Artikel-Schlagworte: „Social Media“
Crowdguessing Brokerage: Trading für Arme
Die Facebook Aktien, so kann man heute überall lesen, werden für 38 Dollar ausgegeben. Das bedeutet so viel, dass Facebook bzw. Mark Zuckerberg ca. 16 Milliarden Dollar in die Kriegskasse gespült bekommt.
Rechtzeitig zum Börsengang startet das Handelsblatt mit einer „spektakulären Innovation“: Via twitter oder Facebook können User eine Schätzung abgeben, wie viel die Aktie am Ende des Tages Wert ist.
An dieser Stelle kommt dann die irritierte Frage zum Wochenende auf: Gibt es denn die Börse nicht mehr?? Dort konnte man früher solche „Wetten“ gewinnbringend platzieren…
Fazit: Crowdguessing – für alle, die sich nicht mehr trauen, Entscheidungen zu fällen, aber doch noch ein wenig dabei sein wollen…
Beziehungsstatus: Angestupst (es geht noch tiefer…)
Wenn man so tut als ob man etwas könnte, kann man theoretisch eigentlich alles. Praktisch macht man zwar nichts, aber das ist nicht besonders schlimm, was zwar nicht das Gleiche ist, wie nichts Besonderes und etwas anderes als etwas Besonderes, aber auch nicht besonders schlimm. Ist das etwa nichts? In Anlehnung an taoistisches Gedankengut: Erst einmal nichts tun und dann abwarten.
Übertragen auf die Wirtschaft: Auch nicht besonders schlimm, denn die anderen sind ja auch Mittelmaß und wen interessiert, dass Robinson Krösus auf eine Schweizer Insel abgewandert ist.
Übertragen auf zwischenmenschliche Beziehungen: Überhaupt nicht schlimm, denn Frauen sind entweder metro-A-sexuell und/oder ritterlichkeitsresistent und junge Männer kennen sich wesentlich besser mit der Playstation aus als mit Frauen, was letztere nicht besonders finden, aber auch nicht besonders schlimm. Damit man nun aus dem passiven metro-A-sexuellen Status herauskommt, gibt es neben dem sozio-deskriptiven und in jeder Lage treffenden „es ist kompliziert“, jetzt auch „angestupst“.
Angestupst kann je nach Lebenslage und Laune interpretiert werden mit “keinen Bock zu reden”, „er liebt mich“, „lass uns was trinken“, „er will eine Beziehung“ (zurückgestupst: Wir sind so gut wie verheiratet), „sie will essen gehen“, „sie will der Nachtisch sein“ bis hin zu „mein Therapeut hat gesagt, ich soll mal klein anfangen…“
Status „angestupst“ ist die Reduzierung der Kommunikation auf die non-verbale Ebene unter 140 Zeichen. Keiner weiß, was es bringen soll, aber stupsen kostet ja auch nichts. Je weniger Hirmasse, desto witziger wird das „Stupsen“ eingestuft. Wenn man keine Zeit oder keine Lust auf Kommunikation hat oder wenn schlichtweg die Fähigkeit hierfür abhanden gekommen ist, dann stupst man mal ne Runde. Der Angestupste ignoriert oder lässt sich auf auf einen hirnlosen Nachrichtenstrom ein (Prokrastination, wir kommen…)
Nochmals übertragen auf die Wirtschaft: Statt einer Mail wie „Ich finde Ihren neuen Ansatz. Und ich würde gerne kommen mit Ihnen zu. Das würde mich wirklich sehr“, stupst man den zukünftigen Kunden einfach an und tut so, als ob man eine Geschäftsbeziehung hätte – und tut dann so, also ob man eine hat. Dies ist die ökologisch korrekte Version, denn niemand verliert Zeit mit Präsentationen, keiner verschwendet Energie im Rahmen von Geschäftsreisen und auch die Rechtsabteilungen hätten weniger zu tun.
Erkenntnis, einen Tag nach dem Tag der deutschen Einfältigkeit: Mind Store Marketing bietet aus oben skizzierten Gründen ab sofort Workshops zum Thema „Extreme Anstupsing“ und selbstverständlich integrieren wir dieses neue Thema auch in unsere Trendtage…
ULD: Stell dir vor es ist facebook und keiner geht hin…
Der Like Button von Facebook ist illegal, so die heutige Meldung von Meedia. Das ULD (Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig Holstein) fordert deshalb Webseitenbetreiber dazu auf, ihre Fanpage bei Facebook zu löschen und Plugins wie den “Gefällt mir”-Button auf ihren Internet-Auftritten zu entfernen. Die w&v vermutet zunächst eine Provinzposse, aber der dort grimmig abgelichtete ULD Chef Weichert schaut nicht aus, als ob er nur das Sommerloch stopfen wolle. 50.000 Euro Bußgeld drohen den Unternehmen im worst case.
