timeline kompatibel

Trend 3: Neu-Zeit Oder: Wie bekommt man ein politisch korrektes Verständnis für Vogonen

Um ein besseres Empfinden für die Bandbreite von Neu-Zeit zu bekommen, kann man dies über die folgende Frage tun: Was hat der Terminus Neu-Zeit mit den Vogonen zu tun? Nun, jeder kennt den Roman Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams (die einzige Trilogie übrigens in 5 Bänden) und jeder kennt demzufolge die zentrale Bedeutung der Zahl 42. Ein Computer namens Deep Thought (eine Parodie auf den Pornofilm Deep Throat ) wurde von einer außerirdischen Kultur speziell dafür gebaut, die Antwort auf die Frage aller Fragen, nämlich die „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ zu errechnen. Nach einer Rechenzeit von schlaffen 7,5 Millionen Jahren erbringt er dann die Antwort: 42! Als Antwort sicherlich unbefriedigend, da sämtliche Zusammenhänge fehlen. Wenig hilfreich eigentlich auch, dass der Computer darauf hin weist, dass die Frage niemals präzise gestellt wurde. Er schlägt deshalb vor, einen noch größeren, von ihm erdachten Computer zu bauen, der fähig ist, die Frage zur Antwort zu finden. Dieser Computer wird dann auch gebaut und dessen Programm zur Suche der Frage auf die Antwort gestartet. Wie sich im Romanverlauf herausstellt, ist es der Planet Erde, der seine Aufgabe aber nie vollenden kann, weil er 5 Minuten vor Ablauf des Programms im Rahmen des Verkehrsprojekts einer Hyperraumumgehungsstraße von den Vogonen gesprengt wird. Zugegeben, das mit den 5 Minuten ist etwas dumm gelaufen…

Natürlich hätte man statt der hochwissenschaftlichen Betrachtung der Zahl 42 auch mit einer klassischeren Sicht starten können und Raum-Zeit-Ansätze von Newton, Descartes oder Kant in Stellung bringen können, aber Kants Ansicht, wonach das Individuum nicht das Ding an sich erkennt, sondern nur dessen Erscheinung, was das Erkenntnissubjekt als Gegenstand einer durch die Sinnlichkeit gegebenen Anschauungen erkennt, soll mit Rücksicht auf gebätschelte und gebeutelte Studenten und zeitnah lebende Marketing Manager nicht vertieft werden. Dies käme dann auch Norbert Elias näher, der Zeit nicht als Ereignis versteht, das ohne jegliches Lernen, kraft einer Synthese a priori verstanden werden kann, sondern als Orientierungsmittel. Der Zeitbegriff musste nach Elias durch Erfahrungen in einem generationsübergreifenden Lernprozess entwickelt werden. Zeit könnte dann in Anlehnung an Elias definitorisch gleichgesetzt mit einem Symbol für eine Beziehung, die eine Gruppe von Lebewesen mit der biologischen Fähigkeit zur Erinnerung und zur Synthese, zwischen zwei oder mehreren Geschehensabläufen herstellt, von denen sie einen als Bezugsrahmen oder Maßstab für den oder die anderen standardisiert. Der wesentliche Nachteil dieser philosophischen Betrachtung: Die Vogonen blieben vollends außen vor…

Die Vogonen, so kann man im Internet nachlesen, sind eine der unausstehlichsten Rassen im ganzen Universum, sie sind mies gelaunt, bürokratisch, aufdringlich und gefühllos. Vogonen sind demzufolge prädestiniert, den aktuellen Gesellschaftsstatus zu beschreiben und das nicht, weil sie ein Volk sind, das Bauflotten betreibt, mit denen sie Planeten sprengt, um galaktische Bauvorhaben wie z.B. Hyperraumumgehungsstraßen zu ermöglichen, was zwar zu aktuellen Gesellschaftsthemen wie Stuttgart 21 passt, aber hier zu weit führen würde…

Symptomatisch zu unserer Gesellschaft: Die Intelligenten verlassen das sinkende Schiff. So wie der bereits weiter oben skizzierte Robinson Krösus, der auf einer Schweizer Insel lebt oder der doppel-kodierte Ich-Sender, verließen auch die Vogonen ihren Heimatplaneten und wanderten zum Sternhaufen Megabrantis aus, dem politischen Zentrum der Galaxis, wo sie nun das ungeheuer einflussreiche Rückgrat des Geheimdienstes der Galaxis bildeten. Sie versuchten, sich Bildung anzueignen, aber in fast jeder Hinsicht unterscheidet sich der moderne Vogone von seinen primitiven Vorfahren nur geringfügig, will heißen auch hier große Parallelitäten zur Neu-Zeit, denn auch hierzulande einfachster Bildungsstand basierend auf Hartz IV Fernsehen (ich geh dann mal kacken… )

Warum aber dann der Exkurs mit den Vogonen?

Ganz einfach: Er verdeutlicht das Zeitempfinden unserer Gesellschaft. Nicht gezielt von A nach B, nicht ohne Zeitverlust zum Ziel, sondern im Zick-Zack-Kurs schlingernd durch die Zielgerade oder halt auch nicht. Neu-Zeit bedeutet neues Zeitempfinden, bedeutet längere Entscheidungswege, oftmals auch die Verweigerung von Entscheidungen, bedeutet dekontextuierte Kommunikation, die erst wahrgenommen wird, wenn sie timeline kompatibel ist. Die Wissenschaft geht davon aus, dass 20 Prozent der Bevölkerung an Prokrastination leiden, weitere 30-40 Prozent leben zeitnah in Konzernen (nur dort können sie noch so überleben), stimmen sich fröhlich mit anderen zeitnahen Kollegen ab und posten prokrastinationsfördernde, dekontextuierte Nachrichten ins Facebook Universum, was wirtschaftliches Leben irgendwann vollkommen erlahmen lässt. Weitere 10 Prozent der Bevölkerung sind im Staatsdienst und verwalten sich selbst. In Griechenland sind es 25% (jeder Vierte!) mit bekannten Folgen.

