Artikel-Schlagworte: „es ist kompliziert“

Goodbye 2011

Und wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu. Es war ein spannendes Jahr mit Tsunami und anderen Katastrophen, es war ein schwarzes Jahr für eine gelbe Partei  und am Ende überlegt sich Rösler, ob er die FDP nicht in „Sonstige“ umbenennen soll, denn die haben immerhin wesentlich mehr Wähler als die vietnamesische Unternehmerpartei. Erkenntnis in diesem Zusammenhang: Die aus den Geschichtsbüchern bekannte „Abstimmung mit den Füßen“ hat ihren Namen geändert und ist nun eine „Abstimmung mit dem Hintern“, die stärkste Partei des Landes ist die der Nichtwähler. Darüber hinaus durften wir alle lernen, dass der Begriff Volksabstimmung nicht unbedingt als Synonym für die Stimme des Volkes steht, denn protestiert wird in Stuttgart auch nach eindeutigem Voting weiter und lernen konnten wir auch, dass ein kleine Truppe, wenn sie gut organisiert ist, auch schon mal die Demokratie “neu definiert”…

Deutliche Lernkurve auch hinsichtlich veralteter Beziehungsstati. Der Status „Es ist kompliziert“ war hinreichend bekannt, Beziehungsstatus „angestupst“ hingegen war eine neue Erkenntnis…

Und sonst? Das Jahr 2011 hat gezeigt, dass unsere Trends 2011 im Trend waren, dass es in der ach so virtuellen Social Media Welt eine deutliche Tendenz zu „Social Media Anfassen“ gibt, wir konnten das im Rahmen unser Media Lounge Veranstaltungen immer wieder feststellen und werden die Zeit zwischen den Jahren nutzen, um zu eruieren, ob das ein neuerTrend werden könnte oder eine Tendenz bleibt.

Nicht neu aber lustig: Die Tendenz zur Tauschbörse scheint sich fortzusetzen. Wir hatten in diesem Jahr wieder sehr viele Anfragen nach Guerilla Marketing gegen „Naturalien“, aber unser Banker lehnt es nach wie vor ab, dass wir ihm Spirituosen auf den Tresen kippen, statt Geld aufs Konto einzuzahlen und auch Motorräder und Autos sind als Zahlungsmittel noch nicht anerkannt…

Im Rahmen eines Experimentes hatten wir getestet, welche Formate für Zahnärzte in München erfolgreich sein könnten. Hierdurch kamen wir mit dem Begriff „Zahnarzt München“ in Google Rankings sehr weit nach vorne und bekamen zahlreiche „Aufträge“ von Zulieferfirmen, die Zahnärzte in München oder dem Rest der Republik suchten. Hier allerdings konnten wir eine gute Aufklärungsarbeit leisten und über moderne Zahlungsformen aufklären. Guerilla Marketing bedeutet nun mal nicht, dass man für billig Geld die teure Werbung ersetzt. Formulierungen wie „Wir sind gespannt auf Ihre Ideen“ konnten wir mit einem entspannten „wir auch, aber ohne Budget können wir nun mal nicht denken“ beantworten…

Highlight des Jahres 2011: Eindeutig ein Vortrag an der Medienhochschule Mittweida. Beachtlich, was die Studenten hier auf die Beine stellten, beeindruckend der Spirit und erfreulich, wie hochkarätig diese Veranstaltung besetzt und angenommen ist.

Es verbleibt an dieser Stelle also nur, ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch zu wünschen. Zwischen den Jahren werden wir uns zurückziehen und an neuen Trendthesen arbeiten, wir werden forschen, ob die Sprache noch wissenschaftstauglich ist  oder ob die sprachlichen Sitten (boahh ey voll krass entgeil) schon so verroht sind, dass ohnehin alles zu spät ist…

Man muss nicht untergehen, wenn man Dingen auf den Grund geht. Unter diesem Motto werden wir uns mit prometheischer Scham, mit Entschleunigung oder dem Gang über die Rest-Risiko-Brücke auseinandersetzen…

Natürlich wünschen wir nicht einfach so ein frohes Fest , sondern tun dies natürlich in zeitgemäßem Media Deutsch:

 

Merry Xmas und ein happy new Year!

…und ab dem 9. Januar melden wir uns wieder

mit Trends 2012

 

 

Aus ERGO wird jetzt doch nicht ORGO

Es ist kompliziert“, sagte Ende letzter Woche der  ERGO Chef Oletzky, und meinte aber damit nicht wie wir die Kommunikation, sondern sein Kartenhaus, das er aufgebaut hat und das wegen Sex-Skandalen, Falschberatungen und sonstigen Unregelmäßigkeiten in Verruf geriet. „Versichern heißt verstehen“ lautet der Claim und ERGO versteht anscheinend wirklich was von Sex-Skandalen und Pannen. Was dann bleibt, und das hatten wir schon längst vorgeschlagen, ist eine erneute Namensänderung, der Name ORGO passt nun wirklich besser…

Die Tochtergesellschaft HMI (Hand-, Mund-, Intim-Betrieb) sollte in Hamburg Münchner Interim umbenannt werden, dann hat man den Bogen zwischen Nord und Süd gespannt und das I wie Interim drückt aus, dass dann irgendwann die alte ERGO und die alte HMI zu ORGO verschmelzen, was natürlich auch nicht lange Bestand haben kann, denn die Welt schreit nach neuen Skandalen und Geschichten…

Um dem Land zu zeigen, dass man Pleiten Pech und Pannen mit Humor zu tragen weiß, muss man dann eine noch viel größere Kampagne starten, die natürlich auch wieder geklaut ist (neudeutsch: geguttenbergt), damit man den PR Effekt mitnehmen kann und mit einem Paukenschlag (natürlich wieder im Sommer, wenn alle am Strand liegen) den neuen Namen verkünden. Nur so werden alle Mediengattungen unterstützt und die Versicherungsprämien gleichmäßig unters Volk verteilt. Und nun, tarääää, der neue passende Name, aus ERGO wird:

Die neue Budapester. 

