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facebook der neue zockerwert an internationalen börsenplätzen oder: warum zalando bald eine neue abteilung aufmachen muss

Herr Zuckerberg war raffiniert: Zwei-Klassen-Gesellschaft bei Facebook. Wer zur Kaste der Nicht-Bestimmer gehört, kann die Facebook Aktie eigentlich nur als Privat-Wette verstehen – teilhaben geht anders…

Wen wundert es also, dass das Zockerpapier mit WKN gestern nicht aus dem Quark kam und Zalando wohl mit allen Greenshoes des gestrigen Tages einen neue Schuh-Abteilung aufmachen könnte…

FACEBOOK INC.A DL-,000006 OnVista Chart
OnVista – mehr Informationen zur Aktie FACEBOOK INC.A DL-,000…

Crowdguessing Brokerage: Trading für Arme

Die Facebook Aktien, so kann man heute überall lesen, werden für 38 Dollar ausgegeben. Das bedeutet so viel, dass Facebook bzw. Mark Zuckerberg ca. 16 Milliarden Dollar in die Kriegskasse gespült bekommt.

Rechtzeitig zum Börsengang startet das Handelsblatt mit einer „spektakulären Innovation“: Via twitter oder Facebook können User eine Schätzung abgeben, wie viel die Aktie am Ende des Tages Wert ist.

An dieser Stelle kommt dann die irritierte Frage zum Wochenende auf: Gibt es denn die Börse nicht mehr?? Dort konnte man früher solche „Wetten“ gewinnbringend platzieren…

Fazit: Crowdguessing – für alle, die sich nicht mehr trauen, Entscheidungen zu fällen, aber doch noch ein wenig dabei sein wollen…

Trend 7: Leben und Arbeiten im WIRRklichkeitsRAUM

Aufgrund einer Oberleitungsstörung im unteren Gleisbereich verspätet sich die Weiterfahrt des Zuges um wenige Minuten. Übersetzt: Wir wissen nicht wirklich, was los ist, rechnen Sie aber mit dem Schlimmsten…

Die Bahn ist bekannt für wirre Durchsagen, Unpünktlichkeit und wie das nachfolgende Fundstück aus dem Internet zeigt, auch für wirre Symbolik. Was will uns das Hinweisschild der Bahn sagen? Stellen Sie sich vor die Tür und lassen Sie niemand durch? Will die Bahn uns die korrekte Armhaltung für Stehpinkler vorführen? Das würde zumindest den Zustand der Toilette erklären…

Oder: Dies ist das Hundeklo, Menschen müssen leider draussen pinkeln? Wahlweise: Dies ist das Hundeklo, nehmen Sie ihren Hund an die Leine und stellen Sie sich wie abgebildet in die Toilette? Auch das würde den Zustand des Klos erklären, denn die Körperhaltung funktioniert nur bei sehr großen Hunden, kleine würden stranguliert und demzufolge wüst um sich pinkeln, aber das soll hier nicht vertieft werden…

Die Liste könnte beliebig verlängert werden. Das wahllos heraus gegriffene Beispiel zeigt, wie prokrastinationsfördernd die Medien Facebook, Twitter & Co. sein kann, denn mit einem Bild wie dem gerade gezeigten, bekommt man noch nach Tagen Kommentare und „gefällt mir“-Bekundungen , nicht zu reden von den hunderten Benachrichtigungen „Martina findet deinen Pinkelkommentar toll“, „Karin findet Martinas gefällt mir toll“ und „Anne gefällt das mit den ausgebreiteten Armen beim Pinkeln“, und Tina findet das ekelig“ und und und…

Auf die unnötigerweise hinzukommende Inkontinenz von Facebook, das sich keine Mailadressen merken kann und somit die User zusätzlich auf Trab hält, soll an dieser Stelle nicht vertiefend eingegangen werden…

Die klassischen Medien unterstützen den Prozess durch wirklich wichtige Nachrichten wie „in Pakistan ist ein Kleinbus umgefallen“ oder „Südvietnamesische Bürger protestieren gegen den Bau einer Bundesstraße“ (die Sprengung unseres Planeten durch die Vogonen aufgrund eines geplanten Baus einer Hyperraumumgehungsstraße wäre wesentlich nachvollziehbarer…)

Wir sind also angekommen in einem Stadium, das von Neil Postman bereits am Beispiel der Einweihung des Telegrafen beschrieben wurde: Dekontextuierte Kommunikation. Mit dem Telegrafen hatte man eine Technologie erfunden, durch die man eine Nachricht nicht mehr in eine Pferdesatteltasche packen musste, wo sie wochenlang auf Auslieferung wartete, sondern konnte sie jetzt einfach durch den Draht schicken. Die erste, wirklich wichtige Nachricht, die von Ost nach West verschickt wurde: Die Tochter des Gouverneurs hat Schnupfen…

Wir halten also fest:

  1. Dekontextuierte Berichterstattung, reduzierte Kommunikation und zunehmende Vulgarisierung der Sprache- unabhängig davon: Früher hat man den Mussolini getanzt, heute tanzt man sich den Wulff und wartet dann dass Wulff den Köhler macht, weil er das mit dem Guttenbergen übertrieben hat…
  2. Überforderte Politiker, die sich gegenseitig Pöstchen zuschieben und mangels besserer Alternativen oberfränkische Abschreiber mit Profilierungssucht aus den USA zurückholen und Minarette in bayerische Vorgärten bauen wollen - wir werden verwaltet, nicht regiert (von der Verschwendung der Steuergelder soll hier nicht geredet werden)
  3. Unterschichtenfernsehen hat die Rolle der 30er Jahre Revue erfolgreich übernommen. Die Zuschauer der Hartz-IV-Unterhaltung bemerken den geistigen Niedergang der Gesellschaft nicht, sie werden dauerberieselt und dürfen „gefällt mir“ drücken, nehmen also am gesellschaftlichen Leben „aktiv“ als Klickvieh teil, können teilhaben, wie die große Welt den roten Teppich entlang schreitet, während vor ihrer Haustür Besucher der Stadt im gepanzerten Kleinbus durch die ehemaligen Gettos fahren, „keine Sorge dieses Fahrzeug ist gepanzert, hält den Beschuss bis zur Größe einer Panzerfaust aus und bringt sie sicher zurück ins Adlon – zu Ihrer rechten Seite sehen Sie das Hauptquartier der grauen Panther…“

Der Irrsinn, so sagte einst Nietzsche (Jenseits von Gut und Böse) ist bei einzelnen etwas seltenes, aber bei Gruppen, Parteien, Völkern … die Regel. Der Irrsinn, so darf man heute sehen, ist in eine neue Dimension vorgerückt: Er wird zelebriert und kultiviert.

