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Großharthau und der WIRRklichkeitsRAUM

Großharthau liegt unweit der Social Media Hauptstadt Bautzen (Headquarter azionare GmbH). Die Welt ist ein Dorf, sagte McLuhan, und so haben sich die Kollegen von azionare entschlossen, das Dorf Großharthau zu Social Media Hauptstadt zu machen. Eingeladen wurde mitelständische Unternehmen aus Großharthau, Bautzen, Dresden und München. Warum auch München? Keine Ahnung, es geht schließlich um den WIRRklichkeitsRAUM. In Großharthau aber dann doch klare Arbeitsteilung: azionare sorgt für Entwirrung und mind store marketing für die Durchdringung des WIRRklichkeitsRAUMes.

Ansonsten: Die Sonne in Großharthau kämpft gegen den Beamer, der Hausmeister des Hotels handelt schnell und zeiht alle Betten ab und hängt die Fenster zu. Ebenfalls in Großharthau: Man muss für einen Internetzugang unterschreiben, auf die Vorlage eines Personalausweises wird verzichtet…

Verpflegung im WIRRklichkeitsRAUM: vegetarischer Schweinebraten…

Live Berichterstattung über twitter

Studentinnen fordern das TOP Management heraus

Um es vorwegzuschicken: Nein, die Überschrift hat nichts mit der aktuellen Sexismus Debatte zu tun…

Wir leben und arbeiten im WIRRklichkeitsRAUM, das war uns seit langem bekannt. Dass es noch wirrer kommen könnte, zeigte die gestrige Meldung der w&v: Das Dschungelcamp wurde für den Grimme-Preis  nominiert und das obwohl der 1. April noch in weiter Ferne liegt…

Ebenfalls gestern: Königin Beatrix verdrängte den #Aufschrei aus den Twitter Trends. Es kehrt so langsam wieder Sachlichkeit in das Thema. Die letzte, die noch auf den #Aufschrei Zug aufspringt, ist Anne Will.

Bei Xing gab es ein neues Tool, Freiberufler und potentielle Kunden werden zusammen gebracht (was nicht mehr funktioniert ist die Kommunikation innerhalb der Community, Premium Mitglieder dürfen pro Monat jetzt nur noch 20 Unbekannte anschreiben: #AUFSCHREI…)

Vom Senior Teilzeit Praktikant auf Xing zum Praktikant im Konzern: Auf Schloss Monrepos stellen heute fünf Studentinnen der Akademie der media die provokative Frage, wer denn im Unternehmen für Social Media verantwortlich ist, der Chef oder der Praktikant. Präsentiert werden u.a. die Ergebnisse einer Umfrage.

Weitere Referenten sowie weitere Informationen auf der Eventseite

Die nächsten Termine:

5./6.2. Frankfurt email expo / M-Days

20.2. Nürnberger Trendtage

21.2. Management Trend Forum Schloss Morepos (Schwerpunkt SEO/SEM)

 

 

#AUFSCHREI zum Wochenbeginn

Nachdem der #Aufschrei gestern bereits durch „Frühstück“, „Dschungelkönig“ und #Tatort aus den Twitter Trends verbannt wurde, gesellen sich zum frühen Morgen noch „Wochenstart“ und ein Hauch von #Jauch hinzu, aber ansonsten ist der #Aufschrei verschwunden…

Der eine oder andere hat gemerkt, dass RESPEKT so schlecht nicht wäre, die CDU Abgeordneten, die Flirten noch als eine schöne Sache ansehen und deshalb wüst und feministisch beschimpft wurden, können mit den Scheinattacken sicherlich auch gut leben, der Therapeut meint, er kriegt das alles wieder hin…

Im Laufe des gestrigen Tages dann auch weitere relativierende Pressestimmen, die sich fragen, warum gerade der sexistische STERN so eine Geschichte aufgreift, die aber auch durchaus das Verhalten von Brüderle hinterfragen und den Pfälzer Bauern-Charme in Frage stellen. Die ganz mutigen Journalisten hinterfragen sogar das Verhalten der „Journalistin“ und nennen Laura Himmelreich sogar ganz offen eine Zumutung…

Wir halten fest: Der #Aufschrei war ein Sturm im Wasserglas und viele sind aus Langeweile auf den Zug aufgesprungen, andere haben einfach nur ihre Chance gewittert und viele haben sich vor den Karren spannen lassen. Am Ende bleibt die einzig wichtige Frage (neben der Frage nach dem RESPEKT):

Wann endlich machen wir mal einen RICHTIGEN AUFSTAND und

wehren uns gegen Lobbyismus und  phantasielose Politik?

