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Info-Picking: Die metro-A-sexuelle Frau. Oder: Ich geh dann mal laufen…

Es gibt verschiedene Möglichkeiten an wissenschaftliche Ergebnisse zu kommen. Eine davon wäre zum Beispiel über empirische Forschung in Verbindung mit Einzelexploration und einer nachfolgenden Clusterung. Eine weitere, und die macht deutlich mehr Spaß, ist die gezielte Beschimpfung von Probanden und die anschließende Auswertung. Letzterer Weg wird an dieser Stelle eingeschlagen. Statt wüster Beschimpfungen wird jedoch der moderatere Weg einer soziologisch orientierten „Provokation“ gewählt, will heißen, es werden willkürlich Zitate von namhaften Bloggerinnen herausgegriffen und in einen erklärungswilligen konzeptionellen Bezugsrahmen gestellt, stets in der Hoffnung, dass daraus ein wissenschaftlicher Disput entsteht.

Um möglichst gezielt einzusteigen und garantiert auch zu polarisieren, startet man, indem man Männer zwischen 20 und 39 zunächst als Weichei beschimpft. Der Playstationspieler wurde in diesem Zusammenhang schon hinreichend typologisiert. Er steht  als Synonym für eine Gattung von  Männern oder besser: Männchen, die leider für 1-2 Generationen von Frauen komplett „ausfallen“ .  Wie aber kommt es, dass immer mehr Männer in die Passivität abdriften und der „Markt“ für junge Frauen somit immer kleiner wird?

Es scheint jedoch an der Zeit, das weibliche Pendant zum Playstationspieler einer näheren Betrachtung zu unterziehen, denn die Göttin im Sandkasten, wie sie vor 10-15 Jahren noch durchaus mehrheitlich anzutreffen war, scheint zur Minorität zu mutieren. Dieser Typ Frau wird zunehmend abgelöst durch die dauerhaft verpeilte metro-A-sexuelle junge Frau, die den Claim „wasch mich, aber mach mich nicht nass“ für sich beansprucht und entsprechend kultiviert hat.

Den Ursprung des Phänomens der metro-A-sexuellen Frauen könnte man u.a. aus einem Forschungsergebnis von Horx ableiten. Er spricht vom „überinformierten Einsteiger“. In seiner Forschung kommt er zum Ergebnis, dass Teenager im Alter zwischen 14 und 20 Jahren heute “wesentlich früher und detaillierter über Sex Bescheid wissen als jede Generation zuvor”. Sie holen sich Rat im Internet und Sex hat nichts Verruchtes oder Verbotenes und somit nichts Reizvolles mehr.  Allerdings, so stellt Horx fest, sind die überinformierten Einsteiger beim ersten Mal ebenso unsicher wie ihre Altersgenossen früherer Jahrzehnte.

Als weiteren erklärenden Faktor könnte man das Thema „Hormone“ heranziehen. Hierbei stehen nicht zwingend Sexualhormone im Zentrum der Betrachtungen, sondern der Umstand, dass ein lukrativer Industriezweig mit starker politischer Lobby die Landwirtschaft vom Kunstdünger bis zur Hormonspritze mit allen notwendigen Hilfsgütern versorgt, unsere Nahrungskette ist somit wesentlich hormoneller als noch bei früheren Generationen. Die metro-A-sexuelle Frau wurde zudem noch seit ihrem 14. Lebensjahr mit der Pille „versorgt“, was ihren Hormonspiegel nochmals deutlich erhöht und das Denken nicht von der rechten in die linke Gehirnhälfte verlagert, sondern in den Unterleib.