Willkommen im WIRRklichkeitsRAUM!

 .

 

ULD: Stell dir vor es ist facebook und keiner geht hin…

Der Like Button von Facebook ist illegal, so die heutige Meldung von Meedia. Das ULD (Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig Holstein) fordert deshalb Webseitenbetreiber dazu auf, ihre Fanpage bei Facebook zu löschen und Plugins wie den “Gefällt mir”-Button auf ihren Internet-Auftritten zu entfernen. Die w&v vermutet zunächst eine Provinzposse, aber der dort grimmig abgelichtete ULD Chef Weichert schaut nicht aus, als ob er nur das Sommerloch stopfen wolle. 50.000 Euro Bußgeld drohen den Unternehmen im worst case.

Ein Blick auf die 100 größten Unternehmen in Schleswig-Holstein relativiert die Drohung jedoch schnell. Platz eins: Freenet, die laut Impressum ihren Firmensitz in Hamburg haben genauso wie Platz drei: Edeka, die ebenfalls in Hamburg sitzen. Platz zwei: Orlen Deutschland hat bei Facebook ohnehin nur 9 Freunde und den Hauptsitz zudem in Polen…

Von den TOP 100 Unternehmen sind zudem knapp die Hälfte verarbeitendes Gewerbe, also B2B und weitere 16 Prozent im Gesundheitssektor, also auch B2B. Nochmals 8 Prozent im Sektor Verkehr und Nachrichtenverarbeitung also nochmals B2B und der Rest mit Firmensitz in Hamburg, Polen oder Dänemark…

Erkenntnis: Schleswig-Holstein braucht neben Datenschutz deutlich mehr umsatzstarke Unternehmen mit Hauptsitz in Schleswig-Holstein und Hamburg darf NICHT annektiert werden…

Unabhängig davon: Als die Alliierten nach dem zweiten Weltkrieg das Fernsehen einführten, war allen Sendern bekannt, dass derjenige, der sendet auch empfangen werden kann. Auch der ICH-Sender moderner Prägung sollte sich im Klaren sein, dass seine Botschaften auch empfangen werden.

Fazit: Moderne Kommunikation ist und bleibt kompliziert

Eselsmühle: Guerilla Seeding der Schwäbischen ART

Der Stuttgarter als solcher ist ja etwas anders, als andere Kleinstädter. Durch die Nähe zur Autoindustrie hat die Stadtverwaltung dereinst alle Straßen autofreundlich ausgebaut, was das Stadtbild erheblich beschädigt hat und heute dazu führt, dass große Teile der Stadt unter die Erde gelegt werden müssen oder zumindest versucht dies ein Teil der Bevölkerung während ein anderer Teil versucht, die Autoindustrie zu verschrecken, was zu Asylangeboten aus dem benachbarten Bayern führt, aber das ist nochmals eine vollkommen andere Sache…

Ansonsten aber ist die Stadt sehr weitläufig (allein schon, damit der Stuttgarter seine Villa besser verstecken kann) und zwischen den scheußlichen Betonbunkern aus den 70ern gibt es sehr viel Platz und Auslauf mit gut ausgebauten Straßen, die einen schnell vergessen lassen, dass man sich doch noch auf Stadtgebiet befindet (zumindest so lange, bis ein helles Licht einen zurück in die die städtische Realität holt).

Und weil die einzelnen Stadtteile so weit auseinander liegen ist Stuttgart die einzige Stadt, in der sich Motorradfahrer auch innerhalb der Stadtgrenzen grüßen. Wen wundert es also, dass der Motorradfahrer in Stuttgart nicht hunderte von Kilometern fährt (der Schwabe als solcher ist ja ohnehin sehr sparsam), sondern einen Kurztrip macht, zum Beispiel ins benachbarte Siebenmühlental. Von Leinfelden-Echterdingen startet die schwäbische Motorradtour über eine motorradfreundliche, kurvenreiche Straße. Die erste Mühle im malerischen Tal lässt der geübte Biker links liegen und steuert gleich, erschöpft vom vielen Motorradfahrergrüßen, die Eselsmühle an.

Die Eselsmühle ist die einzige Mühle im Tal, in der noch heute Getreide gemahlen wird. Im eigenen Laden kann man das Endergebnis dann als leckeres Holzofenbrot in den Rucksack packen. Ansonsten lädt ein idyllischer Garten zum Verweilen ein.

Dort legt der Guerilla erfahrene Biker demonstrativ seinen Helm auf den Tisch und weist via Facebookprofil diverse Marketingleiter darauf hin, dass man DRINGEND einen neuen Helm braucht. Dieser „Hinweis“ wird in einem Motorradmagazin seines Vertrauens dann noch verstärkt.

Hier könnte IHRE Marke liegen...

Guerilla Marketing im Praxistest: Vom hier vorgestellten Guerilla Seeding profitiert die Touristikbranche, in diesem Fall die Eselsmühle und die jeweils inszenierte Marke und im Idealfall kommt man (wie im Fall Seitenbacher Müsli) bei Google auf Seite eins…

Woischt Karle, heut gange mer in d Eselsmühle und hirned über Marketing…

Quarterlife Crises

Die Überlegungen zum Thema metro-A-sexuelle Frauen haben gezeigt, dass ein Thema getroffen wurde, dessen gesellschaftliche Relevanz gerne übersehen wird: Eine ganze Generation in der Krise, Quarterlife Crisisdauerverpeilt und „unbrauchbar“ für die Gesellschaft oder wie es der Spiegel in Anlehnung an einen Buchtitel formuliert: Jung, erfolgreich, kreuzunglücklich…

Die Reaktionen junger, gebachelter und gebeutelter Frauen auf die Theorie der metro-A-sexuellen Frau haben gezeigt, dass man während einer oberflächlichen Abitur-Deluxe-Ausbildung gerade mal weiß, dass es rechts zum Hörsaal und links zum Klo geht, was danach kommt, steht in den Sternen. Die Dozenten scheinen genauso hilflos wie die Studenten. Männliche Reaktionen auf die metro-A-sexuelle These gab es erwartungsgemäß keine, die Männchen haben sich offensichtlich vollends zurück an die Playstation verzogen oder aber degenerieren vom Typus facebookinkompatibel zur gesellschaftlichen Randgruppe (mit einem Minderheitsanteil von ca. 70%).

