Artikel-Schlagworte: „es ist kompliziert“

Heizkostenabrechnung

Ein Blick in die Besucherzahlen dieses Blogs zeigt, die Trends 2011 werden heftig geklickt, was jetzt nichts wirklich neues ist. Darüber hinaus ist die Göttin im Sandkasten sowie die metro-A-sexuelle Frau sehr “gefragt”, aber auch das ist nicht verwunderlich. Besucher, die über Google Suchen zu diesem Blog gelangen, kommen aber nicht über Suchbegriffe wie “social media”, “guerilla marketing”, “social media monitoring” oder “open innovation”, sondern hauptsächlich über Keywords wie “es ist kompliziert“, was nochmals unterstreicht, dass wir in einem WIRRklichkeitsRAUM leben…

Was etwas verwunderlich ist: Dicht nach den “komplizierten” Suchen kommen die Suchen “ISTA”, Techem”, “Minol”, “Heizkostenabrechnung”, “heizkostenabrechnung ista” oder “heizungsableser” und das, obwohl dies hier KEIN  Immobilien Magazin ist. Die Häufigkeit der Suchen zeigt, dass das Thema Heizkostenabrechnung ernsthaft unter den Nägeln brennt. Jede zweite Heizkostenabrechnung ist falsch, schreibt die Stiftung Warentest unter Berufung auf den deutschen Mieterbund.

In einem Social Media Monitoring hatten wir im letzten Sommer herausgefunden, dass sich alle Heizkostenablesedienste in sozialen Netzen “vornehm” zurückhalten und an der Kommunikation nicht teilnehmen,  auf eventuelle Vorwürfe wird demzufolge nicht aktiv eingegangen, Krisenmanagement findet nicht statt.

Da die Anschuldigungen ausserhalb der Heizperiode kamen, war Krisenmanagement auch nicht explizit gefordert. Was aber, wenn ein (im Grunde genommen unspektakuläres youtube Video, das letztes Jahr im Sommer 2.588 Zuseher hatte und heute auf 3.772 steigerte, eine kritische Schwelle überschreitet und virale Effekte eintreten? Der Fall kitkat (Nestlé) hat verdeutlicht, dass man virale Infekte aussitzen kann und auch Stuttgart 21 verdeutlichte, dass am Ende des Jahres der Schnee die Geschichte überdeckte, aber wie in der Medizin stellt sich auch im Marketing die Frage:

Wie viele virale Infekte verkraftet die Marke…

Artificial Life: Biotop Facebook (2)

Um es nochmals zu fixieren: Bis hier wurden virtuelle Welten mit unterschiedlichsten Ausprägungstiefen diskutiert. Im Mittelpunkt der Überlegungen standen jeweils Technologien, die informationsgebend sind oder der visuellen Unterstützung bzw. der Simulation dienen. Wenn nun aber die technischen Voraussetzungen für eine bildhafte Darstellung bzw. Realisierung unterschiedlichster Phantasie- oder Traumwelten bzw. eine alternative Realität geschaffen sind, ist es nicht verwunderlich, wenn hieraus latente Menschheitswünsche und -hoffnungen erneut aufkeimen. Mit der vermeintlichen Aufhebung physikalischer Gesetze durch Technologien wie VR, wird die Realisierung alter “Ur-Menschheitsträume”, wie bspw. die Fähigkeit, fliegen zu können, Unsterblichkeit, göttliche Schöpfungsgewalt’ etc. potenziert. Ob nun die eigentlichen Ursprünge für die Schaffung eines “Idealmenschen” in der Antike, in einem durch Bacon und Descartes begründeten mechanistischen Weltbild oder aber auch durch eine anthropozentrische Weltanschauung, zurückführbar etwa auf den alttestamentarischen Herrschaftsauftrag, die Erde untertan zu machen, zu suchen sind, soll hier allein schon aus Rücksicht auf gebachelte und gebeutelte Studenten letztendlich nicht geklärt werden.

Sicherlich begründet eine mechanistische Sichtweise den Fortschrittsglauben und ein uneingeschränktes Vertrauen in die Möglichkeiten der Technik. Für mathematisch, naturwissenschaftlich bzw. computerorientierte Wissenschaftler mag dieses Gedankengut bis zu einem gewissen Grad unbedeutend sein, kann man doch auch (mechanistisch) ohne Berücksichtigung philosophischer Probleme von bekannten Variablen ausgehen und rein deduktiv neue Technologieformen entwickeln. Aus der Literatur werden im Weiteren zwei Ansätze diskutiert. Zum einen die Idee, dass sich die “Maschine” selbst reproduziert und zum anderen, dass der Mensch maschinenhafte Eigenschaften annimmt und somit eine biologische “Unvollkommenheit” kompensiert. Die Idee der sich selbst reproduzierenden Maschine kann zurückgeführt werden auf John von Neumann’”, der seine Automatentheorie als Krönung seiner Forschungsarbeit verstand (Levy, KL, 1993, S.435). Unterstützung fand von Neumann hierbei durch die Turing-Maschine. Turing und Church stellten die Hypothese auf, dass eine Maschine nicht nur die Funktionen mathematischer Maschinen nachahmen kann, sondern auch die Funktion der Natur und darüber hinaus des menschlichen Gehirns. Im Laufe der Geschichte wurde der Ansatz, Maschinen herzustellen, die sich selbst reproduzieren, von verschiedenen Seiten aufgegriffen. Als bedeutsam für den Forschungsansatz “künstliches Leben” (KL) soll hier das Spiel “Life” herausgestellt werden, das zur bekanntesten Anwendung der von John von Neumann definierten Zellularautomaten wurde und darüber hinaus als Anregung für die weitere Forschung im Bereich KL dient”. Das Spiel “Life” war von John Horton Conway als eine große vereinheitlichte Theorie des Universums konzeptioniert. Die nachfolgend aufgeführten Regeln bilden die Basis sowohl für das Spiel als auch für wirkliches Leben’:

