Artikel-Schlagworte: „Kommunikation“
Stuttgart: Es ist kompliziert
Es ist nicht nur kompliziert, es ist sehr kompliziert: Kommt man nach dem Medienforum in Mittweida (für alle, die es noch nicht wissen: Mittweida war für zwei Tage die Medienhauptstadt der Republik – Mittweida das bedeutet spannende Diskussionen und spannende Vorträge, Mittweida ist aber auch ein Synonym für perfekte Shows, perfekte Abschlussparties und vor allem für PERFEKTE ORGANISATION) in Stuttgart an (das war jetzt ein sehr langer Einschub, aber ein sehr wichtiger) dann stellen sich einem dort ankommenden Münchner viele Fragen:
- Wie komme ich durch die Nikotinmauer unbeschadet aus dem Bahnhofsgebäude? In München muss man zwar auch die Luft anhalten, wenn man zum Zug will, aber verglichen mit Stuttgart ist das gar nichts, denn hier stehen neben den üblichen rauchenden sozialen Randgruppen auch noch die Stuttgart 21 Gegner und qualmen vor ihrem Zelt und vor den Eingängen. Luft anhalten alleine reicht also nicht, die Sauerstoffmaske ist für den Reisenden nach Stuttgart dringend notwendig. Kompliziert das alles und vor allem ungesund…
- Wenn man die Nikotinmauer überlebt hat, dann die nächste Frage: Warum reißen die nicht gleich im Umkreis von einem Kilometer die Betonwüste ab und machen was Schönes aus der Stadt?
- Ebenfalls kompliziert: Wer schützt eigentlich die Reisenden und den Rest der Stadt vor den Parkschützern? Fällt denn niemandem auf, dass es ziemlich schmuddelig im Park aussieht?
- Nicht kompliziert, aber auffällig: Die Stuttgart 21-Gegner reißen die Pro-Stuttgart-21 Plakate nieder oder zerstören sie.
- Kompliziert in diesem Zusammenhang: Die Volksabstimmung wurde „umgedreht“. Wer für Stuttgart 21 ist, muss „NEIN“ ankreuzen und wer dagegen ist sagt einfach JA. Aus bayrischer Sicht nicht nachvollziehbar, aber die Verantwortlichen für diese Aktion scheinen wohl oft Zug zu fahren und die Nikotinmauer hat auch ihnen das Hirn vernebelt…
- Wie aber auch immer die benebelte Aktion ausgeht: Es wird ein Veto gegen das vernebelte Ergebnis geben, also: lieber doch nicht abstimmen??
Fazit: Das Leben ist eigentlich unkompliziert, wenn man nicht gerade in Stuttgart lebt. Wobei: Auch hier könnte es unkompliziert sein, WENN NICHT Warlord Mappus hätte zeigen wollen, dass es noch knallharte Männer gibt die Law & Order aufrecht erhalten und gleichzeitig aber die 68er nicht ihren 27ten Frühling bekommen hätten und deshalb eine rührige Nostalgiewahl veranstaltet haben. Dem schwäbischen Landesverkehrsminister ist Stuttgart 21 ohnehin egal, er konzentriert sich auf wirklich wichtigen Themen wie die Helmpflicht für schwäbische Fahrradfahrer, falls die Bahn irgendwann Stuttgart nicht mehr ansteuert, weil sie den Schadensersatz nicht bekommt. Ob der Schadensersatz nun 1,5 Milliarden Euro oder dann doch „nur“ 350 Millionen Euro beträgt ist dabei unerheblich, denn wie die Vergangenheit zeigte, können schon mal 55 Milliarden auf der falschen Seite der Bilanz landen und der schwäbische Steuerzahler hat es ja. Wichtiger als die Helmpflicht wäre natürlich der Schutz des Nichtrauchers am Stuttgarter Hauptbahnhof gewesen, da aber beim schwäbischen Verkehrsminister das Knie oben am Kopf durchkommt, ist ihm die Kopfbedeckung für alle doch sehr ans Herz gewachsen…
Wie gesagt:
(Ich will wieder nach Mittweida!)