Die Bücher zum Thema Quarterlife Crisis sind in der klassischen Buchhandlung bereits vergriffen, Amazon liefert allerdings noch Titel wie Quarterlife Crisis: Die Sinnkrise der Mittzwanziger oder Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will und viele mehr…

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass es eine Fülle von lebensberatender Literatur gibt, die Wege aus der Verpeiltheit anbieten, Flirten leichter machen (wenn man schon keinen Job bekommt, dann soll man doch wenigstens lernen, wie man richtig flirtet, auch wenn man nicht vorhat, durch die Zielgerade zu gehen… ). Fazit: Viele Bücher, die aber nur denen wirklich helfen, die sie schreiben oder verkaufen…

Die Presse greift das Thema Quarterlife Crisis nur recht zaghaft auf. Befragt werden dann Psychologen, die jedoch ohne konkrete Handlungsanweisungen sind und darauf verweisen, dass es in den USA bereits Workshops gibt oder das man doch mal raus an die frische Luft soll. Eigentlich müsste man meinen, dass die Presse Amok läuft, wenn der komplette akademische Nachwuchs nach dem Studium vor dem Nichts steht, wie es die Süddeutsche tituliert.

Auch die Wissenschaft schweigt bis auf wenige Ausnahmen. Bolz weist darauf hin, dass der Mann angesichts feministischer Gleichheitsforderungen in einer Falle steckt, die in der Psychiatrie als Double Bind bezeichnet wird: „Echter Mann“ vs. Reaktion auf Delegitimation der Männlichkeit, was wiederum für die junge Frau zur Folge hat, dass in der dressierten Männermasse keine brauchbaren bösen Spieler zu finden sind, sondern nur noch nach politischer Korrektheit strebende Männchen (Alles Schlampen außer Mutti…). Mit Ritalin und Prozac, so Bolz, erzeugt man politische Korrektheit. Prozac verhilft depressiven Frauen zu Selbstbewusstsein und Ritalin wird hyperaktiven Jungs verschrieben – soziales Lernen qua ärztlicher Verschreibung. Eine Generation wird geistig ruhig gestellt…

Ob in der hier skizzierten Problematik zuerst die Henne oder das Ei da war, soll an dieser Stelle unwissenschaftlich außer Acht gelassen werden. Fact: die metro-A-sexuelle Frau trifft auf verängstigten Mann mit extrem guten Highscores, aber ansonsten unbrauchbar. Kommunikation ist demzufolge nicht zielgerichtet, denn damit können beide Seiten nicht umgehen. Aus Neil Postman´s Klassiker „Wir amüsieren uns zu Tode“ wird „wir Flirten bis zum Umfallen“ (vor Müdigkeit ohne brauchbares Ergebnis).

Es folgt die Erkenntnis, dass zwischen Reden und Kommunizieren ein gewaltiger Unterschied besteht. Darüber hinaus folgt in diesem Zusammenhang die starke Befürchtung, dass wir mit der Quarterlife Crisis einem Modewort aufgesessen sind. Sicherlich, durch die Bildungsmisere gingen viele Werte verloren. Erschwert wird die Diskussion dadurch, dass die Politik aus Menschen mittlerweile Bürgerinnen und Bürger gemacht hat. Festzuhalten ist, dass es der Generation Quarterlife Crisis an Wertewelten und Leitbildern fehlt, was die am Anfang des Jahres aufgestellte Forderung nach dem Aufbruch ins Zeitalter der Charismatiker unterstreicht. Andererseits zeichnet sich unter den weiblichen Vertretern eine deutliche Ritterlichkeitsresistenz ab. Wer einer klassischen Vertreterin der Genration Quarterlife Crisis in den Mantel helfen will, muss damit rechnen, dass sie ein Pfefferspray zückt, weil sie Ritterlichkeit nicht gewohnt ist. Die Autoindustrie unterstützt, indem sie mittels Keyless Systems Sorge trägt, dass der Gentleman alter Prägung der Frau nicht mehr die Türe aufhalten, sondern sie lediglich vor plötzlich aufspringenden Türen retten kann. Die allseits postulierte Zwangsgleichheit führt letztendlich zum Kampf der Geschlechter, beispielsweise wer im Restaurant den Wein als erster verkosten darf, die weiter oben zitierten Flirtanleitungen stoßen hier deutlich an die Grenzen. Das Spiel mit einem Lächeln und einem Augenzwinkern scheint in Vergessenheit geraten zu sein…

Bolz weist darauf hin, dass im Rahmen des Strebens nach politischer Korrektheit dem Gleichheitswahn keine Grenzen gesetzt sind: Wer einen Behinderten nicht als „anders befähigt“ anerkennt, macht sich des Ableism schuldig und wer in der Schönheit einen Verdienst sieht, leidet an Lookism und so kommt es, dass junge Frauen einen verzweifelten Weg in die soziale Phobie antreten, denn wegen ihrer Schönheit soll der edle Ritter sie nicht „beschützen“ und so gehen sie oftmals lieber den einsamen Weg in die Bulimie oder die Anorexie…