“Leben findet auf einer Art realem Schachbrett statt, dessen Quadrate als Zellen bezeichnet werden. Diese können sich in zwei verschiedenen Zuständen befinden: lebend oder tot. Jede Zelle hat acht potentielle Nachbarn, nämlich diejenigen, die an den Seiten oder an den Ecken angrenzen. Wenn eine Zelle auf dem Schachbrett sich im lebenden Zustand befindet, übersteht sie den nächsten Taktzyklus (also die folgende Generation) nur dann, wenn zwei oder drei ihrer Nachbarn ebenfalls leben. Sie stirbt aufgrund einer Überbevölkerung, wenn es mehr als drei lebende Nachbarn gibt, und sie geht an Vereinsamung zugrunde, wenn sie weniger als zwei lebende Nachbarn hat. Wenn eine Zelle auf diesem Schachbrett abgestorben ist, bleibt sie auch in der nächsten Generation tot, es sei denn, sie hat genau drei lebende Nachbarn. In diesem Fall wird die Zelle in der nächsten Generation „wiedergeboren“.

Nach Spielbeginn formten sich, gemäß obiger Regeln, nach einfachen Anfangskonfigurationen rasch komplexe Gebilde. Den Durchbruch verhalf dem “Spiel” schließlich das Massachusetts Institute for Technology (MIT) durch Umsetzung in eine Computerumgebung. R. William Gosper (MIT) erkannte, dass es sich bei Conways Herausforderung um mehr als nur ein Spiel handelte, denn “Life” repräsentierte eine anschauliche, lebendige Welt, in der bestimmte Auswirkungen tatsächlich in Erscheinung traten. Es handelte sich somit um ein alternatives, praktisch unerforschtes Universum der Mathematik.

Enttäuschend für Conway war jedoch die Tatsache, dass es trotz der Vielseitigkeit und der nachweislichen Unvorhersehbarkeit keine Konfiguration gab, die ein selbstreproduzierendes Wesen in einem einigermaßen überschaubaren Raum hervorgebracht hatte. Er war dennoch überzeugt, dass “Life” jedes bekannte Tier, ebenso wie unendlich viele unbekannte hervorbringen könne. In einem ausreichend großen Maßstab (i.e. “Spielbrett”) müsste man wirklich lebende Anordnungen erkennen können, die sich entwickeln, um Territorien streiten und immer intelligenter werden. Die einzige offene Frage blieb hierbei allerdings die Größe des “Spielfeldes” . Conway dachte hier in Dimensionen, größer als unser Universum. Andere, optimistischere Meinungen, gingen davon aus, dass ein Spielfeld von der Größe unseres Sonnensystems ausreichend sei. Die entscheidende Frage an dieser Stelle ist sicherlich, ob ein aus diesem Spiel entstehendes Gebilde wirklich leben würde. Definiert man ein Lebewesen als autopoietische Organisation(Anmerkung für den neuzeitlichen Studenten: hat nichts mit poetisch zu tun…), so könnte man sicherlich von einem lebenden Organismus sprechen.

In der KL-Forschung herrscht nicht nur die Überzeugung vor, dass aus Zellularautomaten “Leben” entstehen könne, sie wurden vereinzelt für so komplex gehalten, dass sie ein Universum hervorbringen könnten. Die Diskussion führte sogar zum Zweifel, ob nicht auch “unser Universum ein Zellularautomat ist, der auf dem Computer eines ausgezeichneten Programmierers läuft. An dieser Stelle nähert man sich zwangsläufig erneut dem WIRRklichkeitsRAUM. Auf den ersten Blick scheint dies eine extreme Frage zu sein, die jedoch in letzter Konsequenz nicht ohne Weiteres negiert werden kann. Ein Blick auf die Entwicklungsgeschichte der Erde verdeutlicht, dass der Übergang von “toter” zu “lebendiger” Materie durchaus einem solchen Spiel entsprungen sein könnte. Der “normale” Anwender jedoch bewegt sich in timelinedeterminierten Oberflächen, die eben skizzierte Dimension wird ihm demzufolge nicht bewusst und die Frage, ob jemand „von oben“ die Oberflächen und somit auch seinen Lebens- und Kommunikationsstrom steuert, wird aus bekannten Gründen nicht gestellt.

Dennoch: Unterstellt, das Biotop facebook sei qua Definition auch ein KL-“Spiel“, dann wären wir jetzt in der zweiten Entwicklungsstufe, denn aus dem Schachbrett ist eine real existierende Scheinwelt geworden (wie wirklich diese Wirklichkeit dann wirklich ist, soll an dieser Stelle nicht weiterverfolgt werden). Bereits vor 15 Jahren wurden in einem Labor der Universität Bamberg Experimente durchgeführt, Computern Gefühle anzutrainieren. Kernpunkt der dort angestellten Überlegungen war, dass ein menschliches Bedürfnis nichts anderes als die Reaktion auf die Meldung eines Regelkreises ist, die besagt “ich bin nicht im Gleichgewicht. Hierauf aufbauend wurden Programme entwickelt, die, getrieben von ihren Bedürfnissen, ihre “Welt” erkunden und lernen, das eigene “Überleben” sicherzustellen (siehe hierzu: Mein Computer lebt, Spiegel-Gespräch über die Berechenbarkeit der Seele, in: DER SPIEGEL, Nr. 9/1996 vom 26.2.96)

Um den gebachelten und gebeutelten Studiosus nicht allein im WIRRklichkeitsRAUM stehen zu lassen, wird im Folgenden auf eine Vertiefung der Begrifflichkeit “Seele” verzichtet, Unterscheidungen wie sie beispielsweise Aristoteles vorgenommen hat, i.e. vegetative Seele (Ernährungs- und Fortpflanzungsfunktion), animalische Seele (Wahrnehmungs- und Bewegungsfunktion) und denkende Seele finden keine Berücksichtigung in der folgenden Betrachtung. Interessant könnte jedoch in diesem Zusammenhang der Gedanke der Moravecschen “Seelenwanderung” bzw. “Geistübertragung“ sein (rein hypothetisch natürlich erst einmal, damit sich niemand im WIRRklichkeitsRAUM verläuft).