Neu-Zeit, Echtzeitkommunikation der neuen ART bedeutet mit dekontextuierten „Nachrichten“  Zeit verschwenden (Prokrastination) auf der einen Seite und bedeutet sozial-kognitive Dissonanz auf der anderen Seite. Die Halbwertzeit einer Nachricht hat sich deutlich verkürzt, bei twitter ändert sich die Timeline im Sekundentakt und auch facebook hat sich angepasst und wen wundert, dass sich auch das businessorientiertere Xing in den Sekundentakt eingereiht hat. Zu klären ist an dieser Stelle, wann man aus Timelines herausfällt, weil die Häufigkeit der Posts als Spam identifiziert wird. Es wird eine gewisse Häufigkeit erwartet, sonst ist der Ich-Sender nicht hipp, aber zuviele dekontextuierte Botschaften führen deutlich ins Aus.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Privatpersonen ins Aus geraten, Personen des öffentlichen Lebens oder Marken jedoch in einen Shitstorm, der wie ein viraler Infekt auftritt, wie die Beispiele Jack Wolfskin, BP oder Kit Kat gezeigt haben. Heftiges Fieber ohne Vorlauf, hohes Fieber, und nach kurzer heftiger Attacke ist alles wieder vergessen. Die Frage ist natürlich, wie viele dieser Viren-Angriffe eine Marke übersteht…

Umgekehrt zeigt das Beispiel Guttenberg, dass man durch pathologische Sucht nach der großen Bühne ein Thema über lange Zeit aufrecht erhalten kann, das normalerweise recht schnell abebbt, wie Google Trends zeigt. Umzug in die USA, der Auftritt in Halifax oder die Zusammenarbeit mit einer netten älteren EU Dame werden immer wieder mit dem Plagiat und dem Bruch des Ehrenwortes in Verbindung gebracht und plötzlich gilt ein biederer fränkischer Politiker mit gefälschtem Doktortitel als ein gefährlicher Mann

Bei unserem Bundespräsidenten hätten alle gedacht, dass er sich mit seiner lausigen Kommunikationsstratgie in die Weihnachtstage gerettet hat und ihm somit Schlimmes erspart blieb, wer aber dann der Bildzeitung auf den Anrufbeantworter spricht, ist sofort wieder in allen Timelines.

Neuzeit, so konnte gezeigt werden, ist Kommunikation im Sekundentakt mit sozial-kognitiver Dissonanz und einem Rückzug aus dem informationsüberfrachteten Real Life (neue Bescheidenheit), die Rest-Risiko-Brücke stets vor Augen.

Die Begriffe Zeitempfinden bzw. Entschleunigung gilt es, im Laufe der nächsten Jahre detaillierter zu betrachten, sie werden deutlich an Wichtigkeit gewinnen. Für das Marketing gilt es kommunikative (religiöse) Beschleunigung in eine sich entschleunigende Gesellschaft zu tragen.

Doch zurück zu den Vogonen und zurück zur 42. Warum nur hat Douglas Adams gerade die 42 als zentrale Zahl in seinen Werken genutzt? Die Internetgemeinde hat im Laufe der Jahre viele Theorien dazu entwickelt. Populär waren die Ansätze wonach die Formel „neun multipliziert mit sechs“ in einem 13er-Stellenwertsystem 42 ergeben würde oder die Wahl der „42“ wurde mit dem regelmäßigen Muster der binären Schreibweise erklärt. Douglas Adams beendete die Spekulation im Jahre 1993:

„Die Antwort darauf ist ganz einfach. Es war ein Scherz. Es musste eine Zahl sein, eine gewöhnliche, relativ kleine Zahl, und ich entschied mich für diese. Binäre Darstellungen, Basis 13, Tibetische Mönche, das ist alles kompletter Unsinn. Ich saß an meinem Schreibtisch, blickte in den Garten hinaus und dachte ‚42 wird gehen‘. Ich schrieb es hin. Ende der Geschichte.“

Neu-Zeit, so konnte man gerade lernen, das bedeutet auch: Nicht jede geistige Blähung muss bei facebook oder twitter gepostet werden. UND: Wenn Vogonen im Spiel sind, kann die eine oder andere Marketing Botschaft leichter platziert werden, weil Vogonen nun mal unheimlich gut von angebotenen „Heizdecken“ ablenken…

EHEC und wie wir lernten, die Bombe zu lieben und die prometheische Scham auch ohne Timeline Kompatibilität zum zentralen Gesellschaftsthema wurde – Oder: Wer kennt heute schon Thamus?

An der Überschrift leicht erkennbar: Wir stehen nicht auf langweilige Überschriften wie „Marketing leicht gemacht“ oder „Guerilla Marketing für Zahnärzte“. Das Leben ist komplex und manchmal auch verWIRRend. Also: Wer mag schon einfach, wenn es kompliziert auch geht…?? (Vorab: Der gebätschelte und gebeutelte Student sei gewarnt, vor dem Gebrauch von Fremdwörtern wird nicht zurückgeschreckt und auch der gezielte Einsatz des  Genitivs wird im Folgenden gnadenlos praktiziert).

Das Konstrukt WIRRklichkeitsRAUM wurde im letzten Jahr erstmalig vage skizziert. Kennzeichen des WIRRklichkeitsRAUMes war eine fehlende Orientierung für das Individuum, ein neues Medien- und Kommunikationsverhalten sowie das Fehlen von sozialen Bindungen und Werte gebenden Institutionen.

Das Zeitalter der Charismatiker wurde demzufolge propagiert und das Jahr 2011 hat gezeigt, dass der Bedarf an Charismatikern noch größer ist als ursprünglich angenommen. Selbst als der Betrug offensichtlich wurde, hielt das Gros der Gesellschaft noch an Herrn Lügenbaron von und zu ohne Doktor Guttenberg fest (80% aller Bildzeitungsleser sind nach wie vor überzeugt, dass er seine Arztpraxis auch ohne Doktortitel weiterführen könne, aber das ist eine andere Sache) und ein grenzdebiler Parteivorsitzender will ihn mangels Phantasie und Alternativen zurück holen. Am Beispiel des Lügenbarons manifestierte sich erst im Nachhinein der Unterschied zwischen echtem Charismatiker und populistischem Medienstar mit zwanghaftem Darstellungstrieb.