Das ORGInal.

SCHLECKER – Foll Daneben

„For You, Vor Ort“ lautet der neue Claim von Schlecker und die w&v findet ihn doch tatsächlich peinlich. Wir finden ihn eher ein wenig inkonsequent, denn eigentlich müsste es ja heißen: „For You. For Ort“… oder doch „Vor You. Vor Ort“…??

In einer Zeit in der man sich nicht mehr trifft, sondern meetet oder datet (schreibt man das jetzt mit einem englischen „d“ am Ende?), in einer Zeit, in der Medienwirksamkeit wichtiger ist, als geistige Größe und gebachelte und gebeutelte Studenten verängstigt (und meist metro-A-sexuell) mit einem Kompass (den sie Smartphone nennen) durch die Gesellschaft huschen, in dieser Zeit ist eine Claim wie For You. For Ort. absolut zeitgemäß. Das findet dann auch die Schlecker Kommunikation und verweist darauf, dass der Claim durch sein “provokant kalauerndes Denglisch” besonders gut im Gedächtnis bliebe und noch dazu kontroversen Gesprächsstoff liefere. An dieser Stelle schließt der Bundestrafficminister verzweifelt seinen Klapprechner zu und empfiehlt, die Kette in Picky Eater umzutaufen (Schlecker ist der Schwäbische Begriff für jemand, der nur ganz bestimmte Dinge isst, die er mag…).

Doch zurück zur Firma Picky Eater: In diversen Schreiben verteidigt Schlecker den Claim, denn schließlich ist er ja für das niedere bis mittlere Bildungsniveau der Kundschaft gedacht….

Damit liegt Schlecker foll im Trend, denn ein Blick ins Hartz IV Vernsehen unterstreicht die Pisa Schräglage der Gesellschaft follends. Wir halten also vest: Robinson Krösus hat das ungebildete Land ferlassen, die ferbleibende Media Elite hat sich eine eigene Sprache geschaffen, verner gilt: Geil ist Geil statt Geist ist Geil oder wie es Amir Kassei ausdrückte: Aus einem kranken Arsch kommt kein gesunder Furz…

 

Ganz unten, so zeigt die Firma Schlecker, geht immer noch ein wenig tiefer. Was die Inkonsequenz mit dem For vs. Vor anbetrifft, so stellen wir einen „Gegenvorschlag” ins Netz und wünschen ein schönes Wochenende…

Beziehungsstatus: Angestupst (es geht noch tiefer…)

Wenn man so tut als ob man etwas könnte, kann man theoretisch eigentlich alles. Praktisch macht man zwar nichts, aber das ist nicht besonders schlimm, was zwar nicht das Gleiche ist, wie nichts Besonderes und etwas anderes als etwas Besonderes, aber auch nicht besonders schlimm. Ist das etwa nichts? In Anlehnung an taoistisches Gedankengut: Erst einmal nichts tun und dann abwarten.

Übertragen auf die Wirtschaft: Auch nicht besonders schlimm, denn die anderen sind ja auch Mittelmaß und wen interessiert, dass Robinson Krösus auf eine Schweizer Insel abgewandert ist.

Übertragen auf zwischenmenschliche Beziehungen: Überhaupt nicht schlimm, denn Frauen sind entweder metro-A-sexuell und/oder ritterlichkeitsresistent und junge Männer kennen sich wesentlich besser mit der  Playstation aus als mit Frauen, was letztere nicht besonders finden, aber auch nicht besonders schlimm. Damit man nun aus dem passiven metro-A-sexuellen Status herauskommt, gibt es neben dem sozio-deskriptiven und in jeder Lage treffenden „es ist kompliziert“, jetzt auch „angestupst“.

Angestupst kann je nach Lebenslage und Laune interpretiert werden mit “keinen Bock zu reden”, „er liebt mich“, „lass uns was trinken“, „er will eine Beziehung“ (zurückgestupst: Wir sind so gut wie verheiratet), „sie will essen gehen“, „sie will der Nachtisch sein“ bis hin zu „mein Therapeut hat gesagt, ich soll mal klein anfangen…“

Status „angestupst“ ist die Reduzierung der Kommunikation auf die non-verbale Ebene unter 140 Zeichen. Keiner weiß, was es bringen soll, aber stupsen kostet ja auch nichts. Je weniger Hirmasse, desto witziger wird das „Stupsen“ eingestuft. Wenn man keine Zeit oder keine Lust auf Kommunikation hat oder wenn schlichtweg die Fähigkeit hierfür abhanden gekommen ist, dann stupst man mal ne Runde. Der Angestupste ignoriert oder lässt sich auf auf einen hirnlosen Nachrichtenstrom ein (Prokrastination, wir kommen…)

Nochmals übertragen auf die Wirtschaft: Statt einer Mail wie „Ich finde Ihren neuen Ansatz. Und ich würde gerne kommen mit Ihnen zu. Das würde mich wirklich sehr“, stupst man den zukünftigen Kunden einfach an und tut so, als ob man eine Geschäftsbeziehung hätte – und tut dann so, also ob man eine hat. Dies ist die ökologisch korrekte Version, denn niemand verliert Zeit mit Präsentationen, keiner verschwendet Energie im Rahmen von Geschäftsreisen und auch die Rechtsabteilungen hätten weniger zu tun.