”Man hat Sie gerade in den Operationssaal geschoben. Ein Roboter in der Funktion des Gehirnchirurgen wartet auf Sie. Neben Ihnen steht ein Computer bereit, ein menschliches Äquivalent zu werden, wozu ihm nur ein geeignetes Programm fehlt. Ihr Schädel, aber nicht Ihr Gehirn, wird betäubt. Sie sind bei vollem Bewusstsein. Der Roboterchirurg öffnet ihre Schädeldecke und legt die Hand auf die Oberfläche des Gehirns. Diese ungewöhnliche Hand ist dicht bestückt mit einer mikroskopischen Apparatur, und ein Kabel verbindet sie mit dem mobilen Computer an ihrer Seite. Die Instrumente der Roboterhand tasten die ersten Millimeter der Hirnoberfläche ab. Hochauflösende magnetische Resonanzmessungen entwickeln eine dreidimensionale chemische Karte, während Gruppen magnetischer und elektrischer Antennen Signale auffangen, die über die zwischen den Neuronen zuckenden Impulsen Aufschluss geben. In Verbindung mit einem umfassenden Verständnis der menschlichen Neuronenstruktur ermöglichen diese Messergebnisse dem Chirurgen, ein Programm zu schreiben, das das Verhalten der obersten Schicht des Hirngewebes simuliert. Dieses Programm wird in einem kleinen Bereich des wartenden Computers installiert und aktiviert …. Schicht für Schicht wird das Gehirn zunächst simuliert und dann abgetragen. Schließlich ist Ihr Schädel leer, und die Hand des Chirurgen befindet sich tief in Ihrem Hirnstamm. Dennoch haben Sie weder das Bewusstsein noch den Faden Ihrer Gedanken verloren. Ihr Geist ist einfach aus dem Gehirn in eine Maschine übertragen worden. In einem letzten unheimlich anmutenden Schritt nimmt der Chirurg seine Hand aus Ihrem Schädel. Ihr plötzlich sich selbst überlassener Körper verfällt in Krämpfe und stirbt. Einen Augenblick lang empfinden Sie nur Ruhe und Dunkelheit. Dann können Sie die Augen wieder öffnen. Ihre Perspektive hat sich verändert. Die Kabelverbindung zwischen der Computersimulation und der Hand des Chirurgen ist unterbrochen worden. Ihr Geist ist jetzt an den glänzenden neuen Körper angeschlossen, dessen Form, Farbe und Material Sie selbst ausgesucht haben. Ihre Metamorphose ist abgeschlossen.

An dieser Stelle ist es nun wichtig, sich vor Augen zu halten, dass dieses, bewusst ausführlich dargestellte Zitat NICHT der Science-Fiction-Literatur zuzuschreiben ist, sondern einem realen wissenschaftlichen Forschungsbereich der Carnegie Mellone University entspringt (vgl. Moravec, Mind Children, 1990). Mit zunehmendem technologischen Wissen kann durchaus davon ausgegangen werden, dass diese Vision praktikable Realität wird (an der Umsetzung dieses Ziels arbeiten z.B. die Extropianer, eine interdisziplinäre Interessengemeinschaft, die u.a. auf den Gebieten Robotik, Kryonik, künstliche Intelligenz, Nanotechnologie etc. forschen). ABER: Die Gesetzmäßigkeit der Entropie außer Kraft zu setzen ist sicherlich ein faszinierendes Forschungsgebiet, das jedoch die Grenzen weniger in der Technologie, sondern in ethischen Grundwerten hat. Wenn diese aber aufgrund fehlender oder schwindender Wertesysteme (http://mindstoremarketing.de/blog/religiositaet-der-marke/) in den Hintergrund treten und ein Wertevakuum hinterlassen, wenn zudem qua Technologie das Individuum in einem permanenten Datenstrom schwimmt, der die Grenzen zwischen virtueller Realität und vermeintlich wirklicher Wirklichkeit wirklich nicht mehr erkennen lässt, wenn wir eigentlich nicht wissen, ob wir uns in einer facebook Timeline befinden oder in einem von Außerirdischen erfundenen Computerspiel (oder wie Karl Popper es ausdrücken würde: Durch die Falsifikation unserer Annahmen bekommen wir tatsächlich Kontakt mit der Wirklichkeit), DANN sind wir dem WIRRklichkeitsRAUM schon sehr nah…

Exkurs: Facebookinkompatible Exemplare

In Chatrooms, speziell in Single-Portalen alter Prägung war und ist er ein gern gesehener Gast (zumindest aus Sicht der Portalbetreiber). Er gehört zum übergeordneten Cluster „Playstationspieler“, differenziert sich jedoch durch sein Aussehen nochmals deutlich. Kennzeichen: Nudelbremser im Gesicht und Pullunder – kurz: Ein Langweiler. Sein Nickname: Bubibärli.

Im Internet (lange bevor es Web 2.0 hieß) fiel der Typus „Bubibärli“ in den letzten 10 Jahren besonders auf durch die Antizipierung des vermeintlich Erwarteten. Frauen schrieben, damals als sie noch wirklich Lust auf Sex hatten, also bevor der Typus metro-A-sexuelle Frau auf die Bühne der gesellschaftlichen Evolutionsgeschichte trat, viele Jahre lang in klassischen Single Communities auf ihr Profil: „Keine ONS“ – was übersetzt bedeutete „ich will Spaß“, denn keine wirklich intelligente Frau wollte und will die Katze im Sack kaufen (Diese Formulierung wurde heutzutage von der moderneren Form „es ist kompliziert“ abgelöst).