Mediale Einflüsse sowie u. U. die Frustration der eigenen Mutter stellen für die bis dato noch nicht metro-A-sexuelle Frau eine Leitfunktion dar. Die junge Frau „lernt“, wie sie sich benehmen muss, wie sie sich kleiden muss, wie sie sexy aussieht und, dass sie im Alter von 40 Jahren gegen zwei 20jährige eingetauscht wird, was nicht zwingend motivierend ist – ergo: Männer sind Schweine…

Im Straßenbild erkennt man die metro-A-sexuelle Frau an den Stöpseln im Ohr. Damit sie von niemandem angesprochen wird, bewegt sie sich schneller und in den Ohren macht es ablenkenden Krach. Die metro-A-sexuelle Frau lebt also in sich gekehrt. Die Realität wird nur noch über die Augen und den Tastsinn wahrgenommen (herannahende Autos gehen im Kopfhörergeräusch unter). Dieses Phänomen ist in der VR Forschung (Virtual Reality) als Crossreality bekannt: Die Datenbrille vermittelt dem Gehirn eine elektronisch berechnete VR Welt, wenn die Brille allerdings parallele Einblicke in die „Wirklichkeit“ aufzeigt, kommt es zu Gleichgewichtsstörungen und Übelkeit. Die metro-A-sexuelle Frau ist demzufolge im Dauerungleichgewichtszustand und muss gegen Übelkeit ankämpfen.

Die metro-A-sexuelle Frau ist geprägt durch moderne Kommunikationsformen, sie twittert, sie ist iPhone equipped (twittert mindstens einmal am Tag “mir ist so langweilig“) und lebt ihren Exhibitionismus über facebook aus, selbstverständlich vollkommen „sauber“…

Das iPhone ist neben den Crossreality erzeugenden Ohrstöpseln die zweite Einflussgröße, die das Verhalten der metro-A-sexuellen Frau extrem beeinflusst: Das iPhone ist die Glaskugel, durch die die Welt zu ihr kommt. Es liefert ihr eine Fülle dekontextuierter Informationen, sie weiss, wann ihre Freundin beim Frisör ist, wann ihre zweitbeste Freundin (die eigentlich ein metrosexueller Mann ist) ihre/seine 4,7-Tage-Beziehung beendet hat, wie das Wetter am Bodensee ist und, und, und… ich geh dann mal eben kacken

Keine dieser wirklich wichtigen “Informationen“ kann und will sich die in Echtzeit lebende metro-A-sexuelle Frau entgehen lassen, deshalb schaut sie alle 45 Sekunden auf bzw. in ihre Glaskugel. In einem guten Restaurant gilt nicht mehr die Besteckordnung von außen nach innen, vielmehr gilt: Vom iPhone nach innen, die Glaskugel  liegt immer rechts neben dem Besteck und links neben der Serviette, die man heutzutage auch nicht mehr braucht.

Der eben skizzierte Blick auf die Glaskugel im 45 Sekunden Takt wird natürlich auch im Nobelrestaurant nicht unterbunden, so dass sich für das Gegenüber ein Bild eines nach Körnern pickenden Huhnes ergibt. Wir nennen dieses Phänomen Info-Picking (auch wenn die „Informationen“ im Grunde genommen dekontextuierte Worthülsen sind).

Info Picking löst den sonst üblichen Augenkontakt ab und dient dem Eintauchen in Crossreality Welten – neben den Ohrstöpseln also ein wichtiger Baustein zum Ausklinken aus dem gesellschaftlichen Leben.

Die im Rahmen von Info Picking gewonnenen „Erkenntnisse“ werden jedoch nicht ergebnisorientiert umgesetzt. Die metro-A-sexuelle Frau  unterbindet den  „Zieleinlauf“ durch systemimmanente Verpeiltheit, die zu diversen logischen Überlegungen führt und gute Wünsche nach sich zieht. Ein zwischenmenschliches Chaos scheint nicht nur vorprogrammiert, sondern eher erwartet. Das Chaos als fester Bestandteil des persönlichen Glücksgefühls – nicht vorstellbar, wenn was glatt laufen würde. Was um alles in der Welt sollte man twittern?