Erkenntnis, einen Tag nach dem Tag der deutschen Einfältigkeit: Mind Store Marketing bietet aus oben skizzierten Gründen ab sofort Workshops zum Thema „Extreme Anstupsing“ und selbstverständlich integrieren wir dieses neue Thema auch in unsere Trendtage

 

Sozialautisten im Sommerloch

Sommer 2011: An DEM Tag haben wir Picknick gemacht. Gegen Ende wird der Sommer dann doch noch Mal heiß. Im Mittelpunkt steht der kühle Norden. Die CDU verliert einen Spitzenkandidaten, und das ausgerechnet dann, wenn die Partei es ein Mal geschafft hat, bei der Jugend gut anzukommen….

Und dann reitet auch noch der oberste Datenschützer (im Grunde genommen auch er ein Sozialautist) eine Attacke gegen facebook – aus Feigheitsgründen natürlich nur indirekt. Aus südlichem Sommerblickwinkel alles in allem nichts wirklich Dramatisches, denn bei fortschreitender Klimakatastrophe steht Schleswig-Holstein ohnehin bald unter Wasser…

Ebenfalls aus dem Norden kam DIE Nachricht der letzten Woche: Der Melitta Mann lebt. Für den Liebhaber schlabbriger schwarzer Brühe wurde er wieder zum Leben erweckt bzw. wird es am 24. August qua TV Ausstrahlung. Der Foltertüten Hersteller aus Minden (Freud´scher Versprecher) setzt somit voll auf die Masse der männlichen Gesellschaft, die Playstation Spieler. Der weichgespülte Barista wird gegen George Clooney und herabfallende Klaviere ins Rennen geschickt und es bleibt zu befürchten, dass die Masche Erfolg haben wird, die metro-A-sexuelle Frau wird den Typ „Koffeinfreier Mann“ sicher auch lieben.

Kaffee bzw. #kaffee scheint bei twitter gleich nach #duschen gefühlt auf Platz zwei zu rangieren.  Man braucht die Brühe einerseits, um morgens in Gang zu kommen, andererseits lernt man viel über das Sexualverhalten von Twitter-Frauen. War früher der Kaffee der Startschuss für einen vielversprechenden Abend (JA, ich komme GERNE auf eine Kaffe mit hoch…), so ist #kaffee heute Ausdruck einer neuen Sexualität

Am Ende des Wochenrückblicks kann festgehalten werden: Der Leser dieses Beitrages hat erstens, mindestens zehn Fenster geöffnet und zweitens, die metro-A-sexuelle Frau ist nicht unbedingt nur sozialautistisch oder verpeilt, sie ist ganz einfach nur verhaltensoriginell und das Leben als solches ist einfach kompliziert….

Was aber ist wirklich neu in diesem Sommer? Ganz einfach: Mind Store Marketing hat einen neuen Bürohund aus dem Tierheim geholt, er ist Casting Spezialist, wir lernen viele blonde Frauen kennen, er nimmt zum Schmusen immer Anlauf, er bestimmt, wer auf das Grundstück kommt und vor allem, wer wieder gehen darf. Er ist ein Do Khyi UND: der Briefträger ist jetzt DEUTLICH schneller geworden…

ULD: Stell dir vor es ist facebook und keiner geht hin…

Der Like Button von Facebook ist illegal, so die heutige Meldung von Meedia. Das ULD (Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig Holstein) fordert deshalb Webseitenbetreiber dazu auf, ihre Fanpage bei Facebook zu löschen und Plugins wie den “Gefällt mir”-Button auf ihren Internet-Auftritten zu entfernen. Die w&v vermutet zunächst eine Provinzposse, aber der dort grimmig abgelichtete ULD Chef Weichert schaut nicht aus, als ob er nur das Sommerloch stopfen wolle. 50.000 Euro Bußgeld drohen den Unternehmen im worst case.

Ein Blick auf die 100 größten Unternehmen in Schleswig-Holstein relativiert die Drohung jedoch schnell. Platz eins: Freenet, die laut Impressum ihren Firmensitz in Hamburg haben genauso wie Platz drei: Edeka, die ebenfalls in Hamburg sitzen. Platz zwei: Orlen Deutschland hat bei Facebook ohnehin nur 9 Freunde und den Hauptsitz zudem in Polen…

Von den TOP 100 Unternehmen sind zudem knapp die Hälfte verarbeitendes Gewerbe, also B2B und weitere 16 Prozent im Gesundheitssektor, also auch B2B. Nochmals 8 Prozent im Sektor Verkehr und Nachrichtenverarbeitung also nochmals B2B und der Rest mit Firmensitz in Hamburg, Polen oder Dänemark…

Erkenntnis: Schleswig-Holstein braucht neben Datenschutz deutlich mehr umsatzstarke Unternehmen mit Hauptsitz in Schleswig-Holstein und Hamburg darf NICHT annektiert werden…

Unabhängig davon: Als die Alliierten nach dem zweiten Weltkrieg das Fernsehen einführten, war allen Sendern bekannt, dass derjenige, der sendet auch empfangen werden kann. Auch der ICH-Sender moderner Prägung sollte sich im Klaren sein, dass seine Botschaften auch empfangen werden.