Das Ich-Bin-Schon-Gross-Phänomen gibt der junge Frau enorme Freiheiten, die sie jedoch mit einem deutlichen Verlust an Geborgenheit und Aufgehobensein bezahlt. Lernen aus der Sicherheit des beschützten Modus heraus ist in Vergessenheit geraten. Die einstige Idealkombination aus jugendlicher Schönheit und erfahrener Gelassenheit wird auf dem Altar des gleichmacherischen „ich-kann-das-alleine-Aktionismus“ geopfert. Die traditionellen Bande der Ritterlichkeit zwischen dem alten König und der jungen Prinzessin werden jäh zerschnitten. Einsam und alleine kehrt der alte König zurück in sein Ereignisreich und ferngesteuert schwebt die info-picking Schönheit durch den erweiterten möglichkeitsRAUM, setzt sich verzweifelt an die vorstellBAR, ohne sich jedoch in den erlebnisRAUM zu trauen…

Quarterlife Crises, so kann festgestellt werden ist ein weiterer Baustein auf dem Wege zum Konformismus des Andersseins, der in der allgemeinen Facebook-Fröhlichkeit untergegangen ist und am Ende, so viel steht fest, behandeln wir ohnehin wieder die Falschen

Warum wir ohne Design eigentlich nicht mehr leben können

Wenn man sich die heutigen Computer ansieht, kann man es sich heute fast nicht mehr vorstellen: Der Computer ENIAC (Weiterentwicklung des, nomen est omen,  COLOSSUS) war 30 Meter lang, drei Meter hoch, einen Meter tief und wog 30 Tonnen. Er enthielt 18.000 Röhren, 70.000 Widerstände, 10.000 Kondensatoren, 6.000 Schalter und ein Gewirr von Anschlussdrähten. Genauso monströs wie der Rechner-Umfang war auch die Bedienung. Niemand erinnert sich heute noch an Lochkarten oder Magnetbänder und niemand kann sich vorstellen, wie umständlich diese 0/1-Geschöpfe „gefüttert“ werden mussten. Jede Operation musste von Spezialisten programmiert werden.

Heute erleichtern stylische Oberflächen und intuitive Benutzerführungen den Umgang mit der Maschine. Zudem haben alle vergessen, dass es eine Maschine ist. Das “schwarze Loch” vor dem der Anwender einst sitzen musste, in das er mit grüner Leuchtschrift für ihn schwer nachvollziehbare Computerbefehle auf Betriebssystemebene eingeben musste, ist in Vergessenheit geraten. Oberflächen, sei es von Apple oder Microsoft, ermöglichen eine symbolgestützte Kommunikation. Hochkomplexe interne Rechnervorgänge werden auf einfachste Ikonen reduziert. Bolz und Bosshart definieren Benutzerfreundlichkeit deshalb als funktionelle Einfachheit bei struktureller Komplexität.

Ikonendeterminierte Kommunikation reduziert jedoch auf der anderen Seite Komplexität der Sprache auf ein funktionales Mindestmaß. Das Individuum kann sich außerhalb vorgegebener Oberflächen kaum oder nur schwer bewegen. Die Gesellschaft ist zweigeteilt in Menschen, die Telefone noch nutzen, um „unten“ hineinzusprechen und „oben“ zu hören und andere die sie als mobile Design-Oberfläche der modernen Gesellschaftserkundung nutzen – dekontextuierte Interaktion statt Kommunikation.

Symbolgestützte Oberflächenkommunikation hat mehrere Wurzeln. Zum einen war und ist es sicherlich Apple, die mit dem iPhone einen Kompass der kommunikativen Art hervorbrachten, wie er seinesgleichen sucht. Man trägt ihn vor sich her, schaut minütlich auf die leutende Glasfläche, verpasst so keine Mail, keinen facebook Kommentar und keinen Tweet. Das Individuum muss sich aus dem digitalen 0/1-gefällt-mir Kommunikationsfluss nicht ausklinken, eine Rückkkehr in die analoge Gesellschaft ist nicht zwingend nötig. Apple hat eine allumfassende Oberfläche erschaffen, die einer ganzen Generation Halt und Orientierung gibt – andererseits wurde damit zwar auch die Ära der metro-A-sexuellen Frauen beschleunigt, die sich aus dem gewohnten Kommunikationsstrom verabschiedete, aber das ist eine andere Geschichte…

Eine weitere gesellschaftsprägende Oberfläche kommt von Google. Das Descartsche „cogito ergo sum“ wurde umgewandelt in: Was Google nicht findet, gibt es auch nicht. Der Weg in Online Welten startet zu einem Großteil via Google (oft auch, wenn die URL bekannt ist). Google hat es geschafft, von der rein begrifflich funktionalen  Suche in den Olymp der Sinn-Such-Oberflächen aufzusteigen. Nicht nur das Individuum, sondern auch der Entscheider legt Opfergaben auf den Altar der weltumspannenden SinnOberfläche. Im Zeitalter der medialen Parallelnutzung bedeutet SEM Verlagerung garantierte Präsenz an den Suchwegen der Multimediakarawanen.

Auf der gesellschaftlichen Seite, dort wo die Atomisierungsprozesse unaufhaltsam voranschreiten, dort also wo es richtig menschelt, sind es Oberflächen wie facebook, die dem Individuum Orientierung in einem Wertevakuum bieten.

Da facebook jedoch amerikanisch, puritanistisch geprägt ist, bietet es nur den metro-A-sexuellen Bevölkerungsgruppen und denen, die ohnehin auf keine Antwort warten, eine ausreichende Orientierungsoberfläche. Parallelitäten  zu twitter sind unübersehbar. Was bleibt sind demzufolge die klassischen Single-Portale. Aber auch hier zeigt sich die dominante Vorreiterrolle von facebook. Neben 1-3 führenden Portalen, deren Existenzberechtigung an einem seidenen Faden hängt, verspielt die Masse der bestehenden Single-Portale durch antiquierte Matching-Methoden mit ca. 100 Abfragekriterien gerade die letzten Sympathiepunkte beim User, denn nur der Typus „facebookinkompatibel“, der sich haarscharf an der Verzweiflungsgrenze entlang hangelt, ist bereit, mehr als 3 solcher grenzdebilen Fragen zu beantworten. In der heutigen, ach so cleanen Welt jedoch scheint sich keiner der Betreiber zu trauen, einen entscheidenden Neuanfang zu starten und die, von vielen Usern, verzweifelt gesuchte zielführende Oberfläche anzubieten, die zeitgemäß, timeline kompatibel und dennoch nicht metro-A-sexuell ist. Statt dessen schaut man zu, wie einstige Größen wie freenet oder single.de zu Fake-Sammlungen degenerieren oder wie das einst mit Kultfaktor ausgestattete Portal Lokalisten zum Kindergarten mutiert.