Der Schrei nach dem Charismatiker verdeutlicht die Hilflosigkeit des postmodernen Individuums, das Postulat nach Leitbildern wird in Zeiten zunehmender Orientierungslosigkeit immer lauter.  Um den WIRRklichkeitsRAUM definitorisch besser darstellen zu können, erscheint ein Blick auf die Ursprünge des Social Media Circus ratsam. Trend 1 rekrutiert sich demzufolge aus der Interaktion des Menschen mit der Technologie: Die prometheische Scham des 21. Jahrhunderts. Sie gliedert sich, wie das Jahr 2011 gezeigt hat, nahtlos in einen weiteren Trend, den Gang über die Rest-Risiko-Brücke.

Unsere empirischen Forschung sowie Ergebnisse der Social Media Analysen zeigten im letzten Jahr deutlich, dass wir eine neue Echtzeitkommunikation als gesamtgesellschaftliches und nicht nur mediales  Phänomen in starker Korrelation mit sozial-kognitiver Dissonanz verzeichnen können. Hier gilt es nun, die beiden Ansätze in einem neuen Trend zu begreifen:  Neu-Zeit oder: Wie bekommt man ein politisch korrektes Verständnis für Vogonen , das neue Raum-Zeit-Verständnis der Gesellschaft, das eng geknüpft ist an Trend 6: Das Zeitalter der Träumer. Entschleunigen als Ausweg aus der Burn-Out-Wüste? Das Gehlen´sche Mängelwesen Mensch scheint am Rande der psychischen Leistungsgrenze angekommen zu sein. Was die Vogonen mit alledem zu tun haben, wird noch zu klären sein….

Anhaltend in 2012 und darüber hinaus wird der Trend der Religiosität der Marke sein. Im Zeitalter verlorener Rituale kommt der Marke in den nächsten Jahren verstärkt eine orientierungsgebende Funktion zu. Magie für eine sinnentleerte Gesellschaft wird in den nächsten Jahren ein großes Thema sein. Für das Marketing bedeutet dies eine neue Herausforderung: Die Marke muss über eine starke Religiosität verfügen, emotionale Aufladung der Marke wird demzufolge ein weiteres, wichtiges Thema des 21. Jahrhunderts sein, und das bei gleichzeitig veränderten medialen Kommunikationsmustern (die Markenbotschaft muss zwingend timeline kompatibel sein, sonst geht sie im allgemeinen Mediagrundrauschen unter) und stark verschwindender Zielgruppe (DER 14-49jährige unterscheidet sich mittlerweile stärker als es der Media-Forschung lieb sein kann) und das noch bei zeitnah lebenden Marketeers, i.e. Marketingnichtentscheidern, die ihr berufliches Überleben über die obligatorische Zweijahresfrist hinaus sichern müssen und deshalb ständig unmutig in Meetings sind und Entscheidungen für die Marke vermeiden.

Im Fokus steht in diesem Zusammenhang mehr denn je die Typologisierung. Auch hier sind neue Ansätze gefragt, die über bestehende Milieus hinausgehen, dem gesellschaftlichen Atomisierungsprozess Rechnung tragen und den Übergang der faustischen in eine zivilisatorische Gegenwelt, eine Auseinandersetzung mit Spenglers organologischem Weltbild und Huntington´s The Clash of Civilizations scheint hilfreich und auch ein Blick auf die Kulturpessimisten, hier speziell der Nachkriegszeit, könnte Licht in den Dschungel  neuzeitlicher Imponderabilien bringen. Anmerkung für gebätschelte und gebeutelte Studenten: Keine Sorge, es wird alles erklärt.

Hoch und heilig versprochen, es wir auch nur g a n z  l a n g s a m geschrieben und hier vorab die Trendthesen, die ab morgen zur Diskussion stehen:

Trend 1: Die prometheische Scham des 21. Jahrhunderts

Trend 2: Intuitive Ballistik – Das Ende der Zielgruppen und die Entdeckung einer neuen Bescheidenheit

Trend 3: Neu-Zeit oder: Wie bekommt man ein politisch korrektes Verständnis für Vogonen

Trend 4: Der Gang über die Rest-Risiko-Brücke

Trend 5: Religiosität der Marke oder: Wer nicht mit dem Wulff tanzt, kann sich köhlern

Trend 6: Das Zeitalter der Träumer

Trend 7: Leben und Arbeiten im WIRRklichkeitsRAUM

 

NETTworken der charmanten ART – entspannt in die Zielgruppe

Marken kann man ganz spektakulär mit einem großen Media-Paukenschlag auf die Bühne heben, man kann sie aber auch socialmedia konform inszenieren. Content ist King und Social Media ist vernetzt und vor allem timeline kompatibel und unterhaltsam. In diesem Zusammenhang bietet sich ein Auto oder Motorrad an, das bringt Bewegung in jede Geschichte. Man kann beispielsweise stundenlang durch eine Stadt wie Frankfurt fahren und Handyfotos hochladen, das bringt entsetzlich viele “gefällt mir”. Die Fotos kann man am Ende des Tages dann noch in einen Artikel in einem Motorrad- und Auto-Magazin platzieren. Wenn man noch einen drauf setzen will, kann man das Motorrad dann noch in der Europäischen Zentralbank oder einem anderen spektakulären Platz “parken” und damit es vernetzt wird, baut man noch ein Event um den Parkplatz.

Um den Bogen zu bekommen, lädt man dann noch eine zufällig auf dem Motorrad sitzende Frau zu einem Shooting ein. Das erhöht die Klickzahlen um das 5-10fache und wenn das Model noch ihren Freundinnen vom Shooting erzählt dann gibt es kein Halten mehr.