Fazit: Moderne Kommunikation ist und bleibt kompliziert

Quarterlife Crises

Die Überlegungen zum Thema metro-A-sexuelle Frauen haben gezeigt, dass ein Thema getroffen wurde, dessen gesellschaftliche Relevanz gerne übersehen wird: Eine ganze Generation in der Krise, Quarterlife Crisisdauerverpeilt und „unbrauchbar“ für die Gesellschaft oder wie es der Spiegel in Anlehnung an einen Buchtitel formuliert: Jung, erfolgreich, kreuzunglücklich…

Die Reaktionen junger, gebachelter und gebeutelter Frauen auf die Theorie der metro-A-sexuellen Frau haben gezeigt, dass man während einer oberflächlichen Abitur-Deluxe-Ausbildung gerade mal weiß, dass es rechts zum Hörsaal und links zum Klo geht, was danach kommt, steht in den Sternen. Die Dozenten scheinen genauso hilflos wie die Studenten. Männliche Reaktionen auf die metro-A-sexuelle These gab es erwartungsgemäß keine, die Männchen haben sich offensichtlich vollends zurück an die Playstation verzogen oder aber degenerieren vom Typus facebookinkompatibel zur gesellschaftlichen Randgruppe (mit einem Minderheitsanteil von ca. 70%).

Die Bücher zum Thema Quarterlife Crisis sind in der klassischen Buchhandlung bereits vergriffen, Amazon liefert allerdings noch Titel wie Quarterlife Crisis: Die Sinnkrise der Mittzwanziger oder Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will und viele mehr…

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass es eine Fülle von lebensberatender Literatur gibt, die Wege aus der Verpeiltheit anbieten, Flirten leichter machen (wenn man schon keinen Job bekommt, dann soll man doch wenigstens lernen, wie man richtig flirtet, auch wenn man nicht vorhat, durch die Zielgerade zu gehen… ). Fazit: Viele Bücher, die aber nur denen wirklich helfen, die sie schreiben oder verkaufen…

Die Presse greift das Thema Quarterlife Crisis nur recht zaghaft auf. Befragt werden dann Psychologen, die jedoch ohne konkrete Handlungsanweisungen sind und darauf verweisen, dass es in den USA bereits Workshops gibt oder das man doch mal raus an die frische Luft soll. Eigentlich müsste man meinen, dass die Presse Amok läuft, wenn der komplette akademische Nachwuchs nach dem Studium vor dem Nichts steht, wie es die Süddeutsche tituliert.

Auch die Wissenschaft schweigt bis auf wenige Ausnahmen. Bolz weist darauf hin, dass der Mann angesichts feministischer Gleichheitsforderungen in einer Falle steckt, die in der Psychiatrie als Double Bind bezeichnet wird: „Echter Mann“ vs. Reaktion auf Delegitimation der Männlichkeit, was wiederum für die junge Frau zur Folge hat, dass in der dressierten Männermasse keine brauchbaren bösen Spieler zu finden sind, sondern nur noch nach politischer Korrektheit strebende Männchen (Alles Schlampen außer Mutti…). Mit Ritalin und Prozac, so Bolz, erzeugt man politische Korrektheit. Prozac verhilft depressiven Frauen zu Selbstbewusstsein und Ritalin wird hyperaktiven Jungs verschrieben – soziales Lernen qua ärztlicher Verschreibung. Eine Generation wird geistig ruhig gestellt…

Ob in der hier skizzierten Problematik zuerst die Henne oder das Ei da war, soll an dieser Stelle unwissenschaftlich außer Acht gelassen werden. Fact: die metro-A-sexuelle Frau trifft auf verängstigten Mann mit extrem guten Highscores, aber ansonsten unbrauchbar. Kommunikation ist demzufolge nicht zielgerichtet, denn damit können beide Seiten nicht umgehen. Aus Neil Postman´s Klassiker „Wir amüsieren uns zu Tode“ wird „wir Flirten bis zum Umfallen“ (vor Müdigkeit ohne brauchbares Ergebnis).

Es folgt die Erkenntnis, dass zwischen Reden und Kommunizieren ein gewaltiger Unterschied besteht. Darüber hinaus folgt in diesem Zusammenhang die starke Befürchtung, dass wir mit der Quarterlife Crisis einem Modewort aufgesessen sind. Sicherlich, durch die Bildungsmisere gingen viele Werte verloren. Erschwert wird die Diskussion dadurch, dass die Politik aus Menschen mittlerweile Bürgerinnen und Bürger gemacht hat. Festzuhalten ist, dass es der Generation Quarterlife Crisis an Wertewelten und Leitbildern fehlt, was die am Anfang des Jahres aufgestellte Forderung nach dem Aufbruch ins Zeitalter der Charismatiker unterstreicht. Andererseits zeichnet sich unter den weiblichen Vertretern eine deutliche Ritterlichkeitsresistenz ab. Wer einer klassischen Vertreterin der Genration Quarterlife Crisis in den Mantel helfen will, muss damit rechnen, dass sie ein Pfefferspray zückt, weil sie Ritterlichkeit nicht gewohnt ist. Die Autoindustrie unterstützt, indem sie mittels Keyless Systems Sorge trägt, dass der Gentleman alter Prägung der Frau nicht mehr die Türe aufhalten, sondern sie lediglich vor plötzlich aufspringenden Türen retten kann. Die allseits postulierte Zwangsgleichheit führt letztendlich zum Kampf der Geschlechter, beispielsweise wer im Restaurant den Wein als erster verkosten darf, die weiter oben zitierten Flirtanleitungen stoßen hier deutlich an die Grenzen. Das Spiel mit einem Lächeln und einem Augenzwinkern scheint in Vergessenheit geraten zu sein…