Ein Blick auf die 100 größten Unternehmen in Schleswig-Holstein relativiert die Drohung jedoch schnell. Platz eins: Freenet, die laut Impressum ihren Firmensitz in Hamburg haben genauso wie Platz drei: Edeka, die ebenfalls in Hamburg sitzen. Platz zwei: Orlen Deutschland hat bei Facebook ohnehin nur 9 Freunde und den Hauptsitz zudem in Polen…
Von den TOP 100 Unternehmen sind zudem knapp die Hälfte verarbeitendes Gewerbe, also B2B und weitere 16 Prozent im Gesundheitssektor, also auch B2B. Nochmals 8 Prozent im Sektor Verkehr und Nachrichtenverarbeitung also nochmals B2B und der Rest mit Firmensitz in Hamburg, Polen oder Dänemark…
Erkenntnis: Schleswig-Holstein braucht neben Datenschutz deutlich mehr umsatzstarke Unternehmen mit Hauptsitz in Schleswig-Holstein und Hamburg darf NICHT annektiert werden…
Unabhängig davon: Als die Alliierten nach dem zweiten Weltkrieg das Fernsehen einführten, war allen Sendern bekannt, dass derjenige, der sendet auch empfangen werden kann. Auch der ICH-Sender moderner Prägung sollte sich im Klaren sein, dass seine Botschaften auch empfangen werden.
Fazit: Moderne Kommunikation ist und bleibt kompliziert…
Save the Date – der Juli wird trendy
Save the Dates:
4.7.2011: Trendtag Immobilien Stuttgart
Mind Store Marketing startet am 4. Juli mit dem ersten Trendtag Immobilien in Stuttgart.
Robinson Krösus Flucht aus der Kronenstraße
oder:
Warum Erik Ode doch Recht hatte und es für Hausverwalter immer komplizierter wird.
Unter dieser Überschrift wird untersucht, wohin sich die Immobilienbranche bewegt, ob sie Timeline kompatibel ist oder was es mit dem Ende des Normgrundrisses auf sich hat. Unterstützt wird die Veranstaltung durch den Verbund mittelständischer Brand- und Wasserschadensanierer, die Montana Gruppe sowie die SV Sparkassenversicherung.
Für die Trendveranstaltung wurde eine besondere Location gewählt: Das Lava in Stuttgart Degerloch. Die Top-Location im Hollenbachareal öffnet an diesem Tag nur für Mind Store Marketing die Tore und lässt sich etwas Besonderes einfallen. Jedes Trend-Thema des Abends wird von der Küche kreativ aufgenommen und in ein Fingerfood Menü “übersetzt”. Trendige Informationen bei GASpacho und Sicheren Tomaten…
Weitere Informationen in unserem Immobilien Magazin
5.7.2011: Gestaltung & Emotion (TU München – Lehrstuhl Industrial Design)
Sein oder Nicht-Design, das ist hier die Frage: Am 5. Juli findet im Rahmen der Vortragsreihe Gestaltung & Emotion ein Mind Store Marketing Vortrag am Lehrstuhl für Industrial Design (Prof. Frenkler) statt, in dem die Bedeutung der Oberflächendeterminiertheit für den gesellschaftlichen Kommunikations- und Orientierungsprozess thematisiert wird. Der Vortrag basiert auf den Trendthesen 2011. Aufbauend auf diesen Überlegungen entsteht derzeit ein Workshopkonzept “Markenaufbau von innen”.
Weitere Termine:
07.07.2011: Media Lounge Frankfurt (Euro Deli)
12.07.2011: Media Lounge München (Café Freiheit)
14.07.2011: Media Lounge Stuttgart (Lava)
Weitere Trendtage und Kommunikationsworkshops in Vorbereitung.
Stay tuned, der Sommer wird heiß…
Emotionale Aufladung der Marke: Mein erstes Auto
die Studienzeiten sind lange schon vorbei, aber jede Führungskraft, jeder erfolgreicher Business Mensch erinnert sich noch bestens an sein erstes Auto als stünde es erst seit gestern nicht mehr vor der Haustür. Vom Munde abgespart, als Möbelpacker, Kellnerin, Bauarbeiter, Fremdenführer, was auch immer, hart erarbeitet und immer in der Sorge, dass die Reparaturen nicht zu teuer werden und das Geld für den Sprit reichen möge.
Jeder kann garantiert noch eine witzige Geschichte erzählen vom 2,10m-Freund, der oben aus dem Schiebedach des alten Fiat 500 herausragte, vom ersten Kuss am Baggersee im Käfer oder von der ersten Italienfahrt im alten Benz. Erlebnisse, die das Leben prägen…
Heute fährt man natürlich einen Geschäftswagen und um die Reparaturen muss man sich keine Sorgen machen, denn als Manager der Firma XY (hier könnte jetzt Ihre Firma / Ihre Marke stehen) lebt man seinen Traum. Man ist verantwortlich für XXX Mitarbeiter und ein weltweit XXX Umsatz…
In Zeiten ständig steigender Parallelnutzung der Medien ist es wichtig, die Marke emotional aufzuladen und zu personalisieren.
Ganz früher waren es Top Manager wie Daniel Goeudevert oder der Sony Gründer Akio Morita, die gerne von sich und Ihrem spannenden Leben erzählten und somit die Marke positiv aufluden. Heute schreibt man zwar keine Bücher mehr, sondern Blogs, aber das Prinzip ist das selbe: Zeige der Welt, dass du deinen Beruf, dein Leben und deine Marke liebst…
Gemeinsam mit Motorsport-Total.com inszenieren wir Marken. Führungskräfte können sich, ihre Firma und ihre Marke prominent auf der Startseite sowie in frei wählbaren Rubriken präsentieren (z.B. Formel 1 oder Auto& Bike).
Das „mein erstes Auto“ Paket wird maßgeschneidert und individuell angepasst und selbstverständlich stellen wir einen professionellen Journalisten zur Seite und helfen bei der Ausformulierung der Geschichte.
