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Trend 1: Die prometheische Scham des 21. Jahrhunderts
Die prometheische Scham ist ein kulturpessimistischer Terminus, der jedoch in der heuten bildungspolitischen Schräglage untergegangen bzw. nie angekommen ist. Die heutige gebätschelte Ausbildung (Abitur Deluxe) mit Reduktion im schulischen und universitären Bereich und vor allem zu jungen Eintrittsalter in die Unternehmungen (Hochschul, ja – Reife, nein), legt keinen Wert auf historische Zusammenhänge oder gar Transferdenken bzw. hat einfach keine Zeit mehr dafür. Der postdiplomgebildete Mensch kennt demzufolge den Terminus „fremdschämen“, aber WTF ist Prometheus…? Der Erklärungsansatz, dass Prometheus ein Grieche war, ist in heutigen Zeiten ebenfalls wenig zielführend…
Auch der Hinweis auf eine griechische Gottheit dürfte beim gebätschelten und gebeutelten Studenten nur ein „Gott ist tot und mir ist auch schon ganz schlecht“ hervorrufen. Deshalb setzen wir an dieser Stelle, sorry lieber Student, zu einer etwas längeren Deduktionskette an. Für den gebätschelten Studenten: Wir schauen ganz weit zurück, um dann weiter vorne zu einer neuen, endgeilen Erkenntnis zu kommen und hier dann noch die Erklärung für den Marketing und Media Professional: Wir verlassen den Pfad der quantitativen Techniken und versuchen durch die weiter oben angedrohte Deduktionskette zu einem neuen Verständnis der Gesellschaft zu gelangen, was übersetzt so viel bedeutet: Wenn du das Klickvieh besser verstehst, kannst du es besser ansprechen und mehr Umsatz machen.
Nachdem mittels der beiden vorangehenden Formulierungen gleichermaßen für Student und Marketing Professional sichergestellt wurde, dass kein Leser abspringt, kann nun mit einer uferlos ausschweifenden Betrachtung der prometheischen Scham begonnen werden:
In seiner fleischlichen Tölpelhaftigkeit, in seiner kreatürlichen Ungenauigkeit vor den Augen der perfekten Apparaturen stehen zu müssen, so sagte einst Günther Anders, müsse dem Mensch als Unterlegener, aber gleichzeitig vermeintlicher Vertreter höheren Seins, unerträglich sein. Der Begriff der prometheischen Scham als Lebensgefühl einer Epoche? Anders, Horkheimer, Adorno oder Spengler zählen zu den Vertretern des Kulturpessimismus des 20. Jahrhunderts und natürlich könnte man jetzt schon alleine aufgrund dieser Kategorisierung versuchen, die Thesen zu widerlegen. Anders selbst verweist auf die Leichtigkeit dieses Unterfangens hin: „Es gibt nichts Prekäreres heute, nichts was einem Mann so prompt unmöglich macht, wie der Verdacht, er sei ein Maschinenkritiker“ (Die Antiquiertheit des Menschen). Wir haben also auf der einen Seite den alchemistischen Wunsch des Menschen nach Unsterblichkeit, exemplarisch verdeutlich durch Gehlen, der unterstreicht, dass Technik eine anthropologische Grundausstattung für das Mängelwesen Mensch ist. An dieser Stelle unterstellen wir, dass die industrielle Revolution nicht nur einen Wechsel von der Agrar- zur Industriekultur mit sich brachte, dies kann als gesichert angesehen werden, sondern, und jetzt, für den gebätschelten Studenten, kommt die Unterstellung, sich ebenso stark auf die damals noch existierende Geisteskultur auswirkte. Mit fortschreitendem Stand der Technik wuchs der Mensch in eine Doppelfunktion: Er wurde zum Träger und Getragenem der Technologie, zum Erfinder und gleichzeitig zum Opfer, er wurde Produzent und zugleich Konsument (auf eine detailliertere Betrachtung des Prosumenten (amazon: toffler/third wave) wird an dieser Stelle verzichtet). Ohne ein Wertung vornehmen zu wollen, wird festgehalten, dass eine Akzentuierung der Technik und die damit verbundene neue Schaffenskraft im Menschen das Verlangen induzierte, in einer zunehmend entgöttlichten Welt selbst „Schöpfer“ im religiösen Sinn zu sein. Die denknotwendige Fortführung der begonnenen Deduktionskette führt demzufolge zur weiteren Unterstellung, dass nicht nur die in der Renaissance verbannte priesterliche Mittlerstellung auf dem Altar der Technologie geopfert wird, sondern die zentrale Stellung der Religion selbst. Zwischenfrage: Kann an dieser Stelle noch jemand folgen?
