metro-A-sexuell

Einbildung ist irgendwie auch Bildung oder: Die Absolution der metro-A-sexuellen Verpeiltheit

Die Marke, so wird im MARKETING BUCH gezeigt, befindet sich im Spannungsfeld zwischen Magie, Mystik, Religion und Vernunft, letztere erfunden dereinst als die Wunderwaffe gegen eine allmächtige klerikale Vorherrschaft. Vernunft hat jedoch nicht zwingend etwas mit vernünftig zu tun, sondern führt vielmehr in den Zustand eines postmodernen Dauerparadoxons: Das zwangsbefreite Individuum hat nun, beraubt aller Religionen und aller traditioneller Wertewelten nur noch den Glauben an sich selbst und treibt traumatisiert in einem postmodernen Wertevakuum zwischen prometheischer Scham und Lustgewinnungsabsichten (letztere torpediert durch marode, aber dennoch funktionstüchtige Religionssysteme), verstärkt durch reduzierte Kommunikation und Allgemeinbildung. Die Typologisierung der metro-A-sexuellen Frau ist an der Tagesordnung.

In Anlehnung an Mannoni kategorisiert Pfaller in die Sphäre der Einbildungen ohne Eigentümer (i.e. Aberglauben), derzeit in westlichen Gesellschaften massiven Zerstörungen ausgesetzt und unterdrückt durch Einbildungen mit Eigentümer (i.e. Bekenntnis). Die postmoderne Kultur ist in seinen Augen eine Bekenntniskultur, i.e. eine Kultur der massiven Aneignungen der Einbildungen. Niemals musste das Individuum in so hohem Maß selbst an etwas glauben wie in der Postmoderne.

Pfaller konstatiert, dass Unterdrückung der Einbildungen ohne Eigentümer eine Unterdrückung der Lust mit sich bringt, da Einbildungen ohne Eigentümer die Ressource kultureller Lust sind. Die Kultur der Postmoderne ist eine asketische, lustfeindliche Kultur. Lustfeindlichkeit macht das Individuum politisch wehrlos.

Der WIRRklichkeitsRAUM, so konnte gezeigt werden, ist geprägt durch hohe systemische Komplexität sowie linearer Zugriff durch das Individuum sowie die weiter oben skizzierte Bandbreite zwischen Mystik und reiner Vernunft, i.e. der Tod der Götter, die stringente Entmystifizierung der Gesellschaft und die Entzauberung des täglichen Lebens. Als weiteres Element gesellt sich nun die zynische Vernunft hinzu. Dem Glauben an Religiöses wird einerseits abgeschworen, so zeigt Pfaller, und andererseits ist es umso wichtiger, zumindest den Kindern eine religiöse Schule angedeihen zu lassen. Die gelebte zynische Vernunft setzt sich auf staatlicher Ebene fort, die Trennung zwischen Staat und Kirche wird nicht praktiziert, staatlich finanzierte Kindergärten nennen sich evangelische oder katholische Kindergärten, werden jedoch von Atheisten finanziert.

Der postmoderne Unglaube wird Glaube, der Glaube an sich selbst. Der Verlust der Religion zieht denknotwendigerweise weitere sakrale Institutionen in Mitleidenschaft. Pfaller führt in diesem Zusammenhang den Soziologen André Béjin auf, der in westlichen Gesellschaften die ehelose Zweierbeziehung (mariage extra-conjugal) als Normalkonstellation erkennt. Konnte sich der doppel-codierte Ich-Sender postmoderner Prägung früher nicht entscheiden, ob er die Stadtwohnung oder den Landsitz nehmen sollte, ob er Cabrio fährt oder SUV und demzufolge ALLES wählte, so entscheidet er sich heute nur ungern für eine längerfristige Verpflichtung. „Emotional unbelastet“ lautet demzufolge die sozio-mediale Übersetzung von Singles und es kommen partnerschaftliche Konstrukte zustande wie  Beziehungsstatus „On The Rocks“, „angestupst“ oder „vorläufig Schluss“.

Die Facebook Seiten zu Beziehungsstati und – problemen schießen wie Pilze aus dem Boden. Angefangen vom „Beziehungsstatus: Ich gehe mit meinem Teddy x3“  für die etwas jüngeren Frauen/Mädchen, die schon ihre ersten schmerzlichen Erfahrung machen mussten (knapp 13.000 Mitglieder) oder „Beziehungsstatus ; Papa Sagt Nein x3“ (ähnliche Altersgruppe, aber knapp 26.000 Fans) über „Beziehungsstatus : Single & es ist unkompliziert : )“ mit knapp 13.000 Fans als „Gegenwelt zu unserem „Es ist Kompliziert (das einer Erweiterung der Beziehungsebene um die wesentlich komplexere Welt der Kommunikation beinhaltet) bis hin zum „Beziehungsstatus: Ich hol mir ‘nen Keks“ mit knapp 13.000 Mitgliedern. Zeitgemäß sicherlich auch: „Beziehungsstatus: Die Route wird neu berechnet.“ mit gut 7.000 Anhängern. Die Facebookseite „Beziehungsstatus: emotional verkrüppelt“ verfügt zwar nur über 3.000 Mitglieder, beschreibt den gesellschaftlichen Ist-Zustand jedoch recht deutlich.

Nicht neu, aber immer wieder treffend: „Beziehungsstatus: “ein händchen für arschlöcher“  mit gut 26.000 Fans, was dem antiquierteren „wer will schon nett“ sehr nahe kommt. Erfahrungsgemäß stecken die Mitglieder solcher Gruppen in einem „Schweinezyklus“ zwischen „Forever Single“ und „Suche nach dem guten Schwein“ (ABER: gute Schweine aber sind rar).

Die an anderer Stelle diskutierte multiple Monogamie ist zwar ein gesellschaftlich akzeptiertes Lebensmodell (sofern nicht öffentlich praktiziert), gilt aber aufgrund des wesentlich höheren Kommunikationsbedarfes in weiten Teilen der Bevölkerung als undurchführbar.