Bolz weist darauf hin, dass im Rahmen des Strebens nach politischer Korrektheit dem Gleichheitswahn keine Grenzen gesetzt sind: Wer einen Behinderten nicht als „anders befähigt“ anerkennt, macht sich des Ableism schuldig und wer in der Schönheit einen Verdienst sieht, leidet an Lookism und so kommt es, dass junge Frauen einen verzweifelten Weg in die soziale Phobie antreten, denn wegen ihrer Schönheit soll der edle Ritter sie nicht „beschützen“ und so gehen sie oftmals lieber den einsamen Weg in die Bulimie oder die Anorexie…

Das Ich-Bin-Schon-Gross-Phänomen gibt der junge Frau enorme Freiheiten, die sie jedoch mit einem deutlichen Verlust an Geborgenheit und Aufgehobensein bezahlt. Lernen aus der Sicherheit des beschützten Modus heraus ist in Vergessenheit geraten. Die einstige Idealkombination aus jugendlicher Schönheit und erfahrener Gelassenheit wird auf dem Altar des gleichmacherischen „ich-kann-das-alleine-Aktionismus“ geopfert. Die traditionellen Bande der Ritterlichkeit zwischen dem alten König und der jungen Prinzessin werden jäh zerschnitten. Einsam und alleine kehrt der alte König zurück in sein Ereignisreich und ferngesteuert schwebt die info-picking Schönheit durch den erweiterten möglichkeitsRAUM, setzt sich verzweifelt an die vorstellBAR, ohne sich jedoch in den erlebnisRAUM zu trauen…

Quarterlife Crises, so kann festgestellt werden ist ein weiterer Baustein auf dem Wege zum Konformismus des Andersseins, der in der allgemeinen Facebook-Fröhlichkeit untergegangen ist und am Ende, so viel steht fest, behandeln wir ohnehin wieder die Falschen

Das Wort zum Sonntag oder warum in der Schweiz und in Lichtenstein zahlreiche Menschen sterben müssen

Es ist Sonntag und man könnte einen Spaziergang machen, einen Spaziergang am Bärensee – so die Grundidee. ABER: Es ist Sonntag in Stuttgart und an diesem Tag joggt ganz Stuttgart am Bärensee. Man könnte den Spaziergang also nur in extrem gepanzerter Ausrüstung durchführen, denn die Jogging Armada ist omnipräsent. Unterstützt wird die joggende Infanterie durch gepanzerte Fahrzeuge namens Mountain Bikes, die ebenfalls um den See patroullieren. Neben Infanterie und Kavallerie muss sich der Spaziergänger noch vor attackierenden Schwertransportern in Acht nehmen, die mit kinderbeladenen Anhängern laut „Achtung“ von hinten schreien und aufgrund ihrer Trägheit und des Erschöpfungsgrades des rotköpfigen Radlers nicht ausweichen können.

Wen wundert es also, dass Stuttgart zweigeteilt ist. Die eine Hälfte fordert, den Bahnhof unter die Erde zu legen, damit die Jogger Armee sich ausdehnen kann und der Spaziergänger endlich ungepanzert spazieren gehen kann, die anderen haben sich an den Krieg am See gewöhnt und demzufolge als nostalgische 68er die Grünen gewählt – ätsch!

Jetzt aber bekommt das Ländle endlich Rückendeckung aus dem Nachbarland: Mehr Platz für Spaziergänger fordert der CSU (Carnevalistisch Sociale Union) Generalsekretär Alexander ohne Minarett im Vorgarten Dobrindt beschimpft aus dem sicheren Bayern heraus die Grünen als „politischen Arm von Krawallmachern, Steinewerfern und Brandstiftern“. Auch der designierte Ministerpräsident wird von  Alexander der Mann fürs Brachiale Dobrinth als Fehlbesetzung bezeichnet, statt entspannt zu warten, bis Winfried voll zwischen den Stühlen Kretschmann den ersten grünen Wasserwerfereinsatz anordnen muss.

Und im selben Zeitungsgespräch dann auch DAS Angebot: Asyl für Baden-Württembergische Autobauer und Industriefirmen im benachbarten Bayern. Und an dieser Stelle dann das Drama: Tote in der Schweiz, in Lichtenstein und anderen Steueroasen, die sich über den Vorschlag von Alexander weit aus dem Fenster lehnend Dobrinth tot lachen…

Und am Ende die Erkenntnis: Wir leben und arbeiten in einem WIRRklichkeitsRAUM und die Welt ist ein Dorf und manche schreien etwas lauter und manche halt nicht und andere wiederum wissen, dass es eine objektive Wahrheit ohnehin nicht gibt…

es ist kompliziert

High Noon: Das Social Media Duell im Morgengrauen. Oder: Langweilige Firmeninterna prallen gnadenlos auf sozio-virtuelle Welten. Untertitel: Vom unendlich harten Leben der Rohrreiniger (Teil 1)

Showdown auf der Hauptstraße. Zwei Revolverhelden stehen sich mit geladenen Pistolen gegenüber. Entschlossen bis zum Letzten. Der Colt sitzt locker. Die Anspannung ist groß. Und dann der erste Schuss: Eine Führungskraft murmelt ferngesteuert und wüst entschlossen „Wir müssen was mit Social Media machen“ (dieser Satz aus der Stille des Raumes ist aus alten Zeiten bekannt als: Wir müssen ins Internet…). Im Hinterkopf die klare Vision: Koschtengünschtig sein (wie es der Schwabe ausdrückt).

