Die Göttin im Sandkasten und das Handy

Es war einmal ein Land, das galt als sehr gebildet. Man trug, wenn man morgens ins Büro fuhr, SEINE Zeitung stolz unter dem Arm. Die etwas Konservativeren trugen stolz eine FAZ unter dem Arm, die Liberalen entschieden sich für die Frankfurter Rundschau oder die Süddeutsche Zeitung und wer noch weiter links stand trug die TAZ als intellektuelle Kennung unter dem Arm.

Heute trägt man statt dessen Handies. Man trägt sie, während man durch die Stadt läuft, wie einen Kompass vor sich her, es könnte ja eine SMS verloren gehen. Im Restaurant legt man das Handy demonstrativ neben das Essbesteck. Das suggeriert dem Gegenüber, dass man sehr wichtig ist.

Die neue Göttin hingegen legt kein ordinäres Handy auf den Restaurant-Tisch. Sie hat selbstverständlich ein iPhone. In Ermangelung an  guten Schweinen hat die Göttin im Sandkasten auch sehr viel Zeit, die richtigen Apps herunterzuladen und zu installieren. Sie verbringt Tage und Nächte mit der Suche und Installation.

Sehr stylish ist beispielsweise das weltumspannende Flötenspiel. Man bläst unter rein (dort wo der gemeine User reinspricht), erzeugt dadurch einen Ton, den man durch Drücken der Flötenlöcher auf dem Display modifizieren kann. Der so erzeugte Sound wird dann durch die ganze Welt geschickt und kann mit Herzen bewertet werden. Argentinen: 3 Herzen, Malta zero points…

Es sollen aber auch schon Menschen gesichtet worden sein, die mit dem iPhone telefonieren, also da unten reinsprechen.

Ich geh dann mal Laufen…