Die metro-A-sexuelle Frau ist darüber hinaus Mitglied in Facebook Gruppen wie „es ist kompliziert“ (und soll es auch bleiben) oder „halts maul und küss mich“ (obwohl sie küssen eigentlich doof findet, weil da ja ein Mann am anderen Ende des Küssens hängt), sie unterstreicht ihre Geisteshaltung durch weitere Mitgliedschaften wie „ich schmeiß alles hin und werde Prinzessin“ (was extrem schwierig ist, weil der Playstationspieler sie als solche nicht hofiert und der alte König aufgrund ihrer Dauerverpeiltheit einen großen Bogen um sie macht). Ihre Metro-A-Sexualität kaschiert sie demzufolge erfolgreich durch andere Mitgliedschaften wie „Mädels sind genauso versaut wie Jungs – sie geben es nur nicht zu“ (wehe dem jedoch, der ihr einen “unzüchtigen” Vorschlag macht).

Aus Rücksicht vor einer entbildeten Gesellschaft, die im 140 Zeichen Modus lebt, werden an dieser Stelle die Überlegungen eingestellt, um niemanden zu überfordern. Themen wie „ das androgyne Fahrrad“ oder aber „mit Vespa und Minirock“ werden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Soziologie, so konnte bis hierhin gezeigt werden, ist der Versuch, menschliches Miteinander in denaturalisierten Welten zu analysieren und trotz des Verlustes des Genitivs in ganze Sätze zu fassen.

ich geh dann mal laufen…

Die Facebook Verweigerin

Gestern konnte man doch tatsächlich lesen, dass es auch Menschen gibt, die facebook ablehnen und deutlich „Nein“ zu allen anderen Exhibitionisten-Portalen sagen.

Facebook, Xing und die Lokalisten, das ist was für jene, die sich darstellen möchten, sagt die Autorin. Anbandelmaschinen nennt sie soziale Netze und das hat sie als verheiratete Frau nicht nötig (noch nicht und wir hoffen, dass es ewig so bleiben möge…)

Ein Blick in die facebook Realität sagt jedoch etwas anderes: Der dort praktizierte Exhibitionismus ist vollkommen asexuell. Zudem verbietet, typisch amerikanisch, puritanistisch verklemmt, facebook jegliches Dating-Verhalten. Facebook ist schließlich eine saubere Institution (was mit unseren Daten passiert, lassen wir an dieser Stelle mal außen vor).

Die Frage ist vielmehr: Was kommt eigentlich NACH facebook? Oswald Kolle und viele andere (die jetzt nur noch in zalando Werbeclips weiterleben) haben für die sexuelle Befreiung gekämpft, das Internet brachte (vermeintliche) Anonymität und man gab sich verwegene Nicknames, ging damit in verruchte Portale und hatte wilde Blinddates, traf sich an Parkplätzen, ging mal eben schnell in den Swingerclub und hatte ansonsten unkomplizierten Spaß – altmodisch, aber damals sehr beliebt…

Heute hingegen verlässt man die Anonymität, geht mit seinem echten Namen in Facebook, erzählt allen, wo man gerade sitzt, was man gerade isst und wo man seinen Espresso nimmt. Eine Statusmeldung wie „ich geh mal eben poppen“ würde als politisch unkorrekt eingestuft und sofort von der Gemeinde verbannt werden. Wer fragt, ob sonst noch jemand Bock auf Sex hat, muss entweder ein Fake sein oder schon deutlich unter 18, um nicht als Outlaw gebrandmarkt zu werden.

Da jeder Trend bekanntlich einen Gegentrend auslöst, kann also abgewartet werden, bis sich die Nation wieder wilder Phantasienamen gibt und sich an mysteriösen Orten zu verruchten Parties trifft. Bis dahin leben wir alle adrett und asexuell in der facebook & Co. Welt weiter, denn wie sonst sollte uns ein potentieller neuer Arbeitgeber finden und wer will denn schon zurück in die Steinzeit und Initiativbewerbungen schreiben? Außerdem: Wer will schon einem Arbeitgeber die Werbefläche wegnehmen??