Die gesamte Tragweite des Satzes „wir machen was mit Social Media“ ist den wenigsten Managern bewusst. In Konzernen hat man vielleicht die eine oder andere positive Erfahrung gemacht, übersieht aber gerne, dass nicht jede Sparte oder jedes Produkt socialmediatauglich ist und der Mittelstand verkennt, dass die Vision „koschtengünschtig“ auch richtig teuer werden kann, weil man dadurch eine faire Chance hat, die Marke oder das Image der Firma zu ruinieren.

Übersehen werden im allgemeinen Social Media Zirkus meist zwei wichtige Kenngrößen: Timeline Kompatibilität und sozio-kognitive Dissonanz.

Sowohl der Koschtengünschtig-Wahn als auch die blinde Aktionismus-Variante sehen nur 16 Millionen potentielle Kunden die man koschtengünschtig erreichen kann (theoretisch könnte) und so gerät die Systematik von Social Media schnell in Vergessenheit. Die damit verbundenen Gefahren für die Marke werden vollends ausgeblendet. Vergessen wird in der ersten Euphorie fast immer, dass Social Media eben nicht nur facebook, sondern wesentlich mehr ist.

Unabhängig davon: Social Media Marketing bedeutet Content, spannender Content, gerne auch witziger Content, interessanter Content, der timeline kompatibel sein muss. Wenn die Marke nicht religiös ist oder das Produkt nicht sexy genug, straft dies die Social Media Gemeinde gnadenlos ab. Hierbei wird von den Verfechtern der koschtengünschtigen Variante dann auch vergessen, dass Social Media nicht nur Ablehnung (früher: Zapping) bedeutet, sondern unter Umständen auch aktiver „Gegenwind“ und im schlimmsten Fall Mobilmachung (siehe Kitkat).

Es folgt der Versuch, Entscheidern den Leidensprozess verkürzen zu können in Form einer kurzen Anleitung zum Unglücklichsein. Hierzu nehmen wir ein nicht-timeline kompatibles Produkt/Dienstleistung wie beispielsweise Bestattungen (= hohe kognitive Dissonanz – wer will sich schon mit dem Tod auseinander setzen – wobei es hier eine herausragende Ausnahme gibt), Stützstrümpfe (der Slogan Erotik fürs Krampfadergeschwader funktioniert nur bedingt…) oder „Rohrreinigung“.

Der Rohreiniger wird angerufen, wenn alle verzweifelten Versuche fehlgeschlagen sind, die stinkende „Suppe“ aus dem Küchenausguss heraus zu bekommen. Der Rohrreiniger zwängt dann heldenhaft eine Spirale in die Brühe und treibt sie mit einer Maschine in die Tiefe. Er berechnet dabei nach Metern. Wenn der Kunde am Ende die Rechnung bekommt, wird jedes Mal spekuliert, ob die Spirale den Erdmittelpunkt erreicht hat, aber das ist ein anderes Thema…

Jeder Verbraucher hofft also, genau diese Dienstleistung nie in Anspruch nehmen zu müssen. Der Rohrreiniger hat es also sehr schwer mit Marketingmaßnahmen. TV oder Radio-Werbung scheidet aus, denn für 30 Sekunden bei TV Total müsste er tatsächlich bis zum Erdkern bohren. Ausserdem: Wenn der Rohrreiniger in München sitzt, wären die Streuverluste viel zu groß. Auch Radiowerbung scheidet aus, denn auch wenn viele Radios in der Küche stehen, sie wirkt nur, wenn der Schadensfall auch parallel eintritt, was statistisch allerdings fast unmöglich ist, aber das hatte auch die Atomlobby vor dem Japan Unglück über Atomkraftwerke gesagt…

Zurück zur Rohrreinigungsfirma: Nachdem er sich entschlossen hat, keinen sechsstelligen Betrag für einen 30-Sekünder im Blockbuster Film zu investieren und auch lieber Radio zu hören als Radio zu finanzieren, geistert ihm das schwäbische „kostengünschtig“ durch den Kopf bzw. die Long Version: Social Media kostet nix! Und so fällt beispielsweise eine einsame Entscheidung für die Einrichtung eines Twitter Accounts.