Unabhängig von der fehlenden Oberfläche, die reales Leben zielführend mit Timelines verbindet, ist Design das Bindeglied zwischen neuzeitlicher Kommunikation und der Religiosität der Marke. Design ist die Kathedrale in der die Timeline den neuen Markengöttern huldigt. Design ist der Botschafter, der Komplexität in reduzierte Sprachwelten trägt. Design ist der letzte Identifikationshort für eine ansonsten kultur- und farblos gewordene Gesellschaft.

Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen oder wie findet der Rohrreiniger den passenden Zugang zu Social Media Welten?

Bis hierhin konnte gezeigt werden, dass Social Media mehr als nur Facebook ist (auch wenn viele andere Portale zugunsten von Facebook schrumpfen). Darüber hinaus wurde deutlich, dass Facebook aufgrund seiner Reichweite entsprechend attraktiv sein kann (die Conversion von 0,05 hier außer Acht gelassen). Unter diesem Aspekt stellt die letzte  Ausgabe von werben & verkaufen die Frage nach der Erfolgsformel. Gefragt wird nach dem Wert eines Followers. Als Guttenberg in seinen letzten Zügen war, so die Zeitschrift, konnte er zwar eine halbe Million Follower generieren, von denen dann aber nicht einmal 50 zu einer realen Kundgebung erschienen (bundesweit knapp 5.000, davon ca. 3000 im Heimatort, der Rest verteilt auf Großstädte – die meisten hier waren jedoch erboste oder zynische Gegner, die die Monarchie zurückforderten oder ähnliche Boshaftigkeiten skandierten…)

An dieser Stelle sei dahingestellt, ob es sich nun bei den weiter oben zitierten 500.000 Fans um Fake Accounts handelte oder ob es die an anderer Stelle thematisierte Facebook-Oberflächlichkeit war, die zu diesem mehr als deutlichen Ergebnis führte. Festzuhalten ist: Wenn der Fan nur Fan heißt, nicht jedoch aktiv ist, dann ist er nicht viel wert. Für die Conversion ist der Einzelne zunächst unerheblich, aus viraler Sicht jedoch als Multiplikator extrem wichtig.

Natürlich könnte man jetzt auch eine weitere Guttbye-Verzweiflungs Community anführen, die derzeit zum Verkauf bei ebay steht: Für rund  43.000 Fans werden 5 Euro 50 verlangt und es bleibt abzuwarten, was ein „Produkt“ ersteigern kann, dessen Verfallsdatum abgelaufen ist…

Zurück zur Ausgangsüberlegung, was ein Fan nun wirklich Wert ist. Die w&v verdeutlicht, dass Media Agenturen ihre Rolle im Social Media Zirkus versuchen zu finden. Hierbei werden dann die, aus der Vergangenheit, bewährten Tausender-Kontakt-Preise als Maß aller Dinge angesetzt, was Media Profis, die über den Tellerrand schauen können, deutlich kritisieren. Thomas Koch kritisiert in diesem Zusammenhang zurecht, dass dieser Vergleich „mit Vollgas in die Sackgasse“ führe.

Der intermediale Vergleich ist eine Wissenschaft für sich und die Herangehensweisen sind immer nicht-linear und multipel und vor allem nicht so einfach wie es sich so manche Media Agentur vorstellt. Halten wir also an dieser Stelle fest:

Wer Social Media Karussell fahren will, benötigt in erster Linie tiefes und vernetztes Detailwissen. Ohne ein dezidiertes Social Media Monitoring ist Social Media Marketing ein gefährlicher Blindflug, der mehr Geld vernichtet, als er in die Kassen spült.

Zweitens: Social Media ist Content. Nur wer eine wirklich spannende Geschichte erzählen kann, darf auf das Karussell steigen. Wichtig in diesem Zusammenhang: Selbstverliebte Markeninhaber müssen lernen, dass nicht sie oder ihr Produkt der Nabel der Welt sind, sondern die Bedürfnisse der User. Denn: Alles was nicht Timeline kompatibel ist, wird als SPAM aus dem Zirkuszelt geworfen…

Social Media ist authentischer Dialog. Natürlich kann man externe Blogger einstellen,  die hauptberuflich das Firmenblog mit News „befüllen“, aber je mehr man den Geschichten Leben einhaucht, desto dynamischer der Prozess, desto nachhaltiger ist das Marketing und vor allem desto wertiger sind die Fans. Wir nennen das Markenaufbau von innen und deshalb unterstützen wir zwar unsere Kunden mit Blogkonzepten und erstellen auch Texte, wichtiger ist es uns jedoch, dass der Kunde direkt in Tuchfühlung zu seinem User geht.

Unternehmen brauchen Legenden! Dies ist keine neue Erkenntnis aus Social Media Zeiten, sondern eine alte Erkenntnis, die man sich unbedingt wieder ins Gedächtnis zurückrufen sollte (siehe auch deshalb auch unser Postulat „Charismatiker braucht die Wirtschaft“).

Im Social Media Zirkus ist festzustellen, dass die einst aufgrund der Komplexität von Kommunikationsprozessen richtigerweise vorgenommene Spezialisierung von Agenturen derzeit arg weich gespült wird. PR Agenturen versorgen gerne mal Facebook und twitter Accounts mit Texten (und vergessen dabei, dass PR einer anderen Systematik gehorcht als Social Media, schließlich geben sie auch nicht nebenbei eine Zeitung heraus).

Media Agenturen streuen ihre Billings von TV bis Facebook und betreuen von daher gerne auch mal Social Media Accounts (nebenbei) mit und übernehmen dann auch schon mal die Aufgaben von SEM Agenturen und auch Kreativ Agenturen sind gerne auf allen Ebenen kreativ, auch wenn sie nicht von allen Themen etwas verstehen und so kommt es dann, dass eine echte Vernetzung der Werbebotschaft nicht stattfindet oder hier und da auch schon mal eine perfekt gestylte tote Community mit „toten Accounts“ entsteht. Die klassische Kampagne mit einem kurzen Link „jetzt auch auf Facebook“ zu versehen ist noch lange nicht Social Media Kommunikation. Erst wenn 1+1=3 ergibt, erst wenn ein vernetztes Denken stattfindet, erwacht Social Media zum Leben.

