Artikel-Schlagworte: „Plagiat“

Micaela Schäfer im Dschungelcamp – die FDP bald in der Wüste

„Vollkasko für Ihr Lieblingsstück“, sagt der Presenter von ERGO Direkt und nach den Orgien in Budapest, zeigt das Ferkel dann auch noch ganz frech auf die Genitalien, wie das unten stehende Bild deutlich zeigt…

 

Eigentlich hätte man von der leidgeprüften Versicherung erwarten können, dass sie nach Plagiatsvorwürfen, Sex-Parties und Betriebsrenten-Skandal mit einer intelligenteren Kampagne rausgehen würde, aber nach “Huren und Himmelbett” ausgerechnet auf das „beste Stück“ zu zeigen dann auch noch nachzulegen: „Für alles, was Ihnen lieb und teuer ist“, ist schon etwas dreist…

 

Deshalb konnten auch wir nicht widerstehen und MUSSTEN die Kampagne einfach ein wenig modifizieren…

 

 

Vorsicht! Frei laufende saTIERE in gestrecktem Galopp…

Übrigens: Im Budapester Sex-Skandal führte im letzten Jahr eine ganz heiße Spur zum AWD Gründer Kai Lange, der den AWD 1988 gründete und ihn zusammen mit seinem Schwager Carsten Maschmeyer leitete, was aus heutiger Sicht zur Verwunderung führt, denn die Bild Zeitung hat diese Nähe zu Wulff noch nicht aufgegriffen… Sex Skandale im Schloss Bellevue war noch keine Schlagzeile, obwohl die First Lady ja tätowiert ist und man weiß ja wo das hinführt…

Doch nun wieder Themawechsel: Was hat die Überschrift mit Micaela Schäfer und der FDP mit dem Rest des Textes zu tun? Gar nichts, aber es konnte erfolgreich gezeigt werden, dass Inhalte in der Neu-Zeit nicht mehr wichtig sind, nur noch Headlines, Tweets und Postings….

Gefällt mir…??

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Guttenberg: Ministry of Silly Talks

Am gestrigen Tag ging es hoch her. Nein, es war diesmal nicht die Versicherungsbranche, die ins Gerede kam, Wüstenrot (dem ORGO Vorbild folgend) bleibt Wüstenrot und wird NICHT in WüsterSex umbenannt, es war eine nette ältere holländische Dame, die einen überführten Plagiator  zurück auf die politische Bühne heben wollte und damit das gesamte Netz in Aufruhr versetzte

Der Begriff EU wurde am gestrigen Tage neu definiert: Elitäre Unfähigkeit.

Hoffnungen wurden laut, dass jetzt wohl die beste Zeit sei, sich bei der EU als Berater zu bewerben, die nehmen ja jetzt jeden. Und auch die Tauschbörsen, so wurde vermutet, hätten jetzt wieder Hochkonjunktur. Wen wundert es, wenn der Teufel mit Beelzebub ausgetrieben wird, dass „Eilmeldungen“ kamen, die Bushido als Berater von Lesben- und Schwulenverbänden sahen, Zumwinkel als EU-Berater in Steuerfragen oder Helmut Schmidt als EU-Berater in Sachen Gesundheitspolitik oder gar Helmut Kohl als EU-Berater für Ernährung. Es gäbe noch eine lange Liste weiterer Vergleiche zu nennen, aber es soll jetzt auch nicht übertrieben werden. Zu erwähnen wäre vielleicht noch der Hinweis, dass Chuck Norris jetzt noch die EU-Kommission in Friedensfragen berät…

Egal ob in scherzhafter oder in ernster Form, die (Netz)Politische Welt war sichtlich geschockt, wurde doch einem Mann Ehre zuteil, der als Plagiator nachweislich überführt wurde, der während seiner Amtszeit zudem noch mehr als nur deutlich gemacht hatte, dass er von Internet keine Ahnung (und davon reichlich) hat und der einfach nur krankhaft getrieben irgendeine Bühne sucht, egal welche (wen wundert es da, dass ihn selbst Seehofer noch abwatscht?)

Wir meinen: In Zeiten eines wackelnden Euros, zunehmender Politikverdrossenheit und Vertrauensverlust von Politikern, war der gestrige Tag fatal und die senile Entscheidung einer älteren Dame definitiv der absolut falsche Schritt!