Facebook, das macht der Artikel deutlich, ist kein Portal, es ist eine reine Religionsfrage: Ich glaube  oder ich glaube nicht. Ich bin katholisch, ich bin evangelisch bzw. ich bin bei Xing oder ich bin bei facebook, ich bin international, also bin ich bei LinkedIn, ich bin liberal, ich bin konservativ, ich bin ein Neutrum…

Ich bin Pirat mit einer Guerilla Marketing Agentur und ich freue mich, dass bei facebook die eindeutige URL „guerillero“ noch frei war:

http://www.facebook.com/Guerillero


Echtzeit

Stuttgart 21 ist in aller Munde. Es schaukeln sich drei Parteien auf: Die eine ist dafür, die andere dagegen und der Schlichter ist die dritte Partei, die versucht ein altes wie auch immer geartetes Wertesystem zu retten. Es geht längst nicht mehr um Bäume oder schützenswerte Bauwerke. Es werden Bilder von blutenden Demonstranten gezeigt, im Gegenzug werden Fotos von Demonstranten gegen den Stuttgarter Fernsehturm oder die neue Messe gestreut und „plötzlich“ fällt es jemandem auf, dass da wohlmöglich PR Agenturen am Werk sind…

Stuttgart 21 ist nicht die bange Frage nach den Kosten, es sind einfach nur zwei Lager: Tradition gegen Aufbruch in die Zukunft, Prestige gegen Vernunft, Verlagerung von der Straße auf die Schiene vs. komfortables Reisen. Im Wesentlichen aber wird es reduziert auf Mitspracherecht vs. einsame Entscheidungen von oben. Emanzipatorischer Vorgriff nennt es die Philosophie, die im transsubjektiven Ansatz den dialogischen Konsens sucht und bis zu dessen Findung elitäre Entscheidungen legitimiert. Stuttgart 21 verdeutlicht, dass es an allen Stellen brodelt und dass extrem polarisiert und reduziert diskutiert wird.

Polarisierung wäre, wenn die Kommunikation nicht extrem polemisch geführt werden würde, vielleicht sogar ein gutes Stilmittel. Dadurch, dass eine echte Streitkultur aber verloren gegangen ist und komplexe Zusammenhänge auf eine Schlagzeile „heruntergedampft“ werden, schaukeln sich die Dinge extrem auf.

Das Aufschaukeln von Extrempositionen hätte früher zwangsläufig zur Eskalation geführt. Heute jedoch befinden wir uns in einer Echtzeitwelt, die eine neue (Medien)Wirklichkeit hervorgebracht hat. Die Eskalation bleibt aus und Echtzeit dauert nur bis zur nächsten Statusmeldung. Jede Nachricht ist somit gealterte Zeit, die der Echtzeit eines Postings im Weg steht und von ihr absorbiert wird. Die denknotwendige Fortsetzung dieses Gedankens bedeutet, dass die Weiterentwicklung eines Postings oder einer Schlagzeile zu einer stringenten Geschichte/Nachricht beim Social Media Individuum als unterbrochene Echtzeit empfunden wird. Das „eigentliche Leben“ findet ausserhalb von Livestreams und Postings statt, es wird somit von den Individuen als “Un-Zeit” empfunden.

Fazit: Es ist kompliziert

Vom Unternehmer zum Sender Chef

Wer hätte es sich träumen lassen, dass er als erfolgreicher Unternehmer gleich welcher Branche nochmals Chef eines (Fernseh)Senders werden würde. Hünnekens spricht in diesem Zusammenhang vom Ich-Sender und manche Firmen haben gar fürchterlich viele davon. Wer dann wie beispielsweise Mercedes Benz über 250.000 Mitarbeiter hat, überlegt sich sicherlich schon das eine oder andere Mal, was wohl passieren würde, wenn jeder Mitarbeiter ein Auto verkaufen würde…

Nimmt man als gedachte Spielgröße die Neuzulassungszahlen für Mercedes-Benz im ersten Quartal 2010 und rechnet sie auf das ganze Jahr hoch, so ergäben sich rund 200.000 Neuzulassungen (Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt). Würde man, rein hypothetisch alle Mitarbeiter dazu bringen, nur ein einziges Auto selbst zu verkaufen, würde dies einer Verdoppelung der Verkaufszahlen allein in Deutschland entsprechen – rein hypothetisch selbstverständlich.