Um es noch ein wenig deutlicher zu sagen: Wenn man das auf eine Anwaltskanzlei übertragen würde und ein Familienrechtler plötzlich sagen würde, dass er das bisschen Strafrecht schon nebenbei mitmacht, dann wäre es dem Mandaten wahrscheinlich genau so wohl zumute wie dem Zahnpatienten zu dem der Urologe sagt „machen Sie doch mal den Mund auf“…

Aus Kundensicht muss die Dasmachenwirmalebennebenbeimentalität frustrierend sein, denn egal welche Agentur anklopft, jeder macht erst einmal den Bauchladen auf. Im Zentrum steht nicht die Problematik des Kunden, sondern die eigenen Möglichkeiten erweitert um Social Media Marketing. Und weil die Agenturen aber oftmals klingende und swingende Namen haben, merkt der Kunde nicht, dass der Kaiser keine Kleider anhat, was uns zu unserem Credo führt: Was immer du tust, tu es mit Leidenschaft oder lass es…

Und wo war jetzt der Rohrreiniger in dieser Geschichte? Nicht nur in der Überschrift, für ihn ist diese Zusammenfassung gedacht. Sie enthält wenig Marketing Denglish und heisst ganz bewusst Zusammenfassung und nicht Summary.

Also:

1. Was immer du tust, tu es mit Leidenschaft oder lass es…

2. Social Media ist Content

3. Social Media ist Dialog

4. Alles was nicht authentisch ist, wird abgestraft

5. Achten Sie nicht nur auf „kostengünstig“, sondern auf die beste Lösung des Problems

6. Holen Sie sich Profis

7. Unternehmen brauchen Legenden

8. Marketing ist immer nachhaltiger als Produkt

9. Rufen Sie einfach an, den Rest erzählen wir am Telefon…

Showdown: Die erfolgreiche Spaltung der Nation

Die Case Study Guttenberg geht in die nächste Eskalationsstufe: Es werden Vasallen vorgeschickt. Allen voran unterstreicht der Landesvater, dass es nun genug sei und auch die Bundeswehr stärkt dem Minister den Rücken und selbstverständlich wird auch der Unionsfraktionschef in die Schlacht geschickt. Nach wikpedia bedeutet „Kauderwelsch“ die abwertende Bezeichnung für eine verworrene Sprechweise, für ein unverständliches Gemisch aus mehreren Sprachen oder eine unverständliche fremde Sprache. Seit gestern muss diese Definition jedoch korrigiert werden: Der Begriff stammt vom Unionsfraktionschef Volker Kauder, der im Rahmen einer ZDF Sendung sehr verWIRRendes von sich gab, wie etwa „Guttenberg habe die Konsequenzen gezogen, indem er auf seinen Doktortitel verzichtet habe und damit müsse es nun gut sein“. Die Bildungsministerin, die sich sehr für das Verhalten Guttenbergs schämte, hatte wohl vergessen, ihm zu sagen, dass man einen Doktortitel nicht zurückgibt, wie eine Waschmaschine, deren Garantie abgelaufen ist. Die Doktorwürde fängt mit einem polizeilichen Führungszeugnis an und endet mit der Nomifizierung und kurz vor selbiger steht noch eine kleine dumme „Nebensächlichkeit“: Der akademische Eid!

Neu in der Case Study der kommunikativen Art: Die von der Kanzlerin verhöhnte Akademikerschaft steht auf und sendet einen offenen Brief an Frau Merkel. Die dazu gehörige Facebook Seite wächst kontinuierlich.

Darüber hinaus ist zu erkennen, dass der eine oder andere C-Politiker zwischen Parteilinie und Gewissen schwankt und die FPD setzt sogar ein Ultimatum.

Aus juristischer Sicht werden hilfreiche Argumente zum Thema Integrität etc. in die allgemeine Diskussion eingebracht und der  angeschlagene Noch-Minister kündigt zwischenzeitlich “dramatische Reformschritte” bei der Bundeswehr an – Schaffung von Tatsachen…

Krisenmanagement vorletzter Teil: Nach wüsten Beschimpfungen im Bundestag in der letzten Woche und einem relativ ruhigen Wochenende nun also geordnete Aufrüstung auf allen Seiten, Showdown und warten auf den Staatsanwalt…

Artificial Life: Biotop Facebook (2)

Um es nochmals zu fixieren: Bis hier wurden virtuelle Welten mit unterschiedlichsten Ausprägungstiefen diskutiert. Im Mittelpunkt der Überlegungen standen jeweils Technologien, die informationsgebend sind oder der visuellen Unterstützung bzw. der Simulation dienen. Wenn nun aber die technischen Voraussetzungen für eine bildhafte Darstellung bzw. Realisierung unterschiedlichster Phantasie- oder Traumwelten bzw. eine alternative Realität geschaffen sind, ist es nicht verwunderlich, wenn hieraus latente Menschheitswünsche und -hoffnungen erneut aufkeimen. Mit der vermeintlichen Aufhebung physikalischer Gesetze durch Technologien wie VR, wird die Realisierung alter “Ur-Menschheitsträume”, wie bspw. die Fähigkeit, fliegen zu können, Unsterblichkeit, göttliche Schöpfungsgewalt’ etc. potenziert. Ob nun die eigentlichen Ursprünge für die Schaffung eines “Idealmenschen” in der Antike, in einem durch Bacon und Descartes begründeten mechanistischen Weltbild oder aber auch durch eine anthropozentrische Weltanschauung, zurückführbar etwa auf den alttestamentarischen Herrschaftsauftrag, die Erde untertan zu machen, zu suchen sind, soll hier allein schon aus Rücksicht auf gebachelte und gebeutelte Studenten letztendlich nicht geklärt werden.