Bis hierhin konnte gezeigt werden, dass die Sinnsuche des religionsbefreiten Individuums stark verworrene Pfade geht. Erschwerend hinzu kommt, dass sich zur deutlich reduzierten Kommunikation eine extrem gesteigerte technologische Abhängigkeit gesellt. Über 66 Prozent der Bevölkerung in Großbritannien leiden an  Nomophobie, der Angst, ohne Handy leben zu müssen. Den „Phantomschmerz“, will heissen die Einbildung, dass das Handy geklingelt haben könnte, kennt man aber auch hierzulande und jeder konnte das an anderer Stelle beschriebene Info-Picking metro-A-sexueller Frauen mehrfach beobachten. Dekontextuiertes Info-Picking als auf die Spitze getriebenes Symbol einer hilflosen Sinnsuche in einer „perfekt“ atomisierten Gesellschaft. Im Mittelpunkt steht immer der Mensch, heißt es in fast jeder Corporate Culture Broschüre großer Konzerne…

Definiere Mensch!

 Übrigens:

Teile des Marketing Buches werden morgen in der Akademie des deutschen Buchhandels vorgestellt.

06.11.

Vortrag (Social Media Schwerpunkt) Akademie des deutschen Buchhandels

Vortragstitel: Die Göttin im Sandkasten an der ansprechBAR oder: Warum Verlage neue Markenstrategien und Vertriebswege brauchen könnten

Ort: München

12.11.

Vortrag (Media Schwerpunkt): “Robinson Krösus Flucht aus Erlenstegen oder: Warum die Marke unbedingt Teil der Lebens-Fernbedienung werden muss, sich die Kommunikation verändert und der Bundestrafficminister Ramsauer Jopi Gottschalk bald nur noch im Klapprechner sehen kann

Ort: Nürnberg zusammen mit dem

Kommunikationsfachverband CommClubs Bayern e. V

es wurde versprochen, laaaangsam zu sprechen….

Anmeldung über die Seite des Bayerischen Kommunikationsfachverbandes:

15.11.

Buchvorstellung im kleinen Kreis (Schwerpunkt: Immobilien Marketing)
Ort: Areal-7, Stuttgart

27.11.

Vortrag in Köln (International Digital Forum) – Vortragstitel: “Der unautonome Angstgartenzwerg im WIRRklichkeitsRAUM oder: Warum plötzlich dank global media jeder in New York deutsch versteht

Veranstalter: OBAN MULTILINGUAL SEO

Anmeldung: über amiando

29.11.

ManagementTrendForum im Schloss Monrepos.

„Unternehmer und TOP Manager im Spannungsfeld zwischen Social Media Verlockungen und technologischen Tücken“

Anmeldung: Schloss Monrepos

30.01.2013

Media für den Mittelstand – Trendtag organisiert von Studenten der Akademie der media als Abschlussarbeit des Kurses “Virales Marketing”

 

International Digital Forum Köln : Die Göttin im Sandkasten und ihre Flucht aus Köln Ehrenfeld.Oder: Warum der Bundestraffic Minister Ramsauer seinen Kampf gegen transnationale Marken verliert und Thomas Gottschalk bald nur noch im Klapprechner sehen kann.

Mind Store Marketing ist am 26. Juli auf dem International Digital Forum in Köln mit der ortsbezogenen Keynote: Die Göttin im Sandkasten und ihre Flucht aus Köln Ehrenfeld.Oder: Warum der Bundestraffic Minister Ramsauer seinen Kampf gegen transnationale Marken verliert und Thomas Gottschalk bald nur noch im Klapprechner sehen kann.

Ein Kennzeichen unserer Keynotes / Trendtage ist ohne Zweifel die etwas längere Überschrift, die aber in aller Regel im Laufe eines Vortrages „aufgelöst“ wird. Wichtig anfänglich nur: Sie macht neugierig…

Wer also wissen will, warum der Bundestraffic Minister Ramsauer seinen Kampf gegen transnationale Marken verliert, muss am 26. Juli unbedingt ins DOMFORUM Köln, Domkloster 3 kommen. Dort wird er konfrontiert mit provozierendem Infotainment, er muss mitdenken (Querdenker können erfahrungsgemäß leichter folgen), wenn es um Typologisierungen geht wie die Göttin im Sandkasten (in Verbindung mit Ritterlichkeitsresistenz und De-Heroisierungsprozessen), Robinson Krösus oder die metro-A-sexuelle Frau.

Untersucht wird in Köln der crossmediale WIRRklichkeitsRAUM im Spannungsfeld transnationaler Marken. Darüber hinaus wird eine sozio-virtuelle Typologisierung als Orientierung für das Marketing skizziert.

Basis für den Vortrag sind wie immer Social Media Analysen, empirische Forschungen, Einzelexplorationen, Expertengespräche und Geomarketing Ansätze.

Wann:

26. Juli 2012 

Wo:

DOMFORUM Köln

Domkloster 3

50677 Köln

Einlass:

16.30 Uhr

Beginn:

17.00 Uhr

Anmeldung:

International Digital Forum

 

 

 

 

 

 

SCHLECKER – Foll Daneben

„For You, Vor Ort“ lautet der neue Claim von Schlecker und die w&v findet ihn doch tatsächlich peinlich. Wir finden ihn eher ein wenig inkonsequent, denn eigentlich müsste es ja heißen: „For You. For Ort“… oder doch „Vor You. Vor Ort“…??

In einer Zeit in der man sich nicht mehr trifft, sondern meetet oder datet (schreibt man das jetzt mit einem englischen „d“ am Ende?), in einer Zeit, in der Medienwirksamkeit wichtiger ist, als geistige Größe und gebachelte und gebeutelte Studenten verängstigt (und meist metro-A-sexuell) mit einem Kompass (den sie Smartphone nennen) durch die Gesellschaft huschen, in dieser Zeit ist eine Claim wie For You. For Ort. absolut zeitgemäß. Das findet dann auch die Schlecker Kommunikation und verweist darauf, dass der Claim durch sein “provokant kalauerndes Denglisch” besonders gut im Gedächtnis bliebe und noch dazu kontroversen Gesprächsstoff liefere. An dieser Stelle schließt der Bundestrafficminister verzweifelt seinen Klapprechner zu und empfiehlt, die Kette in Picky Eater umzutaufen (Schlecker ist der Schwäbische Begriff für jemand, der nur ganz bestimmte Dinge isst, die er mag…).

