kognitive Dissonanz

EHEC und wie wir lernten, die Bombe zu lieben und die prometheische Scham auch ohne Timeline Kompatibilität zum zentralen Gesellschaftsthema wurde – Oder: Wer kennt heute schon Thamus?

An der Überschrift leicht erkennbar: Wir stehen nicht auf langweilige Überschriften wie „Marketing leicht gemacht“ oder „Guerilla Marketing für Zahnärzte“. Das Leben ist komplex und manchmal auch verWIRRend. Also: Wer mag schon einfach, wenn es kompliziert auch geht…?? (Vorab: Der gebätschelte und gebeutelte Student sei gewarnt, vor dem Gebrauch von Fremdwörtern wird nicht zurückgeschreckt und auch der gezielte Einsatz des  Genitivs wird im Folgenden gnadenlos praktiziert).

Das Konstrukt WIRRklichkeitsRAUM wurde im letzten Jahr erstmalig vage skizziert. Kennzeichen des WIRRklichkeitsRAUMes war eine fehlende Orientierung für das Individuum, ein neues Medien- und Kommunikationsverhalten sowie das Fehlen von sozialen Bindungen und Werte gebenden Institutionen.

Das Zeitalter der Charismatiker wurde demzufolge propagiert und das Jahr 2011 hat gezeigt, dass der Bedarf an Charismatikern noch größer ist als ursprünglich angenommen. Selbst als der Betrug offensichtlich wurde, hielt das Gros der Gesellschaft noch an Herrn Lügenbaron von und zu ohne Doktor Guttenberg fest (80% aller Bildzeitungsleser sind nach wie vor überzeugt, dass er seine Arztpraxis auch ohne Doktortitel weiterführen könne, aber das ist eine andere Sache) und ein grenzdebiler Parteivorsitzender will ihn mangels Phantasie und Alternativen zurück holen. Am Beispiel des Lügenbarons manifestierte sich erst im Nachhinein der Unterschied zwischen echtem Charismatiker und populistischem Medienstar mit zwanghaftem Darstellungstrieb.

Der Schrei nach dem Charismatiker verdeutlicht die Hilflosigkeit des postmodernen Individuums, das Postulat nach Leitbildern wird in Zeiten zunehmender Orientierungslosigkeit immer lauter.  Um den WIRRklichkeitsRAUM definitorisch besser darstellen zu können, erscheint ein Blick auf die Ursprünge des Social Media Circus ratsam. Trend 1 rekrutiert sich demzufolge aus der Interaktion des Menschen mit der Technologie: Die prometheische Scham des 21. Jahrhunderts. Sie gliedert sich, wie das Jahr 2011 gezeigt hat, nahtlos in einen weiteren Trend, den Gang über die Rest-Risiko-Brücke.

Unsere empirischen Forschung sowie Ergebnisse der Social Media Analysen zeigten im letzten Jahr deutlich, dass wir eine neue Echtzeitkommunikation als gesamtgesellschaftliches und nicht nur mediales  Phänomen in starker Korrelation mit sozial-kognitiver Dissonanz verzeichnen können. Hier gilt es nun, die beiden Ansätze in einem neuen Trend zu begreifen:  Neu-Zeit oder: Wie bekommt man ein politisch korrektes Verständnis für Vogonen , das neue Raum-Zeit-Verständnis der Gesellschaft, das eng geknüpft ist an Trend 6: Das Zeitalter der Träumer. Entschleunigen als Ausweg aus der Burn-Out-Wüste? Das Gehlen´sche Mängelwesen Mensch scheint am Rande der psychischen Leistungsgrenze angekommen zu sein. Was die Vogonen mit alledem zu tun haben, wird noch zu klären sein….

Anhaltend in 2012 und darüber hinaus wird der Trend der Religiosität der Marke sein. Im Zeitalter verlorener Rituale kommt der Marke in den nächsten Jahren verstärkt eine orientierungsgebende Funktion zu. Magie für eine sinnentleerte Gesellschaft wird in den nächsten Jahren ein großes Thema sein. Für das Marketing bedeutet dies eine neue Herausforderung: Die Marke muss über eine starke Religiosität verfügen, emotionale Aufladung der Marke wird demzufolge ein weiteres, wichtiges Thema des 21. Jahrhunderts sein, und das bei gleichzeitig veränderten medialen Kommunikationsmustern (die Markenbotschaft muss zwingend timeline kompatibel sein, sonst geht sie im allgemeinen Mediagrundrauschen unter) und stark verschwindender Zielgruppe (DER 14-49jährige unterscheidet sich mittlerweile stärker als es der Media-Forschung lieb sein kann) und das noch bei zeitnah lebenden Marketeers, i.e. Marketingnichtentscheidern, die ihr berufliches Überleben über die obligatorische Zweijahresfrist hinaus sichern müssen und deshalb ständig unmutig in Meetings sind und Entscheidungen für die Marke vermeiden.

Im Fokus steht in diesem Zusammenhang mehr denn je die Typologisierung. Auch hier sind neue Ansätze gefragt, die über bestehende Milieus hinausgehen, dem gesellschaftlichen Atomisierungsprozess Rechnung tragen und den Übergang der faustischen in eine zivilisatorische Gegenwelt, eine Auseinandersetzung mit Spenglers organologischem Weltbild und Huntington´s The Clash of Civilizations scheint hilfreich und auch ein Blick auf die Kulturpessimisten, hier speziell der Nachkriegszeit, könnte Licht in den Dschungel  neuzeitlicher Imponderabilien bringen. Anmerkung für gebätschelte und gebeutelte Studenten: Keine Sorge, es wird alles erklärt.