Die Übersetzung von „ich will Spaß“ wird jedoch vom Typus „Bubibärli“ gänzlich ignoriert und so lautet seine stereotype Begrüßungsformel: „Ich mag ja ONS auch nicht“, „ich mag ja auch nur kuscheln“, oder unverfänglicher: „ich bin ein ganz Lieber“ (ohne aber zu registrieren dass im Kleingedruckten von allen Frauenprofilen deutlich steht: „wer will schon nett“…)

Aufgrund seines schnauzbärtigen Profilfotos bekommt Bubibärli in 70 Prozent aller Fälle keine Antwort (welche Frau steht schon auf Pornobalken), was den zartbesaiteten Typ Mann natürlich sehr trifft, denn er will ja nur lieb sein. Und so reiht er sich ein in die Karawane der unbefriedigten Menschen und postet gar lustige Geschichten, die aber niemanden interessieren…

Soziale Netzwerke gäben Bubibärli zumindest theoretisch das Gefühl, Teil des Spiels zu sein, denn hier wird eine Antwort ohnehin nicht erwartet. Ein Post wie „8.00 Uhr und ich bin hellwach“ hätte in klassischen Chatrooms alter Prägung eine Antwort ausgelöst wie „wo gehen wir frühstücken?“, die dann in 80 Prozent aller Fälle „zielführend“ gewesen wäre (vorausgesetzt, sie wäre nicht von einem Bubibärli mit Oberlippenspoiler gekommen).

Bei Facebook und Twitter ist Bubibärli zwar zahlenmäßig reichlich vertreten, schließlich haben die Bitte-keine-ONS-Frauen die Mal-eben-Hallo-Sag-Plattformen mittlerweile verlassen und vergnügen sich bei Facebook – ich geh dann mal eben laufen…

Und so folgt auch der Bubibärli-Tross, allerdings sind seine „Hallo-erstmal-Postings“ timeline-irrelevant  und werden demzufolge aus den News Flüssen geXt.

Ein Held, so kann an dieser Stelle festgehalten werden, ist Bubibärli also definitiv nicht und ein Meinungsführer oder Trendsetter schon gar nicht. Aus Markensicht ist er derjenige, der ein Produkt bei einem Meinungsführer sehen muss und es dann kauft. Für das Marketing gilt es also Bubibärli über klassische Medien zu erreichen (Bubibärli liest noch die Tageszeitung aus Papier!) und den Kaufauslöser über einen Trendsetter zu erreichen. Helden, so musste die Marketingabteilungen am Jahresende 2010 lesen, werden immer rarer: Nur vier Prozent aller Onliner bestimmen die Markenbildung im Internet. Das Hauptproblem für die Marke ist es also, die entscheidenden Keyplayer zu identifizieren und dann Teil ihrer Timeline zu werden.

Nur wenn eine Marke über die notwenige Religiosität verfügt, die angesagtesten Themen und Strömungen kennt und in der Lage ist, die relevanten Quellen zu identifizieren, nur dann kann sie erfolgreich kommunizieren. Nur diejenige Marke sticht aus der sozio-virtuellen Informationsflut hervor, die auch timeline kompatibel ist. Bubibärlis mit Rotzbremse und Pullunder (und sei er noch so modisch) sind dabei wenig hilfreich…

Trend 6: Intuitive Ballistik – Das Ende der Zielgruppe

Über die Sinnhaftigkeit von Zielgruppen wurde im vergangenen Jahr viel diskutiert. Auch dem Mediaunwissenden leuchtet ein, dass die Zielgruppe 14-49 alles andere als homogen ist und dass der 14jährige durchaus andere Interessen hat, als der 49jährige, muss nicht explizit betont werden.

Das letzte Jahr hat gezeigt, dass die Zielperson der treffendere Begriff wäre. Die Zielperson hat natürlich den entscheidenden „Nachteil“, dass sie nicht homogen ist und mit quantitativen Techniken somit nicht planbar ist. Die Zielperson als solche verlangt vom Marketing ein wesentlich komplexeres und vernetzteres Denken (was das krampfhafte Klammern an den bekannten Zielgruppen erklärt, denn zeitnahe Marketeers müssen sich erst einmal abstimmen).

Bereits an anderer Stelle konnte gezeigt werden, dass sich die multiple Monogamie deutlich von klassischen Haushaltsgrößen unterscheidet, was dem klassischen Marketingmenschen, der in eMail Schubladen denkt und bisher nur Haushalte beglückte, in arge Bedrängnis bringt.

Als Wunderwaffe gegen den Verlust der Zielgruppe wird dann meist der SEM-Zauberstab in Verbindung mit einem Gutschein über 50 Euro aus dem Hut gezaubert – was den kleinen Handwerker sicherlich beeindruckt, nicht jedoch den Marketingprofi. Die Suchmaschine und hier speziell google ist sicherlich ein wichtiger Baustein, aber die Summe aller Teile ist immer mehr als das Ganze.

Fakt ist, dass gesellschaftliches Leben komplexer wurde und wird. Der heutige Homo Optionalis lebt und arbeitet in einem WIRRklichkeitsRAUM, der die sozio-virtuelle Verlängerung des von Schulze beschriebenen „erweiterten Möglichkeitsraumes“ darstellt. Schulze sprach in diesem Zusammenhang von expandierenden Möglichkeitsräumen die allen offen standen, die zahlen konnten. Social Media Welten lassen den Zahlungsaspekt heute in den Hintergrund treten, die Tür in zahlreiche Parallelwelten steht nunmehr fast jedem offen.