Doch zurück zur Firma Picky Eater: In diversen Schreiben verteidigt Schlecker den Claim, denn schließlich ist er ja für das niedere bis mittlere Bildungsniveau der Kundschaft gedacht….

Damit liegt Schlecker foll im Trend, denn ein Blick ins Hartz IV Vernsehen unterstreicht die Pisa Schräglage der Gesellschaft follends. Wir halten also vest: Robinson Krösus hat das ungebildete Land ferlassen, die ferbleibende Media Elite hat sich eine eigene Sprache geschaffen, verner gilt: Geil ist Geil statt Geist ist Geil oder wie es Amir Kassei ausdrückte: Aus einem kranken Arsch kommt kein gesunder Furz…

 

Ganz unten, so zeigt die Firma Schlecker, geht immer noch ein wenig tiefer. Was die Inkonsequenz mit dem For vs. Vor anbetrifft, so stellen wir einen „Gegenvorschlag” ins Netz und wünschen ein schönes Wochenende…

Beziehungsstatus: Gutes Schwein

Der Orgasmus eines Schweins, so kann man seit Tagen auf facebook lesen, dauert 30 Minuten (dahinter kann man dann in Klammern lesen: Oh. Mein. Gott !!!). In den Folgesätzen der Geschichte kann man dann ebenfalls in Klammern lesen, dass der jeweils Postende die Geschichte mit dem Schwein noch nicht ganz verarbeitet hat  – wen wundert dies, denn so lange alle verpeilt, metro-A-sexuell und/oder Playstation spielend durchs Leben gehen, sind 30 Minuten EXTREM viel – Klammer zu.

Wir versuchen an dieser Stelle (ohne an die 30 Minuten zu denken) gemeinsam (klar, dass alle nur noch an das Schwein und die 30 Minuten denken) eine praktikable Lösung zu finden. Als Forschungsdesign für die 30-Minuten-Studie wird die antiquierte Form Mann (also richtiger) trifft Frau (also nicht metro-A-sexuell). Die entscheidende Frage (vergiss doch bitte jetzt das Schwein) ist: WO trifft der homo social-medialis auf das passende Weibchen/Männchen.

Wenn er bei Facebook stupst, so haben die Forschungen ergeben, ist die Wahrscheinlichkeit, REAL jemanden kennenzulernen gleich NULL (wahlweise könnte man jetzt einfach gezielt nach Profilfotos vorgehen und sich die jeweilige Person in den Freundeskreis „einverleiben“, dann aber steigt statistisch gesehen die Chance, dass facebook den Account sperrt – auch diese Forschungsreihe ist erfolgreich abgeschlossen). Es bleibt also nur der Gruppe „Sex ist okay, aber anstupsen geht dann doch zu weit“ beizutreten und dann den Gang ins reale Leben anzutreten (das ist dort, wo die twitterer nach #kaffee und #duschen jeden Morgen angeblich hingehen – kalt #duschen hilft ihnen vorher, die 30 Minuten mit dem Schwein aus dem Kopf zu bekommen).

Damit die sich der Forschungsansatz (wir lieben Jugend forscht) nicht in der Realität verliert, gilt es Plätze zu finden, die paarungswilligen Einzelmenschen den Kontakt erleichtern. Schwierig, denn die Wiesn ist vorbei (und die Wasn muss noch üben, aber das ist nochmals eine andere Geschichte und es sollen an dieser Stelle mit Sprüchen wie „„Wiesn, wasn sonst“ auch keine alten Wunden aufgerissen werden).

Begeben wir uns also an einen Platz, der für den zivilisierten Menschen EXTREM wichtig geworden ist: Wir gehen zum autorisierten Nespresso Espresso Dealer. Dort, so weiß man, treffen sich jeden Samstag hunderte Espresso-Süchtige, um in der Schlange zu stehen und die wöchentliche Zuteilung zu empfangen (und sich beschimpfen zu lassen, weil die Maschine so lange nicht entkalkt wurde, aber auch das ist nochmals eine andere Sache und würde wieder in die 30-Minuten-Ecke führen, die zwar nicht schweinisch ist, aber extrem kompliziert…).

Der lokale autorisierte Nespresso Espresso Dealer im Breuninger (das ist der Ort, an dem man am Samstag alle Menschen trifft, die von den 30 Minuten sehr beeindruckt sind), erleichtert die Kommunikation nochmals erheblich, indem er das Personal an der Espresso-Probier-Station reduziert. Mann könnte sich also locker über das Management beschweren (nicht über die blonde Bedienung, denn die ist SPITZE und könnte dadurch ebenfalls für Gesprächsstoff sorgen) und so mit der Brünetten, die neben einem steht ins Gespräch kommen. Die ist aber so fixiert auf das Geschehen, dass sie die einzige Bedienung angiftet, weil sie immer noch nicht an der Reihe ist und statt dessen die Dicke vom anderen Ende des Tresens bedient wird, so dass eine Kommunikation mit ihr vollkommen unmöglich wird (ob das Schwein auf 30 Minuten kommt, weil es wesentlich entspannter als die Brünette ist?).