Hoch und heilig versprochen, es wir auch nur g a n z  l a n g s a m geschrieben und hier vorab die Trendthesen, die ab morgen zur Diskussion stehen:

Trend 1: Die prometheische Scham des 21. Jahrhunderts

Trend 2: Intuitive Ballistik – Das Ende der Zielgruppen und die Entdeckung einer neuen Bescheidenheit

Trend 3: Neu-Zeit oder: Wie bekommt man ein politisch korrektes Verständnis für Vogonen

Trend 4: Der Gang über die Rest-Risiko-Brücke

Trend 5: Religiosität der Marke oder: Wer nicht mit dem Wulff tanzt, kann sich köhlern

Trend 6: Das Zeitalter der Träumer

Trend 7: Leben und Arbeiten im WIRRklichkeitsRAUM

 

Die Ambivalenz von Weihnachtsgebäck: Einerseits ist es gut und andererseits muss es weg (Gedanken anlässlich des plötzlich auftretenden 1. Advent)

Plötzlich haben wir den 1. Advent und wie jedes Jahr hat wieder einmal niemand darauf hingewiesen. Die im Supermarkt aufgetürmten Spekulatius fallen einer kognitiven Dissonanz zum Opfer, keiner kann sie mehr sehen, sie sind als Warnhinweise demzufolge nicht zu gebrauchen (ob es Sinn macht, angesichts einer steigenden Religionsmüdigkeit, über neue Symbole zu diskutieren, soll an dieser Stelle nicht vertieft werden).

Fakt: Angesichts des heutigen 1. Advents kann damit gerechnet werden, dass auch bald Ereignisse wie der unheilige Abend und Silvester vor der Tür stehen und somit der traditionelle Jahresrückblick ansteht.

Selbstverständlich wird auch an dieser Stelle ein kritischer Blick auf die Trends 2011 geworfen, z.B.  Trend : Echtzeitkommunikation. Ordnen Sie die folgenden drei Begriffe des Jahres 2011 den Peaks in der Grafik zu (Doppelklick vergrößert die Ansicht):

  1. Guttenberg
  2. EHEC
  3. Fukushima

Für alle, die nicht selbst googeln wollen, kommt die Auflösung an dieser Stelle in den nächsten Tagen. Und hier auch noch ein erster Ausblick auf die Trends 2012. Es gilt wichtige Fragen zu beantworten wie „EHEC und wie wir lernten, die Bombe zu lieben und die prometheische Scham auch ohne Timeline Kompatibilität zum zentralen Gesellschaftsthema wurde oder: Wer kennt heute schon Thamus?

Mind Store Marketing wünscht
einen schönen 1. Advent

 

 

Robinson Krösus Flucht aus Grünwald oder: Warum Erik Ode doch Recht hatte und es für die Medien immer schwieriger wird, den Konsumenten zu erreichen

„Robinson Krösus Flucht aus Grünwald oder: Warum Erik Ode doch Recht hatte und es für die Medien immer schwieriger wird, den Konsumenten zu erreichen“, das ist der Titel des Vortrages, den ich am 15. November im Medienforum Mittweida halten werde.

Was aber, so war die Frage der Studenten, wollen Sie uns damit sagen? Zugegeben der Titel ist schon etwas verwirrend, aber wir leben und arbeiten nun mal im WIRRklichkeitsRAUM und da darf man keine langweiligen Titel verwenden – die würden sonst nicht zu den Trendtagen passen, die wir veranstalten und wären auch nicht timeline kompatibel, aber das ist nochmals eine ganz andere Geschichte…

Zurück zur Überschrift und somit zur Aussage zwei: Mind Store Marketing vertritt die These, dass die klassischen Zielgruppen der Vergangenheit angehören. Deshalb arbeiten wir mit Typologisierungen. Die erste Typlogisierung war die Göttin im Sandkasten, die auf einer Aussage einer Freundin,  einer blonden Studentin resultierten: „ich bin blond und intelligent und wenn ich jetzt noch promoviere, bekomme ich überhaupt keinen Mann mehr ab, die haben nämlich jetzt schon Angst vor mir“. Die Göttin im Sandkasten ist aber nicht nur für die verängstigte  Männerwelt schwer zu erreichen, sondern auch für die Marketingabteilungen. Zur Göttin im Sandkasten würde, und damit schließt sich der Kreis zur Überschrift, Robinson Krösus gut passen, wenn er nicht das Land verlassen hätte, um auf einer Schweizer Insel zu leben und somit weder für Frauen noch für Marketeers zu erreichen ist. An dieser Stelle ein kurzer Warnhinweis für alle Studenten am 15.11.: Den Teil mit den Playstationspielern werde ich natürlich NICHT auslassen und freue mich vielmehr auf eine heftige Diskussion…

Warum aber dann Flucht aus Grünwald? An dieser Stelle sei kurz angedeutet, dass dies etwas mit Christian Louboutin zu tun hat und mit unseren Trendtagen für die Immobilienbranche, aber dass natürlich vorab nicht ALLES verraten werden kann…

Und warum wird es für die Medien immer schwerer? Auch das wird vorab natürlich NICHT verraten. Aus Gründen der Fairness so viel schon jetzt: Es hat etwas mit Parallelnutzung von Medien zu tun, mit Echtzeitkommunikation und mit dem Thema sozial-kognitive Dissonanz (Frage an de Hochschule: ist das Bestandteil eines modernen Lehrplans?)

