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Türkei: Gedanken zum Sonntag

In der Türkei wütet die Schlagstock Partei von Herrn Erdogan, die Polizei metzelt das eigene Volk nieder. Und hierzulande scheint das nur wenige zu interessieren.

Im Gegenteil: Entsprechende Horrormeldungen aus der Türkei werden mit einem „gefällt mir“ begleitet. Das Postman´sche „Und jetzt“ lebt…

Wenn Silke S. (oder ein Hacker) ein Posting gegen den Osten in Umlauf bringt, dann entstehen sofort Anti-Silke-Hass-Gruppen, Gruppen wie „100.000 Menschen, die Wendler scheisse finden“, schießen wie Pilze aus dem Boden, aber eine starke Gruppe, die das Morden in der Türkei stoppt, kann nicht auf die Beine gestellt werden.

 Gefällt mir nicht!

 

Das Wort hat der Hacker

In den letzten Tagen war der Fall Silke S. viele Fragen auf. Neben vielen Ungereimtheiten bleibt die Frage, wie geht eine Provatperson mit einem Shitstorm um?

Um ein besseres Verständnis zu bekommen, haben wir einen namhaften Hacker um eine Stellungnahme gebeten. Bevor wir online stellen: Er ist Deutscher, hackt aber in englisch. Hacker sind so…

Dear Torsten,

… thanks for asking – before i answer your question – “experienced hacker”? Oh come on, not another one of these self-proclaimed cybersecurity-something hackers – i hope i am not – i do research work along my abilities – payed for my day-job, but also non-profit for fun and a better world 😉
The most so called hacking-results we see in the press today are mostly the results from “low-hanging fruits” found by people who stupidly try to find exit-code patterns or just opportunistic guessing around for miss-configuration or easy to guess passwords until they find something  – not really something that brings humanity forward – but it is always good for a headline and for the security solution industry to spread their FUD.

To your question: “how high is the risk that someone gets ownership of private accounts?

A simple answer – “it depends – because Risk is something very dynamic”.

Like most tech-people, i ignore facebook for my own social networking – and prefer Google+ – but of course it is always a good potential source! 😉

Mentioning Silke S. – you asked many important questions yourself already.

Pseudo-/Fake-Account?
Yeah why not? Nothing new and nothing magic – and good for everone who likes to troll around and make huge waves.  Trigger the right button and have fun. But it is larger as just that, since the HB Gary Hack it should be clear to everyone that even several services like DOD, NSA, and the CIA work on technics to dominate opinions in social media and one person can become many personas with quite some “level of realness”.

Shitstorms are the new Flamewars – characterized by much more entropy, interlinked accross multiple communication-channels and platforms, across multiple education and social classes. Hype and Sensation and exaggeration becomes normality, a real challenge for meritocracy, the obsolete concept of having a good reputation in the internet.

Silke S. and her employer? Employers do not want to fuzz around with their mobbing employees – this is clear enough – and would surely not the first public job termination.

Why should facebook care if the account is hacked? Here again comes the question what means hacked? And why was getting back the account for Silke S. so easy? Must be a stupid hacker, forgot to lock up the account and leave his sign – he will get no fame for this hack 😉
If you do not live in Germany you even can get bounties like AMol NAikfrom from the null community india.

If the account was hijacked or not, in this case – everything is in a way hackable and if not technically, the most effective hacks are the social-/mind-hacks. Btw. –  marketing people are often masters of mind-hacking without knowing it 😉

Learn to deal with it and maybe be one step ahead of your kids – and start to teach them by giving them a hacker high school lesson.

— Joerg

Übrigens: Am 27. Juni spricht Joerg Simon auf Schloss Monrepos deutsch (auch wenn sein Vortragstitel in englisch ist)…

Silke S.: Die Grenzen zwischen Reputation und Hetzjagd sind fließend…

Bevor der angekündigte Hacker zur Wort kommt, soll aus gegebenem Anlass das Thema Silke S. nochmals aus der rein menschlichen Perspektive betrachtet werden.