In einem weiteren Schritt parkt man das Motorrad dann noch in seinem Stamm Café und auch hier veranstaltet man ein Event um den Parkplatz herum. In Verbindung mit einem guten Kamerateam erzielt man hervorragende virale Effekte und was noch viel besser ist: Man hat einen wunderschönen Abend, von dem man noch Tage danach gerne erzählt. Media Lounge: NETTworken der charmanten ART

 

 

Trendtag Immobilien – Forschung muss nicht trocken sein

Die Immobilien Branche tickt anders, aber nicht unbedingt langsamer. Die metro-A-sexuelle Frau steht hier sicherlich nicht im Fokus, sondern eher der gutsituierte Vielverbraucher oder der kontaktfreudige Tarifwechsler aus der Schober Typologisierung.

Der Trendtag Immobilien verdeutlichte, dass die Branche im Umbruch ist. Die vorausschauenden Elemente des Marktes befinden sich längst im Aufbruch: Mit den Füßen auf dem Boden, den Kopf in den Wolken…

Die wichtigste Erkenntnis des Trendtages: Der Markt wird immer transparenter. Was früher niemanden interessierte, wird plötzlich in die Social Media Welt gepostet und plötzlich steht der eine oder andere Wärmedienstleister im Rampenlicht. Die voraus schauenden Marktteilnehmer haben längst erkannt, dass über sie in sozialen Netzwerken wie Xing oder Facebook gesprochen wird.

Die Immobilien Thematik, so wurde schnell deutlich, ist nicht zwingend social media tauglich ist. Für die Zukunft gilt es also, eine Brücke zu schlagen zwischen einem vergnügungsorientierten Facebook User mit Immobilieninteresse und einem rein informationsorientierten Immobilienanbieter. Das immobile Thema muss beweglich und vor allem Timeline kompatibel sein.

Nach dem Trendtag Immobilien folgt heute der Trendtag Design in Form eines Gastvortrages an der TU München. “Sein oder Nicht-Design” ist das Thema im Rahmen der Veranstaltung „Gestalten & Emotion“ an der TU München (Arcisstr 21 / Eingang Theresienstraße – Anfahrtsbeschreibung) findet um 19.00 Uhr im Seminarraum 1730 im Untergeschoss statt.

Weitere Termine:

07.07.2011: Media Lounge Frankfurt

12.07.2011: Media Lounge München

14.07.2011: Media Lounge Stuttgart

 

 

Save the Date – der Juli wird trendy

Save the Dates:

4.7.2011: Trendtag Immobilien Stuttgart

Mind Store Marketing startet am 4. Juli mit dem ersten Trendtag Immobilien in Stuttgart.

Robinson Krösus Flucht aus der Kronenstraße

oder:

Warum Erik Ode doch Recht hatte und es für Hausverwalter immer komplizierter wird.

Unter dieser Überschrift wird untersucht, wohin sich die Immobilienbranche bewegt, ob sie Timeline kompatibel ist oder was es mit dem Ende des Normgrundrisses auf sich hat. Unterstützt wird die Veranstaltung durch den Verbund mittelständischer Brand- und Wasserschadensanierer, die Montana Gruppe sowie die SV Sparkassenversicherung.

Für die Trendveranstaltung wurde eine besondere Location gewählt: Das Lava in Stuttgart Degerloch. Die Top-Location im Hollenbachareal  öffnet an diesem Tag nur für Mind Store Marketing die Tore und lässt sich etwas Besonderes einfallen. Jedes Trend-Thema des Abends wird von der Küche kreativ aufgenommen und in ein Fingerfood Menü “übersetzt”. Trendige Informationen bei GASpacho und Sicheren Tomaten

Weitere Informationen in unserem Immobilien Magazin

5.7.2011: Gestaltung & Emotion (TU München – Lehrstuhl Industrial Design)

Sein oder Nicht-Design, das ist hier die Frage: Am 5. Juli findet im Rahmen der Vortragsreihe Gestaltung & Emotion ein Mind Store Marketing Vortrag am Lehrstuhl für Industrial Design (Prof. Frenkler) statt, in dem die Bedeutung der Oberflächendeterminiertheit für den gesellschaftlichen Kommunikations- und Orientierungsprozess thematisiert wird. Der Vortrag basiert auf den Trendthesen 2011. Aufbauend auf diesen Überlegungen entsteht derzeit ein Workshopkonzept “Markenaufbau von innen”.

Weitere Termine:

07.07.2011: Media Lounge Frankfurt (Euro Deli)

12.07.2011: Media Lounge München (Café Freiheit)

14.07.2011: Media Lounge Stuttgart (Lava)

Weitere Trendtage und Kommunikationsworkshops in Vorbereitung.

Stay tuned, der Sommer wird heiß…

Warum wir ohne Design eigentlich nicht mehr leben können

Wenn man sich die heutigen Computer ansieht, kann man es sich heute fast nicht mehr vorstellen: Der Computer ENIAC (Weiterentwicklung des, nomen est omen,  COLOSSUS) war 30 Meter lang, drei Meter hoch, einen Meter tief und wog 30 Tonnen. Er enthielt 18.000 Röhren, 70.000 Widerstände, 10.000 Kondensatoren, 6.000 Schalter und ein Gewirr von Anschlussdrähten. Genauso monströs wie der Rechner-Umfang war auch die Bedienung. Niemand erinnert sich heute noch an Lochkarten oder Magnetbänder und niemand kann sich vorstellen, wie umständlich diese 0/1-Geschöpfe „gefüttert“ werden mussten. Jede Operation musste von Spezialisten programmiert werden.