 

Deutsche Truppen nach Timbuktu? Seit 00:00 Uhr wird zurückgeschossen…

Es musste ja kommen: Die Schwaben schlagen nach dem Bashing seitens Wolfgang Thierse  zurück und Käthe Kollwitz hat es voll erwischt. Spätzle Attacke in Berlin…

Was werden jetzt Berliner Aktivisten in Stuttgart planen? Es bleibt zu hoffen, dass es nicht etwa unter die Gürtellinie geht und der gute alte Gottlieb Daimler im Gegenzug mit Berlinern beworfen wird…

„Deutsche Truppe nach Timbuktu“, konnte man bei rivva  lesen, wenn man jedoch die wahren Kriegsschauplätze betrachtet, macht ein Einsatz an der Heimatfront wohl mehr Sinn.

Ansonsten (was für ein Tag):

Lance Armstrong auf Wahrheitsdrogen“  berichtet der Postillion und Coca Cola startet eine Kampagne gegen Fettleibigkeit  und wird wohl demnächst verkünden, McDonald aus ethischen Gründe nicht mehr beliefern zu können…

Willkommen im WIRRklichkeitsRAUM

Helmut Berger und die Grenzen des guten Geschmacks oder: Wie weit soll das eigentlich noch gehen?

Die w&v brachte es auf den Punkt: Helmut Berger ist kein Star, holt ihn da raus so lautete die Headline und jeder der das vom Alkohol gezeichnete Bild des Ex-Schauspielers sah, bekam einen großen Schrecken.  

Dschungelcamp Helmut Berger

screenshot w&v (bild.de)

Dennoch: Die Verantwortlichen von RTL schickten ihn ins Dschungelcamp und es kam wie es kommen musste, er stieg an Tag zwei wieder aus (Gott sei Dank körperlich unversehrt).

„Es ist nicht vertretbar, alkoholisierte Prominente in Spielshows auftreten zu lassen”, ist hierzu die klare Meinung eines Medienethikers in der w&v. Die Quote von 7,7 Mio Zuschauern spricht jedoch eine deutlich andere Sprache. Das Volk will Blut sehen. Je tiefer jemand öffentlich fällt, desto größer die Begeisterung der Massen. Die Sensation als Bildungsideal, das Mittelmaß wird zum Maß aller Dinge erhoben. Wir sind auf einem grausam tiefen Bildungslevel angekommen.

Panem et circenses.

 Und nicht genug der Peinlichkeiten: Das Bildungsniveau wird öffentlich auf Facebook oder auf Twitterwalls etc. kundgetan. Die Meute ist sich nicht zu schade, der Twittergemeinde weltweit zu dokumentieren, wes Geistes Kind sie sind.

Am Beispiel der Social Media Night im Mercedes Benz Museum in Stuttgart haben wir die Tweets des Abends analysiert und stellen die Ergebnisse am 30.1. auf Schloss Monrepos im Rahmen unseres Management Trend Forums vor.

In diesem Zusammenhang nochmals die Frage: Muss sich das Bildungssystem verändern?

 

Steigenberger und die ansprechBAR

Markenaufbau von innen wurde in diesem Blog schon mehrfach thematisiert. Im Beitrag “Das Restaurant am Ende des Universums oder: Warum Autohäuser von einem anderen Planeten sind” wurde das Verhalten von Autoverkäufern gezeigt und prompt wurden wir in unserer Xing Gruppe heftig und primitiv von einem halbgebildeten BMW Verkäufer attackiert. Wir waren glücklich: Wir hatten den Nerv getroffen…

Markenaufbau von innen, dieses Prinzip hatten wir dann auch auf die Verlagswelt bzw. auf den Buchhandel übertragen. Jeder kennt die Situation, wenn er in einen Buchladen geht: Eine Buchhändlerin, die sich lieber mit ihrer Kollegin unterhält und ihr eigenes Leseverhalten über das des Kunden stellt. Das Zauberwort heisst in allen Branchen: Weg vom platten Handel mit Produkten, hin zur kundenorientierten Erlebniswelt. Hersteller und  Handel müssen es schaffen, dass ein Kunde nicht nur wegen des Produktes, sondern auch wegen des Lebensgefühls ins Outlet kommt.