Gestern wurde die Frage gestellt, wie man als Privatperson damit umgeht? Firmen, so konnte festgestellt werden, gehen mit entsprechenden Krisenmanagern unbeschadet aus solchen Situation heraus. Dem Privatmenschen bleibt nur die Strafanzeige und das große Hoffen, dass die Pöbel-Karavane schnell weiterzieht.

Der Name Silke S. wird schnell aus den Suchtrends verschwinden, was aber in den Google-Suchen nicht aufgetaucht ist, waren die offiziellen Gegendarstellungen. Man muss intensiv suchen, um auf eine österreichische Berichterstattung zu stoßen, deutschen Magazinen war es keinen Bericht wert. Hochwasser, Hochwasser und ein wenig Drohne…

Am Ende gilt für den Privatmann die selbe Gesetzmäßigkeit wie für den Konzern: Kein Öl auf die Flammen gießen, beobachten und dokumentieren und vor allem so schnell wie möglich einen Profi einschalten. Am Ende kann festgehalten werden: Noch nie hat ein Shitstorm wirklich geschadet, er kostet Zeit und Nerven und er ist absolut überflüssig…

Der Fall Silke S. ist mittlerweile jedoch kein Fall mehr für den Krisenmanager, sondern für die gesamte Gesellschaft. Will man in einer Gemeinschaft leben, die sich jederzeit gegen jeden verschwören kann? Wie hoch ist die Lebensqualität, wenn man weiss, dass man in einem Minenfeld lebt? Will man in einer Gesellschaft leben, in der man täglich von Feinden umgeben ist?

Unabhängig davon muss sich Facebook die Frage stellen, wie sie einzelne Mitglieder vor einem pöbelnden Mob schützen will. Stellt der Klarnamenszwang unter diesen Umständen einen Schut für die Opfer dar oder überwiegt die Tatsache, dass in Hetzjagden die Nicht-Klarnamen besonder aggressiv und primitiv vorgehen. Im Fall Silke S. konnte dies zumindest ansatzweise beobachtet werden.

 

 

Opel: Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten

Nach der gestrigen Zwangsumstellung des Facebook Profils (aus Trotz bis zur letzen Sekunde gewartet), hier noch eine kurzer Rückblick auf weitere Ereignisse vom Wochenende:

Der Caravan Salon hat in Düsseldorf am Samstag sein Tore geöffnet (Expertengespräche und Gedanken hierzu in den nächsten Tagen hier im Guerilla Marketing Blog, Messe-Berichte im Caravan Magazin) UND: Die Bildzeitung hat am Freitag böse zugeschlagen: Jeder 3. Job bei Opel in Gefahr

Ergebnis: Heftige Dementi seitens Opel, wer mag schon seine geheimen Pläne, die es selbstverständlich nicht gibt, in der Bildzeitung lesen…

Bevor es jedoch zum Jobabbau bei Opel kommt, Verlagerung des Missmanagements auf den Steuerzahler: Zum 150. Jubiläum schenkt Opel dem Arbeitsamt 10.000  Kurzarbeiter.

Am Sonntag dann nochmals heftige Dementi vom Opel Betriebsrat (warum haben eigentlich alle Genossen einen Doppelnamen?): Und ich betone vorübergehend…

Zum Wochenanfang nochmals ein Blick auf Opel und beruhigende Worte:

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu erbauen!  