Setzt man diese theoretischen Ansätze fort und wirft einen Blick in die über 500 (!) Mercedes-Benz facebook Gruppen, dann würde dies bedeuten, dass das Mercedes-Benz Museum nicht nur 6.607 Fans hätte, sondern 250.000 Fans –  250.000 Mercedes Mitarbeiter, die sich, so der Umkehrschluss, auch für die Historie ihres Arbeitgebers interessieren. Die Mercedes-Benz Fashion Week verweist mit 52.876 Fans die Kultur zwar deutlich in die Schranken, könnte aber dann theoretisch auch über 250.000 Fans haben…

Der Reiz eines jeden Arbeitgebers ist sicherlich hoch, qua Dekret den Arbeitnehmer anzuhalten, einen „kleinen Hinweis“ im privaten Profil zu posten. Jetzt aber kommt die Kunst, nicht nur ein guter Manager, sondern auch ein guter „Senderchef“ zu sein und eine Vielzahl an Ich-Sendern zu steuern. So viel vorweg: In Fernsehsendern arbeiten TV Profis, in Unternehmen arbeiten zwar auch Profis, aber wie macht man aus einer Sekretärin eine Moderatorin oder aus einem Marketingleiter einen “Fernsehstar”?

Die viel wichtigere Frage lautet: Wie bringe ich alle Interessen unter einen Senderhut, denn der Ich-Sender hat unterschiedliche Motivationen zu senden. Die soeben von der Sekretärin zur Moderatorin „umgebaute“ Mitarbeiterin könnte unter Umständen für das Image des Unternehmens wenig hilfreich sein, wenn sie sich „mannstoll“ auf die Pirsch begäbe…

Das alte Prinzip „One Face to the Press“ ist mit der Umformung des Unternehmens zum Sender ebenfalls ausgehebelt. Es redet jetzt JEDER und das zudem noch im reduzierten twitter Stil von 140 Zeichen (auch wenn Facebook mehr anbieten würde…)

Im Fall von Ergo konnte man sehr gut sehen, dass die über 500 Mitarbeiter mit facebook Account nicht unbedingt auf den Dachmarkenwechsel vorbereitet waren, was zu entsprechenden Kommentaren und Antworten führte. Die Kunst wird es sein, den Arbeitnehmer nicht wie bisher einfach zu motivieren, seinen Job zu verrichten, sondern ihn dort abzuholen wo er sich befindet: In seinem persönlichen Social Media Umfeld. Dies bedeutet: Monitoring, identifizieren, zuhören, abholen, mitnehmen und dann gemeinsam auf eine spannende Reise zu gehen.

Für das Management bedeutet dies aber auch: Führen durch Vorbild. Wenn der „Senderchef“ nicht selber sendet, macht er sich unter Umständen unglaubwürdig. Das Top Management übersieht im Zusammenhang mit Social Media Marketing gerne, dass virales Marketing eben nicht wie klassisches Marketing qua Verordnung von oben umgesetzt werden kann. Nicht erst seit dem Cluetrain Manifest (April 1999) ist bekannt, dass es unternehmensinterne oftmals sehr virulente Prozesse gibt, die in der Unternehmensstrategie nicht abbildbar sind.

Vernetzte Märkte, so das Credo des Cluetrain Manifestes, organisieren sich schneller als traditionelle Unternehmensformen. Das allseits gefürchtete unüberlegte Management by Telephone kann also multiple nichtlineare Metamorphoseprozesse leicht „zum Kippen“ bringen. Die Chaos-Theorie spricht in diesem Zusammenhang von Bifurkationen. Wir sprechen von Markenaufbau von Innen, einem gezielten strategischen Prozess, der zwar von der Unternehmensleitung vorgegeben wird, der allerdings auch eine starke Eigendynamik beinhaltet. Social Media, so die Praxiserfahrung ist demzufolge nichts für „KO Manager“ (K steht hierbei für konservativ und kostensenkend und O für orientierungslos). Wenn Social Media Marketing als Faktor zur Kostenreduzierung eingesetzt wird, ist die Gefahr, dass die Kommunikation ungeplant aus dem Ruder läuft, recht hoch. Der Faktor Unkalkulierbarkeit kann die Kosten extrem erhöhen, wenn man nicht 150% hinter Social Media Konzepten steht, sie verinnerlicht und (vor)lebt. Social Media bedeutet ein Leben mit Imponderabilien aber auch nachhaltiger Erfolg durch überschaubare Risikobereitschaft (sofern man mit Profis arbeitet), der Vergleich mit der Chaostherorie sei deshalb erlaubt.