Sicherlich begründet eine mechanistische Sichtweise den Fortschrittsglauben und ein uneingeschränktes Vertrauen in die Möglichkeiten der Technik. Für mathematisch, naturwissenschaftlich bzw. computerorientierte Wissenschaftler mag dieses Gedankengut bis zu einem gewissen Grad unbedeutend sein, kann man doch auch (mechanistisch) ohne Berücksichtigung philosophischer Probleme von bekannten Variablen ausgehen und rein deduktiv neue Technologieformen entwickeln. Aus der Literatur werden im Weiteren zwei Ansätze diskutiert. Zum einen die Idee, dass sich die “Maschine” selbst reproduziert und zum anderen, dass der Mensch maschinenhafte Eigenschaften annimmt und somit eine biologische “Unvollkommenheit” kompensiert. Die Idee der sich selbst reproduzierenden Maschine kann zurückgeführt werden auf John von Neumann’”, der seine Automatentheorie als Krönung seiner Forschungsarbeit verstand (Levy, KL, 1993, S.435). Unterstützung fand von Neumann hierbei durch die Turing-Maschine. Turing und Church stellten die Hypothese auf, dass eine Maschine nicht nur die Funktionen mathematischer Maschinen nachahmen kann, sondern auch die Funktion der Natur und darüber hinaus des menschlichen Gehirns. Im Laufe der Geschichte wurde der Ansatz, Maschinen herzustellen, die sich selbst reproduzieren, von verschiedenen Seiten aufgegriffen. Als bedeutsam für den Forschungsansatz “künstliches Leben” (KL) soll hier das Spiel “Life” herausgestellt werden, das zur bekanntesten Anwendung der von John von Neumann definierten Zellularautomaten wurde und darüber hinaus als Anregung für die weitere Forschung im Bereich KL dient”. Das Spiel “Life” war von John Horton Conway als eine große vereinheitlichte Theorie des Universums konzeptioniert. Die nachfolgend aufgeführten Regeln bilden die Basis sowohl für das Spiel als auch für wirkliches Leben’:

“Leben findet auf einer Art realem Schachbrett statt, dessen Quadrate als Zellen bezeichnet werden. Diese können sich in zwei verschiedenen Zuständen befinden: lebend oder tot. Jede Zelle hat acht potentielle Nachbarn, nämlich diejenigen, die an den Seiten oder an den Ecken angrenzen. Wenn eine Zelle auf dem Schachbrett sich im lebenden Zustand befindet, übersteht sie den nächsten Taktzyklus (also die folgende Generation) nur dann, wenn zwei oder drei ihrer Nachbarn ebenfalls leben. Sie stirbt aufgrund einer Überbevölkerung, wenn es mehr als drei lebende Nachbarn gibt, und sie geht an Vereinsamung zugrunde, wenn sie weniger als zwei lebende Nachbarn hat. Wenn eine Zelle auf diesem Schachbrett abgestorben ist, bleibt sie auch in der nächsten Generation tot, es sei denn, sie hat genau drei lebende Nachbarn. In diesem Fall wird die Zelle in der nächsten Generation „wiedergeboren“.

Nach Spielbeginn formten sich, gemäß obiger Regeln, nach einfachen Anfangskonfigurationen rasch komplexe Gebilde. Den Durchbruch verhalf dem “Spiel” schließlich das Massachusetts Institute for Technology (MIT) durch Umsetzung in eine Computerumgebung. R. William Gosper (MIT) erkannte, dass es sich bei Conways Herausforderung um mehr als nur ein Spiel handelte, denn “Life” repräsentierte eine anschauliche, lebendige Welt, in der bestimmte Auswirkungen tatsächlich in Erscheinung traten. Es handelte sich somit um ein alternatives, praktisch unerforschtes Universum der Mathematik.

Enttäuschend für Conway war jedoch die Tatsache, dass es trotz der Vielseitigkeit und der nachweislichen Unvorhersehbarkeit keine Konfiguration gab, die ein selbstreproduzierendes Wesen in einem einigermaßen überschaubaren Raum hervorgebracht hatte. Er war dennoch überzeugt, dass “Life” jedes bekannte Tier, ebenso wie unendlich viele unbekannte hervorbringen könne. In einem ausreichend großen Maßstab (i.e. “Spielbrett”) müsste man wirklich lebende Anordnungen erkennen können, die sich entwickeln, um Territorien streiten und immer intelligenter werden. Die einzige offene Frage blieb hierbei allerdings die Größe des “Spielfeldes” . Conway dachte hier in Dimensionen, größer als unser Universum. Andere, optimistischere Meinungen, gingen davon aus, dass ein Spielfeld von der Größe unseres Sonnensystems ausreichend sei. Die entscheidende Frage an dieser Stelle ist sicherlich, ob ein aus diesem Spiel entstehendes Gebilde wirklich leben würde. Definiert man ein Lebewesen als autopoietische Organisation(Anmerkung für den neuzeitlichen Studenten: hat nichts mit poetisch zu tun…), so könnte man sicherlich von einem lebenden Organismus sprechen.

In der KL-Forschung herrscht nicht nur die Überzeugung vor, dass aus Zellularautomaten “Leben” entstehen könne, sie wurden vereinzelt für so komplex gehalten, dass sie ein Universum hervorbringen könnten. Die Diskussion führte sogar zum Zweifel, ob nicht auch “unser Universum ein Zellularautomat ist, der auf dem Computer eines ausgezeichneten Programmierers läuft. An dieser Stelle nähert man sich zwangsläufig erneut dem WIRRklichkeitsRAUM. Auf den ersten Blick scheint dies eine extreme Frage zu sein, die jedoch in letzter Konsequenz nicht ohne Weiteres negiert werden kann. Ein Blick auf die Entwicklungsgeschichte der Erde verdeutlicht, dass der Übergang von “toter” zu “lebendiger” Materie durchaus einem solchen Spiel entsprungen sein könnte. Der “normale” Anwender jedoch bewegt sich in timelinedeterminierten Oberflächen, die eben skizzierte Dimension wird ihm demzufolge nicht bewusst und die Frage, ob jemand „von oben“ die Oberflächen und somit auch seinen Lebens- und Kommunikationsstrom steuert, wird aus bekannten Gründen nicht gestellt.