Sollte der Handel es nicht schaffen, dass sich der Kunde wohlfühlt, muss der Hersteller neue Absatzkanäle identifizieren. Für den preisbindungsverwöhnten Buchhandel müssten eigentlich alle Alarmglocken angehen, wenn er vermehrt Bücher in Modeboutiquen oder Reisebüros findet….

Dem Autohaus hatten wir das Restaurant “vorgeschlagen” und dem Buchhandel empfehlen wir die ansprechBAR (Kaffee-Ecken, in denen der Authist ein Buch liest, das er dann nicht kauft, sondern eher mit Fettfleck liegen lässt, gibt es ja schon in jeder Buchhandlung), was aber rät man einem Hotel der gehobenen Art, wenn Marketing und Marke offensichtlich nicht mehr zusammen passen?

Nach einem Meeting im Stuttgarter Steigenberger Hotel hatten wir gepostet: wir gratulieren dem steigenberger stuttgart zur unfreundlichsten bedienung der gesamten stadt”

Der Grund für das Posting: Wenn man nach einer mehrtägigen “Deutschlandtour” vollbepackt aus dem ICE kommt, und sich im Steigenberger Hotel gegenüber vom Bahnhof trifft, dann stellt man erst einmal das gesamte Gepäck am Nebentisch ab, begrüßt seine Gesprächspartner und freut sich auf ein kühles Getränk (der 27. Juli war unerträglich heiß).

Statt eines freundlichen “schön, dass Sie unser Gast sind” lautete die ruppige Begrüßungsformel jedoch “Ihr Gepäck können Sie da nicht stehen lassen, den Platz brauche ich noch für andere Gäste!

Welche Gäste?? Wir erinnern uns: Es war Freitag Nachmittag, also keine anderen Business Menschen im Foyer, nur ein Tisch, der besetzt war und das war unserer. Wir entschuldigen uns hiermit in aller Form, dass wir die unfreundliche Bedienung beim Nichtstun gestört haben…

Ok, wenn man die Dame glücklich machen kann, dann tut man das ja und räumt brav sein Gepäck in die zugewiesene Ecke, vielleicht nimmt sie dann ja gnädig eine Bestellung auf…

Nachdem sie/er/es ihren/seinen Ordnungspflichten gerecht geworden war, zeigte sich der Drachen erneut und nahm offensichtlich angewidert die Bestellung auf. Wenig Verständnis zeigte die Dame, dass die Flasche Wasser so schnell leer war. Nachdem einer der Gäste aufgestanden war, um sie zu suchen, brachte sie jedoch gnädigst noch ein Getränk.

Vollkommenes Unverständnis ihrerseits dann, dass eine Dame zu spät zum Meeting kam und sie nochmals aufstehen und zu unserem Tisch kommen musste. Ergebnis: Die verspätete Besucherin wurde nicht eines einzigen Blickes gewürdigt. Die Bestellung musste über den gastgebenden “Dolmetscher” erfolgen…

An diesem Beispiel konnte gezeigt werden, wie eine einzige unfreundliche Bedienung gutes Marketing, das über Jahre intelligent aufgebaut wurde, in einer Stunde erfolgreich zerstört. Wenn wir an dieser Stelle noch eine Social Media Analyse starten würden, kämen garantiert noch wesentlich mehr Kommentare zum Thema Steigenberger Hotel ans Tageslicht…