So, und jetzt wird es nochmals spannend. Frage an die Jugend: Wer war eigentlich Erik Ode? So viel vorab: Als er im Fernsehen lief, war es noch schwarzweiss (und, Achtung jetzt kommt´s: Es gab nur drei Programme!), Raider hieß noch Raider und nicht twix, es gab noch jede Menge Plattenspieler (nein, die Rede ist nicht von DJs) und die Parkuhren haben noch 10 Pfennig gekostet…

An dieser Stelle wird eingeräumt, dass sich der eine oder andere Leser jetzt RICHTIG alt fühlt, aber genau DAS gehört zum Vortrag in Mittweida: Er reicht die Hand über Generationen und bietet das, was wir am besten können:

Provozierendes Infotainment.


Zahnarzt München oder: es gibt noch echte Herausforderungen für eine Guerilla Marketing Agentur

Als Guerilla Marketing Agentur stellt man sich allein schon aus kreativen Gründen jede Woche mindestens einer neuen Herausforderung bzw. sucht sich eine frische. So macht man sich beispielsweise Gedanken, wie ein Rohrreiniger in Social Media Welten gelangen könnte. Man freut sich dann, dass man durch diese Überlegungen eine mehr als nur gute Platzierung bei Google bekommen hat und die Welt dadurch erfahren hat, dass es eigentlich nur eine einzige Guerilla Marketing Agentur für Rohrreiniger gibt (geben Sie bei Google ein: Marketing für Rohrreiniger), aber im Grunde ist man schon wieder auf der Suche nach neuen Herausforderungen, die man als Marketingexperte dann natürlich Challenge nennt…

Der Rohrreiniger musste herhalten, weil er wacker gegen kognitive Dissonanzen, Time Gaps und Imageprobleme kämpft – wer will schon ein verstopftes Rohr…? Was aber könnte die nächste Challenge für einen Markenstrategen sein? Gibt es etwas, das die Brühe des Rohrreinigers übertrifft? Es gibt: Der Zahnarzt!

Der Zahnarzt hat zwar nichts mit übel riechenden Rohren zu tun, aber so richtig beliebt ist er auch nicht –  wer geht schon gern zum Zahnarzt? Der Zahnarzt kämpft also auch gegen kognitive Dissonanz, hat aber mehr Understatement und im Gegensatz zum Rohrreiniger meist auch einen Dr.-Titel (80% aller Bildzeitungsleser sind übrigens immer noch der Meinung, dass Herr zu Guttenberg seine Praxis als Arzt auch ohne Dr. Titel weiter betreiben könne, aber das ist nochmals eine andere Sache).

Der Zahnarzt würde NIE Werbung machen. Der Zahnarzt kauft sich in eine gut gehende Praxis ein oder übernimmt eine solche. Was aber, wenn der Zahnarzt doch mal werben will? Oder gar muss?? Darf der Zahnarzt das überhaupt? Er darf zum Beispiel im Internet „sachlich werben“, kann bzw. muss man in einem ellenlangen unemotionalen Text der Universität Erlangen-Nürnberg lesen.

Wenn man sich durch den schrecklich sachlichen Text kämpft (sachlich ist für Marketeers eigentlich undenkbar- geht gar nicht!), kann man sogar lesen, dass das OLG Hamm in einem Urteil vom 07.06.2005, Az. 4 U 34/05 die Anzeigenwerbung eines Zahnarztes, die einen lachenden Mund mit wohlgeformten, leicht geöffneten Lippen, mit strahlend weißen, makellosen Zähnen zeigt, als zulässig erklärt hat.

Ob der Mund stark geschminkt sein darf, steht dort nicht, das Urteil gibt jedenfalls Anlass zur Hoffnung für jeden werbewilligen Zahnarzt. Was aber passiert, wenn man den alten T-Shirt-Spruch „meine Augen sind hier oben“ für einen Zahnarzt „modifiziert“ und beispielsweise auf ein weisses T-Shirt in Brusthöhe schreibt: „meine Zähne strahlen hier oben“?

Das Urteil vom Oberlandesgericht sagt nicht, dass an dem lachenden Mund mit den wohlgeformten Lippen keine ganze Frau dranhängen darf. Ein einziges Plakat, so es die mittelalterliche Zahnarzt-Verordnung zulassen würde, könnte also einen großen Hebel erzeugen, wenn man so eine Zahnarztwerbung mit einer PR Kampagne und einem Social Media Seeding streuen würde…

Die Frage, die sich an dieser Stelle stellt: Gibt es einen Zahnarzt in München der mutig genug ist, eine unkonventionelle Kampagne zu starten, die auf der Erzielung einer einstweiligen Verfügung in Kombination mit einem extrem starken PR Hebel aufbaut?? Besser noch wäre sicherlich eine Zahnärztin.