 

Vodafone im Shitstorm: Marcell D’Avis lebt

In der letzten Woche konnte man überall lesen, dass Vodafone im Shitstorm steckt: “Vodafone- Kundin löst Shitstorm bei Facebook aus“ konnte man beispielsweise bei netzwelt lesen, „Frau löst Shitstorm gegen Vodafone aus“  titulierte Focus online und auch n-tv berichtete, dass Vodafone gegen einen Shitstorm kämpft…

Am Ende der Woche hatte Vodafone den Shitstorm aber wieder weitgehend unter Kontrolle, das Krisenmanagement hatte gegriffen: “Mittlerweile haben wir ein persönliches Gespräch mit Corinna alias „Anni Roc“ geführt. Ihre Fragen und Anliegen konnten zu ihrer Zufriedenheit geklärt werden. Mit der Klärung dieses speziellen Anliegens ist das Thema für uns natürlich nicht abgeschlossen, wir halten Euch auf dem Laufenden. Euer Vodafone Deutschland Team” (O-Ton)

Vodafone Shitstorm

Der Shitstorm der letzten Woche verdeutlichte einmal mehr: Markenaufbau von innen ist so ziemlich das Wichtigste im WIRRklicheitsRAUM. Die besten Markenstrategien helfen nicht, wenn der Callcenter (oder eine Bankfiliale oder ein Autverkäufer etc.) sie mit einem kurzen Anruf /Gespräch mit Anlauf in die Tonne tritt.
So wie beim Shitstorm Beispiel der letzten Woche könnten auch wir das Fass bei Vodafone zum Überlaufen bringen (wir beschränken uns jedoch darauf, den Anwalt die Arbeit machen zu lassen). Dennoch, hier der Stein des Vodafone Anstoßes:
1. Letztes Jahr im Februar: Vertragsverlängerung bei Vodafone, um an ein iPhone zu kommen
2. Nach 15 Monaten dann ein iPhone Schaden: Ankommende Anrufe können nicht mehr gehört werden (Anrufer hingegen hört noch die Stimme der Angerufenen)
3. Verschiedene Reklamationsversuche bei der Vodafone Hotline
4. Das Ergebnis: Ein vom Hersteller empfohlenes Software-Update brachte keine Besserung und ein Telefonanruf bei Vodafone in Düsseldorf brachte die Erkenntnis, dass Vodafone entweder noch nie was vom BGB und Gewährleistung gehört hat oder aber schlecht qualifizierte Mitarbeiter im Callcenter sitzen hat.
5. Verschiedene Telefonanrufe, verschiedene Auskünfte und die Hoffnung schwand doch noch einen einen fähigen Callcenteragent zu kommen (auch ein Verbindungsabbruch wurde registriert, böse Zungen würden jetzt behaupten, dass seitens Vodafone einfach aufgelegt wurde)
6. Die verschiedenen Varianten und Vorschläge der Agents lauteten:
– SIM Karte tauschen (was schon versucht wurde)
– iphone an- und ausschalten (was schon versucht wurde)
– Software-Update holen (was schon versucht wurde)
– das Mobiltelefon zur Überprüfung einzusenden (wurde gerne angenommen)
7. Das eingeschickte Telefon kam binnen einer Woche wieder zurück, die Firma arvato gmbh machte sich im Namen von Vodafone ans Werk. Vermerk auf dem beiliegenden Papier: es konnte kein Fehler festgestellt werden, das iphone sei funktionstüchtig. Die Freude groß, dass man sich doch so irren konnte und die SIM Karte wieder ins Telefon geschoben und der erste Versuch, sich wieder in die bunte Welt zurückzutelefonieren, bei dem es dann auch blieb, es sei denn, man wollte Selbstgespräche führen, denn die Gesprächspartner konnten einen nach wie vor nicht verstehen.
8. Erneute Kontaktaufnahme bei Vodafone. Antwort: Bei Vodafone sei man nicht zuständig, für Gewährleistungs- und Garantieansprüche sei einzig und allein der Hersteller verantwortlich. Ein Blick ins BGB sagt eindeutig anderes aber Callcenteragents von der Falschaussage zu überzeugen ist ungefähr ähnlich aufwendig wie der Versuch einer Hydra den Kopf abzuschlagen.
Erkenntnis:
Der Fisch stinkt immer am Kopf! Und der ist in diesem Fall mehrköpfig und heißt Friedrich Joussen, Jens Schulte-Bockum, Dirk Barnard, Sebastian Ebel, Jan Geldmacher, Hartmut Kremling, Frank Rosenberger und Achim Weusthoff – so zumindest steht es im Impressum der Vodafone Homepage. Vorgeschoben wird jedoch in der Shitstorm Diskussion Daniel Bäumer, das ist der Marcell D’Avis  von Vodafone…
Vodafone Shitstorm

