie Rohrreinigung nicht wirklich überzeugen. Der Facebook Fan ist deutlich oberflächlicher, ein „gefällt mir“ könnte man eventuell einsammeln, die Dienstleistung Rohrreinigung jedoch könnte man über Facebook nicht wirklich bewerben, zumindest nicht ohne einen größeren finanziellen Kraftakt. Wir erinnern uns: Nur 0,05 Prozent aller Werbeaufwendungen bei facebook erreichen den Endkunden und auch hier muss der Facebook User schon mit dem Schlauchboot durch die Küche paddeln, damit die Rohrreiniger Werbung im Relevant Set landet (für den Rohrreiniger: jetzt pumpen…)
Die Japan Katastrophe hat gezeigt, Facebook Fans sind an der Oberfläche lebende spaßorientierte Menschen, denen es wichtig ist, einer Gemeinschaft anzugehören und dort aus dem realen Leben „berichten“ zu können: „ich geh dann mal Espresso trinken“ oder „freut sich auf den Urlaub“ (ab Mittwoch/Donnerstag wurden dann die Facebook Profile „politischer“ indem man die guten alten „Atomkraft nein danke“ Buttons ans Profilbild klebte…). Im Gegensatz dazu, ist der Twitterer durchaus an politischen Themen interessiert und der Zwang zu kommunizieren ist deutlich höher (für Rohrreiniger: Der Twitterer kommuniziert, NICHT du…)
Das Japan Drama hat zudem gezeigt: Twitter Kommunikation ist zum einen extrem kurzlebig, ist ein #hachtag (für den Rohrreiniger: spricht man „häschtäg“) erst einmal in den Trendthemen, wird gnadenlos zu dem Thema getweetet und geretweetet (der Rohrreiniger hat keine Chance in die #hachtag Trends zu gelangen). Die Halbwertzeit einer Information bei twitter ist (im Gegensatz zu Plutonium mit über 24.000 Jahren) eher im Minuten- oder Stundentakt zu sehen (der Rohrreinigerfirma, um beim Thema zu bleiben, muss deshalb dringend empfohlen werden, aus jeglicher Timeline Taktung auszubrechen). Zur Untermalung der These hier exemplarisch die Highlights der letzten Wochen: Ein Lügenbaron wurde von einem Diktator aus den Trends gedrängt, der wiederum hinter einer großen Welle in Deckung ging. Zwischen all diesen Trends nun rudert unverdrossen unser Kanzler: der Zick-Zack-Kurs geht vom sichersten Kraftwerk der Welt bis hin zur sofortigen Stilllegung (und auch Wendehals Röttgen findet die Diskussion um Kernkraft deplatziert und tritt dann aber doch auch in den Ruderklub ein):
Zwischendrin dann noch das perfekte Chaos (unvorstellbar, wenn dies einem Rohrreiniger passieren würde): Das Deutsche Atomforum wird attackiert. Unter dem Namen des Lobbyverbandes werden satirische und zynische Beiträge im Internet verbreitet. Besonders irritierend dabei die „Warnungen“ des vermeintlich „richtigen“ Accounts. Was richtig ist oder nicht, weiß in diesen Tagen ohnehin niemand mehr…
Wen also wundert es, dass in Folge auch die aufgescheuchte Twitter Gemeinde die wüstesten Vermutungen zwitschert (was wiederum blankes Entsetzen auf der Profiseite auslöst, es wird gar von der Unerträglichkeit des twitter Seins gesprochen…)
Inmitten des Kernschmelzwahns (ob der Rohrreiniger hier einen angemessenen Platz findet, darf nochmals angezweifelt werden) dann auch richtigerweise Mahner, die auf den Diktator hinter der Tsumaniwelle hinweisen und dann aber wieder die Rückkehr zu den “wirklich” wichtigen Themen…
Am Ende der Woche dann nochmals Aufregung bei twitter: Nachdem die #japan Katastrophe durch #magath und andere Banalitäten unterbrochen wurden, dann die deutliche Empörung über die deutsche Enthaltung zum Thema Flugverbot – wer will schon mit China und Russland auf der selben Stufe stehen. Das will nicht mal mehr der kostenbewusste Rohrreiniger…
Turbulentes Wochenende weiterhin durch zwei weitere bittere Nachrichten: Die Twitter Gemeinde trauert um #knut - und wieder schaut der Rohrreiniger in die Röhre, denn so süß wird er nie sein… Nachricht Nummer zwei: #klitschko hämmert medienunwirksam in der ersten Runde seinen Gegner nieder. Und weitere Irritation dann noch am Rande: Trotz Verlusten ist man in der Politik eigentlich immer irgendwie Gewinner…
Zwischenergebnis: Der Rohrreiniger hat aber bis an diese Stelle verstanden, dass TV Werbung teuer sein kann, er hat in diesem Zusammenhang noch das Wort „Streuverluste“ gelernt und damit die Verwirrung noch größer wird, erzählen wir ihm nun noch, dass die Fernsehforschung keinen Sensor an die Klotüren anbringt. Darüber hinaus kann sich der Rohrreiniger nicht sicher sein, dass sein Werbespot wirklich gesehen wird oder ob sich seine Zielperson am Kühlschrank befindet, um sich ein neues Bier zu holen, denn auch dort fehlt der Sensor…
Bis hier hin können wir darüber hinaus für Rohrreiniger und Stützstrumpfproduzenten festhalten: Während bei Facebook gilt, dass nicht jede geistige Blähung gepostet werden muss, wird bei twitter die Farbe der Blähung und der Geruch bis ins Detail diskutiert…
Frage: Was hat das alles jetzt mit der Überschrift zu tun? Antwort: zunächst einmal gar nichts, aber in der Wissenschaft gilt immer der Grundsatz einer hinreichenden Herleitung. Aus Rücksicht auf das allgemeine Bildungsdefizit des Landes wird an dieser Stelle die sozio-mediale Betrachtung unterbrochen, damit niemand durch allzu lange Texte überfordert wird. Morgen geht es weiter mit dem spannenden Thema High Noon: Das Social Media Duell im Morgengrauen oder wie der Rohrreiniger doch noch an kostengünstiges und vor allem effizientes Marketing kommt….