Kehren wir zurück zum Menschenbild versus Maschinenbild. Im Fokus steht jetzt jedoch nicht die Gehlen´sche organische Unterlegenheit des Menschen oder wie Anders es formuliert, dass der Mensch bzgl. Kraft, Tempo, Präzision seinen Apparaturen unterlegen ist und dass auch seine Denkleistungen im Vergleich mit den „computing machines“ schlecht abschneiden, sondern (ja liebe gebätschelte Studenten, das ist ein langer Satz, aber dafür wird der damit zusammenhängende Metamorphosegedanke vernachlässigt) der Übergang von den „computing machines“ zum Medium und somit zum mediengeprägten Gesellschaftsbild heutiger Fasson (der Aspekt des „Untergangs des Abendlandes wir an dieser Stelle nicht explizit berücksichtigt, dennoch: Spengler war überzeugt, dass Maschinen den Menschen zum Sklaven ihrer Schöpfung machen würden. Solange es jedoch eine ausreichende Zahl von Ingenieuren, wissenschaftlichen Priestern der Technik, gebe, könne der Satanismus der Maschine unter Kontrolle gehalten werden, Zitat Ende).
Bleiben wir bei Günther Anders, der den Jazz als industriellen Dionysos-Kult bezeichnete. Formulierungen wie „Die auch heute noch vielfach als „negroid“ abgefertigte Jazzmusik verdankt ihr Dasein nicht etwa nur (wenn überhaupt) der „Blutserinnerung an Wüste und Urwaldtrommel“; vielmehr ist sie (mindestens zugleich) „Maschinenmusik“, das heißt: eine Musik, die diejenigen Tänze in Gang bringt, die Menschen der industriellen Revolution angemessen sind“. Die Fortführung des Zitates würde den Autor aus heutiger Sicht sehr nahe an rassistisches Gedankengut bringen (darf man ja noch nicht mal mehr vom Negerkuss reden) bzw. es verwundert nicht, dass einige Vertreter des Kulturpessimismus (z.B. Paul de Lagardes et al.) als Wegbereiter des Nationalsozialismus gelten. Zitiert wurde dennoch oder gerade deswegen, da die polarisierende Aussage geeignet ist, eine neuzeitliche Diskussion zum Thema Medien zu initiieren – nicht auszumalen, was Anders zu Hip-Hop, Techno, House & Co. gesagt hätte…
Wir halten fest: Niemand echauffiert sich heute noch wirklich über Musikrichtungen. Darüber hinaus wird eine weitere Behauptung aufgestellt: Das „Maschinenbild“ (Maschinen werden heute wesentlich „liebevoller“ iPhone oder Mac genannt) wird weitgehend unreflektiert in gesellschaftliche Prozesse integriert – Ausnahme: Burn-Out, also in Momenten, in denen die Maschine dann doch ihr Opfer fordert und ggf. abgestellt werden muss…
Zurück zur „Maschine“, sie liefert heute nicht nur bunte Bilder, sie ist auch Tor zur Welt. War Günther Anders noch der Meinung, dass die Welt zum Individuum kommt, so gilt es heute, eine Definition zu finden, wer nun zu wem kommt.
“Die Schmids und die Smiths konsumierten die Massenprodukte nun also en famille oder gar allein; je einsamer sie waren, um so ausgiebiger: der Typ des Massen-Eremiten war entstanden; und in Millionen von Exemplaren sitzen sie nun, jeder vom anderen abgeschnitten, dennoch jeder dem anderen gleich, einsiedlerisch im Gehäus – nur eben nicht, um der Welt zu entsagen, sondern um um Gottes willen keinen Brocken Welt in effigie zu versäumen“ (vgl. Die Antiquiertheit des Menschen , S. 102)
Deduktionskette, Teil zwei: Die technologische Evolution weg vom Anders´schen solistischen Massenkonsum hin zur Verschmelzung von Menschen und Maschine, i.e. iPhone & Co. Jeder kennt die Situation: Im Café oder Restaurant geht die Tür auf und ein Mensch betritt (meist laut) telefonierend den Raum, das iPhone ist, da ist sich jeder sicher, definitiv ans Ohr gewachsen. Eine organischen Trennung, so viel ist zu erkennen würde sofort zu starken Entzugserscheinungen führen. Die Kommunikation erfolgt nicht mehr qua Blickkontakt, sondern qua Daumen, der evolutionstechnisch natürlich deutlich an Geschwindigkeit gewonnen hat.