Und eine blonde Zahnärztin wäre natürlich PERFEKT…

Wir sind gespannt…

High Noon: Das Social Media Duell im Morgengrauen. Oder: Langweilige Firmeninterna prallen gnadenlos auf sozio-virtuelle Welten. Untertitel: Vom unendlich harten Leben der Rohrreiniger (Teil 1)

Showdown auf der Hauptstraße. Zwei Revolverhelden stehen sich mit geladenen Pistolen gegenüber. Entschlossen bis zum Letzten. Der Colt sitzt locker. Die Anspannung ist groß. Und dann der erste Schuss: Eine Führungskraft murmelt ferngesteuert und wüst entschlossen „Wir müssen was mit Social Media machen“ (dieser Satz aus der Stille des Raumes ist aus alten Zeiten bekannt als: Wir müssen ins Internet…). Im Hinterkopf die klare Vision: Koschtengünschtig sein (wie es der Schwabe ausdrückt).

Die gesamte Tragweite des Satzes „wir machen was mit Social Media“ ist den wenigsten Managern bewusst. In Konzernen hat man vielleicht die eine oder andere positive Erfahrung gemacht, übersieht aber gerne, dass nicht jede Sparte oder jedes Produkt socialmediatauglich ist und der Mittelstand verkennt, dass die Vision „koschtengünschtig“ auch richtig teuer werden kann, weil man dadurch eine faire Chance hat, die Marke oder das Image der Firma zu ruinieren.

Übersehen werden im allgemeinen Social Media Zirkus meist zwei wichtige Kenngrößen: Timeline Kompatibilität und sozio-kognitive Dissonanz.

Sowohl der Koschtengünschtig-Wahn als auch die blinde Aktionismus-Variante sehen nur 16 Millionen potentielle Kunden die man koschtengünschtig erreichen kann (theoretisch könnte) und so gerät die Systematik von Social Media schnell in Vergessenheit. Die damit verbundenen Gefahren für die Marke werden vollends ausgeblendet. Vergessen wird in der ersten Euphorie fast immer, dass Social Media eben nicht nur facebook, sondern wesentlich mehr ist.

Unabhängig davon: Social Media Marketing bedeutet Content, spannender Content, gerne auch witziger Content, interessanter Content, der timeline kompatibel sein muss. Wenn die Marke nicht religiös ist oder das Produkt nicht sexy genug, straft dies die Social Media Gemeinde gnadenlos ab. Hierbei wird von den Verfechtern der koschtengünschtigen Variante dann auch vergessen, dass Social Media nicht nur Ablehnung (früher: Zapping) bedeutet, sondern unter Umständen auch aktiver „Gegenwind“ und im schlimmsten Fall Mobilmachung (siehe Kitkat).

Es folgt der Versuch, Entscheidern den Leidensprozess verkürzen zu können in Form einer kurzen Anleitung zum Unglücklichsein. Hierzu nehmen wir ein nicht-timeline kompatibles Produkt/Dienstleistung wie beispielsweise Bestattungen (= hohe kognitive Dissonanz – wer will sich schon mit dem Tod auseinander setzen – wobei es hier eine herausragende Ausnahme gibt), Stützstrümpfe (der Slogan Erotik fürs Krampfadergeschwader funktioniert nur bedingt…) oder „Rohrreinigung“.

Der Rohreiniger wird angerufen, wenn alle verzweifelten Versuche fehlgeschlagen sind, die stinkende „Suppe“ aus dem Küchenausguss heraus zu bekommen. Der Rohrreiniger zwängt dann heldenhaft eine Spirale in die Brühe und treibt sie mit einer Maschine in die Tiefe. Er berechnet dabei nach Metern. Wenn der Kunde am Ende die Rechnung bekommt, wird jedes Mal spekuliert, ob die Spirale den Erdmittelpunkt erreicht hat, aber das ist ein anderes Thema…

Jeder Verbraucher hofft also, genau diese Dienstleistung nie in Anspruch nehmen zu müssen. Der Rohrreiniger hat es also sehr schwer mit Marketingmaßnahmen. TV oder Radio-Werbung scheidet aus, denn für 30 Sekunden bei TV Total müsste er tatsächlich bis zum Erdkern bohren. Ausserdem: Wenn der Rohrreiniger in München sitzt, wären die Streuverluste viel zu groß. Auch Radiowerbung scheidet aus, denn auch wenn viele Radios in der Küche stehen, sie wirkt nur, wenn der Schadensfall auch parallel eintritt, was statistisch allerdings fast unmöglich ist, aber das hatte auch die Atomlobby vor dem Japan Unglück über Atomkraftwerke gesagt…

Zurück zur Rohrreinigungsfirma: Nachdem er sich entschlossen hat, keinen sechsstelligen Betrag für einen 30-Sekünder im Blockbuster Film zu investieren und auch lieber Radio zu hören als Radio zu finanzieren, geistert ihm das schwäbische „kostengünschtig“ durch den Kopf bzw. die Long Version: Social Media kostet nix! Und so fällt beispielsweise eine einsame Entscheidung für die Einrichtung eines Twitter Accounts.