Das zielgruppenvernichtende Zauberwort heißt hieraus resultierend „Parallelnutzung“ und ist der Feind jedes einfach strukturierten Mediaplaners sowie der Freund des vernetzt denkenden Mediaprofis (Agenturnetzwerke verordnen demzufolge Nachhilfe). Konnte schon die Fernsehforschung nie sagen, ob die Werbung auch wirklich gesehen wurde, weil der Sensor an Klo- und Kühlschranktür fehlte, so kann die Mediaforschung heute noch weniger konkret sagen, ob der Fokus des Konsumenten auf dem Fernsehbild (ohne Ton), dem davor postierten Laptop (wir nennen ihn nicht Klapprechner), der parallel gelesenen Zeitung (selten gewordenes Medium mit haptischem USP) oder der Radiostation liegt.

Auch DAS Bild DES klassischen Konsumenten ist verschwunden. Die werbetreibende Industrie tut deshalb gut daran, sich an Milieus (gleich welcher Couleur) zu orientieren (auch wenn diese vor Jahren schon tot gesagt wurden, aber tot Gesagte leben nun mal länger…). Otto Normalverbraucher und Markus Möglich haben als marktforscherische Gallionsfiguren ebenfalls ausgedient und ihren letzten Gang ins Marketing-Museum angetreten, wo sie neben Frau Tilly und Clementine einen wohl verdienten Platz gefunden haben. Frau Sommer hingegen scheint noch zu leben. Die ehemalige Sekretärin, die Traumfrau jedes Middlemanagement Managers ist heute alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, das passt besser ins Gesamtbild. Zu ihr gesellt sich die altbekannte Soccer Mom, die als Taxi-Fahrerin mit Diplom (wenigstens kein Bachelor) zwar auch kein wirkliches Familienleben, aber zumindest eine Beschäftigung hat.

Als „neu im Bunde“ werfen wir an dieser Stelle in die Zielgruppendiskussion die Göttin im Sandkasten und die metro-A-sexuelle Frau, die gegen sich selbst und die Playstationspieler kämpft und sich damit abgefunden hat, dass Männer zunehmend schwuler werden (was in der nächsten Trendbetrachtung nochmals vertiefend untersucht werden muss) – sollte die moderne Frau den beiden Typologisierungen nicht entsprechen, dann lebt sie in einer Entziehung und es ist kompliziert

Auf der männlichen Seite kristallisieren sich ganz grob fünf Cluster heraus: Der nun allseits bestens bekannte und gefürchtete Playstationspieler, der sich mit der Playstation besser auskennt als mit Frauen, der schwule City Cowboy , der aufgrund der allgemeinen gesellschaftlichen politischen Korrektheit und eines schwulen Außenministers immer gesellschaftstauglicher wird (tbd.), Robinson Krösus der das Land (offiziell) verlassen hat und auf einer schweizer Insel lebt (tbd.), der alte König, der gerne auch als (Lebens)Künstler bezeichnet wird, ein ehemaliger Top-Manager, der sich nicht wie alle anderen Business Angel, Interim Manager oder Consultant nennt – Die DAUs, NERDs und PEBKACs werden an dieser Stelle vernachlässigt…

Bis hierhin konnte gezeigt werden, dass unterschiedliche Zielpersonen in einem WIRRklichkeitsRAUM leben. Um einem Marketingverantwortlichen die WIRRkungsmechanismen zu verdeutlichen: Eine Zielperson investiert beispielsweise bei twitter Zeit, die sie eigentlich nicht hat, in Sprüche, die niemand braucht, um dann Leute zu beeindrucken, die die Zielperson zumindest nicht mal mehr kennt. Das Ganze wird dann qua Technologie in Facebook transferiert, wo man die Menschen zwar persönlich kennt, aber gerade deshalb nicht von ihnen beeindruckt ist. Die gleiche Zeit wird dann nochmals investiert, um zu verhindern, dass all diese Sprüche bei XING auftauchen, schließlich will man ja seine Online Reputation nicht ruinieren. An dieser Stelle kommt dann die Marketingabteilung ins Spiel und versucht der gestressten Zielperson auch noch etwas zu „verkaufen“. Die Werbebotschaft konkurriert dann, so konnte an anderer Stelle gezeigt werden, mit espressotrinkenden Motorrädern (sozial-kognitive Dissonanz). Übersetzt: Der Meldung „schwingt sich aufs Motorrad und geht Espresso trinken“ steht beispielsweise „Aperol Spitz, jetzt auch in grün“ gegenüber. Es mag an dieser Stelle sein, dass die Fangemeinde dieses Getränkes seit Jahren auf die Farbe grün wartet, aber die Frau, die den Soziasitz des espressotrinkenden Motorrades besteigen will, ist zu dieser Zeit nur an vier Dingen interessiert: Ist, erstens: noch ein Platz auf der Maschine frei? Zweitens: was ziehe ich an? Drittens: wird mir der Helm die Frisur ruinieren? Und viertens: wo fahren wir hin…? Die Werbebotschaft „Aperol Spitz, jetzt auch in grün“ entlockt bezogen auf die grüne Farbe lediglich ein zaghaftes „fahr nicht so schnell…“

Wie aber gelangt die Markenbotschaft zum sozio-virtuellen Kunden? Die Antwort ist einfach: Intuitive Ballistik – die Umkehrung der Kommunikation unter besonderer Berücksichtigung des Verschwindens der Zielgruppen. Authentisch, ehrlich, direkt, angstfrei und immer verspielt…

Kommunikation der neuen ART.