Mind Store Marketing unter den 25 TOP Marketing Blogs
“Alles Leben ist Problemlösen“ sagte schon Karl Popper (für alle gebachelten und gebeutelten Studenten: Das ist NICHT der Erfinder des Computerspiels Bubble Popper, sondern ein Philosoph – das sind die mit den ganzen deutsch Sätzen, die manchmal auch etwas länger werden können) und Problemlösen bedeutet nunmal Kommunikation (das ist das was Nespresso nicht beherrscht - Hello, bitte sehen sie Nespresso Antwort auf das Video von Solidar Suisse, danke schön! – und was die Solidar Suisse dafür umso besser kann…).
Stichwort Kommunikation: Wir freuen uns RIESIG, dass unser Guerilla Marketing Blog unter die 25 besten Marketing und Kommunikations Blogs gewählt wurde. Hier also ein Link zu den 25 TOP Marketing Blogs des Landes, die man nach Meinung der Autorin kennen und lesen sollte…
Start The Engines: Heute geht die Automotive Lounge ins Rennen
Nach erfolgreichen Networking Events in mit der Media Lounge in Frankfurt, München und Stuttgart starten wir morgen gemeinsam mit unseren Partnern offiziell auch im Automobilsektor durch. Die Media Lounge hat gezeigt, dass der Austausch unter Profis gewünscht und gesucht wird. In der Media Lounge konnten wir bisher über 22.000 Media Professionals aus zehn Städten ein gemeinsames Dach bieten.
Die Automotive Lounge ist ebenfalls eine B2B Xing Gruppe, die Automotive Profis vereint. Foren kanalisieren die Diskussion mit Themen wie „Infotainment“, „neue Mobilität“ oder ganz allgemein „Automotive Trends“. Pressestellen von Automobil- und Motorrad-Herstellern, Zulieferern oder Tunern können in der Rubrik „Neues vom Hersteller“ den aktuellen Stand aus Forschung, Marketing oder Management präsentieren.
Neben dem virtuellen Austausch in Foren ist die persönliche Kommunikation im Rahmen von Events, Trendtagen und Messen geplant. Den ersten Dialog werden wir auf der IAA in Frankfurt suchen.
Die Automotive Lounge wird redaktionell von unserem Automagazin betreut. CARantaine.de steuert neben News aus der Automobilbranche auch Termine von Messen und Events bei, berichtet vor Ort und erstellt Interviews.
Start The Engines: Werden Sie Teil der neuen automobilen Gemeinschaft auf XING.
ERGO die Skandalversicherung
Es ist nicht bestätigt, dass ERGO sich jetzt in ORGO umbenennen will. Ebenfalls unbestätigt: Die alte Versicherungsmarke Victoria wird keinem Relaunch unterzogen und als Ficktoria neu ausgerichtet auf den Markt kommen.
Bestätigt hingegen: ERGO laufen laut Spiegel Berichten die Kunden davon. Bestätigt ebenfalls: ERGO zeigt Nerven. Wie die w&v berichtet, hat die „Porno-Versicherung“ einen Münchner Verlag wegen dessen Darstellung abgemahnt. Der wiederum reagierte umgehend und schlug der Skandal-Versicherung drei noch drastischere Alternativ-Formulierungen vor, darunter “wegen Vermittlung von Prostituierten an verdiente Mitarbeiter und Absetzung der Kosten als Betriebsausgaben”.
Und wieder einmal wird deutlich: Wenn die Rechtsabteilung die Firma führt und Krisenmanagement nicht etabliert ist, steigt dich Chance, eine Marke nachhaltig zu ruinieren. Markenaufbau von innen oder in diesem Fall: ERGOtherapie….
Quarterlife Crises
Die Überlegungen zum Thema metro-A-sexuelle Frauen haben gezeigt, dass ein Thema getroffen wurde, dessen gesellschaftliche Relevanz gerne übersehen wird: Eine ganze Generation in der Krise, Quarterlife Crisis – dauerverpeilt und „unbrauchbar“ für die Gesellschaft oder wie es der Spiegel in Anlehnung an einen Buchtitel formuliert: Jung, erfolgreich, kreuzunglücklich…
Die Reaktionen junger, gebachelter und gebeutelter Frauen auf die Theorie der metro-A-sexuellen Frau haben gezeigt, dass man während einer oberflächlichen Abitur-Deluxe-Ausbildung gerade mal weiß, dass es rechts zum Hörsaal und links zum Klo geht, was danach kommt, steht in den Sternen. Die Dozenten scheinen genauso hilflos wie die Studenten. Männliche Reaktionen auf die metro-A-sexuelle These gab es erwartungsgemäß keine, die Männchen haben sich offensichtlich vollends zurück an die Playstation verzogen oder aber degenerieren vom Typus facebookinkompatibel zur gesellschaftlichen Randgruppe (mit einem Minderheitsanteil von ca. 70%).