Der Twitter geübte weiss: Wenn man in die Timeline die Nachricht streut: „…reinigt jetzt das Rohr“, könnte dies witzige Retweets auslösen und auch die Nachricht „kommt mal eben zum Rohrreinigen vorbei“ könnte Beifall der weiblichen Twitterwelt auslösen. Alles aber unter dem Aspekt, dass da jemand versucht, einen Witz zu reissen. Wenn die Twitter Gemeinde merkt, dass da jemand eine kommerzielle Dienstleistung verkaufen will, dann könnte der SPAM Schuss nach hinten losgehen. Ergo: Die Twitter Timeline erscheint aufgrund ihres News und Self Expression Charakters (witzige und sinnentleerte Posts inklusive) vollends ungeeignet (es sei denn, man ist wie der weiter oben zitierte Bestatterblog authentisch…)

Schicken wir den Rohrreiniger also jetzt zu facebook. Dort würde er zumindest schon mal auf 81 Personen treffen, die die Gruppe „geh rohrreiniger trinken“ witzig findet, aber die im Vergleich zu Twitter deutlich spaßorientiertere facebook Community wird eine Dienstleistung wie Rohrreinigung nicht wirklich überzeugen. Der Facebook Fan ist deutlich oberflächlicher, ein „gefällt mir“ könnte man eventuell einsammeln, die Dienstleistung Rohrreinigung jedoch könnte man über Facebook nicht wirklich bewerben, zumindest nicht ohne einen größeren finanziellen Kraftakt. Wir erinnern uns: Nur 0,05 Prozent aller Werbeaufwendungen bei facebook erreichen den Endkunden und auch hier muss der Facebook User schon mit dem Schlauchboot durch die Küche paddeln, damit die Rohrreiniger Werbung im Relevant Set landet (für den Rohrreiniger: jetzt pumpen…)

Die Japan Katastrophe hat gezeigt, Facebook Fans sind an der Oberfläche lebende spaßorientierte Menschen, denen es wichtig ist, einer Gemeinschaft anzugehören und dort aus dem realen Leben „berichten“ zu können: „ich geh dann mal Espresso trinken“ oder „freut sich auf den Urlaub“ (ab Mittwoch/Donnerstag wurden dann die Facebook Profile „politischer“ indem man die guten alten „Atomkraft nein danke“ Buttons ans Profilbild klebte…). Im Gegensatz dazu, ist der Twitterer durchaus an politischen Themen interessiert und der Zwang zu kommunizieren ist deutlich höher (für Rohrreiniger: Der Twitterer kommuniziert, NICHT du…)

Das Japan Drama hat zudem gezeigt: Twitter Kommunikation ist zum einen extrem kurzlebig, ist ein #hachtag (für den Rohrreiniger: spricht man „häschtäg“) erst einmal in den Trendthemen, wird gnadenlos zu dem Thema getweetet und geretweetet (der Rohrreiniger hat keine Chance in die #hachtag Trends zu gelangen). Die Halbwertzeit einer Information bei twitter ist (im Gegensatz zu Plutonium mit über 24.000 Jahren) eher im Minuten- oder Stundentakt zu sehen (der Rohrreinigerfirma, um beim Thema zu bleiben, muss deshalb dringend empfohlen werden, aus jeglicher Timeline Taktung auszubrechen). Zur Untermalung der These hier  exemplarisch die Highlights der letzten Wochen: Ein Lügenbaron wurde von einem Diktator aus den Trends gedrängt, der wiederum hinter einer großen Welle in Deckung ging. Zwischen all diesen Trends nun rudert unverdrossen unser Kanzler: der Zick-Zack-Kurs geht vom sichersten Kraftwerk der Welt bis hin zur sofortigen Stilllegung (und auch Wendehals Röttgen findet die Diskussion um Kernkraft deplatziert und tritt dann aber doch auch in den Ruderklub ein):

Zwischendrin dann noch das perfekte Chaos (unvorstellbar, wenn dies einem Rohrreiniger passieren würde): Das Deutsche Atomforum wird attackiert. Unter dem Namen des Lobbyverbandes werden satirische und zynische Beiträge im Internet verbreitet. Besonders irritierend dabei die „Warnungen“ des vermeintlich „richtigen“ Accounts. Was richtig ist oder nicht, weiß in diesen Tagen ohnehin niemand mehr…

Wen also wundert es, dass in Folge auch die aufgescheuchte Twitter Gemeinde die wüstesten Vermutungen zwitschert (was wiederum blankes Entsetzen auf der Profiseite auslöst, es  wird gar von der Unerträglichkeit des twitter Seins gesprochen…)

Inmitten des Kernschmelzwahns (ob der Rohrreiniger hier einen angemessenen Platz findet, darf nochmals angezweifelt werden) dann auch richtigerweise Mahner, die auf den Diktator hinter der Tsumaniwelle hinweisen  und dann aber wieder die Rückkehr zu den “wirklich” wichtigen Themen…

Am Ende der Woche dann nochmals Aufregung bei twitter: Nachdem die #japan Katastrophe durch #magath und andere Banalitäten unterbrochen wurden, dann die deutliche Empörung  über die deutsche Enthaltung zum Thema Flugverbot – wer will schon mit China und Russland auf der selben Stufe stehen. Das will nicht mal mehr der kostenbewusste Rohrreiniger…