Der fehlende Blickkontakt wurde an anderer Stelle bereits als Info-Picking formuliert. Der Blick aufs iPhone im 30-45 Sekunden Takt wird oftmals auch im Nobelrestaurant nicht unterbunden, so dass sich für das Gegenüber ein Bild eines nach Körnern pickenden Huhnes ergibt. Die prometheische Scham hat in unseren Zeiten eine vollkommen neue Dimension angenommen. Die Maschine ist nicht länger Organentlastung im Sinne Gehlens, i.e. fehlende Organe wie z.B. Flügel werden durch Flugzeuge „ersetzt“, vielmehr bewegen wir uns vom Organersatz hin zu anorganisch real existierenden Scheinwelten.
Für den Marketingschaffenden, und hier soll die Deduktionskette fürs erste geschlossen werden, bedeutet dies: Verstehen der neuen prometheischen Scham, Durchdringung der real existierenden Scheinwelten, Überwindung medialer Parallelwelten und Umkehrung der Kommunikation. Kurz: DIE echte neue Herausforderung im WIRRklichkeitRAUM des 21. Jahrhunderts…
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Bettina Schausten verlangt 150 Euro pro Nacht
Unglaublich: Vor 12 Mio. Zuschauern outet sich Bettina Schausten zu ihrem Sexualverhalten, 150 Euro verlangt sie für eine Nacht wie der folgende Ausschnitt belegt:
An dieser Stelle werden viele Fragen aufgeworfen:
1. Wann steht die Steuerfahndung vor der Tür von Bettina Schausten?
2. Wann veröffentlicht die Bildzeitung eine Liste von Schaustens Freunden, bei denen sie NICHT gezahlt halt…
3. Wann macht Wulff den Köhler und
4. Wann meldet sich das erste Hotel bei uns, damit wir das als Steilvorlage für eine Guerilla Marketing Kampagne nutzen können?
Ansonsten: Nein, wir haben keine Weihnachtsemails verschickt, wir wollten uns nicht in die SPAM Schlange einreihen und Mädchen mit roten Mützen oder ähnlich Geschmackloses verschicken. Auch von einer Serienmail mit Neujahrgrüßen sehen wir wie jedes Jahr ab.
Statt dessen starten wir in guter alter Bayerischer Tradition, wie angedroht, das neue Jahr am 9.1.2012 mit neuen Trendthesen als Basis für unsere Trendtage.
Trendtage: Provozierendes Infotainment 2012
Wir freuen uns drauf!
Tripple EX Münchhausen is Back
Der Ex-Verteidigungsminister ist wieder auf der politischen Bühne (ohne Gel und ohne Brille) und die Twitter-Gemeinde ist in großer Sorge, dass der Ex-Doktor wohlmöglich sein Comeback vorbereitet. Darüber hinaus wird die Frage gestellt, wann Seehofer wieder „Ausländer raus fordert“ und Guttenberg als Kanzler nominiert.
In alter Gutsherrenart zeigt der Ex-Bayer mit nacktem Finger auf angezogene Menschen, die im Regen stehen und beschimpft sie, dass sie doch keine Ahnung von europäischer Politik haben. Die eine oder andere Twitter-Stimme fragt sich dann doch, ob er denn vergessen hat, dass er ja auch der Ex-Wirtschaftsminister war…
Fakt ist: Man kann von dem Möchtegernwissenschaftler (85% wollen ihn laut WELT ONLINE Umfrage NICHT wieder in der Politik sehen) halten was man will, in einem Punkt hat er Recht. Es gibt zu wenig Charismatiker in diesem Land und so ist es Lieschen Müller egal, ob Herr ohne Doktor von und zu Guttenberg eine Arztpraxis hat oder nicht, Hauptsache er ist wieder im Fernsehen. Her mit den schönen Scheinwelten schreit das post-literarische Medienpublikum und die mittlerweile nicht mehr kulturpessimistische Frage, ob wir uns zu Tode amüsieren scheint berechtigt. Ein Blick auf die Anfänge des Maschinensturms - den heute ebenso wenige kennen, wie die prometheische Scham (wird das Thema eigentlich noch an Medienfakultäten diskutiert?) scheint durchaus angebracht…
SEO: Keywords – aber bitte die RICHTIGEN
Fisting statt Phishing: Ein alter Trick im Rahmen von Guerilla Marketing Aktivitäten war es früher, Suchbegriff in der Hintergrundsfarbe der Website mehrmals aufzuschreiben. Das Ganze nennt sich Cloaking und wurde und wird von google hart bestraft.