Dennoch: Unterstellt, das Biotop facebook sei qua Definition auch ein KL-“Spiel“, dann wären wir jetzt in der zweiten Entwicklungsstufe, denn aus dem Schachbrett ist eine real existierende Scheinwelt geworden (wie wirklich diese Wirklichkeit dann wirklich ist, soll an dieser Stelle nicht weiterverfolgt werden). Bereits vor 15 Jahren wurden in einem Labor der Universität Bamberg Experimente durchgeführt, Computern Gefühle anzutrainieren. Kernpunkt der dort angestellten Überlegungen war, dass ein menschliches Bedürfnis nichts anderes als die Reaktion auf die Meldung eines Regelkreises ist, die besagt “ich bin nicht im Gleichgewicht. Hierauf aufbauend wurden Programme entwickelt, die, getrieben von ihren Bedürfnissen, ihre “Welt” erkunden und lernen, das eigene “Überleben” sicherzustellen (siehe hierzu: Mein Computer lebt, Spiegel-Gespräch über die Berechenbarkeit der Seele, in: DER SPIEGEL, Nr. 9/1996 vom 26.2.96)

Um den gebachelten und gebeutelten Studiosus nicht allein im WIRRklichkeitsRAUM stehen zu lassen, wird im Folgenden auf eine Vertiefung der Begrifflichkeit “Seele” verzichtet, Unterscheidungen wie sie beispielsweise Aristoteles vorgenommen hat, i.e. vegetative Seele (Ernährungs- und Fortpflanzungsfunktion), animalische Seele (Wahrnehmungs- und Bewegungsfunktion) und denkende Seele finden keine Berücksichtigung in der folgenden Betrachtung. Interessant könnte jedoch in diesem Zusammenhang der Gedanke der Moravecschen “Seelenwanderung” bzw. “Geistübertragung“ sein (rein hypothetisch natürlich erst einmal, damit sich niemand im WIRRklichkeitsRAUM verläuft).

”Man hat Sie gerade in den Operationssaal geschoben. Ein Roboter in der Funktion des Gehirnchirurgen wartet auf Sie. Neben Ihnen steht ein Computer bereit, ein menschliches Äquivalent zu werden, wozu ihm nur ein geeignetes Programm fehlt. Ihr Schädel, aber nicht Ihr Gehirn, wird betäubt. Sie sind bei vollem Bewusstsein. Der Roboterchirurg öffnet ihre Schädeldecke und legt die Hand auf die Oberfläche des Gehirns. Diese ungewöhnliche Hand ist dicht bestückt mit einer mikroskopischen Apparatur, und ein Kabel verbindet sie mit dem mobilen Computer an ihrer Seite. Die Instrumente der Roboterhand tasten die ersten Millimeter der Hirnoberfläche ab. Hochauflösende magnetische Resonanzmessungen entwickeln eine dreidimensionale chemische Karte, während Gruppen magnetischer und elektrischer Antennen Signale auffangen, die über die zwischen den Neuronen zuckenden Impulsen Aufschluss geben. In Verbindung mit einem umfassenden Verständnis der menschlichen Neuronenstruktur ermöglichen diese Messergebnisse dem Chirurgen, ein Programm zu schreiben, das das Verhalten der obersten Schicht des Hirngewebes simuliert. Dieses Programm wird in einem kleinen Bereich des wartenden Computers installiert und aktiviert …. Schicht für Schicht wird das Gehirn zunächst simuliert und dann abgetragen. Schließlich ist Ihr Schädel leer, und die Hand des Chirurgen befindet sich tief in Ihrem Hirnstamm. Dennoch haben Sie weder das Bewusstsein noch den Faden Ihrer Gedanken verloren. Ihr Geist ist einfach aus dem Gehirn in eine Maschine übertragen worden. In einem letzten unheimlich anmutenden Schritt nimmt der Chirurg seine Hand aus Ihrem Schädel. Ihr plötzlich sich selbst überlassener Körper verfällt in Krämpfe und stirbt. Einen Augenblick lang empfinden Sie nur Ruhe und Dunkelheit. Dann können Sie die Augen wieder öffnen. Ihre Perspektive hat sich verändert. Die Kabelverbindung zwischen der Computersimulation und der Hand des Chirurgen ist unterbrochen worden. Ihr Geist ist jetzt an den glänzenden neuen Körper angeschlossen, dessen Form, Farbe und Material Sie selbst ausgesucht haben. Ihre Metamorphose ist abgeschlossen.

An dieser Stelle ist es nun wichtig, sich vor Augen zu halten, dass dieses, bewusst ausführlich dargestellte Zitat NICHT der Science-Fiction-Literatur zuzuschreiben ist, sondern einem realen wissenschaftlichen Forschungsbereich der Carnegie Mellone University entspringt (vgl. Moravec, Mind Children, 1990). Mit zunehmendem technologischen Wissen kann durchaus davon ausgegangen werden, dass diese Vision praktikable Realität wird (an der Umsetzung dieses Ziels arbeiten z.B. die Extropianer, eine interdisziplinäre Interessengemeinschaft, die u.a. auf den Gebieten Robotik, Kryonik, künstliche Intelligenz, Nanotechnologie etc. forschen). ABER: Die Gesetzmäßigkeit der Entropie außer Kraft zu setzen ist sicherlich ein faszinierendes Forschungsgebiet, das jedoch die Grenzen weniger in der Technologie, sondern in ethischen Grundwerten hat. Wenn diese aber aufgrund fehlender oder schwindender Wertesysteme (http://mindstoremarketing.de/blog/religiositaet-der-marke/) in den Hintergrund treten und ein Wertevakuum hinterlassen, wenn zudem qua Technologie das Individuum in einem permanenten Datenstrom schwimmt, der die Grenzen zwischen virtueller Realität und vermeintlich wirklicher Wirklichkeit wirklich nicht mehr erkennen lässt, wenn wir eigentlich nicht wissen, ob wir uns in einer facebook Timeline befinden oder in einem von Außerirdischen erfundenen Computerspiel (oder wie Karl Popper es ausdrücken würde: Durch die Falsifikation unserer Annahmen bekommen wir tatsächlich Kontakt mit der Wirklichkeit), DANN sind wir dem WIRRklichkeitsRAUM schon sehr nah…



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