Heute erleichtern stylische Oberflächen und intuitive Benutzerführungen den Umgang mit der Maschine. Zudem haben alle vergessen, dass es eine Maschine ist. Das “schwarze Loch” vor dem der Anwender einst sitzen musste, in das er mit grüner Leuchtschrift für ihn schwer nachvollziehbare Computerbefehle auf Betriebssystemebene eingeben musste, ist in Vergessenheit geraten. Oberflächen, sei es von Apple oder Microsoft, ermöglichen eine symbolgestützte Kommunikation. Hochkomplexe interne Rechnervorgänge werden auf einfachste Ikonen reduziert. Bolz und Bosshart definieren Benutzerfreundlichkeit deshalb als funktionelle Einfachheit bei struktureller Komplexität.

Ikonendeterminierte Kommunikation reduziert jedoch auf der anderen Seite Komplexität der Sprache auf ein funktionales Mindestmaß. Das Individuum kann sich außerhalb vorgegebener Oberflächen kaum oder nur schwer bewegen. Die Gesellschaft ist zweigeteilt in Menschen, die Telefone noch nutzen, um „unten“ hineinzusprechen und „oben“ zu hören und andere die sie als mobile Design-Oberfläche der modernen Gesellschaftserkundung nutzen – dekontextuierte Interaktion statt Kommunikation.

Symbolgestützte Oberflächenkommunikation hat mehrere Wurzeln. Zum einen war und ist es sicherlich Apple, die mit dem iPhone einen Kompass der kommunikativen Art hervorbrachten, wie er seinesgleichen sucht. Man trägt ihn vor sich her, schaut minütlich auf die leutende Glasfläche, verpasst so keine Mail, keinen facebook Kommentar und keinen Tweet. Das Individuum muss sich aus dem digitalen 0/1-gefällt-mir Kommunikationsfluss nicht ausklinken, eine Rückkkehr in die analoge Gesellschaft ist nicht zwingend nötig. Apple hat eine allumfassende Oberfläche erschaffen, die einer ganzen Generation Halt und Orientierung gibt – andererseits wurde damit zwar auch die Ära der metro-A-sexuellen Frauen beschleunigt, die sich aus dem gewohnten Kommunikationsstrom verabschiedete, aber das ist eine andere Geschichte…

Eine weitere gesellschaftsprägende Oberfläche kommt von Google. Das Descartsche „cogito ergo sum“ wurde umgewandelt in: Was Google nicht findet, gibt es auch nicht. Der Weg in Online Welten startet zu einem Großteil via Google (oft auch, wenn die URL bekannt ist). Google hat es geschafft, von der rein begrifflich funktionalen  Suche in den Olymp der Sinn-Such-Oberflächen aufzusteigen. Nicht nur das Individuum, sondern auch der Entscheider legt Opfergaben auf den Altar der weltumspannenden SinnOberfläche. Im Zeitalter der medialen Parallelnutzung bedeutet SEM Verlagerung garantierte Präsenz an den Suchwegen der Multimediakarawanen.

Auf der gesellschaftlichen Seite, dort wo die Atomisierungsprozesse unaufhaltsam voranschreiten, dort also wo es richtig menschelt, sind es Oberflächen wie facebook, die dem Individuum Orientierung in einem Wertevakuum bieten.

Da facebook jedoch amerikanisch, puritanistisch geprägt ist, bietet es nur den metro-A-sexuellen Bevölkerungsgruppen und denen, die ohnehin auf keine Antwort warten, eine ausreichende Orientierungsoberfläche. Parallelitäten  zu twitter sind unübersehbar. Was bleibt sind demzufolge die klassischen Single-Portale. Aber auch hier zeigt sich die dominante Vorreiterrolle von facebook. Neben 1-3 führenden Portalen, deren Existenzberechtigung an einem seidenen Faden hängt, verspielt die Masse der bestehenden Single-Portale durch antiquierte Matching-Methoden mit ca. 100 Abfragekriterien gerade die letzten Sympathiepunkte beim User, denn nur der Typus „facebookinkompatibel“, der sich haarscharf an der Verzweiflungsgrenze entlang hangelt, ist bereit, mehr als 3 solcher grenzdebilen Fragen zu beantworten. In der heutigen, ach so cleanen Welt jedoch scheint sich keiner der Betreiber zu trauen, einen entscheidenden Neuanfang zu starten und die, von vielen Usern, verzweifelt gesuchte zielführende Oberfläche anzubieten, die zeitgemäß, timeline kompatibel und dennoch nicht metro-A-sexuell ist. Statt dessen schaut man zu, wie einstige Größen wie freenet oder single.de zu Fake-Sammlungen degenerieren oder wie das einst mit Kultfaktor ausgestattete Portal Lokalisten zum Kindergarten mutiert.

Unabhängig von der fehlenden Oberfläche, die reales Leben zielführend mit Timelines verbindet, ist Design das Bindeglied zwischen neuzeitlicher Kommunikation und der Religiosität der Marke. Design ist die Kathedrale in der die Timeline den neuen Markengöttern huldigt. Design ist der Botschafter, der Komplexität in reduzierte Sprachwelten trägt. Design ist der letzte Identifikationshort für eine ansonsten kultur- und farblos gewordene Gesellschaft.

Marketing für Rohrreiniger

Rechtzeitig zum ersten April hat sich die RWE einen besonders lustigen Aprilscherz einfallen lassen und Klage gegen die Schließung von Biblis eingereicht.

Die japanische Atomindustrie unterstützt diesen munteren Gag mit dem Spiel „Strahlen nach Zahlen“. Stündlich werden neue Zahlen in die Presse gestreut und wer beim fröhlichen Strahlungsraten am nächsten dran ist, gewinnt ein Wochenende in Fukushima…

Unabhängig davon wird an dieser Stelle in den nächsten Tagen untersucht, warum junge Frauen immer metro-A-sexueller und verstrahlter werden. Zu prüfen gilt, ob wir gesellschaftlich an einer bedeutenden Schwelle stehen: Die Emanzipation hat ihre Wirkung gezeigt, die Frau ist selbstbewusster geworden, zu verzeichnen ist in diesem Zusammenhang eine deutliche Ritterlichkeitsresistenz in Verbindung jedoch mit traditionellen Verhaltensmustern (gesucht werden in diesem Zusammenhang Frauen mit XXL Brillen und Stöpseln im Ohr für ein Fotoshooting. Das behütende und bewahrende weibliche Element steht sich nach Überschreiten der Schwelle in die sozio-virtuelle Neuzeit noch deutlich im Weg. und somit gilt als gesellschaftlicher Dauerzustand: Es ist kompliziert.