Mein erstes Auto: Position beziehen!
Bekenntnis zur Marke.
Die Macht der Bilder
Am Wochenende gab es nochmals ein letztes Aufbäumen um die Person „Guttenberg“. Es wurde schnell deutlich, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen 500.000 Facebook-Fans und tatsächlichen Befürwortern gibt und so trugen die verzweifelten Demonstrationsversuche eher zum Hohn als zur Ehre Guttenbergs bei.
Die Bilder des Wochenendes verdeutlichen: Die Nation sucht verzweifelt nach Charismatikern und das Thema „Guttenberg“ polarisiert extrem, eine wie auch immer geartete intersubjektive Wahrheit ist nicht zu finden. Für die einen ist es „Menschenjagd“ was mit Guttenberg passierte, für die anderen ist es „gerecht“, für die einen ist er ein Held und für die anderen ein Hochstapler. Für die einen war es die Wissenschaft, die einen “unbescholtenen” Mann zu Fall brachte, für die anderen ist es Betrug, egal ob es sich um einen Scheckbetrug oder um ein wissenschaftliches Plagiat handelt.
Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Diese Frage beschäftigt die Wissenschaft seit ewigen Zeiten. Wie wirklich ist die Wirklichkeit, fragte z.B. Paul Watzlawick und jeder, der diesem Thema auf den Grund geht, tut gut daran, es nicht bis in die allerletzte Konsequenz zu verfolgen, denn die Gefahr einer Einlieferung in die psychiatrische Klinik wäre zu groß. Nicht erst die Wittgenstein/Moorsche Diskussion, was denn ein Baum sei, zeigt, wie unzulänglich unser „Rechenzentrum“ bzgl. einer korrekten Wiedergabe der vermeintlichen Wirklichkeit ist. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir alle hoffen, dass wir das, was wir sehen auch wirklich sehen…
Ein eindrucksvolles Beispiel für die Macht der Bilder war der Fall Jenniger. Hier waren die Bilder eindeutig stärker als die textlichen Inhalte. Nach Jennigers Rede am 10. November 1988 im Bundestag hatte eine jüdische Schauspielerin aus Ergriffenheit die Hände vor das Gesicht gehalten. Dieses Bild signalisierte, dass der damalige Bundestagspräsident etwas “Fürchterliches” gesagt haben musste. Aber selbst die Kommentare in den Zeitungen, die belegten, dass es in Jenningers Rede keine Spuren der Rechtfertigung oder Relativierungen der nationalsozialistischen Verbrechen gab, dass die Reaktionen der jüdischen Schauspielerin lediglich Ausdruck der Erschöpfung und Ergriffenheit waren, dass sie sogar als einzige Jenniger nach seiner Rede die Hand gegeben hatte, dass selbst der damalige Vorsitzende des Zentralrates der Juden Ignatz Bubis ein Jahr später Teile dieser Rede wiederholte, verhinderten nicht, dass Jenniger unter dem Druck der Öffentlichkeit zurücktreten musste. Die Macht der Bilder hatte hier die argumentativen, aber “lediglich” textlich aufgeführten Beweise erdrückt.
Fernsehsendungen, das ist keine neue Erkenntnis, stellen generell im Leben der Zuschauer eine Wirklichkeit aus eigenem Recht dar, unabhängig davon, ob sie den Anspruch erheben, Realität abzubilden oder Fiktion zu präsentieren (vgl. exemplarisch Keppler, A., Wirklicher als die Wirklichkeit? Das neue Realitätsprinzip der Femsehunterhaltung, FrankfurtIM. 1994). Zweifelte man anfänglich noch, ob es zu einer Vermischung von Realitäten kommt, musste man nach eingehender Analyse diverser Fernsehshows einräumen, dass die Inszenierungen des performativen Realitätsfernsehens Macht gewinnen, die die alltägliche Orientierungsfähigkeit unterhöhlen. Die Grenzen zwischen Vermischung der Realitäten und Unterhöhlen der Orientierungsfähigkeit scheinen allerdings so eng gezogen, dass der Verlust der Orientierung zweifelsfrei zu einer Verschiebung der Wirklichkeit führt. Die offensichtliche Inkommensurabilität der beiden Begrifflichkeiten unterstreicht daher nochmals die Frage, ob Fernsehen Realität darstellt oder Realität herstellt. Aus historischer Perspektive stellt Schmidt hierzu hinleitend fest, dass die scheinbar intuitive Plausibilität, Bilder gäben die Realität wieder, in engem Zusammenhang damit stehe, dass der Gesichtssinn als verlässlichster aller Sinne bereits seit Aristoteles gelte (Schmidt, S.l., Die Wirklichkeit der Beobachters, in: Merten, K., Schmidt, S.l., Weischenberg, S., (Hrsg.), Die Wirklichkeit der Medien, Opladen 1994). Sehen hieß damals wie heute: glauben. “Beobachtbare Objekte und Ereignisse gelten als natürlich und real, der Bezug darauf als wahr” (Schmidt). Hieraus könnte man ableiten, dass die mit dem Objektiv (nomen est omen!) der Kamera eingefangenen Lebenswelten somit für den Betrachter als objektiv gelten. Doelker weist deshalb darauf hin, dass die Redeweise von einer dokumentarischen Abbildung durch das Fernsehen irreführend ist. “Zwar scheinen die Fernsehbilder die Authentizität der alltäglichen visuellen Wahrnehmung zu simulieren, aber nur weil der Beobachter und seine Beobachtungs- wie Transmissionsinstrumente unsichtbar gemacht werden, weil Selektion und Formgebung ausgeblendet sind und erst dem Beobachter zweiter Ordnung beobachtbar werden (vgl. Doelker, ‘Wirklichkeit’ in den Medien).
