Neckermann und die Religiosität der Marke oder: Warum es nicht reicht, immer sein Nachtgebet zu sprechen

Religiös war die Marke Neckermann ja nun wirklich nicht, eher traditionell. Sie war die “Quelle” aus Hessen und mit Arcandor hatte sie ein gemeinsames Raben-Mutterhaus. Im Juli nun musste Neckermann Insolvenz beantragen.

 

Die Financial Times sieht die Insolvenz als die Folge eines Pokerspiels. Die Arbeitnehmervertretung hatte hoch, aber nicht gut gepokert und die Amerikanischen Geldgeber habe mit einem Smiling aus dem sonnigen Florida ein fröhliches „Game over“ zugerufen. Ironie des Schicksals: Josef Neckermann hatte einst den Versandhandel im Dritten Reich von Karl Amson Joel, dem Großvater des Pianisten und Popsängers Billy Joel, übernommen. Er profitierte von der Arisierung und von Joels Flucht. Und nun kommt die rote Karte aus den Staaten zurück ins Neckermann Hauptquartier…

Großes Wehklagen also aus Frankfurt: Neckermann muss schließen. Ein Blick nach Fürth zeigt, wo es lang gehen wird. Auch bei Quelle hatte man zu lange Kataloge gedruckt. Seehofer (das ist der, der Gutti wieder nach Deutschland zurückholen und die CSU in die Opposition führen will) hatte gutes Steuergeld angezündet und ein letztes Mal ein katalogisches Druckwerk erstellen lassen, das zwar nicht mehr als Quelle Katalog, sondern als Seehofer-Katalog in die Analen der Wirtschaftsgeschichte eingeht, das aber verdeutlichte, dass das Kataloggeschäft wie es auch Neckermann jahrelang betrieben hat, endgültig der Vergangenheit angehört.

Und so muss sich Neckermann den amazon und zalando Online Stinkefinger zeigen lassen, die das Prinzip der Religiosität der Marke erkannt haben und als Marke ihre Marken auf dem geheiligten Altar des Online Olymp ihren Kunden als Opfergaben darreichen.

Die Neckermann Belegschaft, angeführt von Verdi (das sind die, die aufgrund ihrer Forderungen solche Situation schon kennen und immer das passende Vokabular parat haben: Wir hatten die Lösung zum Greifen nahe…) so scheint es, ist irgendwie in den Zeiten der 50er stehen geblieben (dramatisch: Neckermann war einer der ersten Player im Online Geschäft). Und so hofft man noch heute, dass ein holder Recke auf einem Dressurpferd daher geritten kommt und wie dereinst Moses die zehn Gebote einen neuen Neckermann Katalog unterm Arm hat.

Unabhängig davon: Auch wenn die Marke Neckermann nicht religiös ist, durch den Traditionsfaktor könnte man nach einer ausführlichen Social Media Analyse zumindest eine neue Kult-Marke generieren, was sicherlich eine reizvolle Aufgabe wäre…

Übrigens: Das Thema Religiosität der Marke wird ein wesentlicher Bestandteil der Keynote am 26. Juli in Köln sein…

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