Mind Store Marketing
- wir entschäften Zeitbomben und beherrschen das Chaos -

Facebook Account gelöscht!

Als Social Media Agentur ist man erfahrungsgemäß viel auf facebook unterwegs und man schreibt auch den einen oder anderen mal an. Was für ein Schock dann am Sonntagmorgen, wenn man lesen muss, dass der persönliche Account ohne Vorwarnung gelöscht wurde!

Neuer Account ab sofort: facebook

Die Willkürlichkeit der Löschung zeigt, dass Unternehmen den kompletten Umzug auf eine einzige Plattform dringend überdenken sollten…

Überlegung Nummer zwei: Niemals nur einen einzigen Account bei facebook anlegen und immer 2-3 Administratoren auf eine facebook Gruppe oder Seite setzen.

Fazit: Guerilla Marketing ist ein hartes Business, das immer wieder den einen oder anderen Rückschlag beinhaltet…

…dafür aber EXTREM viel Spaß macht!!

In diesem Sinne: Wir bleiben extrem, rebellisch und schräg!

Vom Mitarbeiter zum Multiplikator – Employer Branding war gestern

Genug über Plagiate diskutiert! Zurück zum Social Media Alltag von Versicherungen! Es ist festzustellen, dass es im Prinzip zwei klassische Richtungen gibt. Management by Telephone: Der Vorstand war z.B. in den USA und hat gesehen, wie weit man dort in Sachen Social Media ist. Zurück in Deutschland, greift er demzufolge zum Telefonhörer, ruft die nächste Führungsebene an und fordert, dass hier etwas zu geschehen habe. Die präzise Anweisung „da müssen wir was tun“ löst in den unteren Führungsebenen panische Betriebsamkeit aus, es werden Arbeitsgruppen gegründet, es werden Vorträge und Seminare besucht und es gibt einen Social Media Beauftragten (der neben seinem ohnehin überlasteten Terminkalender noch ein Projekt aufs Auge gedrückt bekommt). Management by Telephone ist seit den Zeiten von Internet bestens bekannt (treffend pointiert durch die IBM Werbung „wir müssen ins Internet – warum? – steht da nicht drin). Im Zuge von „Vorstandsentscheidungen“ der kernigen Art kommt es dann auch schon mal vor, dass die eigene Homepage abgeschaltet wird…

Die Gegenbewegung zu Management by Telephone ist die beharrliche Weigerung einen säkularisierten Heilsweg in neue (technologische) Welten einzuschlagen – besser bekannt als die Das-Haben-Wir-Noch-Nie-Gemacht-Fraktion oder auch die Sowas-Brauchen-Wir-Nicht-Abteilung.

Zu dieser Fraktion scheinen Versicherungen aller Art zugehören. Den Dialog, so scheint ein Vorstandsbeschluss zu sein, führen die Versicherungsvertreter, die aber sorgen dann doch für einen unkontrollierten Wildwuchs bei facebook und eröffnen diverse Fanseiten. Das bedeutet für die in den letzten Tagen viel zitierte ERGO Gruppe, (nur beim Suchbegriff „ergo“ über 500 Fanseiten von denen eine die offizielle ERGO Seite zu sein scheint), dass sie trotz des enormen Werbedrucks nur 296 Fans hat (warum hingegen die türkische ERGO Seite 748 Fans hat, ist nicht zu erkennen…)