Medienrealität ist allemal eine Konstruktion unter höchst voraussetzungsreichen operativen Bedingungen und zwar eine Konstruktion, die sich immer auf Kommunikation und auf andere Medienangebote bezieht und die wahrnehmungssteuernden Möglichkeiten von Medien unsichtbar ins Spiel bringt. Um Irritationen hinsichtlich einer (Medien- )Realitätsdiskussion zu vermeiden, schlägt Schmidt deshalb vor, nicht länger von der scheinbar selbstverständlichen Differenz zwischen Medienrealität und Lebensrealität auszugehen, sondern die Systemreferenzen einerseits, die Konstruktionsprozesse und ihre empirischen Voraussetzungen andererseits genauer zu berücksichtigen. “In den Organisationen, die für die Produktion und Distribution von Medienangeboten zuständig sind, operieren Aktanten, die – kognitiv und kommunikativ – ständig mit der Konstruktion von Wirklichkeit beschäftigt sind. Sie erzeugen unter den vielfältigen soziokulturellen, ökonomischen, politischen und juristischen Bedingungen der Organisation Medienangebote, die als Kopplungsangebote für kognitive und kommunikative Systeme zur Verfügung stehen. In diese Produktion gehen ihre eigenen Wirklichkeitskonstruktionen als bestimmte Größen ein – ob sie nun dokumentarisch oder fiktional arbeiten. Schmidt hält darüber hinaus fest, dass Fernsehangebote durch die Simulation von visueller Authentizität den Zuschauern suggerieren, dass die Kopplung ihres kognitiven Systems an das jeweilige Medienangebot unter den selben Bedingungen erfolge wie in interaktiven Wahrnehmungsprozessen. Diese Suggestion wird dadurch erleichtert, dass sowohl der verbale als auch der nichtverbale Kanal aktiviert ist. Werden Fernseh-Angebote kognitiv und kommunikativ so realisiert, dass sie bruchlos an eigene Erfahrungen (d.h. an frühere kognitive und kommunikative Prozesse) angeschlossen werden können bzw. ihnen nicht widersprechen, dann wird quasi automatisch der subjektive Eindruck von Realitätswiedergabe entstehen, zumal der komplexe Produktionsprozess von Medienangeboten invisibilisiert wird und Wahrnehmungsprozesse im Beobachter erster Ordnung in aller Regel weder bewusstseinsfähig noch bewusstseinspflichtig ablaufen: Er sieht einen Vorgang, nicht ein Bild auf einem Bildschirm, und reagiert mit dem Körper wie bei interaktiver Wahrnehmung und Kommunikation (vgl. Schmidt).
Die Frage, ob Fernsehen Realität darstellt oder vielmehr herstellt, soll hier in letzter Konsequenz nicht beantwortet werden, zumal, das Verhältnis zwischen Medienrealität und lebenspraktischer Realität erheblich komplexer erscheint, als dies in mancher Publikation dargestellt wird. Dass Fernsehen aus seiner Informations- und Dokumentationsfunktion heraus zu einem Verkörperer des Realitätsprinzips geworden ist, soll an dieser Stelle nicht angezweifelt werden.
Es wurde bis hierhin deutlich, dass die mediale Darstellung von Realität gleichzeitig auch immer individuelle Interpretationsräume eröffnet. Den Grad der daraus resultierenden Realitätsherstellung bestimmt der Zuschauer aufgrund des Grades der eigenen Betroffenheit und Involviertheit letztendlich selbst. Soziale Medien weisen aufgrund eines ungleich höheren Interaktionsfaktors zwangsläufig einen wesentlich höheren Grad an Involviertheit auf.
10 Thesen des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft
Seit heute nun ist es “amtlich”: 10 Thesen des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) unterstreichen die von uns im Januar veröffentlichten Trends 2011:
Der BVDW stellt fest, dass Social Media in Unternehmensorganisationen integriert wird. Hierzu erscheint es wichtig, den “zeitnahe Prozesse” zu vermeiden, Charismatiker an die Spitze zu stellen und Markenaufbau von innen zu betreiben. Nur wenn man es schafft, Kunden, Mitarbeiter und Geschäftspartner zu motivieren und sie zum entscheidenden Multiplikator zu generieren, hat die Marke eine faire Chance im WIRRklichkeitsRAUM.
Social Media Monitoring, so stellt der Bundesverbandes Digitale Wirtschaft in seinen Thesen fest, wird zum Erfolgsfaktor für alle Branchen (wir hatten uns letztes Jahr schon sehr gewundert, warum Firmen und Marken für die klassischen Marktforschung hohe Beträge investieren, für Social Media Monitoring jedoch kein Budget hatten bzw. es schlichtweg ignorierten, ob wohl die eine oder andere Zeitbombe ganz offensichtlich im Netz zu erkennen war).
Last but not least erkennt der BVDW, dass es neben dem Ende der Kampagne (willkommen im WIRRklichkeitsRAUM) auch neue Berufsbilder geben wird.