Exkurs Social Media: Twitter ist ein schnelles und interaktives Medium. Wenn wir uns am 27.7. für die unfreundliche Bedienung “bedanken”, ist die Reaktion erst am 1. August kommt (wir hoffen, das Marketing von Steigenberger hatte ein schönes Wochenende), ist die Musik aus der Geschichte raus (es gelten auch für Steigenberger die Regeln der Echtzeitkommunikation) und die Twitter Gemeinde zwitschert auch am Wochenende, wie so mancher Shitstorm verdeutlicht. Ergo: Steigenberger verfügt über ein Alert-System, nicht aber über ein funktionierendes Social Media Monitoring. Wir haben uns deshalb dann auch bewusst Zeit gelassen mit unserer nächsten Antwort, haben wie versprochen die Geschichte hiermit publiziert und sind gespannt auf die nächsten “Reaktionen” aus dem Hause Steigenberger.

Fazit: Als Veranstalter zahlreicher Business Events, sind wir es gewohnt, dass Hotelketten “Sales” ein wenig anders definieren und gerne mal wegen Reichtums geschlossen haben, eine derart unfreundliche Bedienung in einem Hotel dieser Klasse war jedoch neu. Wir raten an dieser Stelle dringend über Markenaufbau von innen nachzudenken, oder zumindest Fortbildungsmaßnahmen in Stellung zu bringen (der Fisch stinkt immer am Kopf), zumindest aber ein Mystery Shopping einzusetzen…

In Stuttgart bleibt zumindest die Hoffnung, dass das Steigenberger Hotel im Zuge von Stuttgart 21 vielleicht ja mit abgerissen wird…

 

 

 

Julian Assange Livestream

Der Sonntag war, wie Sonntage im August nun mal sind: Heiß und sommerlich. Und so waren die Tweets wie sie halt im Sommer so sind: #hitze, #klimaanlage, #schatten, #temperaturen…

Und plötzlich: Livestream und Reuters Live Stream und plötzlich steht er vor der Kamera und spricht. Julian Assange. Und er spricht nicht wie ein Asylbewerber, sondern wie ein Mann, der eine Vision und eine Botschaft hat.

Man mag über Julian Assange denken, was man mag, eines jedoch darf man ihm nicht vorwerfen: Fehlende Courage. Für die einen ist er ein Held, für die anderen ein Sexualstraftäter.

Für die einen ist er ein politischer Verfolgter, für die anderen ein Verbrecher. Unabhängig davon: Julian Assange sorgt auf alle Fälle dafür, dass sich die „Lager“ vereinen. Auf der einen Seite vereinen sich die westlichen Staaten und drohen eine Botschaft zu stürmen (ohne Kommentar…) und auf der anderen Seite Solidaritätsbekundungen für Ecuador…

Dann eine kurze, sachliche, wenig feurige Rede, ein Statement eben.

Und dann? Dann kommt was Neil Postman als „und jetzt“ bezeichnet: Assange beendet seine Rede und die Twitter Trends sind wieder voll mit #klimaanlage, #kühlschrank, #temperaturen, #schatten.

Neu dazu gekommen: #hsv und #DTM…

Postmoderne Demokratie im Sommer…

 

Dekontextuierter Wochenstart

Es konnte an anderer Stelle bereits gezeigt werden, dass die Headline wichtiger als der Inhalt ist und so soll die Woche auch dekontextuiert begonnen werden.

Italien: Erdbeben vernichtet tonnenweise Parmesan-Käse: Muss die Pasta bald ohne Parmesan auskommen?

“Gottes Segen” gibt Bundespräsident‪#Gauck‬ Norbert ‪#Röttgen‬ zum Abschied mit auf den Weg – und Peter ‪#Altmaier‬ zum Start ins neue Amt.

Hierzu ein Zitat von Sloterdijk:  Der homo religiosus, der sich mit surrealen Riten an die Überwelt wendet, darf den verdienten Abschied nehmen.

…und wo wir gerade beim Thema Philosophie sind:

 

Mind Store Marketing wünscht einen guten Start in die neue Woche…

Crowdguessing Brokerage: Trading für Arme

Die Facebook Aktien, so kann man heute überall lesen, werden für 38 Dollar ausgegeben. Das bedeutet so viel, dass Facebook bzw. Mark Zuckerberg ca. 16 Milliarden Dollar in die Kriegskasse gespült bekommt.