Die Bücher zum Thema Quarterlife Crisis sind in der klassischen Buchhandlung bereits vergriffen, Amazon liefert allerdings noch Titel wie Quarterlife Crisis: Die Sinnkrise der Mittzwanziger oder Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will
und viele mehr…
Zusammengefasst kann gesagt werden, dass es eine Fülle von lebensberatender Literatur gibt, die Wege aus der Verpeiltheit anbieten, Flirten leichter machen (wenn man schon keinen Job bekommt, dann soll man doch wenigstens lernen, wie man richtig flirtet, auch wenn man nicht vorhat, durch die Zielgerade zu gehen… ). Fazit: Viele Bücher, die aber nur denen wirklich helfen, die sie schreiben oder verkaufen…
Die Presse greift das Thema Quarterlife Crisis nur recht zaghaft auf. Befragt werden dann Psychologen, die jedoch ohne konkrete Handlungsanweisungen sind und darauf verweisen, dass es in den USA bereits Workshops gibt oder das man doch mal raus an die frische Luft soll. Eigentlich müsste man meinen, dass die Presse Amok läuft, wenn der komplette akademische Nachwuchs nach dem Studium vor dem Nichts steht, wie es die Süddeutsche tituliert.
Auch die Wissenschaft schweigt bis auf wenige Ausnahmen. Bolz weist darauf hin, dass der Mann angesichts feministischer Gleichheitsforderungen in einer Falle steckt, die in der Psychiatrie als Double Bind bezeichnet wird: „Echter Mann“ vs. Reaktion auf Delegitimation der Männlichkeit, was wiederum für die junge Frau zur Folge hat, dass in der dressierten Männermasse keine brauchbaren bösen Spieler zu finden sind, sondern nur noch nach politischer Korrektheit strebende Männchen (Alles Schlampen außer Mutti…). Mit Ritalin und Prozac, so Bolz, erzeugt man politische Korrektheit. Prozac verhilft depressiven Frauen zu Selbstbewusstsein und Ritalin wird hyperaktiven Jungs verschrieben – soziales Lernen qua ärztlicher Verschreibung. Eine Generation wird geistig ruhig gestellt…
Ob in der hier skizzierten Problematik zuerst die Henne oder das Ei da war, soll an dieser Stelle unwissenschaftlich außer Acht gelassen werden. Fact: die metro-A-sexuelle Frau trifft auf verängstigten Mann mit extrem guten Highscores, aber ansonsten unbrauchbar. Kommunikation ist demzufolge nicht zielgerichtet, denn damit können beide Seiten nicht umgehen. Aus Neil Postman´s Klassiker „Wir amüsieren uns zu Tode“ wird „wir Flirten bis zum Umfallen“ (vor Müdigkeit ohne brauchbares Ergebnis).