Wirft man einen weiteren Blick auf die „ergo“-Trefferliste, so findet man über 500 Menschen, die ERGO als Arbeitgeber eingetragen haben. Ob man nun als Arbeitgeber darüber glücklich sein kann, das Balz- und Urlaubsverhalten der Mitarbeiter live miterleben zu können, sei an dieser Stelle dahingestellt, dramatischer scheint die Tatsache, dass wir als Guerilla Marketing Agentur mit Analyse und Monitoring Tools diese Mitarbeiter im Rahmen unserer Mitarbeiterstudie anschreiben konnten und erschreckende Antworten bekamen: „Was interessiert mich, was die da oben machen“, so unisono die Antworten.

Unsere Umfrage über facebook machte deutlich, dass in sozialen Netzwerken rasch unkontrollierte Unruheherde entstehen. Auch wenn man aus Marketingsicht diesen „Kanal“ nicht belegt, darf man aus strategischer Sicht diese Welt nicht ignorieren (unabhängig davon verwundert es, dass Versicherungen fast 15 Millionen deutschsprachige Kunden ignorieren).

Employer Branding bekommt, wie gezeigt werden konnte, eine vollkommen neue Dimension: Es kommt nicht darauf an, sich als Arbeitgeber interessant zu machen, sondern den Arbeitnehmer als Multiplikator zu nutzen, der die Unternehmensphilosophie verinnerlicht hat, sie mit entwickelt oder zumindest mit trägt. Alles andere ist kontraproduktiv und kostet die Marketingabteilung Millionen.

Diese Erkenntnis ist im Finanzbereich eigentlich nichts Neues: Im Bankenbereich ist bestens bekannt, dass der beste Werbeclip seine Wirksamkeit verliert, wenn der Angestellte in der Filiale inkompetent oder unfreundlich ist. Dieses Phänomen kennen alle Werbungtreibende, deren Kommunikation sich in Outlets bewähren muss und versuchen die Kluft durch entsprechende Schulungen zu schließen. Die Facebook Kluft allerdings ist für alle großen Player neu und scheint noch nicht in die Führungsetagen vorgedrungen zu sein. Das hier zitierte ERGO Beispiel kann aus unserer Sicht auf alle Versicherungen übertragen werden.

Wir nennen die Antwort darauf nicht Employer Branding, sondern Markenaufbau von Innen. Nur derjenige, der es schafft, seine Vision auf den Mitarbeiter herunter zu brechen, hat in der fraktalen Social Media Welt eine faire Überlebenschance.

Guerilla Marketing – Blind Date

Dass Männer beim Anblick von schönen Frauen das Blut aus dem Kopf verlieren, ist nichts Neues, das konnten wir mit der vorletzten Aktion verdeutlichen: Die gestern morgen verzeichneten 227 Besucher konnten auf 266 gesteigert werden, wobei 266 ein eher niedriger Wert ist, der zustande kommt, weil wir gestern abend eine weitere Aktion gestartet haben.

Wie schafft man es, in zwei Stunden weitere 189 Personen ohne Foto auf eine Landing Page zu bekommen? Ganz einfach: Mit der Frage “hast du heute schon was verrücktes angestellt”. Von den 189 Personen haben knapp 10 Prozent an einem Voting teilgenommen und/oder persönliche Mails geschrieben. Ergebnis: Blind Dates und andere Spiele sind sehr gefragt.

Aus Sicht einer Guerilla Marketing Agentur ist dies nichts neues. Wir werden aber die Erkenntnisse aus unseren Spielen umsetzen und demnächst mit einer neuen und spannenden Homepage auf den Markt kommen.

Neugierig? Dann trag dich in unseren RSS Feedburner oder unsere facebook gruppe ein…

Hot Summer – Der Sommer wird scharf

Es gibt im Prinzip zwei Arten, ein Produkt in den Markt zu bringen: Die klassische Variante als Marketing Konzept über einen Media-Streuplan ggf. in Kombination mit Below The Line Maßnahmen oder wahlweise den Direktvertrieb (hier dann wieder kategorisierbar in Network Marketing oder Handelsvertreter).