Fazit aus Kundensicht:

Einschalten eines Anwaltes (bereits geschehen), das Ende einer über 10jährigen Kundenbeziehung (Kündigung im Oktober) und weitere Vertragskündigungen aus dem persönlichen und geschäftlichen Netzwerk werden folgen.

Nachdenken scheint nicht die Stärke im Hause Vodafone zu sein!!

Und wem gehört jetzt der Kölner Dom? Überlegungen zu einem Bauwerk, dessen CEO nicht für ein Interview zur Verfügung stand, weil er mal wieder im Himmel war…

Folgt man der Logik von Facebook, müsste auch der Kölner Dom seine Facebook Seite umbenennen, denn erstens ist er in Köln und Köln ist eine Stadt und laut Facebook gehört eine Stadt nun mal niemandem und darf demzufolge auch keine Facebookseite haben oder muss die Stadt wie die gleichnamige Facebookseite benennen.

Zweitens gehört der Kölner Dom dem lieben Gott und den gibt es laut Nietzsche auch nicht, denn Gott ist nun mal tot, es lebe die reine Vernunft als Befreier des von der Kirche geknechteten Individuums.

 Kölner Dom

Die Welt ist ein komplexes System und es ist immer kompliziert, aber in Köln ist alles viel einfacher. Ja, Köln ist eine Stadt und ja, der liebe Gott ist hier nicht persönlich bekannt und hat auch keinen Wohnsitz hier gemeldet, aber ein gleichnamiges Hotel leiht der Kirche nebenan einfach seinen Namen und so kann, dem Dom Hotel sei Dank (es hat ja auch einen ordentlichen Eigentümer), die Kirche am Rhein seine Facebookseite behalten und es droht ihr nicht, wie der Stadt München.de eine Schließung seitens Facebook.

Und wo wir gerade in Köln sind: Um 16.30 Uhr treffen wir uns im Domforum und reden über die Göttin im Sandkasten und ihre Flucht aus Köln Ehrenfeld oder: Warum der Bundestraffic Minister Ramsauer seinen Kampf gegen transnationale Marken verliert und Thomas Gottschalk bald nur noch im Klapprechner sehen kann.

Wann:

26. Juli 2012 

Wo:

DOMFORUM Köln

Domkloster 3

50677 Köln

Einlass:

16.30 Uhr

Beginn:

17.00 Uhr

Anmeldung:

International Digital Forum

Es ist kompliziert: münchen.de oder: Wem gehört eigentlich eine Stadt?

Seit einer gefühlten Ewigkeit kämpfen Stadtväter, dass Bürger von „ihrer Stadt“ sprechen, sich identifizieren, sich einbringen, sich für IHRE STADT einsetzen und jetzt kommt ein amerikanisches Zucker-Burschi und sagt, dass die Stadt niemand gehört…

Diktatorisch, anders kann man das nicht bezeichnen, wird seitens facebook, einfach mal so die Seite der Stadt München geschlossen. Dramatisch für die Politik: Da wollte man bürgernah sein und dann so etwas…