Herr Dr. zu Guttenberg
Und wieder herrscht ein Sturm im Wasserglas: Der Vorzeigeminister hat angeblich abgeschrieben. Die Bildzeitung bringt es auf den Punkt: Endlich hat man etwas “Solides” gefunden, auf das man sich stürzen kann, der Saubermann hat geklaut…
Wie die Forschungsergebnisse der Echtzeitkommunikation zeigen, haben solche Attacken jedoch nur eine begrenzte Halbwertzeit und spätestens der Ombudsmann der Universität wird Klärung bringen. Einem Charismatiker, so haben die Studienergebnisse ebenfalls gezeigt, kann so etwas nicht schaden.
Was der (sicherlich richtige) Kommentar der Bildzeitung allerdings zeigt: “Lieber Dr. zu Guttenberg” bedeutet übersetzt, dass a) die Bildung der Nation vollkommen im Arsch ist. Nomifizierung hin oder her, ein höfliches “Herr” zwischen “Dr.” und “zu” hätte schon noch Platz gehabt…
Und dass b) ein “summa cum laude”, auch wenn es sich die Halbgebildeten nicht vorstellen können, von einem Professoren Kollegium vergeben wird und nichts mit der Großzügigkeit eines einzelnen Doktorvaters zu tun hat.
Und was will uns der vorliegende Beitrag zeigen? Ganz einfach: Herr Dr. zu Guttenberg ist einfach perfekt, um einen Artikel in die Twitter Trends zu heben und darüber hinaus auf die eigene Trendforschung zu verlinken.
Guerilla Marketing im Praxistest
Der Doktortitel ist echt, aber dennoch: wir sind käuflich…
Das Wort zum Sonntag
Das Dschungelcamp hat seine Pforten erfolgreich geschlossen und ein letztes Mal muss die Politik bei den twitter Trends mit Begriffen wie #egypt oder Mubarak gegen Ratten und Hirschpenis konkurrieren. Der Dümmlichkeitskönig ist dem Dschungelkönig und dem Zugunglück in Sachsen-Anhalt gewichen, wie aber kommt man jetzt ohne Abmahnungen in die twitter Trends?
Ganz einfach: Man fordert “Enteignet Google!” Da ist dann sogar der eine oder andere Google Mitarbeiter sprachlos und die twitter Gemeinde hat ordentlich was zum Zwitschern…
Nota bene: Der Vorschlag „Enteignet Google“ kommt nicht von einem alten Wandzeitungsagitator aus DDR Zeiten, auch nicht von der taz oder gar einem Satiremagazin, sondern von einem Journalisten der Financial Times Deutschland (zumindest gibt er sich als solcher aus). Und auch Frau Aigner scheint mehr mit Eiern und ihrem guten Ruf beschäftigt zu sein, als dass sie sich in die Diskussion einreihen könnte…
Und so setzen wir der Forderung noch einen obendrauf und fordern: Peter Zwegat muss Finanzminister werden, in Stuttgart muss aus ästhetischen Gründen nicht nur der Bahnhof, sondern auch die halbe Innenstadt unter die Erde und nicht zu vergessen: Ceterum censeo Carthaginem esse delendam – aber das verstehen die halbgebildeten Akademiker heutiger Prägung ja nicht mehr, was uns zu unserem Ausgangsproblem zurückführt…
M!nd Store Marketing wünscht einen schönen Rest-Sonntag.