Guerilla Marketing ist in beiden Vorgehensweisen immer nur eine flankierende Maßnahme und genau deshalb wollen wir als Guerilla Marketing Agentur untersuchen, ob es gelingt, eine Marke ohne klassisches Marketing „nur“ mit einer Guerilla Marketing Strategie zu platzieren.

Während also der eine oder andere Kunde im verdienten Sommerurlaub ist, werden wir eine sommerliche Marke und eine sommerliche Guerilla Kampagne kreieren…

Mit an Board sind zwei Studentinnen, die ihre Bachelor Thesis schreiben. Das größte Problem: Wie schaffen wir es dem Prof zu verdeutlichen, dass wir a) wirklich gearbeitet haben (denn schon die Konzeptphase war ein Riesenspaß) und dass wir b) angesichts der unserer Guerilla eCard Motive wirklich IMMER anständig waren…

Vorab zur Kampagne: Sie wird ESStrovertiert, ESSzessiv und ESStravagant

Mehr wird noch nicht verraten…

Stay Tuned.

Arrivederci – Wir sehen uns bei facebook

Mit den Worten “Vi aspettiamo online!” beendete am 7. Juli die Redaktion des Desmoblogs (Ducati) ihre journalistische Tätigkeit, die sie im März 2006 aufgenommen hatte.

Die Schließung eines firmeneigenen Blogs ist heutzutage keine Seltenheit, zwingen doch betriebswirtschaftliche Gründe, fehlende Strukturen und fehlende Kompetenz den einen oder anderen Kommunikationskanal zu schließen. Die Frage ist dann, ob ein Social Network, das auf Interaktion ausgelegt ist, den Informationsbedarf ebenfalls abdeckt. Fraglich auch, ob eine Fanseite die SEO Relevanz eines Blogs in der selben Form abdeckt.

Bei Ducati stellt sich zudem die Frage: Wie viele ihrer deutschsprachigen Fans sprechen italienisch? Das italienischsprachige Blog einzustellen, ist sicherlich eine konsequente Entscheidung. Die “gefällt mir ” Reaktionen zeigen, dass die Ducati Fanseite nicht von 193.643 toten Accounts besiedelt wird und dass eine Mehrsprachigkeit der Marke sicherlich gut tut.

Im Gegensatz zu anderen Marken hat es Ducati geschafft, die Bündelung der Markenkraft zu erreichen. Ein Blick auf Kawasaki zeigt das Gegenteil:  Über 500 Fanseiten und über 500 Gruppen – einzelne Modelle, lokale Geschäfte, Länder, Fans, Fahrer und und und…

In diesem Fall würde sich eine zentrale Seite (Blog), die von der Firmenseite auf DIE Fanseite verlinkt, als extrem  wegweisend und hilfreich erweisen. Die Frage, die sich hieran anschließt: Wie viele Fanseiten verkraftet eine Marke?

Was sagt uns der Ausflug in die Motorradwelt? Ganz einfach: Facebook ist ein Universum für sich und es ist kompliziert

Facebook: Schlechte Noten

Schlechte Noten in Sachen Kundenzufriedenheit, so konnte man heute auf mashable lesen, bekam facebook . In der amerikanischen Kundenzufriedenheitsstudie bekam das Social Networ  64 von möglichen 100 Punkten – im Vergleich hierzu: Google bekam 80 von 100.

Der Grund für die Unzufriedenheit scheint in häufigen Releasewechseln zu liegen und vor allem in der unzureichenden Kommunikationspolitik des Unternehmens.

Unabhängig vom Grad der Zufriedenheit bzw. hier der Unzufriedenheit zeigen die facebook User keine Anzeichen, die Seite mit Abwanderung zu strafen. Im Gegenteil: facebook konnte die Zahl der Community Mitglieder weiter steigern.

Steigern konnte auch das Geolocation System foursquare, es erreichte heute den Stand von 100 Millionen Checkins.



Google Trends
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