 

Trend 1: Arbeiten im WIRRklichkeitsRAUM

 

Trend 2: Die Religiosität der Marke

 

Trend 3: Echtzeitkommunikation

 

Trend 4: Sozial-kognitive Dissonanz

 

Trend 5: Das Zeitalter der Charismatiker

 

Trend 6: Intuitive Ballistik – Das Ende der Zielgruppe

 

Trend 7: Das Ende der Politischen Korrektheit

 



Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

Im Jahr 2010 haben wir die Facebook Seite “Es ist kompliziert” ins Leben gerufen. Fazit am Ende des Jahres: In der Gesellschaft ist ALLES irgendwie kompliziert. Kommunikation ist kompliziert, Miteinander ist kompliziert, das Berufsleben ist kompliziert…

Dies führt zur denknotwendigen Folgerung: Wir leben in einem WIRRklichkeitsRAUM.

Um den WIRRklichkeitsRAUM für Entscheider aus der Wirtschaft zu entwirren, haben wir für das kommende Jahr folgende sieben Trends identifiziert:

Trend 1: Arbeiten im WIRRklichkeitsRAUM

Trend 2: Die Religiosität der Marke

Trend 3: Echtzeitkommunikation

Trend 4: Sozial-kognitive Dissonanz

Trend 5: Das Zeitalter der Charismatiker

Trend 6: Das Ende der Zielgruppe

Trend 7: Das Ende der Politischen Korrektheit

Bevor jedoch am 3. Januar 2011 mit der Vertiefung der einzelnen Themen begonnen wird, an dieser Stelle aus aktuellem Anlass ein wichtiger Warnhinweis in Form einer Postkarte:

In diesem Sinne:  Don´t Eat the Yellow Snow!



Merry Xmas

Das Team von Mind Store Marketing wünscht allen Freunden und Geschäftsfreunden ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.


Und auch im neuen Jahr, das versprechen wir hoch und heilig, sind wir wieder für Sie da, lösen für Sie komplizierte “Fälle” und führen Sie sicher durch den

WIRRklichkeitsRAUM.

Zeitnah in der Buchhandlung

Manchmal überkommt es einen und man bekommt Lust auf ein haptisches Bucherlebnis. In solch nostalgischen Momenten zieht es einen aus der Onlinewelt in die Innenstadt in eine große Buchhandlung mit netten älteren Verkäuferinnen, die tagein, tagaus nichts anderes tun, als zu lesen und die nur auf die richtige Frage warten, um dann ihr komplettes Fachwissen über den Besucher ergießen lassen zu können (witzigerweise verhalten sich auch die jüngeren Buchverkäuferinnen so und erklären sich qua Kleidung mit den älteren solidarisch, so dass ein Altersunterschied nicht erkennbar ist  – keine Sorge: das Thema „die alterslose, unisexe Buchhändlerin“ wird an dieser Stelle nicht vertieft…).

Schmökern nannte man das früher, wenn man einen halben Samstag in den unendlichen Regalgängen einer Buchhandlung verbrachte (früher wie heute war das Raumklima stets so, dass niemand umfällt, aber auch niemand auf die Idee kommt, zu lange zu bleiben  – die ältere Buchhändlerin hat es nunmal gerne warm).

Das langsame Schlendern entlang monothematisch gefüllter Regale verdeutlicht auf den ersten Blick: Die Anzahl der Kochbücher ist weitaus größer als die Abteilung Philosophie oder Soziologie (letzteres geht ohnehin meist in der Kategorie „Politik“ unter).

Die beiden Philosophieregale beschränken sich auf philosophische Hintertreppen, Anekdotensammlungen  und vorsichtige Annäherungsversuche an die Philosophie via Biographien.

In der Kategorie Wirtschaft dann der entscheidende Fund: Das Malbuch für alle, die sich im Büro langweilen

In diesem wichtigen Werk findet man beispielsweise eine Zielscheibe für Büro-Dart. Man spitze seinen Bleistift und los geht der Spaß…

Wichtig auch:  Ein Labyrinth, das für lang andauernde Meetings gedacht ist. Der Malbuchbesitzer muss durch das Labyrinth „zum Punkt kommen“, was ihm in der Zeichnung spielend gelingt, nicht jedoch im richtigen Leben und so wissen wir endlich, wo der Begriff „zeitnah“ seinen Ursprung hat….

Info-Picking: Die metro-A-sexuelle Frau. Oder: Ich geh dann mal laufen…

Es gibt verschiedene Möglichkeiten an wissenschaftliche Ergebnisse zu kommen. Eine davon wäre zum Beispiel über empirische Forschung in Verbindung mit Einzelexploration und einer nachfolgenden Clusterung. Eine weitere, und die macht deutlich mehr Spaß, ist die gezielte Beschimpfung von Probanden und die anschließende Auswertung. Letzterer Weg wird an dieser Stelle eingeschlagen. Statt wüster Beschimpfungen wird jedoch der moderatere Weg einer soziologisch orientierten „Provokation“ gewählt, will heißen, es werden willkürlich Zitate von namhaften Bloggerinnen herausgegriffen und in einen erklärungswilligen konzeptionellen Bezugsrahmen gestellt, stets in der Hoffnung, dass daraus ein wissenschaftlicher Disput entsteht.

Um möglichst gezielt einzusteigen und garantiert auch zu polarisieren, startet man, indem man Männer zwischen 20 und 39 zunächst als Weichei beschimpft. Der Playstationspieler wurde in diesem Zusammenhang schon hinreichend typologisiert. Er steht  als Synonym für eine Gattung von  Männern oder besser: Männchen, die leider für 1-2 Generationen von Frauen komplett „ausfallen“ .  Wie aber kommt es, dass immer mehr Männer in die Passivität abdriften und der „Markt“ für junge Frauen somit immer kleiner wird?