Weitere Kontaktmöglichkeit bzw. Gesprächsstoff: Der neue limitierte Nespresso Espresso des Monats – DHJANA – garantiert nicht FAIR aber limitiert. Die blonde Bedienung zaubert in Windeseile 4 (in Worten vier) limitierte Espressi in 4 (in Worten vier) Gläser und man kann beim ersten Schluck 4 (in Worten vier) entsetzte Gesichter beobachten, die alle SOFORT eine weitere Zuckertüte im Espresso versenken und einen weiteren Schluck nehmen. Es folgen erneut 4 (in Worten vier) entsetzte Gesichter und auch die Milch, die in alle 4 (in Worten vier) Espressogläser geschüttet wird, rettet die Situation nicht. Beruhigend nur, dass die Sorte limitiert ist…

Dank der limitierten Nespresso Espresso Sorte (unfair durch bitteren Geschmack), kommt es also nicht zur erhofften Kommunikation, die erwünschten 30 Minuten rücken wieder in weite Ferne (unfair auch: man darf die blonde Bedienung nicht mitnehmen, die war echt klasse, aber das ist nochmals eine andere Sache)

Zur Neutralisierung des limitierten Espresso Geschmacks begeben wir uns in ein szenebekanntes Schnellrestaurant – nein, kein schottisches, sondern ein szenebekannter Curry-Wurst-Tempel in den der Stuttgarter als solcher gerne pilgert. Da die Ausgabestelle extrem klein ist, sollte man meinen, wenigstens dort ins Gespräch zu kommen, aber auch hier Fehlanzeige: Alle Gäste sind extrem mit den dort servierten Speisen beschäftigt und man sieht, dass jedem der selbe Gedanke durch den Kopf geht (nein, nicht die 30 Minuten, sondern, die Frage wo ist die nächste Apotheke mit Talcid ist). Ansonsten hoffen alle Gäste, dass die blubbernde Sauce, die der unfreundliche „Koch“ über die Curry-Wurst gießt (was nutzen dem armen Schwein die 30-Minuten, wenn es dann in so einer elendigen Curry-Wurst endet…), nicht genau so schlimm schmeckt, wie sie aussieht (auf eine detaillierte Beschreibung wird an dieser Stelle verzichtet, wir hoffen aber, dass es dem Koch bald wieder besser gehen wird).

Zurück zum Forschungsdesign: Wir treten nach missglücktem Praxistest (die Apothekerin, die das Talcid verkauft hat, war zwar auch lecker, aber auch sie musste in der Apotheke bleiben) diversen Facebook Gruppen bei und verweisen vor allem auf die erfolgreiche Mitgliedschaft in Gruppen wie „Richtige Männer drücken Frauen beim Küssen gegen die Wand!“ oder „Mit Frauen spielt man nicht – außer sie sind ans Bett gefesselt!“ und warten ansonsten, ob sich die blonde Nespresso Dealerin aus dem Breuninger meldet. Darüber hinaus sind wir ab Mittwoch in Berlin bei der Preopening Vernissage der Kunstmesse STROKE.

Und was hat die Geschichte nun mit der Überschrift zu tun? Ganz einfach: Gute Schweine genießen länger als nur 30 Minuten…

 

Duscht du schon? Neue Aspekte für Hersteller von Duschen.

Früher sagte man: Golfen Sie schon oder haben Sie noch Sex? Heute müsste die Frage umformuliert werden: Duschen Sie oder haben Sie noch Sex? Es kann festgehalten werden, dass sich die „Sportarten“ mittlerweile drastisch geändert haben. Zu der Statusmeldung „ich geh dann mal Laufen“ gepostet von metro-A-sexuellen Frauen bei facebook hat sich ein „Ich bin dann mal duschen“ bei twitter gesellt (zweifelsohne einer der gängigsten Tweets). Das metro-A-sexuelle Weibchen signalisiert mit dem #duschen, dass sie unter der sexy H&M Kleidung theoretisch wie praktisch nackig ist und simuliert somit die nicht (mehr) vorhandene Sexualität. Das Playstation-Männchen tut dann so, als ob er auch mit duschen wolle bzw. es auch dürfe…

An dieser Stelle wird jedoch schnell deutlich, dass hier auf der Seite des Männchens der Wunsch der Vater des Gedanken ist und auch die metro-A-sexuelle Frau tastet sich mehr theoretisch in Richtung eines erweiterten MöglichkeitsRAUMes . Weitere Erkenntnis: Kurz vor der Quarterlife Crisis, soviel erscheint gesichert, wird geduscht…

Vereinzelt kann beobachtet werden, dass sogar recht provozierend mit dem Thema Duschen umgegangen wird. und  weil man sich sicher sein kann, dass ohnehin kein Männchen Anstalten machen wird, mit unter die Dusche zu kommen, kann Frau sich sogar extrem weit aus dem Fenster lehnen bzw. auch die unerfahrene junge Frau kann sich durch das Thema Duschen gefahrlos an eine vermutete Sexualität wagen… (irritiert zwar durch die die These einer Guerilla Marketing Agentur, wonach “duschen”  das moderne Wort für nicht mehr vorhandenen Sex zu sein scheint, aber das ist dann nochmals eine andere Sache…)

An dieser Stelle kann festgehalten werden:

  1. Duschen passiert längst nicht mehr zu Reinigungszwecken
  2. Kein einziger Hersteller von Duschen geht auf dieses Phänomen ein: Weder Duravit noch Kaldewei oder Bette.
  3. Wir sind käuflich und helfen Herstellern von Duschen gerne in Social Media Welten
  4. Unabhängig davon: Twitter Frauen scheinen mehr unter der Dusche zu stehen als im realen Leben
  5. Last but not least: Bietet man einer Duscherin einen realen Teller Spaghetti an, wird man sofort wegen zu großer Sexualitätsnähe entfreundet und entfolgt…

FAZIT: Das mit dem Duschen,  es ist kompliziert

 

Deifi, deifi, im Ohr hab ich nur geilstes HiFi…

Übersetzung für alle Nicht-Bajuwaren: Höre gerade teuflisch guten Sound über meine neuen Audéo-Kopfhörer von Phonak. Als Untertitel hätte man noch schreiben können: Warum metro-A-sexuelle Frauen dank eines Schweizer Kopfhörers nun doch noch gefühlsecht durchs Leben kommen, aber man soll es ja nicht übertreiben…