Wir meinen: Richtig wäre es vielmehr gewesen, das Ministry of Silly Walks wieder ins Leben zu rufen.

Ministry of Silly Walks: Macht bessere Laune und ist von der derzeitigen politischen Realität auch nur wenig entfernt…

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ERGO heißt jetzt ORGO

Nachdem man mit Plagiaten (ERGO wurde damals in EMI umbenannt) und anderen Tricks richtig Dampf in die Werbekanäle gebracht hat, nimmt die ERGO Gruppe nun deutlich den Dampf aus der Kommunikation. Statt dessen stößt man im Netz auf zahlreiche satirische Fundstücke, die das Thema mit Begeisterung aufnehmen.

Wir empfehlen der ORGO Gruppe:

  1. Mit einem guten Social Media Monitoring kann man die schlimmsten Tretminen identifizieren und
  2. ggf. intelligent gegensteuern
  3. Markenaufbau von innen bedeutet zufriedene Mitarbeiter und nicht zwangsläufig befriedigte Mitarbeiter
  4. wir empfehlen dringend eine ERGO Therapie

Ein harter Tag im Leben eines Zwitscherers

What a Day! Die Twitter Gemeinde war in heller Aufruhr: Es begann mit einem Streik, den niemand verstehen kann, es streikten die #GDL Lokführer und 26.000 Lokführer erpressen 80 Mio. Deutsche. Der Vorschlag, dass die #Bahn erst einmal die Lokführergehälter um 30 Prozent senken solle, wurde heftigst geretweetet. Keiner versteht, warum die „Gegengewerkschaft“ eigentlich streikt und warum sich zwei Gewerkschaften „bekämpfen“, die ersten Forderungen kommen auf, polnische Streikbrecher zu engagieren und neue “Übersetzungen” von #GDL werden im Laufe des Tages auch gefunden. Die #GDL hat von den Guttenberg Fans gelernt und FAKE Profile erstellt, die sich dann erstaunt fragen, warum man sie wohl entlarvt haben könnte. Ob es wohl an den 19 Followern liegt oder daran, dass man nur #GDL Tweets beantwortet…

Am Ende des Tages dann noch die Live Übertragung eines traurigen Kapitels. Die Twitter Gemeinde fragt sich, warum GEZ Gebühren verbraten werden, von Volksverblödung ist die Rede, großes Entsetzen, weil der Marienhof nicht ausgestrahlt wird und sogar von Skandal ist die Rede. Vermisst wurde dann auch noch Sarah Connor, die aber nicht über jeden Zapfen streicht…

Der Spiegel ist empört und fordert „Abschalten bitte“. Der Spiegel unterstreicht nochmals, dass Guttenberg nicht als Held geht, dass ihm sein Doktortitel aberkannt wurde und dass ein Ermittlungsverfahren gegen ihn läuft.

Andere Stimmen in der Twitter Gemeinde fragen sich anlässlich des #zapfenstreich Dramas, ob die Wahl der Songs wohl passend war. Für jemand, der das Bildungssystem erfolgreich abgefackelt hat, erscheint #Smoke on the Water passend, noch passender wären sicherlich die Prinzen gewesen: Alles nur geklaut…

Und am Ende des Tages wie immer: #GNTM überdeckt wieder alles. Vergessen alle betrügerischen Gedanken und erpresserischen Streiks, es gibt schließlich wesentlich Wichtigeres!

Und vor lauter Streik und Quotenfang wäre das ALLERWICHTIGSTE fast untergegangen: Der Geburtstag von Chuck Norris

Die Macht der Bilder

Am Wochenende gab es nochmals ein letztes Aufbäumen um die Person „Guttenberg“. Es wurde schnell deutlich, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen 500.000 Facebook-Fans und tatsächlichen Befürwortern gibt und so trugen die verzweifelten Demonstrationsversuche eher zum Hohn als zur Ehre Guttenbergs bei.

Die Bilder des Wochenendes verdeutlichen: Die Nation sucht verzweifelt nach Charismatikern und das Thema „Guttenberg“ polarisiert extrem, eine wie auch immer geartete intersubjektive Wahrheit ist nicht zu finden. Für die einen ist es „Menschenjagd“ was mit Guttenberg passierte, für die anderen ist es „gerecht“, für die einen ist er ein Held und für die anderen ein Hochstapler. Für die einen war es die Wissenschaft, die einen “unbescholtenen” Mann zu Fall brachte, für die anderen ist es Betrug, egal ob es sich um einen Scheckbetrug oder um ein wissenschaftliches Plagiat handelt.

Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Diese Frage beschäftigt die Wissenschaft seit ewigen Zeiten. Wie wirklich ist die Wirklichkeit, fragte z.B. Paul Watzlawick und jeder, der diesem Thema auf den Grund geht, tut gut daran, es nicht bis in die allerletzte Konsequenz zu verfolgen, denn die Gefahr einer Einlieferung in die psychiatrische Klinik wäre zu groß. Nicht erst die Wittgenstein/Moorsche Diskussion, was denn ein Baum sei, zeigt, wie unzulänglich unser „Rechenzentrum“ bzgl. einer korrekten Wiedergabe der vermeintlichen Wirklichkeit ist. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir alle hoffen, dass wir das, was wir sehen auch wirklich sehen…

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Macht der Bilder war der Fall Jenniger. Hier  waren die Bilder eindeutig stärker als die textlichen Inhalte. Nach Jennigers Rede am 10. November 1988 im Bundestag hatte eine jüdische Schauspielerin aus Ergriffenheit die Hände vor das Gesicht gehalten. Dieses Bild signalisierte, dass der damalige Bundestagspräsident etwas “Fürchterliches” gesagt haben musste. Aber selbst die Kommentare in den Zeitungen, die belegten, dass es in Jenningers Rede keine Spuren der Rechtfertigung oder Relativierungen der nationalsozialistischen Verbrechen gab, dass die Reaktionen der jüdischen Schauspielerin lediglich Ausdruck der  Erschöpfung und Ergriffenheit waren, dass sie sogar als einzige Jenniger nach seiner Rede die Hand gegeben hatte, dass selbst der damalige Vorsitzende des Zentralrates der Juden Ignatz Bubis ein Jahr später Teile dieser Rede wiederholte, verhinderten nicht, dass Jenniger unter dem Druck der Öffentlichkeit zurücktreten musste. Die Macht der Bilder hatte hier die argumentativen, aber “lediglich” textlich aufgeführten Beweise erdrückt.

Fernsehsendungen, das ist keine neue Erkenntnis, stellen generell im Leben der Zuschauer eine Wirklichkeit aus eigenem Recht dar, unabhängig davon, ob sie den Anspruch erheben, Realität abzubilden oder Fiktion zu präsentieren (vgl. exemplarisch Keppler, A., Wirklicher als die Wirklichkeit? Das neue Realitätsprinzip der Femsehunterhaltung, FrankfurtIM. 1994).  Zweifelte man anfänglich noch, ob es zu einer Vermischung von Realitäten kommt, musste man nach eingehender Analyse diverser Fernsehshows einräumen, dass die Inszenierungen des performativen Realitätsfernsehens Macht gewinnen, die die alltägliche Orientierungsfähigkeit unterhöhlen. Die Grenzen zwischen Vermischung der Realitäten und Unterhöhlen der Orientierungsfähigkeit scheinen allerdings so eng gezogen, dass der Verlust der Orientierung zweifelsfrei zu einer Verschiebung der Wirklichkeit führt. Die offensichtliche Inkommensurabilität der beiden Begrifflichkeiten unterstreicht daher nochmals die Frage, ob Fernsehen Realität darstellt oder Realität herstellt. Aus historischer Perspektive stellt Schmidt  hierzu hinleitend fest, dass die scheinbar intuitive Plausibilität, Bilder gäben die Realität wieder, in engem Zusammenhang damit stehe, dass der Gesichtssinn als verlässlichster aller Sinne bereits seit Aristoteles gelte (Schmidt, S.l., Die Wirklichkeit der Beobachters, in: Merten, K., Schmidt, S.l., Weischenberg, S., (Hrsg.), Die Wirklichkeit der Medien, Opladen 1994). Sehen hieß damals wie heute: glauben. “Beobachtbare Objekte und Ereignisse gelten als natürlich und real, der Bezug darauf als wahr” (Schmidt). Hieraus könnte man ableiten, dass die mit dem Objektiv (nomen est omen!) der Kamera eingefangenen Lebenswelten somit für den Betrachter als objektiv gelten. Doelker weist deshalb darauf hin, dass die Redeweise von einer dokumentarischen Abbildung durch das Fernsehen irreführend ist. “Zwar scheinen die Fernsehbilder die Authentizität der alltäglichen visuellen Wahrnehmung zu simulieren, aber nur weil der Beobachter und seine Beobachtungs- wie Transmissionsinstrumente unsichtbar gemacht werden, weil Selektion und Formgebung ausgeblendet sind und erst dem Beobachter zweiter Ordnung beobachtbar werden (vgl. Doelker, ‘Wirklichkeit’ in den Medien).