Es scheint jedoch an der Zeit, das weibliche Pendant zum Playstationspieler einer näheren Betrachtung zu unterziehen, denn die Göttin im Sandkasten, wie sie vor 10-15 Jahren noch durchaus mehrheitlich anzutreffen war, scheint zur Minorität zu mutieren. Dieser Typ Frau wird zunehmend abgelöst durch die dauerhaft verpeilte metro-A-sexuelle junge Frau, die den Claim „wasch mich, aber mach mich nicht nass“ für sich beansprucht und entsprechend kultiviert hat.

Den Ursprung des Phänomens der metro-A-sexuellen Frauen könnte man u.a. aus einem Forschungsergebnis von Horx ableiten. Er spricht vom „überinformierten Einsteiger“. In seiner Forschung kommt er zum Ergebnis, dass Teenager im Alter zwischen 14 und 20 Jahren heute “wesentlich früher und detaillierter über Sex Bescheid wissen als jede Generation zuvor”. Sie holen sich Rat im Internet und Sex hat nichts Verruchtes oder Verbotenes und somit nichts Reizvolles mehr.  Allerdings, so stellt Horx fest, sind die überinformierten Einsteiger beim ersten Mal ebenso unsicher wie ihre Altersgenossen früherer Jahrzehnte.

Als weiteren erklärenden Faktor könnte man das Thema „Hormone“ heranziehen. Hierbei stehen nicht zwingend Sexualhormone im Zentrum der Betrachtungen, sondern der Umstand, dass ein lukrativer Industriezweig mit starker politischer Lobby die Landwirtschaft vom Kunstdünger bis zur Hormonspritze mit allen notwendigen Hilfsgütern versorgt, unsere Nahrungskette ist somit wesentlich hormoneller als noch bei früheren Generationen. Die metro-A-sexuelle Frau wurde zudem noch seit ihrem 14. Lebensjahr mit der Pille „versorgt“, was ihren Hormonspiegel nochmals deutlich erhöht und das Denken nicht von der rechten in die linke Gehirnhälfte verlagert, sondern in den Unterleib.

Mediale Einflüsse sowie u. U. die Frustration der eigenen Mutter stellen für die bis dato noch nicht metro-A-sexuelle Frau eine Leitfunktion dar. Die junge Frau „lernt“, wie sie sich benehmen muss, wie sie sich kleiden muss, wie sie sexy aussieht und, dass sie im Alter von 40 Jahren gegen zwei 20jährige eingetauscht wird, was nicht zwingend motivierend ist – ergo: Männer sind Schweine…

Im Straßenbild erkennt man die metro-A-sexuelle Frau an den Stöpseln im Ohr. Damit sie von niemandem angesprochen wird, bewegt sie sich schneller und in den Ohren macht es ablenkenden Krach. Die metro-A-sexuelle Frau lebt also in sich gekehrt. Die Realität wird nur noch über die Augen und den Tastsinn wahrgenommen (herannahende Autos gehen im Kopfhörergeräusch unter). Dieses Phänomen ist in der VR Forschung (Virtual Reality) als Crossreality bekannt: Die Datenbrille vermittelt dem Gehirn eine elektronisch berechnete VR Welt, wenn die Brille allerdings parallele Einblicke in die „Wirklichkeit“ aufzeigt, kommt es zu Gleichgewichtsstörungen und Übelkeit. Die metro-A-sexuelle Frau ist demzufolge im Dauerungleichgewichtszustand und muss gegen Übelkeit ankämpfen.

Die metro-A-sexuelle Frau ist geprägt durch moderne Kommunikationsformen, sie twittert, sie ist iPhone equipped (twittert mindstens einmal am Tag “mir ist so langweilig“) und lebt ihren Exhibitionismus über facebook aus, selbstverständlich vollkommen „sauber“…

Das iPhone ist neben den Crossreality erzeugenden Ohrstöpseln die zweite Einflussgröße, die das Verhalten der metro-A-sexuellen Frau extrem beeinflusst: Das iPhone ist die Glaskugel, durch die die Welt zu ihr kommt. Es liefert ihr eine Fülle dekontextuierter Informationen, sie weiss, wann ihre Freundin beim Frisör ist, wann ihre zweitbeste Freundin (die eigentlich ein metrosexueller Mann ist) ihre/seine 4,7-Tage-Beziehung beendet hat, wie das Wetter am Bodensee ist und, und, und… ich geh dann mal eben kacken

Keine dieser wirklich wichtigen “Informationen“ kann und will sich die in Echtzeit lebende metro-A-sexuelle Frau entgehen lassen, deshalb schaut sie alle 45 Sekunden auf bzw. in ihre Glaskugel. In einem guten Restaurant gilt nicht mehr die Besteckordnung von außen nach innen, vielmehr gilt: Vom iPhone nach innen, die Glaskugel  liegt immer rechts neben dem Besteck und links neben der Serviette, die man heutzutage auch nicht mehr braucht.

Der eben skizzierte Blick auf die Glaskugel im 45 Sekunden Takt wird natürlich auch im Nobelrestaurant nicht unterbunden, so dass sich für das Gegenüber ein Bild eines nach Körnern pickenden Huhnes ergibt. Wir nennen dieses Phänomen Info-Picking (auch wenn die „Informationen“ im Grunde genommen dekontextuierte Worthülsen sind).

Info Picking löst den sonst üblichen Augenkontakt ab und dient dem Eintauchen in Crossreality Welten – neben den Ohrstöpseln also ein wichtiger Baustein zum Ausklinken aus dem gesellschaftlichen Leben.

Die im Rahmen von Info Picking gewonnenen „Erkenntnisse“ werden jedoch nicht ergebnisorientiert umgesetzt. Die metro-A-sexuelle Frau  unterbindet den  „Zieleinlauf“ durch systemimmanente Verpeiltheit, die zu diversen logischen Überlegungen führt und gute Wünsche nach sich zieht. Ein zwischenmenschliches Chaos scheint nicht nur vorprogrammiert, sondern eher erwartet. Das Chaos als fester Bestandteil des persönlichen Glücksgefühls – nicht vorstellbar, wenn was glatt laufen würde. Was um alles in der Welt sollte man twittern?