Rechtzeitig zum Börsengang startet das Handelsblatt mit einer „spektakulären Innovation“: Via twitter oder Facebook können User eine Schätzung abgeben, wie viel die Aktie am Ende des Tages Wert ist.

An dieser Stelle kommt dann die irritierte Frage zum Wochenende auf: Gibt es denn die Börse nicht mehr?? Dort konnte man früher solche „Wetten“ gewinnbringend platzieren…

Fazit: Crowdguessing – für alle, die sich nicht mehr trauen, Entscheidungen zu fällen, aber doch noch ein wenig dabei sein wollen…

Gesellschaft 2.0 – Erregungsaufschieber, der Papst und andere Künstler

Früher (als alles noch VIEL besser war) traf sich der Mitarbeiter eines Unternehmens (egal ob Konzern oder Mittelstand) an der Kaffeemaschine und erzählte erst einmal, wie spannend der gestrige Abend war. Übersetzt: man tauschte sich über das Fernsehprogramm des Vorabends aus.

Ganz früher, also lange bevor es die metro-A-sexuelle Frau moderner Prägung gab, die twitternd mit Sonnenbrille und Ohrenstöpseln vor #sg, #bsf oder #ST saß und parallel die facebook Kommentare bearbeitete, da gab es noch sogenannte Straßenfeger, das waren Filme wie „Das Messer“ von Francis Durbrige und am nächsten Tag, man stelle sich das vor, hatte die ganze Nation diesen einen Film gesehen. Lange Sätze wie der Vorherige konnten aufgrund des besseren Bildungsstandes (man beachte den Genitiv) noch nach einmaligem Lesen verstanden werden (und wie oft hast du jetzt von vorne angefangen?).

Parallelnutzung von Medien gab es de facto nicht. (Durbridge Filme hatten Marktanteile von ca. 90 Prozent – kein Wunder, denn es gab ja nur ARD und ZDF). Doch kehren wir zurück zum Büroalltag: Heute ist das erste, was der moderne Arbeitnehmer tut, wenn er morgens ins Büro kommt, nicht mehr der Gang zur Kaffeemaschine (die wurde ohnehin eingetauscht gegen eine Espresso-Maschine von den Jungs, die ständig mit Klavieren werfen und sich dann wundern, wenn sie in einen Shit Storm geraten), sondern er twittert erst einmal #kaffee (dieser hashtag rangiert gefühlt dicht hinter #duschen, was dann zu unzähligen Re-Tweets führt und dann erst zu einem Gang an die Espresso-Maschine (von den Jungs mit dem Klavier und dem Botschafter mit einem Schild zwischen den Eiern). Dann begibt sich der Homo Office-Socialis an seinen Arbeitsplatz und lässt den Gedanken freien Lauf (er nennt es Arbeit, aber wenn man die Anzahl der Facebook Postings zusammenzählt, die Mittagspause sowie die Zeit an der Espresso-Maschine abzieht, dann fängt man an, nach anderen Begrifflichkeiten zu suchen). Der Homo Sozio-Optionalis liest nach den Meldungen aus dem Facebook Account und den Twittermeldungen zunächst einmal alle Mails, telefoniert ein wenig, verschickt die eine oder andere SMS, googelt und ist dann eigentlich auch schon bereit für die Mittagspause.

Prokrastination nennt die Psychologie dieses Verhalten.  Chronisches Aufschieben: Der Begriff kommt vom lateinischen Verb „procrastinare“, was so viel bedeutet wie: etwas aufschieben, vertagen. In der Literatur werden zwei Typen von chronischen Aufschiebern unterschieden: Der sogenannte Erregungsaufschieber. Er braucht den Kick, der ihn erst angesichts eines sehr nahen Abgabetermins ans Arbeiten bringt und ihn dann nächtelang durchackern lässt. Der Vermeidungsaufschieber. Er leidet an Versagensängsten und vermeidet es, sich an unangenehme Aufgaben zu begeben, um an ihnen nicht zu scheitern. Die Web 2.0 Falle scheint dabei überall zu stehen. Im „Gefällt-mir-Modus“ ist der Homo Sozio-Optionalis prädestiniert, in jede virtuelle Falle zu stolpern und sein Leben genussvoll zu ruinieren.