Unabhängig davon sind wir unendlich glücklich, dass wir es mit dem Rohrreiniger und dem Suchbegriff „Marketing für Rohrreiniger“ auf Platz 1 bis Platz 7 bei google gebracht haben. Nun also ist es amtlich: Mind Store Marketing ist die einzige Guerilla Marketing Agentur für Rohrreiniger…

Nun aber zu den wichtigen Dingen des Lebens: Wir planen im April anlässlich des Superwahljahres eine Wählerwanderung in die Berge. Für Fußkranke können wir auch eine Wahlfahrt veranstalten. Wir freuen uns auf zahlreiche Mails und Anrufe. Zusätzlich zu diesen beiden Ideen findet ganz konkret am 14. April für einen sehr ausgewählten Kreis von Entscheidern eine spannende Infoveranstaltung statt: Von Daten zu Informationen. Aber dazu mehr in Kürze…

Jacques Tati – Von der Umkehrung der Kommunikation

Sonntag, 27. März: Es war Wahlsonntag und die twitter Gemeinde kämpfte sich zaghaft aus den Betten. „Sommerzeit“ und „Zeitumstellung“ waren neben Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Trendbegriffe des Tages. Am Nachmittag gesellte sich dann noch „Kuchen“ dazu, kurz vor den ersten Hochrechnungen dann noch „Wahllokal“ und „#LTWBW“ und kurz vor 18.00 Uhr dann auch #hochrechnungen und dann ein weiteres Trendwort die „Grünen“. In guter alter CDU Trauer Tradition dann auch die erste Facebook Gruppe: „wir wollen unsern Mappus wieder“. Kehrtwende dann am frühen Abend, ein neues Zauberwort taucht auf: „Überhangmandat“.

Zwischendrin, und das könnte jetzt für den „Rohrreiniger“ sehr interessant sein, jede Menge „Mapschiedsseiten“ und  Microsites zum Thema „CSU-Restlaufzeiten“ und auch wir haben als Guerilla Marketing Agentur einen Geigerzähler installiert, der exemplarisch zeigt, dass man mit einem Augenzwinkern fast jedes Thema aufgreifen kann – sponsored by Rohrreiniger…

Was aber hat das alles mit Jacques Tati zu tun? Ganz einfach: Man sollte sich gelegentlich in die alte Welt zurück beamen. Das beste Beispiel hierfür ist Tatis Film „Die Ferien des Monsieur Hulot“. Der Film ist alles andere als als Timeline kompatibel, keine Reduktion auf 140-Zeichen-Botschaften und er ist alles andere als schnell geschnitten. Langatmig auf den ersten Blick, dann aber merkt man die Tiefgründigkeit, mit der Tati Bilder malt. Jede Pointe wird mitunter extrem lange aufgebaut und langsam reiht sich Geschichte an Geschichte…

An dieser Stelle fragt man sich, was französisches savoir vivre aus dem Jahre 1958 und Timeline Kompatibilität zu tun hat. Ganz einfach: Nur wer Geschichten erzählen kann, kann faszinieren und nur wer weiß, was den Kunden fasziniert, hat den Kunden verdient…

High Noon: Das Social Media Duell im Morgengrauen. Oder: Langweilige Firmeninterna prallen gnadenlos auf sozio-virtuelle Welten. Untertitel: Vom unendlich harten Leben der Rohrreiniger (Teil 1)

Showdown auf der Hauptstraße. Zwei Revolverhelden stehen sich mit geladenen Pistolen gegenüber. Entschlossen bis zum Letzten. Der Colt sitzt locker. Die Anspannung ist groß. Und dann der erste Schuss: Eine Führungskraft murmelt ferngesteuert und wüst entschlossen „Wir müssen was mit Social Media machen“ (dieser Satz aus der Stille des Raumes ist aus alten Zeiten bekannt als: Wir müssen ins Internet…). Im Hinterkopf die klare Vision: Koschtengünschtig sein (wie es der Schwabe ausdrückt).

Die gesamte Tragweite des Satzes „wir machen was mit Social Media“ ist den wenigsten Managern bewusst. In Konzernen hat man vielleicht die eine oder andere positive Erfahrung gemacht, übersieht aber gerne, dass nicht jede Sparte oder jedes Produkt socialmediatauglich ist und der Mittelstand verkennt, dass die Vision „koschtengünschtig“ auch richtig teuer werden kann, weil man dadurch eine faire Chance hat, die Marke oder das Image der Firma zu ruinieren.

Übersehen werden im allgemeinen Social Media Zirkus meist zwei wichtige Kenngrößen: Timeline Kompatibilität und sozio-kognitive Dissonanz.

Sowohl der Koschtengünschtig-Wahn als auch die blinde Aktionismus-Variante sehen nur 16 Millionen potentielle Kunden die man koschtengünschtig erreichen kann (theoretisch könnte) und so gerät die Systematik von Social Media schnell in Vergessenheit. Die damit verbundenen Gefahren für die Marke werden vollends ausgeblendet. Vergessen wird in der ersten Euphorie fast immer, dass Social Media eben nicht nur facebook, sondern wesentlich mehr ist.

Unabhängig davon: Social Media Marketing bedeutet Content, spannender Content, gerne auch witziger Content, interessanter Content, der timeline kompatibel sein muss. Wenn die Marke nicht religiös ist oder das Produkt nicht sexy genug, straft dies die Social Media Gemeinde gnadenlos ab. Hierbei wird von den Verfechtern der koschtengünschtigen Variante dann auch vergessen, dass Social Media nicht nur Ablehnung (früher: Zapping) bedeutet, sondern unter Umständen auch aktiver „Gegenwind“ und im schlimmsten Fall Mobilmachung (siehe Kitkat).