Wir sind hocherfreut, dass unsere Visitenkarten mit den Aufdrucken Pirat, Hofnarr und Magier jetzt wieder zeitgemäß sind…
Artificial Life: Biotop Facebook (1)
Jeder, der sich damit auseinandersetzt, wie wirklich die Wirklichkeit in Wirklichkeit ist, gelangt an irgendeinem Punkt von der Realität in die WIRRklichkeit oder wie es ein Arzt einer Psychiatrie formulierte: Das Einzige was uns von den Patienten unterscheidet, wir haben einen Schlüssel…
Virtuelle Realität (VR) im engsten Sinn mit Datenbrille und entsprechendem technischem Equipment kann definitorisch als eine von Computern errechnete, primär künstliche Umwelt des Menschen bezeichnet werden, bis hierhin muss sich also noch niemand einliefern lassen. Wie real ist aber unsere Umwelt ohne die bis hier diskutierten Technologien? Schließlich ist die vermeintlich real existierende Umwelt auch “nur” eine vom Organismus errechnete Welt von der wir hoffen, dass unser Rechenzentrum exakte Ergebnisse liefert. C.G. Jung weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass man durchaus sagen könnte, die physische Existenz sei ein bloße Schlussfolgerung, da wir von der Materie nur insoweit etwas wissen, als wir psychische Bilder wahrnehmen, die uns die Sinne übermitteln.
Das Errechnen einer Wirklichkeit wird im Weiteren synonym angenommen für ein Auffassen und Erkennen der Umwelt. Den Grad unserer Abhängigkeit von derartigen “Rechenleistungen” ermessen wir erst, wenn der Rechner versagt. Ein eindrucksvolles Beispiel hierzu liefert Oliver Sacks durch seine Charakteristik eines Malers, der aufgrund eines Unfalls plötzlich farbenblind wurde.
Um uns dem WIRRklichkeitsRAUM sozio-virtueller Prägung zu nähern, bedienen wir uns an dieser Stelle der Foersterschen These (Das Konstruieren einer Wirklichkeit, in: Watzlawick, P. (Hrsg.), Die erfundene Wirklichkeit, 8. Aufl., München 1994, S. 44ff), wonach die Umwelt, so wie wir sie wahrnehmen, unsere Erfindung ist.
Nach Foerster sind unsere Sinneszellen nicht in der Lage, die Qualität der Reize, sondern lediglich deren Quantität zu erkennen. Hieraus resultiert die Frage, welche Auswirkungen computergenerierte, virtuelle Realitäten auf das Verhalten des Einzelnen haben könnten? Kann man doch auch ohne künstliche Welten nicht mit Sicherheit sagen, ob die Welt, die wir wahrnehmen, so ist, wie wir glauben, dass sie existiert – wir nähern uns mit dieser Annahme schon wesentlich deutlicher dem WIRRklichkeitsRAUM, fahren wir also fort mit einem Beispiel von McLuhan: Er stellt fest, dass Nichtalphabeten weder dreidimensional noch perspektivisch sehen können. Vielmehr tasten sie mit den Augen Gegenstände oder Bilder so ab, wie Alphabeten eine Druckseite abtasten. Zu einer Fokussierung, die es ermöglicht, Bilder auf einen Blick zu erfassen, sind sie nicht in der Lage. Die Einführung einer neuen Technik führt somit zu einer Verschiebung der Sinne und somit zu einer (Bewusstseins-)Veränderung der Kultur. Jede neue Technik vermindert das Wechselspiel der Sinne und schwächt das Bewusstsein, und zwar genau in dem Bereich der technischen Neuerungen, wo diese Form der Identifikation des Betrachters mit dem Objekt sich einstellt. Die schlafwandlerische Angleichung des Betrachters an die neue Form oder Struktur bewirkt, dass gerade die am Tiefsten in einer Revolution verwickelten sich am wenigsten ihrer Dynamik bewusst sind (vgl. McLuhan, Gutenberg-Ga1axis, 1995)
Das in den Prozess virtueller Welten verstrickte Individuum nimmt diese somit als real gegeben wahr, ohne sie zu hinterfragen . . Zu den bereits skizzierten möglichen Sinnestäuschungen gesellen sich weitere Unschärfen, die bereits Descartes beschreibt:
“Als ob ich nicht ein Mensch wäre, der des Nachts zu schlafen pflegt, und dem dann genau dieselben, ja bisweilen noch weniger wahrscheinliche Dinge im Traum begegnen, als jenen im Wachen! Wie oft doch kommt es vor, dass ich mir all diese gewöhnlichen Umstände während der Nachtruhe einbilde, etwa dass ich hier bin, dass ich, mit meinem Rocke bekleidet, am Kamin sitze, während ich doch im Bette liege! … Denke ich einmal aufmerksamer hierüber nach, so sehe ich ganz klar, dass Wachsein und Träume niemals durch sichere Kennzeichen unterschieden werden können … (Descartes, Meditationen, 1993, S. 16f; siehe hierzu auch: Popper, KR., Wissenschaftliche Reduktion und die essentielle Unvollständigkeit der Wissenschaft, in: Popper, KR., Alles Leben ist Problemlösen, München 1994, S. 76ff; Popper, KR., Bemerkungen eines Realisten über das LeibSeele-Problem, in: Popper, KR., Alles Leben ist Problemlösen, München 1994, S. 93-126; Wittgenstein, L., Über Gewissheit, Werkausgabe Band 8, 6. Aufl. Frankfurt/M. 1994, S. 365)