Turbulentes Wochenende weiterhin durch zwei weitere bittere Nachrichten: Die Twitter Gemeinde trauert um #knut – und wieder schaut der Rohrreiniger in die Röhre, denn so süß wird er nie sein… Nachricht Nummer zwei: #klitschko hämmert medienunwirksam in der ersten Runde seinen Gegner nieder. Und weitere Irritation dann noch am Rande: Trotz Verlusten ist man in der Politik eigentlich immer irgendwie Gewinner…

Zwischenergebnis: Der Rohrreiniger hat aber bis an diese Stelle verstanden, dass TV Werbung teuer sein kann, er hat in diesem Zusammenhang noch das Wort „Streuverluste“ gelernt und damit die Verwirrung noch größer wird, erzählen wir ihm nun noch, dass die Fernsehforschung keinen Sensor an die Klotüren anbringt. Darüber hinaus kann sich der Rohrreiniger nicht sicher sein, dass sein Werbespot wirklich gesehen wird oder ob sich seine Zielperson am Kühlschrank befindet, um sich ein neues Bier zu holen, denn auch dort fehlt der Sensor…

Bis hier hin können wir darüber hinaus für Rohrreiniger und Stützstrumpfproduzenten festhalten: Während bei Facebook gilt, dass nicht jede geistige Blähung gepostet werden muss, wird bei twitter die Farbe der Blähung und der Geruch bis ins Detail diskutiert…

Frage: Was hat das alles jetzt mit der Überschrift zu tun? Antwort: zunächst einmal gar nichts, aber in der Wissenschaft gilt immer der Grundsatz einer hinreichenden Herleitung. Aus Rücksicht auf das allgemeine Bildungsdefizit des Landes wird an dieser Stelle die sozio-mediale Betrachtung unterbrochen, damit niemand durch allzu lange Texte überfordert wird. Morgen geht es weiter mit dem spannenden Thema  High Noon: Das Social Media Duell im Morgengrauen oder wie der Rohrreiniger doch noch an kostengünstiges und vor allem effizientes Marketing kommt….

#Guttbye: Rücktritt Guttenbergs – 11.15 Uhr

Aus aktuellem Anlass: Ein Freudentaumel geht durchs Netz: Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurückgetreten. Statt aber wirkliche Freude zu empfinden, müsste die gesamte Geschichte bei allen Beteiligten eigentlich tiefe Trauer auslösen, denn der Fall zu Guttenberg hat deutlich gemacht, wie groß der Bedarf in Politik und Wirtschaft an Charismatikern ist.

Es muss festgehalten werden, dass es nicht die Opposition war, die den Minister zu Sturz brachte, es war die Wissenschaft und sein selbstherrlicher Umgang mit der Wahrheit und es war das lausigste Krisenmanagement aller Zeiten.

Fazit: Charismatiker sind rar und schlecht zu finden oder: schlecht war er nun wirklich nicht, aber schlecht hat er es dann gemacht und so bleibt die bange Hoffnung auf einen neuen Hoffnungsträger…

The Day After

Das Beispiel von Herrn ohne Dr. zu Guttenberg fängt an, sich famos zum Paradebeispiel sozio-virtueller Kommunikation zu entwickeln. Nach einer beispiellosen Redeschlacht im Parlament wird deutlich: Social Media Krisenmanagement hat gewisse Grenzen. Durch Ruhe und Besonnenheit konnte der Felix Krull wie die Opposition ihn nannte, zunächst wertvolle Punkte holen.

Der Fall KitKat verdeutlicht, dass konsequente Nicht-Kommunikation als Strategie erfolgreich sein kann, der Fall Wolfskin zeigte, dass rechtzeitige Reue, einen Wendepunkt zur Normalität hervorbringen kann und selbst BP und die Verschmutzung der Meere konnten ohne übertriebene Kommunikationsmaßnahmen wieder in ruhige Fahrwasser kommen.

Salamitaktik hingegen, so zeigt das Beispiel Guttenberg, zieht eine lange Ich-hab-da-auch-noch-was-gefunden-Karawane hinter sich her und die nimmt, wie es aussieht gerade mal Anlauf…

Die „Argumente“ im Freundes- und Helferkreis fangen dann an gleichlautend und platt zu werden: „und ist einer von euch ohne schuld so schmeiß er den ersten stein!! doch es stand keiner auf und schmiß!!“ oder „Hoffentlich wird dieser Mann Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland“ und und und…

Aber auch die ersten kritischen Stimmen mischen sich unter die „Fans“, die rasant steigende Zahl an Fans stagniert und auffallend ist auch die Anzahl der „Profile“, die nur 2-3 Freunde haben und merkwürdigerweise kein Foto und die alle sehr positiv eingestellt sind…

Nächste Eskalationsstufe: die Presse fängt an, sich kritisch zu äußern, es wird auch hier nachgebohrt und weiteres Fehlverhalten kommt an den Tag. In dieser Stufe kommen aber auch gefährliche Fragen ans Tageslicht wie „warum etwa mit zweierlei Maß gemessen wird“ und der eine oder andere stellt fest, dass mit dem „Kavaliersdelikt“ das gesamte Bildungssystem beschädigt wurde. So stellt beispielsweise die Süddeutsche Zeitung fest, dass „die Plagiatsdebatte um Verteidigungsminister zu Guttenberg zeigt, was Merkel & Co. sowie ein Großteil der Bevölkerung von der akademischen Welt halten. Wissenschaft ist für sie so unwichtig, dass man dort krumme Touren drehen kann, Forscher sind nur weltvergessene Eierköpfe. Das Ergebnis: Der Minister ist etwas angesengt, die Wissenschaft in Deutschland aber schwer beschädigt.