Medienrealität ist allemal eine Konstruktion unter höchst voraussetzungsreichen operativen Bedingungen und zwar eine Konstruktion, die sich immer auf Kommunikation und auf andere Medienangebote bezieht und die wahrnehmungssteuernden Möglichkeiten von Medien unsichtbar ins Spiel bringt. Um Irritationen hinsichtlich einer (Medien- )Realitätsdiskussion zu vermeiden, schlägt Schmidt deshalb vor, nicht länger von der scheinbar selbstverständlichen Differenz zwischen Medienrealität und Lebensrealität auszugehen, sondern die Systemreferenzen einerseits, die Konstruktionsprozesse und ihre empirischen Voraussetzungen andererseits genauer zu berücksichtigen. “In den Organisationen, die für die Produktion und Distribution von Medienangeboten zuständig sind, operieren Aktanten, die – kognitiv und kommunikativ – ständig mit der Konstruktion von Wirklichkeit beschäftigt sind. Sie erzeugen unter den vielfältigen soziokulturellen, ökonomischen, politischen und juristischen Bedingungen der Organisation Medienangebote, die als Kopplungsangebote für kognitive und kommunikative Systeme zur Verfügung stehen. In diese Produktion gehen ihre eigenen Wirklichkeitskonstruktionen als bestimmte Größen ein – ob sie nun dokumentarisch oder fiktional arbeiten. Schmidt hält darüber hinaus fest, dass Fernsehangebote durch die Simulation von visueller Authentizität den Zuschauern suggerieren, dass die Kopplung ihres kognitiven Systems an das jeweilige Medienangebot unter den selben Bedingungen erfolge wie in interaktiven Wahrnehmungsprozessen. Diese Suggestion wird dadurch erleichtert, dass sowohl der verbale als auch der nichtverbale Kanal aktiviert ist. Werden Fernseh-Angebote kognitiv und kommunikativ so realisiert, dass sie bruchlos an eigene Erfahrungen (d.h. an frühere kognitive und kommunikative Prozesse) angeschlossen werden können bzw. ihnen nicht widersprechen, dann wird quasi automatisch der subjektive Eindruck von Realitätswiedergabe entstehen, zumal der komplexe Produktionsprozess von Medienangeboten invisibilisiert wird und Wahrnehmungsprozesse im Beobachter erster Ordnung in aller Regel weder bewusstseinsfähig noch bewusstseinspflichtig ablaufen: Er sieht einen Vorgang, nicht ein Bild auf einem Bildschirm, und reagiert mit dem Körper wie bei interaktiver Wahrnehmung und Kommunikation (vgl. Schmidt).

Die Frage, ob Fernsehen Realität darstellt oder vielmehr herstellt, soll hier in letzter Konsequenz nicht beantwortet werden, zumal, das Verhältnis zwischen Medienrealität und lebenspraktischer Realität erheblich komplexer erscheint, als dies in mancher Publikation dargestellt wird. Dass Fernsehen aus seiner Informations- und Dokumentationsfunktion heraus zu einem Verkörperer des Realitätsprinzips geworden ist, soll an dieser Stelle nicht angezweifelt werden.

Es wurde bis hierhin deutlich, dass die mediale Darstellung von Realität gleichzeitig auch immer individuelle Interpretationsräume eröffnet. Den Grad der daraus resultierenden Realitätsherstellung bestimmt der Zuschauer aufgrund des Grades der eigenen Betroffenheit und Involviertheit letztendlich selbst. Soziale Medien weisen aufgrund eines ungleich höheren Interaktionsfaktors zwangsläufig einen wesentlich höheren Grad an Involviertheit auf.

Krisenmanagement: Das Imperium schlägt zurück.