Die Descartschen Überlegungen wurden zu einer Zeit zu Papier gebracht, als es noch keine Timelines gab und der Mensch keiner Pseudoinformationsflut heutiger Ausprägung gegenüberstand. Um ein Wievielfaches heftiger hätten Descartes Meditationen zu diesem Thema in Zeiten von Medienkonvergenz ausfallen müssen? Für Descartes stellte sich lediglich die Frage, ob er am Kamin sitze oder im Bett liege. Die Frage, ob er es erlebt oder im Fernsehen gesehen oder in einer Timeline gelesen hat, stellte sich ihm nicht und auch omnipräsente Smartphone-Informationen gab es zu dieser Zeit nicht. Was auf den ersten Blick dem Bereich des phantastischen Films zugeordnet werden könnte (exemplarisch könnte in diesem Zusammenhang der Film “Total Recall” erwähnt werden, der verschiedene Erlebnisebenen verschachtelt und den Zuschauer im Zweifel lässt, ob sich der Hauptdarsteller in der “Realität” oder im Traum befindet) wäre sicherlich zu Descartes Zeit der Inquisition zum Opfer gefallen. C.G. Jung unterscheidet in eigene bewusste Anstrengung und Schöpfung des Unbewussten. Dabei ist er keineswegs sicher, dass das Unbewusste tatsächlich nur seine Psyche ist, da der Begriff “Unbewusstes” bedeutet, dass man sich eben nicht bewusst sein kann, aber dies nur am Rande…
“Die Tatsache, dass man die Stimme im eigenen Traum wahrnimmt, beweist gar nichts, denn man kann auch die Straßengeräusche wahrnehmen, und es würde niemandem einfallen, solche als die Eigenen zu bezeichnen. (vgl. Jung, Psychologie)
Spätestens hier wird deutlich, dass wir uns mit der Problematik der sozio-virtuellen Welten in einem Grenzbereich befinden, der mit rationell orientierten Mitteln binärer Denkweisen nicht ohne weiteres erklärt werden kann. Die Welt der ikonendeterminierten Oberflächen mit Kategorisierungen wie 0/1, wahr/falsch, ein/aus etc. muss somit erhebliche Erweiterung erfahren. Nimmt man den weiter oben skizzierten von Foersterschen Ansatz in Zusammenhang mit dem eben gesagten nochmals auf, ergeben sich nachfolgend dargelegte Überlegungen: Wenn zur Unterscheidung von Wahrheit und Täuschung unsere Sinne nicht ausreichen, da sie nur Quantität, nicht aber Qualität unterscheiden können, um wie viel größer müssen die Irritationen sein, wenn gezielte Manipulationen durch technologische Einrichtungen wie VR, virtuelle Studio- bzw. Filmtechniken oder sozio-virtuelle Oberflächen vorgenommen werden?
Ein grundsätzliches in Frage stellen der empirischen Wirklichkeit oder besser der vermeintlich wirklichen Wirklichkeit – Wittgenstein spricht in diesem Zusammenhang von der “äußeren Welt” (vgl. Wittgenstein, L., Über Gewissheit, Werkausgabe Band 8, 6. Aufl. Frankfurt/M. 1994, S. 123) würde zwangsläufig zu massiven Unsicherheiten für das Individuum führen, die zwangsläufig in der eingangs gestellten psychiatrischen Frage “was ist normal” gipfeln. Die bewusste Vermeidung von persönlichen Unsicherheiten und somit ein Vermeiden von grundsätzlichen Hinterfragungen könnte in einem weiteren Schritt bedeuten, dass auch dargebotene oder vermeidlich erlebte virtuelle Welten grundsätzlich als real eingestuft werden, neigt doch der Mensch, wie Schulze aufzeigt, ohnehin zur subjektiven Vereinfachung der Wirklichkeit (vgl. z.B. Schulze, Erlebnisgesellschaft, 1993, S. 225-230)
Virtuelle Welten, gleich welcher Ausprägungstiefe, werden somit “natürlicher” Bestandteil vermeintlich wirklicher Wirklichkeiten, die Grenzen zwischen virtueller und empirischer Realität werden fließend. Scheinwelten, gleich welcher Art, werden als Normalität empfunden. Was als “normal” gilt oder vice versa, ist darüber hinaus für den Einzelnen in erheblichen Maße auch von Personen abhängig, die er schätzt oder achtet (z.B. Eltern/Kind). Watzlawick weist darauf hin, dass Beeinflussung durch solche Schlüsselpersonen dazu führen kann, dass eine Person ihren Sinnen misstraut, um nicht deren Kritik oder gar Repressalien ausgesetzt zu sein, was in einem weiteren Schritt zu weiter oben thematisierten Unsicherheiten und Konfusionen führen kann. Um nicht als “verrückt” zu gelten, werden Dinge als “falsch” deklariert, die die eigenen Sinne als “richtig” erkannt haben. Die Weiterführung dieses Gedanken führt zwangsläufig zu einem Verhalten, dass dem klinischen Bild der Schizophrenie entspricht. Wenn nun aber eine Kombination aus Beeinflussung durch vertraute Bezugspersonen und virtuelle Welten stattfindet, um wie viel größer muss die erlebte Unsicherheit für den Einzelnen sein? Wenn darüber hinaus wie im Falle sozio-virtueller Welten die gesamte Gemeinschaft die Beeinflussung der Sinne durch mediale Reizüberflutung akzeptiert, führt dies nicht zwangsläufig zu einem Zustand kollektiver Schizophrenie? Wir nähern uns, wie man erkennen kann, deutlich dem WIRRklichkeitsRAUM…
Zusammenfassung für den gebachelten Studenten
Wie versprochen, nach nun sieben Trends an dieser Stelle die Zusammenfassung für den gebachelten (neudeutsch: gebätschelt = noch nicht masterhaft) und gebeutelten Studenten. Um es vorwegzunehmen: Nein, hier soll nicht aus dem sicheren Abstand der comovierten Bildungsfestung auf halbgebildete Nachwuchswissenschaftler herabgeblickt werden, die nach ihrer Ausbildung gerade mal wissen, dass es rechts zum Hörsaal und links zum Klo geht.