Und so kann man gespannt sein auf die nächste Eskalationsstufe: Universitäre Prüfung der Täuschung, Staatsanwalt sowie weitere Aufdeckungen?

„Guttenberg habe“, so sagt  der Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano “systematisch verschleiert, plagiiert und getäuscht. „Den Vorsatz“, so der Bremer Professor, kann man bei diesem intellektuellen Betrug dann im Grunde nur noch dadurch verneinen, dass man den Autor für unzurechnungsfähig erklärt”.

Bis hierhin stellt jedoch der Stern fest. “Minister gerettet – Werte verraten“ und auch hier die Frage, wie lange Herr ohne Dr. zu Guttenberg noch auf der Welle der positiven Vorurteile reiten kann – sozial-kognitive Dissonanz der positiven Art…

Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht ist es nun spannend, ob und wie lange sich eine öffentliche Vertrauensperson mit Spitznamen wie Felix Krull, Paste&Copy Minister, Lügenbaron oder ganz direkt Hochstapler an der Oberfläche halten kann. Wie muss ein effizientes Krisenmanagement aussehen?

Salamitaktik, so steht an dieser Stelle fest, ist kein adäquates Mittel des Krisenmanagenentes.

Und ich ich betone vorübergehend….

Timeline kompatibel

Echzeitkommunikation, so konnte gezeigt werden ist kernig, witzig und vor allem timeline kompatibel. Nachrichten, die nicht „religiös“ sind, werden sofort als Spam deklariert. Die Reduktion der Sprache auf 140 Zeichen hat eine weitere Steigerung erfahren: „gefällt mir“ und Punkt. Der fehlende Dislike-Button verhindert eine kontroverse Diskussion und stürzt statt dessen Informationen ohne „gefällt mir“-Charakter in den Sandkasten der Bedeutungslosigkeit.

Anhand der politischen Diskussion kann festgestellt werden, dass es weniger auf Argumente als auf die Anzahl der Likes ankommt. Es ist vollkommen unerheblich, ob der Kanzler nochmals den verlängerten Rücken stärkt, in den  jeder treten will oder ob die w&v als Tochter des „Bombenlegers“ Süddeutsche Zeitung nochmals unterstreicht, dass Herr Dr. zu Guttenberg nicht mal selbst twittert, facebooked oder sonst etwas tut. Selbst die eigenen Beteuerungen, die Doktorarbeit sei nach besten Wissen und Gewissen angefertigt, sind für den Kommunikationsprozess unerheblich, die Fronten stehen fest: „gefällt mir“ oder gefällt mir halt nicht…

Die „Fakten“ in Form von 124.907 gefällt mir-Menschen (Stand 21.2.) sprechen für sich. Die „Argumente“ von GutenPlag werden im nächsten Moment den ebenso gewichtigen Argumenten von Tuten Gag weichen, die Karawane zieht weiter, Vorgrühlingsfegühle haben eindeutig Vorfahrt…

Krisenmanagement bekommt, wie das Beispiel zeigt, eine neue Dimension. Nicht Gegenargumente gilt es zu finden, sondern im Gegenteil: Voll rein in die Kerbe! Und so ist Guttenbergs „Flucht nach vorne“ eine von vielen Möglichkeiten, ein Aussitzen wäre angesichts der Situation auch eine Alternative gewesen, denn wie die FAZ aufzeigt gibt es in diesem Zusammenhang das „Die-paar-Fehler“-Argument, das „Alles-Vorverurteilung“-Argument, das „Gibt-es-denn-nichts-Wichtigeres?“-Argument und das „Wir-brauchen-den-Mann“-Argument.

Herr nun doch ohne Dr. zu Guttenberg hat sich für eine Mischung aus Alternative drei und vier entschieden und auch wenn eine n-tv Umfrage besagt, dass er seine Glaubwürdigkeit verloren hat, so ist dies für das langfristige Endergebnis irrelevant. Timeline kompatible Kommunikation muss lediglich gut inszeniert sein und hier ist Herr zu Guttenberg Meister: Heroischer Einzug in die Halle mit AC/DC Sound, den lästigen Doktortitel abgeben und dann heldenhaft zurück zum Tagesgeschäft. Die Gesellschaft, so zeigt das Thema “Dissertation”, braucht dringend Helden, die deutlich aus der Masse herausstechen und auch nach Abgabe des Titels (von dem man ohnehin nicht wusste, dass er ihn hatte) hört die facebook Fangemeinde nicht auf zu wachsen:  192.678 Fans unterstützen „Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“ – die Argumente treten hierbei deutlich in den Hintergrund, gefolgt wird unisono der weiter oben zitierten FAZ-These „Wir-brauchen-den-Mann“…