Heute schreibt man die Begrifflichkeiten nicht mehr auf die Website, sondern strahlt sie über öffentlich-rechtliche Fernsehsender aus. Auf diese Weise hat es das ZDF mit dem Begriff “Fisting” auf die Startseite von youtube gebracht.
Fazit: Erstens, die nicht-privaten Sender sind doch noch sehr nah an Gutenbergs Buchdruck und weit von Web 2.0 und zweitens, die kleinen Ferkel haben offensichtlich genug von öffentlich-rechtlichem Blümchen-Sex. Harte Sachen für Harte Journalisten…
ZDF – Zerstreut Deftiges Fisting
Internet Manifest
Anbei das Internet Manifest mit freundlicher Genehmigung von Stefan Niggemeier
Wir werden die Thesen in den nächsten Tagen diskutieren und den einen oder anderen Gedanken in diese wichtige Diskussion einfließen lassen.
Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen.
1. Das Internet ist anders.
Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln – das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.
2. Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche.
Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es überwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Veröffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Journalismus wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt – zum Glück. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet.
3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.
Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag. Sie sind so selbstverständlich wie Telefon oder Fernsehen. Wenn Medienhäuser weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu gehören die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuhören und Reagieren, auch bekannt als Dialog.
4. Die Freiheit des Internet ist unantastbar.
Die offene Architektur des Internet bildet das informationstechnische Grundgesetz einer digital kommunizierenden Gesellschaft und damit des Journalismus. Sie darf nicht zum Schutz der wirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen verändert werden, die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen. Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.
5. Das Internet ist der Sieg der Information.
Bisher ordneten, erzwungen durch die unzulängliche Technologie, Institutionen wie Medienhäuser, Forschungsstellen oder öffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, während Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschließen. Der einzelne Mensch kann sich so gut informieren wie nie zuvor.
6. Das Internet verändert verbessert den Journalismus.
Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten.
7. Das Netz verlangt Vernetzung.
Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch für die Online-Auftritte klassischer Medienhäuser.
8. Links lohnen, Zitate zieren.
Suchmaschinen und Aggregatoren fördern den Qualitätsjournalismus: Sie erhöhen langfristig die Auffindbarkeit von herausragenden Inhalten und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten Öffentlichkeit. Referenzen durch Verlinkungen und Zitate – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – ermöglichen überhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt schützenswert.
9. Das Internet ist der neue Ort für den politschen Diskurs.
Demokratie lebt von Beteiligung und Informationsfreiheit. Die Überführung der politischen Diskussion von den traditionellen Medien ins Internet und die Erweiterung dieser Diskussion um die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit ist eine neue Aufgabe des Journalismus.
10. Die neue Pressefreiheit heißt Meinungsfreiheit.
Artikel 5 des Grundgesetzes konstituiert kein Schutzrecht für Berufsstände oder technisch tradierte Geschäftsmodelle. Das Internet hebt die technologischen Grenzen zwischen Amateur und Profi auf. Deshalb muss das Privileg der Pressefreiheit für jeden gelten, der zur Erfüllung der journalistischen Aufgaben beitragen kann. Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus.
11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Information.
Es waren einst Institutionen wie die Kirche, die der Macht den Vorrang vor individueller Informiertheit gaben und bei der Erfindung des Buchdrucks vor einer Flut unüberprüfter Information warnten. Auf der anderen Seite standen Pamphletisten, Enzyklopädisten und Journalisten, die bewiesen, dass mehr Informationen zu mehr Freiheit führen – sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
12. Tradition ist kein Geschäftsmodell.
Mit journalistischen Inhalten lässt sich im Internet Geld verdienen. Dafür gibt es bereits heute viele Beispiele. Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten Lösungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielfältige Umsetzung zu investieren
13. Im Internet wird das Urheberrecht zur Bürgerpflicht.
Das Urheberrecht ist ein zentraler Eckpfeiler der Informationsordnung im Internet. Das Recht der Urheber, über Art und Umfang der Verbreitung ihrer Inhalte zu entscheiden, gilt auch im Netz. Dabei darf das Urheberrecht aber nicht als Hebel missbraucht werden, überholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschließen. Eigentum verpflichtet.
14. Das Internet kennt viele Währungen.
Werbefinanzierte journalistische Online-Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuhörers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang gehört seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien für Journalismus. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden.