Es folgt die Erkenntnis, dass zwischen Reden und Kommunizieren ein gewaltiger Unterschied besteht. Darüber hinaus folgt in diesem Zusammenhang die starke Befürchtung, dass wir mit der Quarterlife Crisis einem Modewort aufgesessen sind. Sicherlich, durch die Bildungsmisere gingen viele Werte verloren. Erschwert wird die Diskussion dadurch, dass die Politik aus Menschen mittlerweile Bürgerinnen und Bürger gemacht hat. Festzuhalten ist, dass es der Generation Quarterlife Crisis an Wertewelten und Leitbildern fehlt, was die am Anfang des Jahres aufgestellte Forderung nach dem Aufbruch ins Zeitalter der Charismatiker unterstreicht. Andererseits zeichnet sich unter den weiblichen Vertretern eine deutliche Ritterlichkeitsresistenz ab. Wer einer klassischen Vertreterin der Genration Quarterlife Crisis in den Mantel helfen will, muss damit rechnen, dass sie ein Pfefferspray zückt, weil sie Ritterlichkeit nicht gewohnt ist. Die Autoindustrie unterstützt, indem sie mittels Keyless Systems Sorge trägt, dass der Gentleman alter Prägung der Frau nicht mehr die Türe aufhalten, sondern sie lediglich vor plötzlich aufspringenden Türen retten kann. Die allseits postulierte Zwangsgleichheit führt letztendlich zum Kampf der Geschlechter, beispielsweise wer im Restaurant den Wein als erster verkosten darf, die weiter oben zitierten Flirtanleitungen stoßen hier deutlich an die Grenzen. Das Spiel mit einem Lächeln und einem Augenzwinkern scheint in Vergessenheit geraten zu sein…
Bolz weist darauf hin, dass im Rahmen des Strebens nach politischer Korrektheit dem Gleichheitswahn keine Grenzen gesetzt sind: Wer einen Behinderten nicht als „anders befähigt“ anerkennt, macht sich des Ableism schuldig und wer in der Schönheit einen Verdienst sieht, leidet an Lookism und so kommt es, dass junge Frauen einen verzweifelten Weg in die soziale Phobie antreten, denn wegen ihrer Schönheit soll der edle Ritter sie nicht „beschützen“ und so gehen sie oftmals lieber den einsamen Weg in die Bulimie oder die Anorexie…
Das Ich-Bin-Schon-Gross-Phänomen gibt der junge Frau enorme Freiheiten, die sie jedoch mit einem deutlichen Verlust an Geborgenheit und Aufgehobensein bezahlt. Lernen aus der Sicherheit des beschützten Modus heraus ist in Vergessenheit geraten. Die einstige Idealkombination aus jugendlicher Schönheit und erfahrener Gelassenheit wird auf dem Altar des gleichmacherischen „ich-kann-das-alleine-Aktionismus“ geopfert. Die traditionellen Bande der Ritterlichkeit zwischen dem alten König und der jungen Prinzessin werden jäh zerschnitten. Einsam und alleine kehrt der alte König zurück in sein Ereignisreich und ferngesteuert schwebt die info-picking Schönheit durch den erweiterten möglichkeitsRAUM, setzt sich verzweifelt an die vorstellBAR, ohne sich jedoch in den erlebnisRAUM zu trauen…
Quarterlife Crises, so kann festgestellt werden ist ein weiterer Baustein auf dem Wege zum Konformismus des Andersseins, der in der allgemeinen Facebook-Fröhlichkeit untergegangen ist und am Ende, so viel steht fest, behandeln wir ohnehin wieder die Falschen
…
Und ich betone vorübergehend…
Politische Kommunikation ist die Kunst, viel zu reden, aber dennoch nichts auszusagen. Wichtig ist, sich nicht festnageln zu lassen und wichtig auch, immer neue Kunstbegriffe zu entwickeln: Ein Moratorium , so kann man bei Wikipedia nachlesen , ist in der Wirtschaft ein Stillhalteabkommen, ein Zahlungsaufschubsabkommen, das von einer entsprechend befugten Partei gegenüber einer anderen Institution angeordnet wird bzw. eine freiwillig getroffene Vereinbarung zwischen Gläubiger und Schuldner, dass der Anspruch einstweilen nicht geltend gemacht werden soll. Ziel ist die Verhinderung einer Insolvenz.
Und so entdeckt auch die Politik dieses neue Zauberwort, um die geistige Insolvenz abzuwenden, denn: machen wir uns doch nichts vor: Minarette, so können wir lernen, sind viel gefährlicher als Kernkraftwerke…
Fazit: Neben einer ungeAIGNERten Ministerin, die keine Eier mag und Zensursula haben wir jetzt auch noch Urangela…
#Guttbye: Rücktritt Guttenbergs – 11.15 Uhr
Aus aktuellem Anlass: Ein Freudentaumel geht durchs Netz: Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurückgetreten. Statt aber wirkliche Freude zu empfinden, müsste die gesamte Geschichte bei allen Beteiligten eigentlich tiefe Trauer auslösen, denn der Fall zu Guttenberg hat deutlich gemacht, wie groß der Bedarf in Politik und Wirtschaft an Charismatikern ist.