Der Exkurs in die wundervolle Welt der Doktorarbeiten zeigt eindrucksvoll die Regeln Social Media Kommunikation: Finde ein timeline kompatibles Thema das a) streitbar ist, das b) eine hohen Neidfaktor hat und das c) in ein „Wir-haben-das-ja-schon-immer-gewusst-Schema“ passt. Wenn das Thema dann noch stark polarisiert, greift es die Journalie bereitwillig auf und wenn man dann noch mit einem Social Media Monitoring die Entstehungsherde identifiziert und potenziert, ist man dauerhaft in allen Timelines und Facebook Profilen. Was dann zählt ist nicht mehr der sachlich richtige Inhalt, sondern lediglich die neue Botschaft. Sozial-kognitive Dissonanz: Erlaubt ist, was gefällt

Trend 4: Sozial-kognitive Dissonanz

Während Stuttgart 21 ein Beispiel für fehlende Kommunikation in Kombination mit Politikverdrossenheit ist, zeigt das Beispiel KitKat von Nestlé, dass Echtzeitkommunikation durchaus aussitzbar ist. Zugegeben, man hätte es eleganter lösen können, zumal man den Ruf des Erfinders proaktiver  dialogischer Kommunikation der ethischen ART zu verlieren hatte.

Wir erinnern uns: Greenpeace hatte einen Viralen Clip ins Netz gestellt, der einen Menschen zeigt, der den Pausenriegel aus dem Hause Nestlé verzehrt. Bei näherem Hinsehen jedoch erkennt man den Finger eines Orang-Utans. Kernaussage: Wer den mit Palmöl hergestellten Riegel kauft, unterstützt die Abholzung des Regenwaldes und somit die Zerstörung des Lebensraumes des Orang-Utans.

Die Greenpeace Aktivisten streuten diesen Clip via youtube und die Botschaft via Facebook. In Windeseile stand Nestlé mit dem Rücken zur Wand und entschloss sich sogar, die Fanseite zu schließen.

Nach einiger Zeit jedoch Rückkehr zu Formulierungen wie „wo isst du denn deinen Lieblingspausensnack?“ – als ob nichts passiert wäre…  So jedenfalls der Eindruck. In Wirklichkeit jedoch, so eine mögliche Gegenthese, hat Nestlé die Greenpace Aktivisten mürbe gemacht. Denn: So lange die Aktivisten Zeitbomben in die KitKat Gruppe legen mussten, konnten sie keine weiteren Aktionen durchführen. Keine Zeit für den Kampf gegen Castor & Co., keine Zeit Wale zu retten, keine Zeit für den Klimaschutz und auch keine Zeit, den Grünen den Krieg zu erklären – einfach nur, und das ist tragisch, an einen ordinären Schokoriegel gebunden und somit global handlungsunfähig. Und während man Schokobömbchen wirft, zieht die Social Media Karawane weiter zu anderen gefällt-mir-schlachtfeldern wie Ausbruch eines isländischen Vulkans, Fußball Weltmeisterschaft (immer wichtiger als jeder Skandal) oder Streetview…

Rückkehr zur „Tagesordnung“ – veränderte Halbwertzeit der Kommunikation, der User blendet Nachrichten nach einer gewissen Zeit aus und schützt sich so vor Reizüberflutung. Sozial-kognitive Dissonanz.

Auch das Thema BP und die Verschmutzung der Meere kann unter diesen Trend subsummiert werden. Ein Blick auf obige Grafik zeigt von Mai bis Ende Juli die Proteststürme (inkl. massiver Drohungen seitens Obama), legt man jedoch einen zweiten Begriff (rote Linie) über die BP Line, so wird schnell deutlich, dass dem Bundesbürger das Thema Urlaub wesentlich wichtiger ist. Echtzeitkommunikation unter besonderer Berücksichtigung sozial-kognitiver Dissonanz…

 

Trend 1: Arbeiten im WIRRklichkeitsRAUM

 

Trend 2: Die Religiosität der Marke

 

Trend 3: Echtzeitkommunikation

 

Trend 4: Sozial-kognitive Dissonanz

 

Trend 5: Das Zeitalter der Charismatiker

 

Trend 6: Intuitive Ballistik – Das Ende der Zielgruppe

 

Trend 7: Das Ende der Politischen Korrektheit


Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

Im Jahr 2010 haben wir die Facebook Seite “Es ist kompliziert” ins Leben gerufen. Fazit am Ende des Jahres: In der Gesellschaft ist ALLES irgendwie kompliziert. Kommunikation ist kompliziert, Miteinander ist kompliziert, das Berufsleben ist kompliziert…

Dies führt zur denknotwendigen Folgerung: Wir leben in einem WIRRklichkeitsRAUM.

Um den WIRRklichkeitsRAUM für Entscheider aus der Wirtschaft zu entwirren, haben wir für das kommende Jahr folgende sieben Trends identifiziert:

Trend 1: Arbeiten im WIRRklichkeitsRAUM

Trend 2: Die Religiosität der Marke

Trend 3: Echtzeitkommunikation

Trend 4: Sozial-kognitive Dissonanz

Trend 5: Das Zeitalter der Charismatiker

Trend 6: Das Ende der Zielgruppe

Trend 7: Das Ende der Politischen Korrektheit

Bevor jedoch am 3. Januar 2011 mit der Vertiefung der einzelnen Themen begonnen wird, an dieser Stelle aus aktuellem Anlass ein wichtiger Warnhinweis in Form einer Postkarte:

In diesem Sinne:  Don´t Eat the Yellow Snow!



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