15. Was im Netz ist, bleibt im Netz.
Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.
16. Qualität bleibt die wichtigste Qualität.
Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben.
17. Alle für alle.
Das Web stellt eine den Massenmedien des 20. Jahrhunderts überlegene Infrastruktur für den gesellschaftlichen Austausch dar: Die „Generation Wikipedia” weiß im Zweifel die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Gruppe. Journalisten mit Standesdünkel und ohne den Willen, diese Fähigkeiten zu respektieren, werden von diesen Nutzern nicht ernst genommen. Zu Recht. Das Internet macht es möglich, direkt mit den Menschen zu kommunizieren, die man einst Leser, Zuhörer oder Zuschauer nannte – und ihr Wissen zu nutzen. Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt.
Internet, 07.09.2009
Markus Beckedahl
Mercedes Bunz
Julius Endert
Johnny Haeusler
Thomas Knüwer
Sascha Lobo
Robin Meyer-Lucht
Wolfgang Michal
Stefan Niggemeier
Kathrin Passig
Janko Röttgers
Peter Schink
Mario Sixtus
Peter Stawowy
Fiete Stegers
Glam Media führt mit Zoom.in TV-Player für Brash und Glam ein
Nur ein Jahr nach dem Start von Glam Media in Deutschland hat sich das Content-Netzwerk in Deutschland vielversprechend etabliert. „Wir haben mit Glam alle unsere Etappenziele erreicht“, sagt Ralf Hirt Geschäftsführer Glam Media Deutschland. „Glam ist die Nummer eins für Frauen und Lifestyle, Brash ist erfolgreich gestartet und nun launchen wir wie angekündigt Glam TV und Brash TV.“
Glam bündelt seine Kompetenzen mit dem internationalen Video-Nachrichtendienst Zoom.in und öffnet eine neue Tür in die Bewegtbild-Werbung: Seit wenigen Tagen binden Glam.de und das Ende Juni gestartete Pendant für Männer, Brash, den TV-Player mit Videos für die verschiedenen Channels ein. Marken- und Werbetreibende können damit auf die Stärken von Bewegtbild in interaktiven Umfeldern mit hohem Involvement zurückgreifen.
Mit dem Einsatz von Video verbindet Glam Media seine thematische Expertise und Reichweite erstmals mit der emotionalen und visuellen Kraft der Bewegtbildkommunikation. In den USA ist Glam mit knapp zehn Millionen Unique Viewers seit Mai in den US Top 20 der Video-Websites vertreten. Das Media-Unternehmen geht bereits den nächsten Schritt: Glam Media baut in den USA das Social Content-Netzwerk tinker.com aus – zur Vermarktung von Nachrichten und Events im Micro-Blogging-Dienst Twitter.
Ralf Hirt sieht in Glam und Brash TV auch die Chance, neue Qualitätsstandards zu formen: “Die Kooperation mit Zoom.in freut uns immens, weil wir Usern das attraktivste Format im Netz für unseren Content anbieten können und unsere Kunden als Werbetreibende meinungsführende Zielgruppen emotional erreichen können.” Sämtliche Publishing-Partner von Glam und Brash können das neue TV-Angebot einfach als Widget in ihre Seiten integrieren und von dem Konzept der „Distributed Media“ profitieren. Unter den ersten Partnern, die dieses Angebot nutzen, sind Glams Fashion-Hot-Spot LesMads.de sowie Baby-Welten.de. Bei Brash TV integrieren das Auto Magazin CARantaine und Bauen-und-Heimwerken.de den Player.
„Unsere Publishing-Partner haben über Glam und Brash TV die Möglichkeit, ihre Online-Angebote durch aktuellen, hochqualitativen und zielgruppenrelevanten Video-Content von Europas führendem Anbieter Zoom.in zu erweitern – das ist für alle beteiligten Parteien ein enormer Mehrwert“, so Ralf Hirt weiter.
Für Dr. Marcel Reichart, der bei Burda die Glam-Beteiligung verantwortet, zeigt die Entwicklung von Glam TV, „dass Glam Media seine Vertical Media-Plattform mit neuen Content- und Erlösformen ausbaut, von denen Publisher, Rechteinhaber, Markenunternehmen und Nutzer profitieren.“ In den USA sei Glam Media damit ein schneller Einstieg in die Topliga der Video-Networks gelungen. „Und hochwertige Videowerbung gewinnt gerade für Markenartikler zunehmend an Relevanz“, so Reichart weiter.