Der gestrige Tag hat gezeigt, dass alle Beteiligten nachrüsten. Seehofer mahnte zur Einheit und verwarnte alle Abtrünnigen. Heute nun der Gegenschlag: Der Bayerische Staatssender lässt den Clip von Professor Lepsius aus dem Netz nehmen, in dem er offen von Guttenberg als Betrüger spricht.

Gleichzeitig aber nehmen die kritischen Stimmen innerhalb der C-Parteien zu. Nach Bernhard Vogel oder Norbert Lammert entzieht nun auch Kurt Biedenkopf Guttenberg das Vertrauen, weil er Schaden für die Partei, das Bildungssystem und die Demokratie befürchtet. Darüber hinaus: Die ausländische Presse fragt sich, wie lange man sich unter diesen Umständen als Minister halten kann.

Die Analyse des bisherigen Krisenmanagements zeigt: Guttenberg hat nach Gutsherrenart   auf Krisenmanagement verzichtet und durch widersprüchliche und vor allem arrogante Aussagen einen extrem hohen Beliebtheitsbonus gezielt verspielt. „Und ich wiederhole vorübergehend…“ – diese Formulierung bei gleichzeitiger Kenntnis des tatsächlichen Dissertationsstandes kann als Stein des Anstoßes gewertet werden. Weiterer kritischer kommunikativer Meilenstein: Die Differenzierung in „Privatmann“ und Politiker bei gleichzeitigem Herunterspielen des Betrugstatbestandes. Dies brachte nahezu die komplette Akademikerschaft gegen die C-Parteien auf die Barrikaden. Der Versuch, via Facebook Seite alle Kritiker als kommunistisch gesteuerte Aktivisten hinzustellen, kann als gescheitert angesehen werden. Das auffallend (!) schnelle Wachstum der Seite und der permanente Hinweis, dass es doch Wichtigeres gäbe, war nicht zielführend. Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob und wie lange man durch Negieren bzw. Herunterspielen eines Tatbestandes an einem Status Quo festhalten kann.

Exkurs: Weniger wissenschaftlich, aber deswegen nicht unzutreffender bringt es der Kabarettist auf den Punkt:

Und auch hier bleibt abzuwarten, wann die Staatsmacht die Urheberschere ansetzt…

Showdown: Die erfolgreiche Spaltung der Nation

Die Case Study Guttenberg geht in die nächste Eskalationsstufe: Es werden Vasallen vorgeschickt. Allen voran unterstreicht der Landesvater, dass es nun genug sei und auch die Bundeswehr stärkt dem Minister den Rücken und selbstverständlich wird auch der Unionsfraktionschef in die Schlacht geschickt. Nach wikpedia bedeutet „Kauderwelsch“ die abwertende Bezeichnung für eine verworrene Sprechweise, für ein unverständliches Gemisch aus mehreren Sprachen oder eine unverständliche fremde Sprache. Seit gestern muss diese Definition jedoch korrigiert werden: Der Begriff stammt vom Unionsfraktionschef Volker Kauder, der im Rahmen einer ZDF Sendung sehr verWIRRendes von sich gab, wie etwa „Guttenberg habe die Konsequenzen gezogen, indem er auf seinen Doktortitel verzichtet habe und damit müsse es nun gut sein“. Die Bildungsministerin, die sich sehr für das Verhalten Guttenbergs schämte, hatte wohl vergessen, ihm zu sagen, dass man einen Doktortitel nicht zurückgibt, wie eine Waschmaschine, deren Garantie abgelaufen ist. Die Doktorwürde fängt mit einem polizeilichen Führungszeugnis an und endet mit der Nomifizierung und kurz vor selbiger steht noch eine kleine dumme „Nebensächlichkeit“: Der akademische Eid!

Neu in der Case Study der kommunikativen Art: Die von der Kanzlerin verhöhnte Akademikerschaft steht auf und sendet einen offenen Brief an Frau Merkel. Die dazu gehörige Facebook Seite wächst kontinuierlich.

Darüber hinaus ist zu erkennen, dass der eine oder andere C-Politiker zwischen Parteilinie und Gewissen schwankt und die FPD setzt sogar ein Ultimatum.