München.de

An dieser Stelle wird deutlich, dass die Politik nicht mehr streitbar ist. Statt sich der eigenen Stärken bewusst zu werden und (parteiübergreifend) die Bürger der Stadt München zu mobilisieren, wird München einfach in München.de umbenannt. Der massive Eingriff eines amerikanischen Unternehmens in die Bayerische Kultur wird nonchalant übergangen. Wo, fragt man sich, ist Herr Seehofer, der mit der selben Inbrunst wie er Gutti zurückholen wollte, jetzt die Landeshauptstadt verteidigt? Statt Presseerklärungen abzugeben, dass er auch in die Oposition gehen würde (wo sind wir nur gelandet, Franz Josef muss sich im Grabe umdrehen…), sollte er lieber die patriotische Faust zum Bayerischen Shitstorm ballen (Übersetzung für Herrn Seehofer: Schleich di, du Zucker-Burschi).  Und wo ist der sonst so wackere Ude? Warum verbieten wir nicht Facebook Mitarbeitern einfach mal so den Besuch des realen Oktoberfestes? Sollen sie doch virtuell in München.de feiern… und auf der Wiesn.de eine virtuelle Maß trinken, die  Saupreißn, die amerikanischen…

Abschließend noch eine kurze Frage: Was wäre eigentlich wenn die Stadt Hamburg beispielsweise mal eben über Nacht das Büro von Facebook schließen würde…?

Wir schalten zurück zum WIRRklichen Leben. Zurück zu einem alten Sponti Spruch:

Stell dir vor, es ist facebook und keiner geht hin…

facebook der neue zockerwert an internationalen börsenplätzen oder: warum zalando bald eine neue abteilung aufmachen muss

Herr Zuckerberg war raffiniert: Zwei-Klassen-Gesellschaft bei Facebook. Wer zur Kaste der Nicht-Bestimmer gehört, kann die Facebook Aktie eigentlich nur als Privat-Wette verstehen – teilhaben geht anders…

Wen wundert es also, dass das Zockerpapier mit WKN gestern nicht aus dem Quark kam und Zalando wohl mit allen Greenshoes des gestrigen Tages einen neue Schuh-Abteilung aufmachen könnte…

FACEBOOK INC.A DL-,000006 OnVista Chart
OnVista – mehr Informationen zur Aktie FACEBOOK INC.A DL-,000…

Crowdguessing Brokerage: Trading für Arme

Die Facebook Aktien, so kann man heute überall lesen, werden für 38 Dollar ausgegeben. Das bedeutet so viel, dass Facebook bzw. Mark Zuckerberg ca. 16 Milliarden Dollar in die Kriegskasse gespült bekommt.

Rechtzeitig zum Börsengang startet das Handelsblatt mit einer „spektakulären Innovation“: Via twitter oder Facebook können User eine Schätzung abgeben, wie viel die Aktie am Ende des Tages Wert ist.

An dieser Stelle kommt dann die irritierte Frage zum Wochenende auf: Gibt es denn die Börse nicht mehr?? Dort konnte man früher solche „Wetten“ gewinnbringend platzieren…

Fazit: Crowdguessing – für alle, die sich nicht mehr trauen, Entscheidungen zu fällen, aber doch noch ein wenig dabei sein wollen…

Trend 7: Leben und Arbeiten im WIRRklichkeitsRAUM

Aufgrund einer Oberleitungsstörung im unteren Gleisbereich verspätet sich die Weiterfahrt des Zuges um wenige Minuten. Übersetzt: Wir wissen nicht wirklich, was los ist, rechnen Sie aber mit dem Schlimmsten…

Die Bahn ist bekannt für wirre Durchsagen, Unpünktlichkeit und wie das nachfolgende Fundstück aus dem Internet zeigt, auch für wirre Symbolik. Was will uns das Hinweisschild der Bahn sagen? Stellen Sie sich vor die Tür und lassen Sie niemand durch? Will die Bahn uns die korrekte Armhaltung für Stehpinkler vorführen? Das würde zumindest den Zustand der Toilette erklären…

Oder: Dies ist das Hundeklo, Menschen müssen leider draussen pinkeln? Wahlweise: Dies ist das Hundeklo, nehmen Sie ihren Hund an die Leine und stellen Sie sich wie abgebildet in die Toilette? Auch das würde den Zustand des Klos erklären, denn die Körperhaltung funktioniert nur bei sehr großen Hunden, kleine würden stranguliert und demzufolge wüst um sich pinkeln, aber das soll hier nicht vertieft werden…