Vielmehr soll der Bildungsresignation entgegengewirkt werden und die Offenheit des Geistes postuliert werden. „Geist ist geil“ muss die Maxime allen Handelns werden, „Geil ist Geil“, so haben die Zahlen gezeigt, hat sich ohnehin nicht durchgesetzt. Der Media Markt musste lernen, dass Werbung zwar bedingt den Konsumenten ködern kann, wenn er aber im Laden ist, sollten die Verkäufer sich auch um ihn kümmern und nicht vor ihm weglaufen oder ihn als störenden Faktor behandeln…
Learning zwei: Das Watzlawicksche Fenster in die Vergangenheit ist nur erlaubt, wenn es hilft, vorne neue Perspektiven und Ziele zu finden (Die Anleitung zum Unglücklichsein sei deshalb dringend ans Herz gelegt).
Die Trendidentifikation hat gezeigt, dass Wirtschaft und Politik dringend mehr Männer mit Eiern brauchen und dass eine christsoziale Ministerin und sei sie noch so fromm, sich deutlich mehr mit Eiern beschäftigen muss (auch wenn Themen wie Streetview oder der digitale Radiergummi witziger sind).
Learning drei: Trends zu identifizieren in einem WIRRklichkeitsRAUM macht Spaß, über die Trends zu diskutieren macht noch mehr Spaß, das Ziel muss es jedoch immer sein, selbst Trends zu setzen.
2011 wird das Jahr der Trendsetter!
Trend 6: Intuitive Ballistik – Das Ende der Zielgruppe
Über die Sinnhaftigkeit von Zielgruppen wurde im vergangenen Jahr viel diskutiert. Auch dem Mediaunwissenden leuchtet ein, dass die Zielgruppe 14-49 alles andere als homogen ist und dass der 14jährige durchaus andere Interessen hat, als der 49jährige, muss nicht explizit betont werden.
Das letzte Jahr hat gezeigt, dass die Zielperson der treffendere Begriff wäre. Die Zielperson hat natürlich den entscheidenden „Nachteil“, dass sie nicht homogen ist und mit quantitativen Techniken somit nicht planbar ist. Die Zielperson als solche verlangt vom Marketing ein wesentlich komplexeres und vernetzteres Denken (was das krampfhafte Klammern an den bekannten Zielgruppen erklärt, denn zeitnahe Marketeers müssen sich erst einmal abstimmen).
Bereits an anderer Stelle konnte gezeigt werden, dass sich die multiple Monogamie deutlich von klassischen Haushaltsgrößen unterscheidet, was dem klassischen Marketingmenschen, der in eMail Schubladen denkt und bisher nur Haushalte beglückte, in arge Bedrängnis bringt.
Als Wunderwaffe gegen den Verlust der Zielgruppe wird dann meist der SEM-Zauberstab in Verbindung mit einem Gutschein über 50 Euro aus dem Hut gezaubert – was den kleinen Handwerker sicherlich beeindruckt, nicht jedoch den Marketingprofi. Die Suchmaschine und hier speziell google ist sicherlich ein wichtiger Baustein, aber die Summe aller Teile ist immer mehr als das Ganze.
Fakt ist, dass gesellschaftliches Leben komplexer wurde und wird. Der heutige Homo Optionalis lebt und arbeitet in einem WIRRklichkeitsRAUM, der die sozio-virtuelle Verlängerung des von Schulze beschriebenen „erweiterten Möglichkeitsraumes“ darstellt. Schulze sprach in diesem Zusammenhang von expandierenden Möglichkeitsräumen die allen offen standen, die zahlen konnten. Social Media Welten lassen den Zahlungsaspekt heute in den Hintergrund treten, die Tür in zahlreiche Parallelwelten steht nunmehr fast jedem offen.
Das zielgruppenvernichtende Zauberwort heißt hieraus resultierend „Parallelnutzung“ und ist der Feind jedes einfach strukturierten Mediaplaners sowie der Freund des vernetzt denkenden Mediaprofis (Agenturnetzwerke verordnen demzufolge Nachhilfe). Konnte schon die Fernsehforschung nie sagen, ob die Werbung auch wirklich gesehen wurde, weil der Sensor an Klo- und Kühlschranktür fehlte, so kann die Mediaforschung heute noch weniger konkret sagen, ob der Fokus des Konsumenten auf dem Fernsehbild (ohne Ton), dem davor postierten Laptop (wir nennen ihn nicht Klapprechner), der parallel gelesenen Zeitung (selten gewordenes Medium mit haptischem USP) oder der Radiostation liegt.