„Ich geh dann mal Laufen“ mit dieser Facebook Statusmeldung beendet die metro-A-sexuelle Frau ihren harten Bürotag, wirft sich in eine absolut stylische Sport Kluft, halftert ihr iPod, und joggt der Abendsonne entgegen. Dieses Szenario wurde an dieser Stelle mehrfach diskutiert, heute jedoch ist es an der Zeit, nicht noch einen Schwank auf Kosten einer verpeilten Bevölkerungsgruppe zum Besten zu gegeben, sondern endlich mal eine ritalinfreie Alternative zu präsentieren: Ein Wunderwerk der Technik, ein eidgenössisches Klangerlebnis der anderen ART. Nein, es geht jetzt nicht wieder in die satirische Richtung. Für  alle lauffreudigen, sportbegeisterten jungen Frauen soll hier eine echte Neuheit präsentiert werden: Der Audéo-Kopfhörer von Phonak. Vorbei die Zeiten, als sich schöne Frauen mit kleiderschrankgroßen Ohrmonstern verunstalten mussten. In-Ear lautet das Zauberwort, der Mikrochip fürs Ohr oder wie es der Hersteller nennt: PFE Perfekt Fit Earphones. Vorbei also auch die an anderer Stelle reichlich zitierten Crossrealityeffekte, aber das ist nochmals eine vollkommen andere Sache…

Die Schweizer Kopfhörer können dem joggenden Gehör durch spezielle Audio Filter angepasst werden, der Klang kann so den individuellen Hörvorlieben angepasst werden – Klangerlebnis pur.  Perfekt auch, dass Audéo  die akustischen Signale über den Kopfhörer direkt in den Hörkanal schickt, was Umweltgeräusche auf ein Minimum reduziert. Kein Lärm, kein Alltagsgeräusch dringt in das zarte Öhrchen der metro-A-sexuell joggenden Frau.

Was wohl auch typisch für einen eidgenössischen Kopfhörer Hersteller ist: Schweizer Understatement verbietet es, all diese guten Eigenschaften auf der eigenen Website zu sagen. Wenn man mehr über Audéo wissen will, schlägt man eine eidgenössische Zeitung seines Vertrauens auf und kann dann wundervolle Sachen über wundervolle In-Ear Kopfhörer lesen, die man nicht mittels eines Schönheitschirungen implantieren lassen muss. Aber bei Kopfhören zum Joggen gilt wie bei allen Dingen im Leben: Man muss einfach nur durchkommen… Durchkommen durch das Nadelöhr Homepage (zumindest die Startseite, dach ist man bereit, die Kopfhörer auch zu verkaufen). Marketing auf Schweizer Art: Die Guten kommen durch…

Ich geh dann mal laufen.

Quarterlife Crisis

Die Überlegungen zum Thema metro-A-sexuelle Frauen haben gezeigt, dass ein Thema getroffen wurde, dessen gesellschaftliche Relevanz gerne übersehen wird: Eine ganze Generation in der Krise, Quarterlife Crisisdauerverpeilt und „unbrauchbar“ für die Gesellschaft oder wie es der Spiegel in Anlehnung an einen Buchtitel formuliert: Jung, erfolgreich, kreuzunglücklich…

Die Reaktionen junger, gebachelter und gebeutelter Frauen auf die Theorie der metro-A-sexuellen Frau haben gezeigt, dass man während einer oberflächlichen Abitur-Deluxe-Ausbildung gerade mal weiß, dass es rechts zum Hörsaal und links zum Klo geht, was danach kommt, steht in den Sternen. Die Dozenten scheinen genauso hilflos wie die Studenten. Männliche Reaktionen auf die metro-A-sexuelle These gab es erwartungsgemäß keine, die Männchen haben sich offensichtlich vollends zurück an die Playstation verzogen oder aber degenerieren vom Typus facebookinkompatibel zur gesellschaftlichen Randgruppe (mit einem Minderheitsanteil von ca. 70%).

Die Bücher zum Thema Quarterlife Crisis sind in der klassischen Buchhandlung bereits vergriffen, Amazon liefert allerdings noch Titel wie Quarterlife Crisis: Die Sinnkrise der Mittzwanziger oder Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will und viele mehr…

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass es eine Fülle von lebensberatender Literatur gibt, die Wege aus der Verpeiltheit anbieten, Flirten leichter machen (wenn man schon keinen Job bekommt, dann soll man doch wenigstens lernen, wie man richtig flirtet, auch wenn man nicht vorhat, durch die Zielgerade zu gehen… ). Fazit: Viele Bücher, die aber nur denen wirklich helfen, die sie schreiben oder verkaufen…

Die Presse greift das Thema Quarterlife Crisis nur recht zaghaft auf. Befragt werden dann Psychologen, die jedoch ohne konkrete Handlungsanweisungen sind und darauf verweisen, dass es in den USA bereits Workshops gibt oder das man doch mal raus an die frische Luft soll. Eigentlich müsste man meinen, dass die Presse Amok läuft, wenn der komplette akademische Nachwuchs nach dem Studium vor dem Nichts steht, wie es die Süddeutsche tituliert.

Auch die Wissenschaft schweigt bis auf wenige Ausnahmen. Bolz weist darauf hin, dass der Mann angesichts feministischer Gleichheitsforderungen in einer Falle steckt, die in der Psychiatrie als Double Bind bezeichnet wird: „Echter Mann“ vs. Reaktion auf Delegitimation der Männlichkeit, was wiederum für die junge Frau zur Folge hat, dass in der dressierten Männermasse keine brauchbaren bösen Spieler zu finden sind, sondern nur noch nach politischer Korrektheit strebende Männchen (Alles Schlampen außer Mutti…). Mit Ritalin und Prozac, so Bolz, erzeugt man politische Korrektheit. Prozac verhilft depressiven Frauen zu Selbstbewusstsein und Ritalin wird hyperaktiven Jungs verschrieben – soziales Lernen qua ärztlicher Verschreibung. Eine Generation wird geistig ruhig gestellt…

Ob in der hier skizzierten Problematik zuerst die Henne oder das Ei da war, soll an dieser Stelle unwissenschaftlich außer Acht gelassen werden. Fact: die metro-A-sexuelle Frau trifft auf verängstigten Mann mit extrem guten Highscores, aber ansonsten unbrauchbar. Kommunikation ist demzufolge nicht zielgerichtet, denn damit können beide Seiten nicht umgehen. Aus Neil Postman´s Klassiker „Wir amüsieren uns zu Tode“ wird „wir Flirten bis zum Umfallen“ (vor Müdigkeit ohne brauchbares Ergebnis).

