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Der Marcel-Proust-Fragebogen – Marktforschung neu definiert
Fester Bestandteil des einen oder anderen Print-Magazins war lange Jahre ein Fragebogen aus den Pariser Salons. Marcel Proust soll ihn sogar mehrfach ausgefüllt haben. Wir finden, dass die schöne Tradition des Salon Gesellschaftsspieles durchaus auch heute noch zeitgemäß ist und wollen mit unserem Fragebogen in Anlehnung an Marcel Proust zum einen die Tradition des Salon-Gespräches aufleben lassen und zum anderen einen Stimmungsindex aus Sicht der Top Manager erstellen. Teile des Fragebogens fließen anonymisiert in ein Führungskräfte-Barometer. Expertenbefragung mit Tiefgang.
Wir werden den Fragebogen in vier Branchen untergliedern: Media Professionals, die Fragebogen aus dieser Kategorie werden in unserm Magazin Media Lounge vorgestellt, Automotive Professionals, die Vorstellung erfolgt in unserem Auto Magazin), Immobilien Profis werden in unserem Immobilien Magazin vorgestellt, in der vierten Kategorie werden alle Sonstigen subsummiert.
Der Aufbau ist einfach:
Vorstellung des Top Managers sowie seiner Firma
Heute befragen wir Herrn/Frau XXX, er/sie ist Gründer und Geschäftsführer der Firma YYY (www.firmenhomepage.de)
YYY beschäftigt x Mitarbeiter, ist der führende Anbieter von … = Firmenvorstellung
Gerne kann der Befragte auch Persönliches preisgeben:
XXX ist …. liebt, mag, bevorzugt = Vorstellung Top Manager
Es folgt ein FOTO (gerne auch zwei oder drei)
Und dann kommen auch schon die Fragen:
In welchem Land möchten Sie leben?
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Was ist für Sie das größte Unglück?
Welche Eigenschaft schätzen sie bei einer Frau am meisten?
Welche Eigenschaft schätzen sie bei einem Mann am meisten?
Ihre Lieblingstugend?
Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Ihr Hauptcharakterzug?
Was schätzen bei Ihren Freunden am meisten?
Ihr größter Fehler?
Was möchten Sie sein?
Ihre Helden der Wirklichkeit?
Ihre Helden in der Geschichte?
Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Was verabscheuen sie am meisten?
Welche Reform bewundern Sie am meisten?
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Wen würden Sie gerne persönlich treffen?
Wie beurteilen Sie die konjunkturelle Lage im Vergleich zum letzten Jahr?
(Schulnoten 1-6)
Wie beurteilen Sie die Leistungen der Politik?
(Schulnoten 1-6)
Wie beurteilen Sie die Situation Ihrer Branche?
(Schulnoten 1-6)
Was sehen Sie als die größte Herausforderung für Ihre Branche in den nächsten 5 Jahren?
Wie wird sich die Medienlandschaft entwickeln?
Welche Trends werden sich in den nächsten 5 Jahren durchsetzen?
Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Ihr Motto?
Und am Ende erfolgt dann die anonymisierte Auswertung:
Die Ergebnisse werden in einer Studie zusammengefasst und fließen selbstverständlich auch in unsere anderen Forschungsergebnisse ein, die dann im Rahmen unserer Trendtage präsentiert werden.
Open Innovation – aber nicht bei bei 1&1
Open Innovation bedeutet die Öffnung des Innovationsprozesses unter Einbeziehung der Kunden und/oder Verbraucher. Nach unserer Definition: Marktforschung in Kombination mit Mund-zu-Mund-Propaganda und Event-Charakter. Wir machen den Kunden zum Markenbotschafter.
1&1 versucht dies derzeit ansatzweise auch. Allerdings eher agitatorisch als dialogisch: Mind Store Marketing hatte bereits 3 Anrufe (in Worten: drei). Bei 1&1 versucht man nicht wirklich das Produkt zu verbessern oder innovative Prozesse zu initiieren, sondern lediglich die Scharen von erbost abwandernden Kunden wieder einzufangen, die aufgrund übertriebener Abzocke gekündigt haben.
Das 1&1 Schema ist dabei immer wieder das selbe: „Können Sie uns sagen, was wir besser machen können“, säuselt eine (mittlerweile etwas besser geschulte) weibliche Stimme.
Die Antwort einer Marketing Agentur: Ja, wir könnten, aber dafür nehmen wir Geld…
Da wir von 1&1 noch kein Honorar bekommen haben, hier also auch keine Beratung, aber dennoch einige Hinweise, warum Mind Store Marketing alle eigenen und Kunden Domains, DSL Leitungen und sonstigen Pakete bei 1&1 gekündigt hat:
Lieber Herr D´Avis, die Antworten auf die plumpen „Marktforschungsfragen“ geben Sie in Ihren TV-Spots selbst!