Auch DAS Bild DES klassischen Konsumenten ist verschwunden. Die werbetreibende Industrie tut deshalb gut daran, sich an Milieus (gleich welcher Couleur) zu orientieren (auch wenn diese vor Jahren schon tot gesagt wurden, aber tot Gesagte leben nun mal länger…). Otto Normalverbraucher und Markus Möglich haben als marktforscherische Gallionsfiguren ebenfalls ausgedient und ihren letzten Gang ins Marketing-Museum angetreten, wo sie neben Frau Tilly und Clementine einen wohl verdienten Platz gefunden haben. Frau Sommer hingegen scheint noch zu leben. Die ehemalige Sekretärin, die Traumfrau jedes Middlemanagement Managers ist heute alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, das passt besser ins Gesamtbild. Zu ihr gesellt sich die altbekannte Soccer Mom, die als Taxi-Fahrerin mit Diplom (wenigstens kein Bachelor) zwar auch kein wirkliches Familienleben, aber zumindest eine Beschäftigung hat.
Als „neu im Bunde“ werfen wir an dieser Stelle in die Zielgruppendiskussion die Göttin im Sandkasten und die metro-A-sexuelle Frau, die gegen sich selbst und die Playstationspieler kämpft und sich damit abgefunden hat, dass Männer zunehmend schwuler werden (was in der nächsten Trendbetrachtung nochmals vertiefend untersucht werden muss) – sollte die moderne Frau den beiden Typologisierungen nicht entsprechen, dann lebt sie in einer Entziehung und es ist kompliziert…
Auf der männlichen Seite kristallisieren sich ganz grob fünf Cluster heraus: Der nun allseits bestens bekannte und gefürchtete Playstationspieler, der sich mit der Playstation besser auskennt als mit Frauen, der schwule City Cowboy , der aufgrund der allgemeinen gesellschaftlichen politischen Korrektheit und eines schwulen Außenministers immer gesellschaftstauglicher wird (tbd.), Robinson Krösus der das Land (offiziell) verlassen hat und auf einer schweizer Insel lebt (tbd.), der alte König, der gerne auch als (Lebens)Künstler bezeichnet wird, ein ehemaliger Top-Manager, der sich nicht wie alle anderen Business Angel, Interim Manager oder Consultant nennt – Die DAUs, NERDs und PEBKACs werden an dieser Stelle vernachlässigt…
Bis hierhin konnte gezeigt werden, dass unterschiedliche Zielpersonen in einem WIRRklichkeitsRAUM leben. Um einem Marketingverantwortlichen die WIRRkungsmechanismen zu verdeutlichen: Eine Zielperson investiert beispielsweise bei twitter Zeit, die sie eigentlich nicht hat, in Sprüche, die niemand braucht, um dann Leute zu beeindrucken, die die Zielperson zumindest nicht mal mehr kennt. Das Ganze wird dann qua Technologie in Facebook transferiert, wo man die Menschen zwar persönlich kennt, aber gerade deshalb nicht von ihnen beeindruckt ist. Die gleiche Zeit wird dann nochmals investiert, um zu verhindern, dass all diese Sprüche bei XING auftauchen, schließlich will man ja seine Online Reputation nicht ruinieren. An dieser Stelle kommt dann die Marketingabteilung ins Spiel und versucht der gestressten Zielperson auch noch etwas zu „verkaufen“. Die Werbebotschaft konkurriert dann, so konnte an anderer Stelle gezeigt werden, mit espressotrinkenden Motorrädern (sozial-kognitive Dissonanz). Übersetzt: Der Meldung „schwingt sich aufs Motorrad und geht Espresso trinken“ steht beispielsweise „Aperol Spitz, jetzt auch in grün“ gegenüber. Es mag an dieser Stelle sein, dass die Fangemeinde dieses Getränkes seit Jahren auf die Farbe grün wartet, aber die Frau, die den Soziasitz des espressotrinkenden Motorrades besteigen will, ist zu dieser Zeit nur an vier Dingen interessiert: Ist, erstens: noch ein Platz auf der Maschine frei? Zweitens: was ziehe ich an? Drittens: wird mir der Helm die Frisur ruinieren? Und viertens: wo fahren wir hin…? Die Werbebotschaft „Aperol Spitz, jetzt auch in grün“ entlockt bezogen auf die grüne Farbe lediglich ein zaghaftes „fahr nicht so schnell…“
Wie aber gelangt die Markenbotschaft zum sozio-virtuellen Kunden? Die Antwort ist einfach: Intuitive Ballistik – die Umkehrung der Kommunikation unter besonderer Berücksichtigung des Verschwindens der Zielgruppen. Authentisch, ehrlich, direkt, angstfrei und immer verspielt…
Kommunikation der neuen ART.
Trend 1: Arbeiten im WIRRklichkeitsRAUM
Trend 2: Die Religiosität der Marke
Trend 3: Echtzeitkommunikation
Trend 4: Sozial-kognitive Dissonanz
Trend 5: Das Zeitalter der Charismatiker
Trend 6: Intuitive Ballistik – Das Ende der Zielgruppe
Trend 7: Das Ende der Politischen Korrektheit