Die Göttin im Sandkasten
Wer sich mit Medien und Kommunikationstechnologien auseinandersetzt, darf die Bedienerseite nicht vernachlässigen. Teil eins der Überlegungen: Der weibliche Kommunikationstool-User (es gibt ein Leben nach dem iPhone), wir nennen diesen Typus:
Die neue Göttin
Göttinnen gibt es seit je her: Marylin Monroe, Catherine Deneuve und viele andere namenslose, nicht weniger göttliche Frauen. Die neue Göttin ist zwischen 24 und 34 Jahren alt. Sie steht beruflich ihren Mann, ist aber im Gegensatz zu früheren Generationen erfolgreicher Frauen KEIN Mann-Weib, das männliche Attribute kopiert, um an ihr Ziel zu kommen (Angela Merkel mal ausgenommen).
Die neue Göttin ist weich und sie ist weiblich. Sie ist keine Emanze. Im Gegenteil: sie sucht DEN Mann, findet jedoch zu wenig brauchbare Exemplare dieser Spezies, denn die Generation der 20 bis 30 jährigen Männer kennt sich mit der Playstation besser aus als mit Frauen.
Die Generation der 30 bis 40 jährigen Männer hingegen ist zu sehr mit sich und ihrer Karriere und/oder der frisch gegründeten oder bereits in Scheidung befindlichen Familie beschäftigt. Alternativ steckt diese Generation im Reihenhaus fest und ist deshalb ebenfalls unbrauchbar.
Mangels stilvoller Männer erschrickt die junge Göttin, wenn man ihr die Autotür aufhält oder ihr in den Mantel hilft. Je jünger die Göttin, desto höher die Bereitschaft, Pfefferspray zu zücken, wenn ein Mann ihr in den Mantel helfen will, es wird sofort eine Attacke vermutet. Charme wird sofort als Schauspielerei und plumpe Anmache deklariert und Komplimente lösen Fluchtverhalten aus.
Die neue Ambivalenz
Die neue Göttin liebt die Unabhängigkeit und sucht sich deshalb Männer die extrem süchtig machen, da diese Spezies aber auch extrem rar ist, begnügt sie sich mit dem Gegenteil und lässt sich prinzipiell mit einem Langweiler ein. Und da sie zutiefst von ihm angewidert ist, muss er konsequenterweise auch noch mit in ihre Wohnung einziehen.
Sie nennt ihn dann auch ganz offiziell vor ihren Freunden “Hase”, “Fuzzi”, “Duscher” oder “Waldi”. Sie machen dann Schluss, indem sie gemeinsam eine grössere Wohnung suchen… Unnötig zu erwähnen, dass sie ihren Langweiler abgrundtief verachtet, weil er nicht einmal in der Lage ist, Schluss zu machen.
Die neue Monogamie
Die neue Göttin verachtet die Monogamie (zumal mir einem Lnagweiler) und sucht deshalb 2-3 monogame Beziehungen (multiple Monogamie) parallel, was widerum angesichts der weiter oben beschriebenen Männer-Dürre extrem schwierig ist…. (weshalb sie dann wieder 2 jahre in einer festen, aber langweiligen Beziehung lebt)
Alternativ zur multiplen Monogamie bleibt die neue Göttin Single und umgibt sich dann mit 3-4 guten und ebenfalls unbefriedigten Freundinnen. Sie reden dann täglich über Sex, den sie nicht haben und schimpfen über langweilige Männer. Dies hat zur Folge, dass interessante Männer einen großen Bogen um sie machen. Im Gegensatz zu den unbefriedigten Freundinnen wird die neue Göttin wenigstens angehimmelt.
Auffallend ist auch, dass die fehlende Beziehung durch sportliche Aktivitäten subsumiert wird. „Ich geh dann mal Laufen“, ist eine oft gelesene facebook-Statusmeldung.
Das neue Medienverhalten
Schaute die neue Göttin früher noch “Sex and the City” zusammen mit ihren unbefriedigten Freundinnen (die sich anschliessend Schuhe von Manolo Blahnik kauften) so sieht sie heute Grey´s Anatomy (und kauft sich dann Schuhe von Christian Louboutin). Fernsehen betrachtet sie nur noch als Minderheiten TV (ausgenommen vielleicht noch Desperate Housewives). Ansonsten lebt sie im Internet, sie informiert sich dort, sucht ihre Männer über das Internet, sie ist bei facebook und xing anzutreffen und sie twittert selbstverständlich auch (natürlich via iPhone)…