Über neun Jahre hatten wir als Kunden das selbe Problem: Bitte sagen Sie uns Ihren Namen und Ihre Kundennummer … Mind Store Marketing, 1234567 … Ich wiederhole: Mind Store Marketing, 123456, ist das korrekt? … nein das ist nicht korrekt … bitte wiederholen Sie … Mind Store Marketing, 1234567 … ich wiederhole: Mind Store Marketing, 1234567 … korrekt wollen Sie einen DSL Anschluss, eine Domain oder haben Sie ein Frage zu Ihrer Rechnung … Domain … ich wiederhole: Domain. Ich werde Sie jetzt zu einem freien Kundendienstmitarbeiter verbinden….
Derzeit sind leider alle Kundendienstmitarbeiter in einem Gespräch. Wir verbinden Sie zum ersten freien Mitarbeiter. Bitte haben Sie noch etwas Geduld…. Derzeit sind leider alle Kundendienstmitarbeiter in einem Gespräch. Wir verbinden Sie zum ersten freien Mitarbeiter. Bitte haben Sie noch etwas Geduld…. Derzeit sind leider alle Kundendienstmitarbeiter in einem Gespräch. Wir verbinden Sie zum ersten freien Mitarbeiter. Bitte haben Sie noch etwas Geduld…. Derzeit sind leider alle Kundendienstmitarbeiter in einem Gespräch. Wir verbinden Sie zum ersten freien Mitarbeiter. Bitte haben Sie noch etwas Geduld….
Stunden später: Guten Tag, mein Name ist… was kann ich für sie tun? Sagen Sie mir bitte Ihren Namen und Ihre Kundennummer…. Spätestens an dieser Stelle kommt man sich echt verarscht vor und fragt sich, warum man seit einer halben Stunde mit einem Computer redet…
Es folgt: in 50 Prozent dann eine unbefriedigende Antwort und in 100 Prozent eine saftige Telefongebühr. Dies war die langjährige Strategie bei 1&1 und wehe, wenn man 1&1 aus beruflichen Gründen gewählt hatte und wehe wenn dann noch die Telefonanlage des Büros an dieser Nadel hing…
Die Grünen, so konnte man vor Kurzem in den Nachrichten vernehmen, wollen gegen Wartezeiten bei Hotlines vorgehen. Sie vermuten dahinter ein Businessmodel. Diese Vermutung zeigt deutlich: die Grünen sind näher an der Politik als an der Wirtschaft, denn diejenigen die näher an der Wirtschaft sind, wissen schon länger, dass es bei vielen wie auch bei 1&1 ein lukratives Geschäft ist…
Und urplötzlich taucht bei 1&1 Herr D’Avis auf und sagt: ich hab schon im Schützengraben gelegen, hab die Telefonwählscheibe erfunden und JETZT WIRD ALLES BESSER…. Headline: Marcell D’Avis kümmert sich als neuer Leiter Kundenzufriedenheit bei 1&1 ab sofort um alle Kundenanliegen. Das bedeutet übersetzt: hier ist so viel schief gelaufen, dass das Top Management jetzt einen gelernten Marketingfachwirt in die erste Reihe setzt, um selbst aus der Schusslinie zu kommen, denn: der Fisch stinkt immer am Kopf und die Direktiven kommen immer von oben.
In einer offiziellen Pressemitteilung heisst es: „Montabaur, 25. Dezember 2009. Im neuen Jahr steht für die 1&1 Internet AG das Thema Service und Qualität im Mittelpunkt“. Bedeutet übersetzt: Bisher haben wir auf Qualität verzichtet und lieber unsere Kunden über den Tisch gezogen. Service gab es definitiv bei uns nicht.
Ein konkretes Beispiel: Wenn man bei 1&1 eine Domain angelegt hat, dann brauchte man faste jedes Mal zur Kündigung, weil der Begriff perfekt verborgen war, die oben zitierte Hotline. Wenn man dann gekündigt hat, wurde von 1&1 jedoch nur der Domainname an die Denic zurückgegeben, der Webspace wurde nonchalant für weitere 6 Monate weiterberechnet. Wenn man so wie wir über 60 Domains hat, die man als Landing Page für Guerilla Marketing Aktionen für Kunden braucht, dann kommen über die Zeit einige Euros zusammen. Und fast jedes Mal wurde der Webspace noch weiter berechnet…
Dummheit unsererseits, ja – aber der vorgegebene Dschungel-Pfad seitens 1&1 hatte System. Die Lösung: Provider wechseln. Es gibt auch faire Provider. Es gibt auch Provider mit übersichtlichen Kundentools und wenn man dort anruft, dann ist ein echter Mitarbeiter und kein gelangweilter Call Center Agent mit vorgeschaltetem Computer am Telefon.