Aus juristischer Sicht werden hilfreiche Argumente zum Thema Integrität etc. in die allgemeine Diskussion eingebracht und der  angeschlagene Noch-Minister kündigt zwischenzeitlich “dramatische Reformschritte” bei der Bundeswehr an – Schaffung von Tatsachen…

Krisenmanagement vorletzter Teil: Nach wüsten Beschimpfungen im Bundestag in der letzten Woche und einem relativ ruhigen Wochenende nun also geordnete Aufrüstung auf allen Seiten, Showdown und warten auf den Staatsanwalt…

#guttbye

Gestern noch ein Held und eine Lichtgestalt, heute schon ein Betrüger und Hochstapler. Prof. Oliver Lepsus von der Universität Bayreuth spricht das offen aus, was jeder Wissenschaftler denkt: Herr zu Guttenberg ist ein Betrüger.

In der Facebook Gruppe „Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“ noch immer die Jagd auf vermeintliche linke Professoren und immer noch keine Einsicht, dass der eigene Held gelogen und betrogen hat. In der Hauptstadt nun die ersten Demonstrationen: #Guttbye. Dem Lügenbaron den Schuh zeigen!.

Aber nicht nur die vermeintlich linke Ecke fängt an nachzudenken, auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) hält es für fraglich, ob Herr ohne Dr. zu Guttenberg noch lange dem politischen Druck standhalten kann.

Dass selbsternannte Plagiatsjäger jetzt auf die Jagd nach weiteren Plagiaten gehen, muss keinen Wissenschaftler wirklich beunruhigen. Dank Herrn ohne Dr. zu Guttenberg haben wir jetzt nicht nur einen Noch-Minister mit gespaltener Persönlichkeit, sondern eine gespaltene Nation, die bedingungslos zum Noch-Minister hält und der die Wissenschaft und die Bildung somit egal ist. Vielmehr und das ist richtig schlimm: Die bestehende Neidgesellschaft wird nun auch noch zur Misstrauensgesellschaft.

Aus Social Media Monitoring Sicht kann festgehalten werden: #guttbye und Betrüger haben es in die Hitliste der twitter Trends geschafft und es darf abgewartet werden, wie es weitergehen wird. Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht zeigt das Beispiel von Herrn ohne Dr. zu Guttenberg sehr schön: Weiße Flagge sofort hoch, schadet in aller Regel nichts, Zick-Zack-Kurs birgt eine große Chance, dass es dann doch in die Hose geht und das kurz vor dem Klo…

The Day After

Das Beispiel von Herrn ohne Dr. zu Guttenberg fängt an, sich famos zum Paradebeispiel sozio-virtueller Kommunikation zu entwickeln. Nach einer beispiellosen Redeschlacht im Parlament wird deutlich: Social Media Krisenmanagement hat gewisse Grenzen. Durch Ruhe und Besonnenheit konnte der Felix Krull wie die Opposition ihn nannte, zunächst wertvolle Punkte holen.

Der Fall KitKat verdeutlicht, dass konsequente Nicht-Kommunikation als Strategie erfolgreich sein kann, der Fall Wolfskin zeigte, dass rechtzeitige Reue, einen Wendepunkt zur Normalität hervorbringen kann und selbst BP und die Verschmutzung der Meere konnten ohne übertriebene Kommunikationsmaßnahmen wieder in ruhige Fahrwasser kommen.

Salamitaktik hingegen, so zeigt das Beispiel Guttenberg, zieht eine lange Ich-hab-da-auch-noch-was-gefunden-Karawane hinter sich her und die nimmt, wie es aussieht gerade mal Anlauf…

Die „Argumente“ im Freundes- und Helferkreis fangen dann an gleichlautend und platt zu werden: „und ist einer von euch ohne schuld so schmeiß er den ersten stein!! doch es stand keiner auf und schmiß!!“ oder „Hoffentlich wird dieser Mann Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland“ und und und…

Aber auch die ersten kritischen Stimmen mischen sich unter die „Fans“, die rasant steigende Zahl an Fans stagniert und auffallend ist auch die Anzahl der „Profile“, die nur 2-3 Freunde haben und merkwürdigerweise kein Foto und die alle sehr positiv eingestellt sind…

Nächste Eskalationsstufe: die Presse fängt an, sich kritisch zu äußern, es wird auch hier nachgebohrt und weiteres Fehlverhalten kommt an den Tag. In dieser Stufe kommen aber auch gefährliche Fragen ans Tageslicht wie „warum etwa mit zweierlei Maß gemessen wird“ und der eine oder andere stellt fest, dass mit dem „Kavaliersdelikt“ das gesamte Bildungssystem beschädigt wurde. So stellt beispielsweise die Süddeutsche Zeitung fest, dass „die Plagiatsdebatte um Verteidigungsminister zu Guttenberg zeigt, was Merkel & Co. sowie ein Großteil der Bevölkerung von der akademischen Welt halten. Wissenschaft ist für sie so unwichtig, dass man dort krumme Touren drehen kann, Forscher sind nur weltvergessene Eierköpfe. Das Ergebnis: Der Minister ist etwas angesengt, die Wissenschaft in Deutschland aber schwer beschädigt.