Die metro-A-sexuelle Frau ist darüber hinaus Mitglied in Facebook Gruppen wie „es ist kompliziert“ (und soll es auch bleiben) oder „halts maul und küss mich“ (obwohl sie küssen eigentlich doof findet, weil da ja ein Mann am anderen Ende des Küssens hängt), sie unterstreicht ihre Geisteshaltung durch weitere Mitgliedschaften wie „ich schmeiß alles hin und werde Prinzessin“ (was extrem schwierig ist, weil der Playstationspieler sie als solche nicht hofiert und der alte König aufgrund ihrer Dauerverpeiltheit einen großen Bogen um sie macht). Ihre Metro-A-Sexualität kaschiert sie demzufolge erfolgreich durch andere Mitgliedschaften wie „Mädels sind genauso versaut wie Jungs – sie geben es nur nicht zu“ (wehe dem jedoch, der ihr einen “unzüchtigen” Vorschlag macht).

Aus Rücksicht vor einer entbildeten Gesellschaft, die im 140 Zeichen Modus lebt, werden an dieser Stelle die Überlegungen eingestellt, um niemanden zu überfordern. Themen wie „ das androgyne Fahrrad“ oder aber „mit Vespa und Minirock“ werden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Soziologie, so konnte bis hierhin gezeigt werden, ist der Versuch, menschliches Miteinander in denaturalisierten Welten zu analysieren und trotz des Verlustes des Genitivs in ganze Sätze zu fassen.

ich geh dann mal laufen…

Dauererektion – Die Omnipräsenz der Kommunikation oder: Neulich im Zug…

Früher, also ganz früher hat man 2-5 mal pro Tag seine Mails gecheckt, hat dazu den Rechner hochgefahren und wo man schon mal online war, die eine oder andere Community besucht oder sich über die spannendsten Neuigkeiten informiert.

Heute ist man dank smarter Mobiltechnologie daueronline und verpasst so keine einzige Trivialität mehr – man nennt sie allerdings heute anders: man nennt es „wichtige Information“ statt Trivialität. Das Ausmaß des Trivialitätsgrades wird einem bewusst, wenn man mit der Bahn fährt. Diskretion, Privatsphäre oder gar Respekt vor anderen Mitreisenden geraten vollends in Vergessenheit, die Verbundenheit mit der Götze Smartphone ist größer als die Scham, sich öffentlich zu entblößen. Der Verblödungsgrad wird öffentlich zur Schau gestellt. Besonders nervig ist früh morgens um 7:39 Uhr die Frau mit dem Tarzanklingelton, ihre Freundin ist grad im Club Med Urlaub und wird gleich, nachdem sie ausgiebig gefrühstückt hat (Sex hatte sie übrigens keinen letzte Nacht)  an den Pool gehen, die Sonne scheint in Spanien. Ihr Sohn hingegen kam nicht so gut aus dem Bett und findet die Marmelade nicht. Das Großraumabteil durchwandert deshalb gemeinsam mit ihr und dem Sohn den Kühlschrank und zittert, dass noch Butter im Hause ist.

Die Firma Siemens, so entscheiden alle Mitreisenden, sollte ihren Mitarbeitern dringend einen Rhetorik-Kurs spendieren, der die monotone Stimmlage von Herrn Zapf etwas ohrfreundlicher „formt“, zumindest am langgezogene „ääähh“ sollte gearbeitet werden. Andererseits ist der Belustigungsgrad sehr hoch, wenn zwei Reihen weiter hinten das „ääähh“ zu zweit nachgeäfft wird…

Herr Zapf hat anscheinend auch Probleme mit den Ohren, anders kann sich das Großraumabteil das laute Klingeln nicht erklären. Ansonsten scheint die Auftragslage der Firma Siemens sehr schlecht, Herr Zapf kämpft hart um jeden Kunden. Eine Sekretärin, die den Kunden erzählt, dass Herr Zapf auf Dienstreise ist, kann sich die Firma Siemens ebenfalls nicht mehr leisten. Herr Zapf muss also sein komplettes Business im Großraumabteil abwickeln. Die Mitreisenden bangen mit ihm. Und als er aussteigt, sind alle tiefbetrübt, dass er es dann doch nicht geschafft hat, den Kunden glücklich zu machen.

Fazit der Reise: Je weniger jemand in der eigenen Firma zu sagen hat, desto gesprächiger ist er im Zug.

ESS geht los…

Der Sommer wird heiß, hatten wir angekündigt und wenn eine Guerilla Marketing Agentur so etwas tut, dann geschieht dies nie ohne konkreten Hintergrund. Gemeinsam mit zwei Studentinnen, die ihre Bachelor Thesis zum Thema Guerilla Marketing schreiben, sind wir in einen heißen Sommer gestartet, den wir mit diversen eCards angeteasert haben.

Nun aber ist es soweit, der erste Teil einer Guerilla Marketing Rakete ist offiziell gezündet: Ohne klassische Maßnahmen werden wir mit den beiden Wissenschaftlerinnen ein Produkt auf den Markt bringen (natürlich verraten wir noch nicht, um welches Produkt es sich handeln wird).

Damit das Ganze auch Spaß macht, wurde heute die Open Beta Version einer MitKOCHzentrale eröffnet: www.chilimint.de

Mit der neuen Community wollen wir Menschen zusammen bringen die gerne kochen und genießen. Das Besondere an Genießer Gemeinschaft: man kommt nur mit einem persönlichen Bürgen hinein. Wer keinen hat, kann in unserer facebook Gruppe posten.

Der Sommer kann kommen. Er wird ESSzessiv und lecker.



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Office Sound – wir hören gerade…
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