Es folgt der Versuch, Entscheidern den Leidensprozess verkürzen zu können in Form einer kurzen Anleitung zum Unglücklichsein. Hierzu nehmen wir ein nicht-timeline kompatibles Produkt/Dienstleistung wie beispielsweise Bestattungen (= hohe kognitive Dissonanz – wer will sich schon mit dem Tod auseinander setzen – wobei es hier eine herausragende Ausnahme gibt), Stützstrümpfe (der Slogan Erotik fürs Krampfadergeschwader funktioniert nur bedingt…) oder „Rohrreinigung“.

Der Rohreiniger wird angerufen, wenn alle verzweifelten Versuche fehlgeschlagen sind, die stinkende „Suppe“ aus dem Küchenausguss heraus zu bekommen. Der Rohrreiniger zwängt dann heldenhaft eine Spirale in die Brühe und treibt sie mit einer Maschine in die Tiefe. Er berechnet dabei nach Metern. Wenn der Kunde am Ende die Rechnung bekommt, wird jedes Mal spekuliert, ob die Spirale den Erdmittelpunkt erreicht hat, aber das ist ein anderes Thema…

Jeder Verbraucher hofft also, genau diese Dienstleistung nie in Anspruch nehmen zu müssen. Der Rohrreiniger hat es also sehr schwer mit Marketingmaßnahmen. TV oder Radio-Werbung scheidet aus, denn für 30 Sekunden bei TV Total müsste er tatsächlich bis zum Erdkern bohren. Ausserdem: Wenn der Rohrreiniger in München sitzt, wären die Streuverluste viel zu groß. Auch Radiowerbung scheidet aus, denn auch wenn viele Radios in der Küche stehen, sie wirkt nur, wenn der Schadensfall auch parallel eintritt, was statistisch allerdings fast unmöglich ist, aber das hatte auch die Atomlobby vor dem Japan Unglück über Atomkraftwerke gesagt…

Zurück zur Rohrreinigungsfirma: Nachdem er sich entschlossen hat, keinen sechsstelligen Betrag für einen 30-Sekünder im Blockbuster Film zu investieren und auch lieber Radio zu hören als Radio zu finanzieren, geistert ihm das schwäbische „kostengünschtig“ durch den Kopf bzw. die Long Version: Social Media kostet nix! Und so fällt beispielsweise eine einsame Entscheidung für die Einrichtung eines Twitter Accounts.

Der Twitter geübte weiss: Wenn man in die Timeline die Nachricht streut: „…reinigt jetzt das Rohr“, könnte dies witzige Retweets auslösen und auch die Nachricht „kommt mal eben zum Rohrreinigen vorbei“ könnte Beifall der weiblichen Twitterwelt auslösen. Alles aber unter dem Aspekt, dass da jemand versucht, einen Witz zu reissen. Wenn die Twitter Gemeinde merkt, dass da jemand eine kommerzielle Dienstleistung verkaufen will, dann könnte der SPAM Schuss nach hinten losgehen. Ergo: Die Twitter Timeline erscheint aufgrund ihres News und Self Expression Charakters (witzige und sinnentleerte Posts inklusive) vollends ungeeignet (es sei denn, man ist wie der weiter oben zitierte Bestatterblog authentisch…)

Schicken wir den Rohrreiniger also jetzt zu facebook. Dort würde er zumindest schon mal auf 81 Personen treffen, die die Gruppe „geh rohrreiniger trinken“ witzig findet, aber die im Vergleich zu Twitter deutlich spaßorientiertere facebook Community wird eine Dienstleistung wie Rohrreinigung nicht wirklich überzeugen. Der Facebook Fan ist deutlich oberflächlicher, ein „gefällt mir“ könnte man eventuell einsammeln, die Dienstleistung Rohrreinigung jedoch könnte man über Facebook nicht wirklich bewerben, zumindest nicht ohne einen größeren finanziellen Kraftakt. Wir erinnern uns: Nur 0,05 Prozent aller Werbeaufwendungen bei facebook erreichen den Endkunden und auch hier muss der Facebook User schon mit dem Schlauchboot durch die Küche paddeln, damit die Rohrreiniger Werbung im Relevant Set landet (für den Rohrreiniger: jetzt pumpen…)

Die Japan Katastrophe hat gezeigt, Facebook Fans sind an der Oberfläche lebende spaßorientierte Menschen, denen es wichtig ist, einer Gemeinschaft anzugehören und dort aus dem realen Leben „berichten“ zu können: „ich geh dann mal Espresso trinken“ oder „freut sich auf den Urlaub“ (ab Mittwoch/Donnerstag wurden dann die Facebook Profile „politischer“ indem man die guten alten „Atomkraft nein danke“ Buttons ans Profilbild klebte…). Im Gegensatz dazu, ist der Twitterer durchaus an politischen Themen interessiert und der Zwang zu kommunizieren ist deutlich höher (für Rohrreiniger: Der Twitterer kommuniziert, NICHT du…)

Das Japan Drama hat zudem gezeigt: Twitter Kommunikation ist zum einen extrem kurzlebig, ist ein #hachtag (für den Rohrreiniger: spricht man „häschtäg“) erst einmal in den Trendthemen, wird gnadenlos zu dem Thema getweetet und geretweetet (der Rohrreiniger hat keine Chance in die #hachtag Trends zu gelangen). Die Halbwertzeit einer Information bei twitter ist (im Gegensatz zu Plutonium mit über 24.000 Jahren) eher im Minuten- oder Stundentakt zu sehen (der Rohrreinigerfirma, um beim Thema zu bleiben, muss deshalb dringend empfohlen werden, aus jeglicher Timeline Taktung auszubrechen). Zur Untermalung der These hier  exemplarisch die Highlights der letzten Wochen: Ein Lügenbaron wurde von einem Diktator aus den Trends gedrängt, der wiederum hinter einer großen Welle in Deckung ging. Zwischen all diesen Trends nun rudert unverdrossen unser Kanzler: der Zick-Zack-Kurs geht vom sichersten Kraftwerk der Welt bis hin zur sofortigen Stilllegung (und auch Wendehals Röttgen findet die Diskussion um Kernkraft deplatziert und tritt dann aber doch auch in den Ruderklub ein):