Es folgt die Erkenntnis, dass zwischen Reden und Kommunizieren ein gewaltiger Unterschied besteht. Darüber hinaus folgt in diesem Zusammenhang die starke Befürchtung, dass wir mit der Quarterlife Crisis einem Modewort aufgesessen sind. Sicherlich, durch die Bildungsmisere gingen viele Werte verloren. Erschwert wird die Diskussion dadurch, dass die Politik aus Menschen mittlerweile Bürgerinnen und Bürger gemacht hat. Festzuhalten ist, dass es der Generation Quarterlife Crisis an Wertewelten und Leitbildern fehlt, was die am Anfang des Jahres aufgestellte Forderung nach dem Aufbruch ins Zeitalter der Charismatiker unterstreicht. Andererseits zeichnet sich unter den weiblichen Vertretern eine deutliche Ritterlichkeitsresistenz ab. Wer einer klassischen Vertreterin der Genration Quarterlife Crisis in den Mantel helfen will, muss damit rechnen, dass sie ein Pfefferspray zückt, weil sie Ritterlichkeit nicht gewohnt ist. Die Autoindustrie unterstützt, indem sie mittels Keyless Systems Sorge trägt, dass der Gentleman alter Prägung der Frau nicht mehr die Türe aufhalten, sondern sie lediglich vor plötzlich aufspringenden Türen retten kann. Die allseits postulierte Zwangsgleichheit führt letztendlich zum Kampf der Geschlechter, beispielsweise wer im Restaurant den Wein als erster verkosten darf, die weiter oben zitierten Flirtanleitungen stoßen hier deutlich an die Grenzen. Das Spiel mit einem Lächeln und einem Augenzwinkern scheint in Vergessenheit geraten zu sein…

Bolz weist darauf hin, dass im Rahmen des Strebens nach politischer Korrektheit dem Gleichheitswahn keine Grenzen gesetzt sind: Wer einen Behinderten nicht als „anders befähigt“ anerkennt, macht sich des Ableism schuldig und wer in der Schönheit einen Verdienst sieht, leidet an Lookism und so kommt es, dass junge Frauen einen verzweifelten Weg in die soziale Phobie antreten, denn wegen ihrer Schönheit soll der edle Ritter sie nicht „beschützen“ und so gehen sie oftmals lieber den einsamen Weg in die Bulimie oder die Anorexie…

Das Ich-Bin-Schon-Gross-Phänomen gibt der junge Frau enorme Freiheiten, die sie jedoch mit einem deutlichen Verlust an Geborgenheit und Aufgehobensein bezahlt. Lernen aus der Sicherheit des beschützten Modus heraus ist in Vergessenheit geraten. Die einstige Idealkombination aus jugendlicher Schönheit und erfahrener Gelassenheit wird auf dem Altar des gleichmacherischen „ich-kann-das-alleine-Aktionismus“ geopfert. Die traditionellen Bande der Ritterlichkeit zwischen dem alten König und der jungen Prinzessin werden jäh zerschnitten. Einsam und alleine kehrt der alte König zurück in sein Ereignisreich und ferngesteuert schwebt die info-picking Schönheit durch den erweiterten möglichkeitsRAUM, setzt sich verzweifelt an die vorstellBAR, ohne sich jedoch in den erlebnisRAUM zu trauen…

Quarterlife Crises, so kann festgestellt werden ist ein weiterer Baustein auf dem Wege zum Konformismus des Andersseins, der in der allgemeinen Facebook-Fröhlichkeit untergegangen ist und am Ende, so viel steht fest, behandeln wir ohnehin wieder die Falschen

Nespresso Espresso Marketing

Nachdem es gelungen war, für das Landhaus in einem trotz der Werbekampagne ungeilen Elektrogeschäft in der Stuttgarter Innenstadt eine Nespresso Espresso Maschine zu kaufen, also eine dieser Espresso Maschinen, bei der immer ein Flügel von Himmel fällt, folgt nun der zweite, wichtige Schritt: Die logistische Glanzleistung, die Nespresso Espresso Maschine mit Espresso zu befüllen – was ohne abgeschlossenes Design-Studium fast aussichtslos ist, denn nur der geübte Blick findet die richtige Espressomischung ohne sich von der Farbe der Kapsel ablenken zu lassen.

Natürlich hätte man die entsprechenden Kapseln per Internet bestellen können, dann aber hätte man eine eMail von Nespresso bekommen, warum man denn nicht beim Nespresso Espresso Shop vorbeikomme, schließlich sei man in den letzten drei Wochen schon sieben Mal in der Nähe gewesen (wir erinnern uns: Beim Kauf der Nespresso Espresso Maschine bekam man einen Schlüsselanhänger mit Chip „geschenkt“).

Also: gezielter Gang zum Nespresso Espresso originalvereidigten Dealer Shop in Stuttgart. Learning eins: Wenn man voller Stolz bei facebook eingeben will, dass man sich in Stuttgart bei einem Nespresso Espresso originalvereidigten Dealer Shop befindet, muss man feststellen, dass die Stuttgarter Nespresso Espresso Maschinen Homebase nicht anklickbar ist. Ein statt dessen eingegebenes „ich bin im Breuninger“ erzeugt verständlicherweise keine „likes“, denn wer will sich schon am Samstag outen, dass er sich mitten unter der Landbevölkerung im Stuttgarter Sachbearbeiterparadies befindet.

In der Breuninger Nespresso Station angekommen, die erste Ernüchterung: Der Begriff „lungo“ bekommt angesichts der Schlange im Nespresso Espresso originalvereidigten Dealer Shop eine vollkommen neue Bedeutung…

Statt der Schlange also erst einmal an die Nespresso Probier Bar. Dort verlangen alle „den Neuen“ und wenn es also etwas Neues gibt, dann will man das natürlich auch testen und ordert ebenfalls den Neuen. Jetzt aber der erste Fehler: Die Frage, wie der Neue denn heißt. Der böse Blick der dicken Bedienung spricht Bände: Wieder einmal ein Nespresso Club Mitglied (zu erkennen am Schlüsselanhänger), der sich NICHT vorher informiert hat. Die Dicke ist jedoch gnädig und serviert „den Neuen“ trotzdem.