Es muss festgehalten werden, dass es nicht die Opposition war, die den Minister zu Sturz brachte, es war die Wissenschaft und sein selbstherrlicher Umgang mit der Wahrheit und es war das lausigste Krisenmanagement aller Zeiten.
Fazit: Charismatiker sind rar und schlecht zu finden oder: schlecht war er nun wirklich nicht, aber schlecht hat er es dann gemacht und so bleibt die bange Hoffnung auf einen neuen Hoffnungsträger…
Trend 4: Sozial-kognitive Dissonanz
Während Stuttgart 21 ein Beispiel für fehlende Kommunikation in Kombination mit Politikverdrossenheit ist, zeigt das Beispiel KitKat von Nestlé, dass Echtzeitkommunikation durchaus aussitzbar ist. Zugegeben, man hätte es eleganter lösen können, zumal man den Ruf des Erfinders proaktiver dialogischer Kommunikation der ethischen ART zu verlieren hatte.
Wir erinnern uns: Greenpeace hatte einen Viralen Clip ins Netz gestellt, der einen Menschen zeigt, der den Pausenriegel aus dem Hause Nestlé verzehrt. Bei näherem Hinsehen jedoch erkennt man den Finger eines Orang-Utans. Kernaussage: Wer den mit Palmöl hergestellten Riegel kauft, unterstützt die Abholzung des Regenwaldes und somit die Zerstörung des Lebensraumes des Orang-Utans.
Die Greenpeace Aktivisten streuten diesen Clip via youtube und die Botschaft via Facebook. In Windeseile stand Nestlé mit dem Rücken zur Wand und entschloss sich sogar, die Fanseite zu schließen.
Nach einiger Zeit jedoch Rückkehr zu Formulierungen wie „wo isst du denn deinen Lieblingspausensnack?“ – als ob nichts passiert wäre… So jedenfalls der Eindruck. In Wirklichkeit jedoch, so eine mögliche Gegenthese, hat Nestlé die Greenpace Aktivisten mürbe gemacht. Denn: So lange die Aktivisten Zeitbomben in die KitKat Gruppe legen mussten, konnten sie keine weiteren Aktionen durchführen. Keine Zeit für den Kampf gegen Castor & Co., keine Zeit Wale zu retten, keine Zeit für den Klimaschutz und auch keine Zeit, den Grünen den Krieg zu erklären - einfach nur, und das ist tragisch, an einen ordinären Schokoriegel gebunden und somit global handlungsunfähig. Und während man Schokobömbchen wirft, zieht die Social Media Karawane weiter zu anderen gefällt-mir-schlachtfeldern wie Ausbruch eines isländischen Vulkans, Fußball Weltmeisterschaft (immer wichtiger als jeder Skandal) oder Streetview…
Rückkehr zur „Tagesordnung“ – veränderte Halbwertzeit der Kommunikation, der User blendet Nachrichten nach einer gewissen Zeit aus und schützt sich so vor Reizüberflutung. Sozial-kognitive Dissonanz.
Auch das Thema BP und die Verschmutzung der Meere kann unter diesen Trend subsummiert werden. Ein Blick auf obige Grafik zeigt von Mai bis Ende Juli die Proteststürme (inkl. massiver Drohungen seitens Obama), legt man jedoch einen zweiten Begriff (rote Linie) über die BP Line, so wird schnell deutlich, dass dem Bundesbürger das Thema Urlaub wesentlich wichtiger ist. Echtzeitkommunikation unter besonderer Berücksichtigung sozial-kognitiver Dissonanz…
Trend 1: Arbeiten im WIRRklichkeitsRAUM
Trend 2: Die Religiosität der Marke
Trend 3: Echtzeitkommunikation
Trend 4: Sozial-kognitive Dissonanz
Trend 5: Das Zeitalter der Charismatiker
Trend 6: Intuitive Ballistik – Das Ende der Zielgruppe
Trend 7: Das Ende der Politischen Korrektheit
Zeitnah abstimmen
Dass Begrifflichkeiten wie „zeitnah“ und „abstimmen“ nie förderlich für ein Unternehmen sind, konnte an anderer Stelle bereits gezeigt werden. Das Ausmaß der beiden Termini wird einem noch deutlicher, wenn man versucht, die Ausdrücke ins Englische zu übersetzen.