Zwischendrin dann noch das perfekte Chaos (unvorstellbar, wenn dies einem Rohrreiniger passieren würde): Das Deutsche Atomforum wird attackiert. Unter dem Namen des Lobbyverbandes werden satirische und zynische Beiträge im Internet verbreitet. Besonders irritierend dabei die „Warnungen“ des vermeintlich „richtigen“ Accounts. Was richtig ist oder nicht, weiß in diesen Tagen ohnehin niemand mehr…

Wen also wundert es, dass in Folge auch die aufgescheuchte Twitter Gemeinde die wüstesten Vermutungen zwitschert (was wiederum blankes Entsetzen auf der Profiseite auslöst, es  wird gar von der Unerträglichkeit des twitter Seins gesprochen…)

Inmitten des Kernschmelzwahns (ob der Rohrreiniger hier einen angemessenen Platz findet, darf nochmals angezweifelt werden) dann auch richtigerweise Mahner, die auf den Diktator hinter der Tsumaniwelle hinweisen  und dann aber wieder die Rückkehr zu den “wirklich” wichtigen Themen…

Am Ende der Woche dann nochmals Aufregung bei twitter: Nachdem die #japan Katastrophe durch #magath und andere Banalitäten unterbrochen wurden, dann die deutliche Empörung  über die deutsche Enthaltung zum Thema Flugverbot – wer will schon mit China und Russland auf der selben Stufe stehen. Das will nicht mal mehr der kostenbewusste Rohrreiniger…

Turbulentes Wochenende weiterhin durch zwei weitere bittere Nachrichten: Die Twitter Gemeinde trauert um #knut - und wieder schaut der Rohrreiniger in die Röhre, denn so süß wird er nie sein… Nachricht Nummer zwei: #klitschko hämmert medienunwirksam in der ersten Runde seinen Gegner nieder. Und weitere Irritation dann noch am Rande: Trotz Verlusten ist man in der Politik eigentlich immer irgendwie Gewinner…

Zwischenergebnis: Der Rohrreiniger hat aber bis an diese Stelle verstanden, dass TV Werbung teuer sein kann, er hat in diesem Zusammenhang noch das Wort „Streuverluste“ gelernt und damit die Verwirrung noch größer wird, erzählen wir ihm nun noch, dass die Fernsehforschung keinen Sensor an die Klotüren anbringt. Darüber hinaus kann sich der Rohrreiniger nicht sicher sein, dass sein Werbespot wirklich gesehen wird oder ob sich seine Zielperson am Kühlschrank befindet, um sich ein neues Bier zu holen, denn auch dort fehlt der Sensor…

Bis hier hin können wir darüber hinaus für Rohrreiniger und Stützstrumpfproduzenten festhalten: Während bei Facebook gilt, dass nicht jede geistige Blähung gepostet werden muss, wird bei twitter die Farbe der Blähung und der Geruch bis ins Detail diskutiert…

Frage: Was hat das alles jetzt mit der Überschrift zu tun? Antwort: zunächst einmal gar nichts, aber in der Wissenschaft gilt immer der Grundsatz einer hinreichenden Herleitung. Aus Rücksicht auf das allgemeine Bildungsdefizit des Landes wird an dieser Stelle die sozio-mediale Betrachtung unterbrochen, damit niemand durch allzu lange Texte überfordert wird. Morgen geht es weiter mit dem spannenden Thema  High Noon: Das Social Media Duell im Morgengrauen oder wie der Rohrreiniger doch noch an kostengünstiges und vor allem effizientes Marketing kommt….

Dementi

Nach den Irrungen und Wirrungen der letzten Wochen hier einige eindeutige Dementi:

1. Es stimmt nicht, dass RTL zukünftig Klitschko Kämpfe als Kurzfilm vermarkten will

2. Es stimmt nicht, dass Angela Merkel (mit blonder Perücke und unter dem Namen Petra Roth) ein Doppelleben als AKW Gegnerin bei den Grünen führt.

3. Es stimmt nicht, dass die CSU sich als Partei auflösen will, um zukünftig nur noch als Karnevalsverein zu firmieren. Es stimmt in diesem Zusammenhang auch nicht, dass Lederhosen & Laptop gegen copy & paste eingetauscht wird.

4.  Es stimmt nicht, das Alexander Dobrindt jetzt nach der Abkehr von der Atompolitik Minarette in seinen Vorgarten stellt

4. Es stimmt nicht, dass die ARD ein neues Format “Der Zapfenstreich” plant

5. Richtig ist vielmehr, dass der Aufkleber “Atomkraft Nein Danke” bei Amazon ein Verkaufsschlager wurde

6. Richtig ist auch, dass Mind Store Marketing in diesem Blog auch weiterhin NICHT auf lange und verschachtelte Sätze verzichtet

7.  Richtig ist desweiteren, dass auch vor dem Gebrauch des Genitivs nicht zurückgeschreckt wird

8. Angedroht wird darüber hinaus, am Montag, den 21. März einen besonders wirren Beitrag zum Thema Timeline Kompatibilität von Rohrreinigern zu veröffentlichen. Der Beitrag wird aus bildungspolitischen Gründen selbstverständlich in mehrere Folgen unterteilt, damit ihn zur Not auch copy&paste Wissenschaftler verstehen könnten. Titel:

High Noon: Das Social Media Duell im Morgengrauen. Oder: Langweilige Firmeninterna prallen gnadenlos auf sozio-virtuelle Welten – vom unendlich harten Leben der Rohrreiniger

Stay tuned, das Leben ist ein WIRRklichkeitsRAUM

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