Beispiel DSL: Als Mind Store Marketing vor neun Jahren gegründet wurde, waren DSL Tarife noch recht teuer. Wir rufen an und fragen, ob wir den Tarif wechseln können. Die pampige Antwort von 1&1: geht nicht, aber in 1 1/4 Jahren läuft ihr Vertrag aus und dann können Sie ja kündigen (wahlweise stellen wir um, aber knebeln sie weitere 2 Jahre). Wir kündigen SOFORT, damit wir den Termin in 1 1/4 Jahren auf keinen Fall vergessen und plötzlich, oh Wunder, bekommen wir alle 3 Wochen neue Angebote, die weit unter dem Preis waren, den wir erwartet hätten. Neukunden sind also wichtig, Alt-Kunden zählen nicht….
Und nun also Herr D’Avis. Er ist der personifizierte Beweis, dass man mit der Abzock-Politik gegen die Wand gefahren ist. Die Kunden wollen sich nicht länger von unmotivierten Callcenter Agenten vertrösten oder beschimpfen lassen und wenn man schon im Werbespot unterstreicht, dass JETZT alles kostenlos ist, dann kann man ahnen, in welchem Umfang der Kunde bisher ausgepresst wurde wie eine Zitrone…
Und wenn man unterstreicht, dass man JETZT Service bietet und Herrn D’Avis in die Wohnzimmer schickt, dann kann man ahnen, wie verbrannt die Erde in Montabaur ist.
Die Formulierung „jetzt warten Sie nicht mehr in teuren Warteschlagen“ bedeutet übersetzt: „Wir haben übertrieben und setzen die Abzocke kurzfristig aus“. In einem weiteren Spot sagt der mediale Prügelknabe von 1&1 „jetzt keine Vertragsbindung mehr“ was übersetzt bedeutet, dass man jahrelang den Kunden in Knebelverträge getrieben hat und dass man auch mit dem miesesten Trick die endgültige Abwanderung nicht mehr verhindern kann.
Wir jedenfalls haben beschlossen, dass Herr D’Avis deutlich zu spät kommt und haben jetzt alle Domains (es waren über 60) und auch den DSL Anschluss gekündigt. Zum 31.12.2009 erreichte uns nämlich noch die vorletzte Rechnung zu einer gekündigten Domain: der im Mailpaket enthaltene Virenscanner wird noch 6 Monate weiterberechnet…
Ende Juli 2010, wir zählen die Tage, sind wir dann endlich FREI und gerne zahlen wir auch pro Monat mehr, damit wir NIE WIEDER in die 1&1 Warteschlange geraten.
Nachtrag: Damit die Welt erfährt, was wir von 1&1 halten, sind wir der 1&1 facebook Gruppe beigetreten – zugegeben: den „gefällt mir“ Button zu drücken fiel echt schwer!
Die 1&1 facebook Gruppe zeigt: der Beliebtheitsgrad von 1&1 ist mit knapp 1.300 Fans nicht besonders hoch. Schaut man sich vergleichbare Marken mit TV Werbepräsenz an, so wird deutlich: die facebook Gruppe dient wie alle Maßnahmen lediglich der Schadensminimierung. Wir werden diesen Beitrag posten und sind gespannt, was passieren wird…
Kitkat – Die Kommunikation kehrt zurück
Am Tag eins nach dem Kommunikations Super GAU schossen beide Parteien noch wild hin und her, aber im Grunde ihres Herzens merkten beide Seiten, dass man sich in einer kommunikativen Sackgasse befand. Eine diskursethische Lösung schien in weiter Ferne.
Am Tag zwei: Nestlé redet wieder. Nachdem man am Tag zuvor durch Nicht-Kommunikation sogar die wohlmeinenden Fans gegen sich aufgebracht hatte, scheint der Krisenstab heute einen Richtungswechsel beschlossen zu haben. Es gibt ein offizielles Statement.
Für den Quoten heischenden Journalisten wird schnell deutlich, dass auf der “Fanseite” nur noch ein par Scharmützel ausgetragen werden, die Schlacht ist geschlagen. Die Suche nach schlagzeilenträchtigem geht also weiter. Guten Stoff könnte foodwatch liefern: www.abgespeist.de – Physalissaft ohne Physalis, Kornriegel ohne Korn, aktiver Ettikettenschwindel und vieles mehr…
Unabhängig davon beschließen wir, eine wirklich wichtige Fanseite ins Leben zu rufen:
man muss nicht untergehen wenn man dingen auf den grund geht
ein neues social media forschungsprojekt