Jetzt aber der zweite Fehler: Der Neue schmeckt und es folgt die unbedarfte Frage nach der Mischung – aufgrund des bösen Blickes nach dem ersten Fauxpas bewusst keine Fragen nach Höhenlage, Jahrgang, Aroma und Kopfnote im Abgang… Dennoch: ein zweite böser Blick der Dicken und ein Hinweis auf die Fachverkäufer am anderen Ende der Schlange…

Es bleibt also nur das Einreihen in die  Nespresso Espresso Fan Schlange und die vage Hoffnung, noch vor Ladenschluss an den Altar zu kommen, um die geheiligte Nespresso Espresso Hostie zu bekommen. Auf halber Strecke nähert sich von rechts eine typisch metro-A-sexuelle Frau mit der zickigen Bemerkung „viel zu lang diese Schlange“. Sie geht. „Dann trink doch den dünnen Supermarktkaffee“ denkt sich jeder in der Schlange befindliche Pilger auf dem Weg zum Nespresso Espresso Priester. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man weiss, dass man länger anstehen muss, das Doppelte zahlt, dafür aber viel buntere Tabs und elegantere Darreichungsformen bekommt. Wir glauben alle an die Religiosität der Marke und warten gerne auf die Absolution am Ende der Schlange und gerne lassen wir uns von kleinen dicken Verkäuferinnen beschimpfen….

Dann die Erlösung. Der vereidigte Nespresso Espresso Papst winkt gnädig den nächsten Kunden zu sich, fragt nach dessen Wünschen und erklärt auch noch, was die Dicke nicht konnte: Mischungsverhältnis, Jahrgang, Hanglage, Höhenlage, Land, politische Zustände, ökologische Unbedenklichkeit…

Und er setzt sogar noch einen oben drauf: Er besteht nicht darauf, dass man den Stoff in der eigens dafür kreierten Designer Papier Tasche abtransportiert, sondern gestattet dem Motorradfahrer, das die geheilten Hostien im Rucksack mitgenommen werden. Das vollendete Nespresso Espresso Marketing Paradies – vergessen ist die kleine Dicke, die lange Schlange und dass sich die italienische Verkäuferin aus dem ansonsten ungeilen Stuttgarter Elektrogeschäft noch immer nicht gemeldet hat…

Warum wir ohne Design eigentlich nicht mehr leben können

Wenn man sich die heutigen Computer ansieht, kann man es sich heute fast nicht mehr vorstellen: Der Computer ENIAC (Weiterentwicklung des, nomen est omen,  COLOSSUS) war 30 Meter lang, drei Meter hoch, einen Meter tief und wog 30 Tonnen. Er enthielt 18.000 Röhren, 70.000 Widerstände, 10.000 Kondensatoren, 6.000 Schalter und ein Gewirr von Anschlussdrähten. Genauso monströs wie der Rechner-Umfang war auch die Bedienung. Niemand erinnert sich heute noch an Lochkarten oder Magnetbänder und niemand kann sich vorstellen, wie umständlich diese 0/1-Geschöpfe „gefüttert“ werden mussten. Jede Operation musste von Spezialisten programmiert werden.

Heute erleichtern stylische Oberflächen und intuitive Benutzerführungen den Umgang mit der Maschine. Zudem haben alle vergessen, dass es eine Maschine ist. Das “schwarze Loch” vor dem der Anwender einst sitzen musste, in das er mit grüner Leuchtschrift für ihn schwer nachvollziehbare Computerbefehle auf Betriebssystemebene eingeben musste, ist in Vergessenheit geraten. Oberflächen, sei es von Apple oder Microsoft, ermöglichen eine symbolgestützte Kommunikation. Hochkomplexe interne Rechnervorgänge werden auf einfachste Ikonen reduziert. Bolz und Bosshart definieren Benutzerfreundlichkeit deshalb als funktionelle Einfachheit bei struktureller Komplexität.

Ikonendeterminierte Kommunikation reduziert jedoch auf der anderen Seite Komplexität der Sprache auf ein funktionales Mindestmaß. Das Individuum kann sich außerhalb vorgegebener Oberflächen kaum oder nur schwer bewegen. Die Gesellschaft ist zweigeteilt in Menschen, die Telefone noch nutzen, um „unten“ hineinzusprechen und „oben“ zu hören und andere die sie als mobile Design-Oberfläche der modernen Gesellschaftserkundung nutzen – dekontextuierte Interaktion statt Kommunikation.

Symbolgestützte Oberflächenkommunikation hat mehrere Wurzeln. Zum einen war und ist es sicherlich Apple, die mit dem iPhone einen Kompass der kommunikativen Art hervorbrachten, wie er seinesgleichen sucht. Man trägt ihn vor sich her, schaut minütlich auf die leutende Glasfläche, verpasst so keine Mail, keinen facebook Kommentar und keinen Tweet. Das Individuum muss sich aus dem digitalen 0/1-gefällt-mir Kommunikationsfluss nicht ausklinken, eine Rückkkehr in die analoge Gesellschaft ist nicht zwingend nötig. Apple hat eine allumfassende Oberfläche erschaffen, die einer ganzen Generation Halt und Orientierung gibt – andererseits wurde damit zwar auch die Ära der metro-A-sexuellen Frauen beschleunigt, die sich aus dem gewohnten Kommunikationsstrom verabschiedete, aber das ist eine andere Geschichte…

Eine weitere gesellschaftsprägende Oberfläche kommt von Google. Das Descartsche „cogito ergo sum“ wurde umgewandelt in: Was Google nicht findet, gibt es auch nicht. Der Weg in Online Welten startet zu einem Großteil via Google (oft auch, wenn die URL bekannt ist). Google hat es geschafft, von der rein begrifflich funktionalen  Suche in den Olymp der Sinn-Such-Oberflächen aufzusteigen. Nicht nur das Individuum, sondern auch der Entscheider legt Opfergaben auf den Altar der weltumspannenden SinnOberfläche. Im Zeitalter der medialen Parallelnutzung bedeutet SEM Verlagerung garantierte Präsenz an den Suchwegen der Multimediakarawanen.