Der Twitter geübte weiss: Wenn man in die Timeline die Nachricht streut: „…reinigt jetzt das Rohr“, könnte dies witzige Retweets auslösen und auch die Nachricht „kommt mal eben zum Rohrreinigen vorbei“ könnte Beifall der weiblichen Twitterwelt auslösen. Alles aber unter dem Aspekt, dass da jemand versucht, einen Witz zu reissen. Wenn die Twitter Gemeinde merkt, dass da jemand eine kommerzielle Dienstleistung verkaufen will, dann könnte der SPAM Schuss nach hinten losgehen. Ergo: Die Twitter Timeline erscheint aufgrund ihres News und Self Expression Charakters (witzige und sinnentleerte Posts inklusive) vollends ungeeignet (es sei denn, man ist wie der weiter oben zitierte Bestatterblog authentisch…)

Schicken wir den Rohrreiniger also jetzt zu facebook. Dort würde er zumindest schon mal auf 81 Personen treffen, die die Gruppe „geh rohrreiniger trinken“ witzig findet, aber die im Vergleich zu Twitter deutlich spaßorientiertere facebook Community wird eine Dienstleistung wie Rohrreinigung nicht wirklich überzeugen. Der Facebook Fan ist deutlich oberflächlicher, ein „gefällt mir“ könnte man eventuell einsammeln, die Dienstleistung Rohrreinigung jedoch könnte man über Facebook nicht wirklich bewerben, zumindest nicht ohne einen größeren finanziellen Kraftakt. Wir erinnern uns: Nur 0,05 Prozent aller Werbeaufwendungen bei facebook erreichen den Endkunden und auch hier muss der Facebook User schon mit dem Schlauchboot durch die Küche paddeln, damit die Rohrreiniger Werbung im Relevant Set landet (für den Rohrreiniger: jetzt pumpen…)

Die Japan Katastrophe hat gezeigt, Facebook Fans sind an der Oberfläche lebende spaßorientierte Menschen, denen es wichtig ist, einer Gemeinschaft anzugehören und dort aus dem realen Leben „berichten“ zu können: „ich geh dann mal Espresso trinken“ oder „freut sich auf den Urlaub“ (ab Mittwoch/Donnerstag wurden dann die Facebook Profile „politischer“ indem man die guten alten „Atomkraft nein danke“ Buttons ans Profilbild klebte…). Im Gegensatz dazu, ist der Twitterer durchaus an politischen Themen interessiert und der Zwang zu kommunizieren ist deutlich höher (für Rohrreiniger: Der Twitterer kommuniziert, NICHT du…)

Das Japan Drama hat zudem gezeigt: Twitter Kommunikation ist zum einen extrem kurzlebig, ist ein #hachtag (für den Rohrreiniger: spricht man „häschtäg“) erst einmal in den Trendthemen, wird gnadenlos zu dem Thema getweetet und geretweetet (der Rohrreiniger hat keine Chance in die #hachtag Trends zu gelangen). Die Halbwertzeit einer Information bei twitter ist (im Gegensatz zu Plutonium mit über 24.000 Jahren) eher im Minuten- oder Stundentakt zu sehen (der Rohrreinigerfirma, um beim Thema zu bleiben, muss deshalb dringend empfohlen werden, aus jeglicher Timeline Taktung auszubrechen). Zur Untermalung der These hier  exemplarisch die Highlights der letzten Wochen: Ein Lügenbaron wurde von einem Diktator aus den Trends gedrängt, der wiederum hinter einer großen Welle in Deckung ging. Zwischen all diesen Trends nun rudert unverdrossen unser Kanzler: der Zick-Zack-Kurs geht vom sichersten Kraftwerk der Welt bis hin zur sofortigen Stilllegung (und auch Wendehals Röttgen findet die Diskussion um Kernkraft deplatziert und tritt dann aber doch auch in den Ruderklub ein):

Zwischendrin dann noch das perfekte Chaos (unvorstellbar, wenn dies einem Rohrreiniger passieren würde): Das Deutsche Atomforum wird attackiert. Unter dem Namen des Lobbyverbandes werden satirische und zynische Beiträge im Internet verbreitet. Besonders irritierend dabei die „Warnungen“ des vermeintlich „richtigen“ Accounts. Was richtig ist oder nicht, weiß in diesen Tagen ohnehin niemand mehr…

Wen also wundert es, dass in Folge auch die aufgescheuchte Twitter Gemeinde die wüstesten Vermutungen zwitschert (was wiederum blankes Entsetzen auf der Profiseite auslöst, es  wird gar von der Unerträglichkeit des twitter Seins gesprochen…)

Inmitten des Kernschmelzwahns (ob der Rohrreiniger hier einen angemessenen Platz findet, darf nochmals angezweifelt werden) dann auch richtigerweise Mahner, die auf den Diktator hinter der Tsumaniwelle hinweisen  und dann aber wieder die Rückkehr zu den “wirklich” wichtigen Themen…

Am Ende der Woche dann nochmals Aufregung bei twitter: Nachdem die #japan Katastrophe durch #magath und andere Banalitäten unterbrochen wurden, dann die deutliche Empörung  über die deutsche Enthaltung zum Thema Flugverbot – wer will schon mit China und Russland auf der selben Stufe stehen. Das will nicht mal mehr der kostenbewusste Rohrreiniger…

Turbulentes Wochenende weiterhin durch zwei weitere bittere Nachrichten: Die Twitter Gemeinde trauert um #knut - und wieder schaut der Rohrreiniger in die Röhre, denn so süß wird er nie sein… Nachricht Nummer zwei: #klitschko hämmert medienunwirksam in der ersten Runde seinen Gegner nieder. Und weitere Irritation dann noch am Rande: Trotz Verlusten ist man in der Politik eigentlich immer irgendwie Gewinner…

Zwischenergebnis: Der Rohrreiniger hat aber bis an diese Stelle verstanden, dass TV Werbung teuer sein kann, er hat in diesem Zusammenhang noch das Wort „Streuverluste“ gelernt und damit die Verwirrung noch größer wird, erzählen wir ihm nun noch, dass die Fernsehforschung keinen Sensor an die Klotüren anbringt. Darüber hinaus kann sich der Rohrreiniger nicht sicher sein, dass sein Werbespot wirklich gesehen wird oder ob sich seine Zielperson am Kühlschrank befindet, um sich ein neues Bier zu holen, denn auch dort fehlt der Sensor…