Hier gibt es für „abstimmen“ ein Flut von Möglichkeiten. Man könnte beispielsweise je nach Stimmungslage zwischen eher technischen Ausprägungen wählen wie „to align sth.“ oder „to attune to“ oder „ballot“ oder aber „to coordinate sth.“ Übersetzungen wie „to harmonize“ oder „to balance“ lassen immer noch die Hoffnung, dass diese Aktivitäten irgendwann zielführend sind und Begriffe wie „to agree“ lassen auf ein Happy End schließen. Dass „abstimmen“ mittlerweile ein Synonym für Entscheidungsunfreudigkeit ist, steht in keinem Dictonary.
Noch dramatischer ist der Begriff „zeitnah“, wenn ein deutscher Konzernmensch diesen Ausdruck wählt, dann will er eigentlich sagen „relativ bald“. Dies müsste man dann wohl mit „pretty soon“ übersetzen, was ziemlich relativ ist, denn aus der Praxis weiß man, dass „zeitnah“ auch schon mal 1-2 Jahre dauern kann. Erschrecken würde der Konzernmensch wenn er einen Blick ins Wörterbuch werfen würde, denn dort findet er die englische Übersetzung: prompt.
Dauererektion – Die Omnipräsenz der Kommunikation oder: Neulich im Zug…
Früher, also ganz früher hat man 2-5 mal pro Tag seine Mails gecheckt, hat dazu den Rechner hochgefahren und wo man schon mal online war, die eine oder andere Community besucht oder sich über die spannendsten Neuigkeiten informiert.
Heute ist man dank smarter Mobiltechnologie daueronline und verpasst so keine einzige Trivialität mehr – man nennt sie allerdings heute anders: man nennt es „wichtige Information“ statt Trivialität. Das Ausmaß des Trivialitätsgrades wird einem bewusst, wenn man mit der Bahn fährt. Diskretion, Privatsphäre oder gar Respekt vor anderen Mitreisenden geraten vollends in Vergessenheit, die Verbundenheit mit der Götze Smartphone ist größer als die Scham, sich öffentlich zu entblößen. Der Verblödungsgrad wird öffentlich zur Schau gestellt. Besonders nervig ist früh morgens um 7:39 Uhr die Frau mit dem Tarzanklingelton, ihre Freundin ist grad im Club Med Urlaub und wird gleich, nachdem sie ausgiebig gefrühstückt hat (Sex hatte sie übrigens keinen letzte Nacht) an den Pool gehen, die Sonne scheint in Spanien. Ihr Sohn hingegen kam nicht so gut aus dem Bett und findet die Marmelade nicht. Das Großraumabteil durchwandert deshalb gemeinsam mit ihr und dem Sohn den Kühlschrank und zittert, dass noch Butter im Hause ist.
Die Firma Siemens, so entscheiden alle Mitreisenden, sollte ihren Mitarbeitern dringend einen Rhetorik-Kurs spendieren, der die monotone Stimmlage von Herrn Zapf etwas ohrfreundlicher „formt“, zumindest am langgezogene „ääähh“ sollte gearbeitet werden. Andererseits ist der Belustigungsgrad sehr hoch, wenn zwei Reihen weiter hinten das „ääähh“ zu zweit nachgeäfft wird…
Herr Zapf hat anscheinend auch Probleme mit den Ohren, anders kann sich das Großraumabteil das laute Klingeln nicht erklären. Ansonsten scheint die Auftragslage der Firma Siemens sehr schlecht, Herr Zapf kämpft hart um jeden Kunden. Eine Sekretärin, die den Kunden erzählt, dass Herr Zapf auf Dienstreise ist, kann sich die Firma Siemens ebenfalls nicht mehr leisten. Herr Zapf muss also sein komplettes Business im Großraumabteil abwickeln. Die Mitreisenden bangen mit ihm. Und als er aussteigt, sind alle tiefbetrübt, dass er es dann doch nicht geschafft hat, den Kunden glücklich zu machen.
Fazit der Reise: Je weniger jemand in der eigenen Firma zu sagen hat, desto gesprächiger ist er im Zug.