Die Liste könnte beliebig verlängert werden. Das wahllos heraus gegriffene Beispiel zeigt, wie prokrastinationsfördernd die Medien Facebook, Twitter & Co. sein kann, denn mit einem Bild wie dem gerade gezeigten, bekommt man noch nach Tagen Kommentare und „gefällt mir“-Bekundungen , nicht zu reden von den hunderten Benachrichtigungen „Martina findet deinen Pinkelkommentar toll“, „Karin findet Martinas gefällt mir toll“ und „Anne gefällt das mit den ausgebreiteten Armen beim Pinkeln“, und Tina findet das ekelig“ und und und…

Auf die unnötigerweise hinzukommende Inkontinenz von Facebook, das sich keine Mailadressen merken kann und somit die User zusätzlich auf Trab hält, soll an dieser Stelle nicht vertiefend eingegangen werden…

Die klassischen Medien unterstützen den Prozess durch wirklich wichtige Nachrichten wie „in Pakistan ist ein Kleinbus umgefallen“ oder „Südvietnamesische Bürger protestieren gegen den Bau einer Bundesstraße“ (die Sprengung unseres Planeten durch die Vogonen aufgrund eines geplanten Baus einer Hyperraumumgehungsstraße wäre wesentlich nachvollziehbarer…)

Wir sind also angekommen in einem Stadium, das von Neil Postman bereits am Beispiel der Einweihung des Telegrafen beschrieben wurde: Dekontextuierte Kommunikation. Mit dem Telegrafen hatte man eine Technologie erfunden, durch die man eine Nachricht nicht mehr in eine Pferdesatteltasche packen musste, wo sie wochenlang auf Auslieferung wartete, sondern konnte sie jetzt einfach durch den Draht schicken. Die erste, wirklich wichtige Nachricht, die von Ost nach West verschickt wurde: Die Tochter des Gouverneurs hat Schnupfen…

Wir halten also fest:

  1. Dekontextuierte Berichterstattung, reduzierte Kommunikation und zunehmende Vulgarisierung der Sprache- unabhängig davon: Früher hat man den Mussolini getanzt, heute tanzt man sich den Wulff und wartet dann dass Wulff den Köhler macht, weil er das mit dem Guttenbergen übertrieben hat…
  2. Überforderte Politiker, die sich gegenseitig Pöstchen zuschieben und mangels besserer Alternativen oberfränkische Abschreiber mit Profilierungssucht aus den USA zurückholen und Minarette in bayerische Vorgärten bauen wollen – wir werden verwaltet, nicht regiert (von der Verschwendung der Steuergelder soll hier nicht geredet werden)
  3. Unterschichtenfernsehen hat die Rolle der 30er Jahre Revue erfolgreich übernommen. Die Zuschauer der Hartz-IV-Unterhaltung bemerken den geistigen Niedergang der Gesellschaft nicht, sie werden dauerberieselt und dürfen „gefällt mir“ drücken, nehmen also am gesellschaftlichen Leben „aktiv“ als Klickvieh teil, können teilhaben, wie die große Welt den roten Teppich entlang schreitet, während vor ihrer Haustür Besucher der Stadt im gepanzerten Kleinbus durch die ehemaligen Gettos fahren, „keine Sorge dieses Fahrzeug ist gepanzert, hält den Beschuss bis zur Größe einer Panzerfaust aus und bringt sie sicher zurück ins Adlon – zu Ihrer rechten Seite sehen Sie das Hauptquartier der grauen Panther…“

Der Irrsinn, so sagte einst Nietzsche (Jenseits von Gut und Böse) ist bei einzelnen etwas seltenes, aber bei Gruppen, Parteien, Völkern … die Regel. Der Irrsinn, so darf man heute sehen, ist in eine neue Dimension vorgerückt: Er wird zelebriert und kultiviert.

Willkommen im WIRRklichkeitsRAUM!

 .

 

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