Bis hier hin können wir darüber hinaus für Rohrreiniger und Stützstrumpfproduzenten festhalten: Während bei Facebook gilt, dass nicht jede geistige Blähung gepostet werden muss, wird bei twitter die Farbe der Blähung und der Geruch bis ins Detail diskutiert…

Frage: Was hat das alles jetzt mit der Überschrift zu tun? Antwort: zunächst einmal gar nichts, aber in der Wissenschaft gilt immer der Grundsatz einer hinreichenden Herleitung. Aus Rücksicht auf das allgemeine Bildungsdefizit des Landes wird an dieser Stelle die sozio-mediale Betrachtung unterbrochen, damit niemand durch allzu lange Texte überfordert wird. Morgen geht es weiter mit dem spannenden Thema  High Noon: Das Social Media Duell im Morgengrauen oder wie der Rohrreiniger doch noch an kostengünstiges und vor allem effizientes Marketing kommt….

Timeline kompatibel

Echzeitkommunikation, so konnte gezeigt werden ist kernig, witzig und vor allem timeline kompatibel. Nachrichten, die nicht „religiös“ sind, werden sofort als Spam deklariert. Die Reduktion der Sprache auf 140 Zeichen hat eine weitere Steigerung erfahren: „gefällt mir“ und Punkt. Der fehlende Dislike-Button verhindert eine kontroverse Diskussion und stürzt statt dessen Informationen ohne „gefällt mir“-Charakter in den Sandkasten der Bedeutungslosigkeit.

Anhand der politischen Diskussion kann festgestellt werden, dass es weniger auf Argumente als auf die Anzahl der Likes ankommt. Es ist vollkommen unerheblich, ob der Kanzler nochmals den verlängerten Rücken stärkt, in den  jeder treten will oder ob die w&v als Tochter des „Bombenlegers“ Süddeutsche Zeitung nochmals unterstreicht, dass Herr Dr. zu Guttenberg nicht mal selbst twittert, facebooked oder sonst etwas tut. Selbst die eigenen Beteuerungen, die Doktorarbeit sei nach besten Wissen und Gewissen angefertigt, sind für den Kommunikationsprozess unerheblich, die Fronten stehen fest: „gefällt mir“ oder gefällt mir halt nicht…

Die „Fakten“ in Form von 124.907 gefällt mir-Menschen (Stand 21.2.) sprechen für sich. Die „Argumente“ von GutenPlag werden im nächsten Moment den ebenso gewichtigen Argumenten von Tuten Gag weichen, die Karawane zieht weiter, Vorgrühlingsfegühle haben eindeutig Vorfahrt…

Krisenmanagement bekommt, wie das Beispiel zeigt, eine neue Dimension. Nicht Gegenargumente gilt es zu finden, sondern im Gegenteil: Voll rein in die Kerbe! Und so ist Guttenbergs „Flucht nach vorne“ eine von vielen Möglichkeiten, ein Aussitzen wäre angesichts der Situation auch eine Alternative gewesen, denn wie die FAZ aufzeigt gibt es in diesem Zusammenhang das „Die-paar-Fehler“-Argument, das „Alles-Vorverurteilung“-Argument, das „Gibt-es-denn-nichts-Wichtigeres?“-Argument und das „Wir-brauchen-den-Mann“-Argument.

Herr nun doch ohne Dr. zu Guttenberg hat sich für eine Mischung aus Alternative drei und vier entschieden und auch wenn eine n-tv Umfrage besagt, dass er seine Glaubwürdigkeit verloren hat, so ist dies für das langfristige Endergebnis irrelevant. Timeline kompatible Kommunikation muss lediglich gut inszeniert sein und hier ist Herr zu Guttenberg Meister: Heroischer Einzug in die Halle mit AC/DC Sound, den lästigen Doktortitel abgeben und dann heldenhaft zurück zum Tagesgeschäft. Die Gesellschaft, so zeigt das Thema “Dissertation”, braucht dringend Helden, die deutlich aus der Masse herausstechen und auch nach Abgabe des Titels (von dem man ohnehin nicht wusste, dass er ihn hatte) hört die facebook Fangemeinde nicht auf zu wachsen:  192.678 Fans unterstützen „Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“ – die Argumente treten hierbei deutlich in den Hintergrund, gefolgt wird unisono der weiter oben zitierten FAZ-These „Wir-brauchen-den-Mann“…

Der Exkurs in die wundervolle Welt der Doktorarbeiten zeigt eindrucksvoll die Regeln Social Media Kommunikation: Finde ein timeline kompatibles Thema das a) streitbar ist, das b) eine hohen Neidfaktor hat und das c) in ein „Wir-haben-das-ja-schon-immer-gewusst-Schema“ passt. Wenn das Thema dann noch stark polarisiert, greift es die Journalie bereitwillig auf und wenn man dann noch mit einem Social Media Monitoring die Entstehungsherde identifiziert und potenziert, ist man dauerhaft in allen Timelines und Facebook Profilen. Was dann zählt ist nicht mehr der sachlich richtige Inhalt, sondern lediglich die neue Botschaft. Sozial-kognitive Dissonanz: Erlaubt ist, was gefällt



Good Sound
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Office Sound – wir hören gerade…
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