Auf der gesellschaftlichen Seite, dort wo die Atomisierungsprozesse unaufhaltsam voranschreiten, dort also wo es richtig menschelt, sind es Oberflächen wie facebook, die dem Individuum Orientierung in einem Wertevakuum bieten.

Da facebook jedoch amerikanisch, puritanistisch geprägt ist, bietet es nur den metro-A-sexuellen Bevölkerungsgruppen und denen, die ohnehin auf keine Antwort warten, eine ausreichende Orientierungsoberfläche. Parallelitäten  zu twitter sind unübersehbar. Was bleibt sind demzufolge die klassischen Single-Portale. Aber auch hier zeigt sich die dominante Vorreiterrolle von facebook. Neben 1-3 führenden Portalen, deren Existenzberechtigung an einem seidenen Faden hängt, verspielt die Masse der bestehenden Single-Portale durch antiquierte Matching-Methoden mit ca. 100 Abfragekriterien gerade die letzten Sympathiepunkte beim User, denn nur der Typus „facebookinkompatibel“, der sich haarscharf an der Verzweiflungsgrenze entlang hangelt, ist bereit, mehr als 3 solcher grenzdebilen Fragen zu beantworten. In der heutigen, ach so cleanen Welt jedoch scheint sich keiner der Betreiber zu trauen, einen entscheidenden Neuanfang zu starten und die, von vielen Usern, verzweifelt gesuchte zielführende Oberfläche anzubieten, die zeitgemäß, timeline kompatibel und dennoch nicht metro-A-sexuell ist. Statt dessen schaut man zu, wie einstige Größen wie freenet oder single.de zu Fake-Sammlungen degenerieren oder wie das einst mit Kultfaktor ausgestattete Portal Lokalisten zum Kindergarten mutiert.

Unabhängig von der fehlenden Oberfläche, die reales Leben zielführend mit Timelines verbindet, ist Design das Bindeglied zwischen neuzeitlicher Kommunikation und der Religiosität der Marke. Design ist die Kathedrale in der die Timeline den neuen Markengöttern huldigt. Design ist der Botschafter, der Komplexität in reduzierte Sprachwelten trägt. Design ist der letzte Identifikationshort für eine ansonsten kultur- und farblos gewordene Gesellschaft.

Seitenbacher Guerilla

Wer im Schatten von Kellogs und Co. schwäbisches Müsli auf den bundesdeutschen Markt wirft, muss sich werblich schon etwas Besonderes einfallen lassen. Gut gemacht also: Der schwäbische Werbespot schärft ganz vorzüglich die Positionierung und hämmert gnadenlos die Botschaft in die Köpfe der Konsumenten. Nachteil von Hausmacherwerbung: Nicht jeder findet Seitenbacher Werbung witzig, um es höflich auszudrücken, aber ihren Zweck erfüllt sie allemal. Sie wird koschtengünschdig produziert und was wichtiger ist, sie wird gerne parodiert

Die mediale Hebelwirkung ist dem Seitenbacher sein Karle sicher (schwäbischer Genitiv). Am Wochenende hat Seitenbacher aber noch mal richtig einen oben drauf gesetzt und eine Guerilla Marketing Aktion der schwäbischen Art gestartet: Seitenbacher zeigte allen Besuchern des Schwabenlandes, die aufgrund des Radiospots fluchtartig das Land verlassen wollten, wie schön doch das Schwabenland ist. Seitenbacher organisierte hierzu eine Fremdenverkehrsführung durch die schwäbische Alb. Alle die am Wochenende gen Bayern fuhren, konnten im Radio hören, dass der Lämmerbuckeltunnel von Freitag 22.00 Uhr bis Sonntag bis 21.00 Uhr gesperrt war und weiträumig umgeleitet wurde.

Bereits bei der Raststättte Gruibingen wurde die Autobahn auf eine Spur verengt, damit sich der Reisende auf die engen Landstraßen mental vorbereiten konnte. Mit dem Motorrad konnte man die etwa sechs Kilometer lange Schlange gut studieren.  Die Kleinwagen hatten wegen der fehlenden Klimaanlage fast alle die Fenster geöffnet, 70% aller Kleinwagenfahrer sind starke Raucher, 30 % tun so, als ob sie LKW Fahrer wären und versperren Motorrädern den Weg. Das haben sie im Urlaub gelernt, weil ihr Auto so klein ist, verwechseln sie es schon mal mit den Handtüchern, die sie am Pool ausgelegt haben, aber das ist jetzt noch mal eine andere Geschichte…

Zurück zum Seitenbacherstau. Nachdem man die Schlange passiert hat, sieht man die sofort Ursache: In der Ortschaft Mühlhausen im Täle hat Seitenbacher die Ampel abstellen lassen. So müssen alle Autos, die von der Autobahn kommen, erst nach links und rechts schauen und warten, bis die Landbevölkerung vorbei gefahren ist. Dann erst geht es mit Tempo 30 durch das schöne Dorf (Seitenbacher hat extra noch zusätzliche Baustellen anlegen lassen, damit der Durchgangsverkehr Zeit hat, nach rechts und links zu fahren). Die Route führt ins 17 km entfernte malerisch gelegene Geislingen. Damit die Autobahnkarawane zusammenbleibt, hat Seitenbacher viele Fußgängerampeln installiert, die den Tross zum Verweilen einladen.

Von Geislingen dann weitere 18 km nach Merklingen, damit der Reisende Gelegenheit hat, sich die legendäre Märklin Eisenbahnshow anzusehen. Alles in allem fast vierzig Kilometer Offroad Cruising durch die schwäbische Alb, Landschaft pur und Gemeinschaftsgefühl inklusive. Seitenbacher sei dank. Eines jedoch hat das schwäbische Käpsele vergessen: Verkaufsstände am Straßenrand! Bei der kilometerlangen Schlange hätte ein Plakat einen G-Wert von mindestens 300 (für alle metro-A-sexuellen Frauen: Das ist eine Markforschungseinheit der GfK für Plakate und nichts Unanständiges). Der benachbarte Kirschenstrich zeigt, dass Generationen von Gärtnern und Landwirten mit dieser Praxis gut leben.

Also woischt Karle, das nägschde Mal au a Müsli verkaufa, net bloss schwätze…

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