Die Wissenschaft geht davon aus, dass ca. 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung vom Trendleiden Prokrastination betroffen sind. Den Typus Erregungsaufschieber kennt man seit Jahren aus der akademischen Welt, denn nahezu jeder Student hat vor Prüfungen plötzlich sogar den Hausputz und das Abspülen geliebt. Nach dem finalen Examen war die (Hausputz)“Krankheit“ jedoch schnell und für immer verflogen. Heute jedoch verlängert sich das Prokrastinieren stringent in die Unternehmen. Dort kann man den Begriff wegen seines lateinischen Ursprungs und der gebachelten und gebeutelten Ausbildung nicht mehr aussprechen und deshalb lebt man dort zeitnah. Er vermeidet Entscheidungen, um nichts falsch zu machen und womöglich dadurch seinen Job zu verlieren. Er kommt aus Meetings quasi nicht mehr heraus (wie er sich ernährt ist noch nicht restlos aufgeklärt) und er stimmt sich ab, was den Entscheidungsprozess auf eine neue Ebene hebt, auf der man von vorne anfangen kann.

Halten wir an dieser Stelle fest: 20 Prozent der Bevölkerung leiden an Prokrastination, weitere 30-40 Prozent leben zeitnah und stimmen sich fröhlich mit Kollegen ab (was wirtschaftliches Leben erlahmen lässt) 10 Prozent sind im Staatsdienst und verwalten sich selbst (in Griechenland sind es 25% mit bekannten Folgen), 2-5 Prozent der Bevölkerung gehören zur  Kapitalintelligenz, wir nennen sie Robinson Krösus & Friends, sie haben angewidert von diesem Zustand, das Land verlassen und leben auf einer Schweizer Insel (für alle gebachelten Studenten: Zugegeben, dieser Satz war auch etwas lang, aber dafür enthielt er keinen Genitiv).

Was bleibt, sind ca. 20-25 Prozent der Bevölkerung, die mit klassischer Arbeit versuchen müssen, das Bruttosozialprodukt so hoch zu halten, damit der Rest der Bevölkerung sein Dasein als Hartz-IV-Fernsehgemeinde (Sender brauchen dringend Quote!) in angenehmer Weise weiterfristen kann (außerdem: wer will schon brennende Autos) und einer muss ja auch die Diäten der Politiker finanzieren (schon wieder zu lang der Satz, schon klar). Erschwerend kommt an dieser Stelle noch hinzu, dass dieser Teil der Bevölkerung bald nur noch in Freigehegen oder Reservaten zu beobachten sein wird, denn laut Demografie-Bericht der Bundesregierung halbiert sich die Anzahl der Erwerbstätigen bis 2050. Ohne Zuwanderung, und das wird den braunen Hirnen dieses Landes nicht gefallen, gehen Deutschland die Arbeitskräfte aus. Ohne besondere Berücksichtigung der Prokrastination sind demzufolge eine halbe Million Einwanderer nötig.

Wie aber kommt die Nation aus der prokrastinierenden Zeitnah-Falle? Diese Frage wird immer wichtiger, denn diejenigen, deren Kreativität durch zeitnahe Kollegen blockiert wird, werden bald zu einem ernsten Problem für das Gesundheitswesen, denn Frustration erhöht die Anzahl psychosomatischer Krankheiten. In Anlehnung an das Papst Motto „Wer will schon Ökumene“, muss an dieser Stelle die vorliegende Deduktionskette erweitert werden: „Wer will schon Katholiken?“. Es folgt die Ausrichtung der Gesellschaft auf den Taoismus oder wie Laotse sagt: „Im Nichtstun wird alles getan“, was einem konstruktiven Prokrastinieren gleichkäme. Konstruktiver Destruktivismus 2.0

Lehnen wir uns also fatalistisch zurück, drücken fröhlich auf „gefällt mir“ und schauen erwartungsvoll auf die Ergebnisse.

Übrigens: Für alle hyperaktiven Manager, die die Füße nicht stillhalten können, die entgegen des hier skizzierten Trends noch etwas bewegen wollen, bieten wir, vollkommen rezeptfrei Trendtage an…