Und so kann man gespannt sein auf die nächste Eskalationsstufe: Universitäre Prüfung der Täuschung, Staatsanwalt sowie weitere Aufdeckungen?

„Guttenberg habe“, so sagt  der Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano “systematisch verschleiert, plagiiert und getäuscht. „Den Vorsatz“, so der Bremer Professor, kann man bei diesem intellektuellen Betrug dann im Grunde nur noch dadurch verneinen, dass man den Autor für unzurechnungsfähig erklärt”.

Bis hierhin stellt jedoch der Stern fest. “Minister gerettet – Werte verraten“ und auch hier die Frage, wie lange Herr ohne Dr. zu Guttenberg noch auf der Welle der positiven Vorurteile reiten kann – sozial-kognitive Dissonanz der positiven Art…

Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht ist es nun spannend, ob und wie lange sich eine öffentliche Vertrauensperson mit Spitznamen wie Felix Krull, Paste&Copy Minister, Lügenbaron oder ganz direkt Hochstapler an der Oberfläche halten kann. Wie muss ein effizientes Krisenmanagement aussehen?

Salamitaktik, so steht an dieser Stelle fest, ist kein adäquates Mittel des Krisenmanagenentes.

Und ich ich betone vorübergehend….

Fußnoten Gate: Der Verteidigungsminister im Guerilla Krieg

Normalerweise verteidigt ein Doktorand seine Doktorarbeit nur ein Mal. Als Minister, so zeigt der Presse Hype, verteidigt Mann sie zwei Mal. Laut Statistik führen 1,3 Prozent der Bevölkerung diesen Titel, aber 98,7 Prozent tun gerade so, als ob sie Ahnung davon hätten. 99,9 Prozent der Bevölkerung besitzen nicht einmal mehr die Höflichkeit, jemanden mit vollem Namen anzureden. Um nicht missverstanden zu werden: WENN Herr Dr. zu Guttenberg geklaut hat, gehören ihm die Eier UND der  Titel abgeschnitten, das steht außer Zweifel, aber bis dahin stellt sich die Frage, was ist wirklich wichtig in diesem Lande?

Ein Blick in die Google Trends zeigt, dass Herr Dr. zu Guttenberg es zumindest noch nicht in die “Aufsteiger geschafft hat. DSDS, das Dschungelcamp oder Ägypten sind Begriffe, die in den Aufsteigern der Suchmaschine stehen. Eine gezielte Suche “doktorarbeit” verdeutlicht jedoch die große “Nachfrage”…

Kurz vor dem Wochenende nun der einzig wahre Schritt: Konzentration auf das Wesentliche und das sollte qua Amt die Politik sein. Über den Titel hat ohnehin nur die Universität zu entscheiden und nicht die halbgebildete Masse und die Universität wird wissen, was zu tun ist…

Konzentration auf die Politik, das ist das Problem derer, die es hauptberuflich betreiben, kommt seit Erfindung dieses Berufszweiges ohnehin zu kurz, denn ist ein gewählter Politiker in Amt und Würden, benötigt er ca. ein gutes Jahr, um sich einzuarbeiten, dann arbeitet er ca. ein Jahr so, wie es das Grundrecht vorsieht und dann ist er damit beschäftigt, sich wiederwählen zu lassen…

Und was die “Diskussion” um den Titel anbetrifft, so gilt das Gesetzt der Echtzeitkommunikation und in wenigen Tagen ist wieder eine Schneedecke des Vergessens über dem Thema (Dioxin-Eier schmecken schließlich auch wieder lecker) oder wie Postman es nannte: “Und jetzt…”

Zitat Ende.



Good Sound
Google Trends
Office Sound – wir hören gerade…
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