EHEC und wie wir lernten, die Bombe zu lieben und die prometheische Scham auch ohne Timeline Kompatibilität zum zentralen Gesellschaftsthema wurde – Oder: Wer kennt heute schon Thamus?

An der Überschrift leicht erkennbar: Wir stehen nicht auf langweilige Überschriften wie „Marketing leicht gemacht“ oder „Guerilla Marketing für Zahnärzte“. Das Leben ist komplex und manchmal auch verWIRRend. Also: Wer mag schon einfach, wenn es kompliziert auch geht…?? (Vorab: Der gebätschelte und gebeutelte Student sei gewarnt, vor dem Gebrauch von Fremdwörtern wird nicht zurückgeschreckt und auch der gezielte Einsatz des  Genitivs wird im Folgenden gnadenlos praktiziert).

Das Konstrukt WIRRklichkeitsRAUM wurde im letzten Jahr erstmalig vage skizziert. Kennzeichen des WIRRklichkeitsRAUMes war eine fehlende Orientierung für das Individuum, ein neues Medien- und Kommunikationsverhalten sowie das Fehlen von sozialen Bindungen und Werte gebenden Institutionen.

Das Zeitalter der Charismatiker wurde demzufolge propagiert und das Jahr 2011 hat gezeigt, dass der Bedarf an Charismatikern noch größer ist als ursprünglich angenommen. Selbst als der Betrug offensichtlich wurde, hielt das Gros der Gesellschaft noch an Herrn Lügenbaron von und zu ohne Doktor Guttenberg fest (80% aller Bildzeitungsleser sind nach wie vor überzeugt, dass er seine Arztpraxis auch ohne Doktortitel weiterführen könne, aber das ist eine andere Sache) und ein grenzdebiler Parteivorsitzender will ihn mangels Phantasie und Alternativen zurück holen. Am Beispiel des Lügenbarons manifestierte sich erst im Nachhinein der Unterschied zwischen echtem Charismatiker und populistischem Medienstar mit zwanghaftem Darstellungstrieb.

Der Schrei nach dem Charismatiker verdeutlicht die Hilflosigkeit des postmodernen Individuums, das Postulat nach Leitbildern wird in Zeiten zunehmender Orientierungslosigkeit immer lauter.  Um den WIRRklichkeitsRAUM definitorisch besser darstellen zu können, erscheint ein Blick auf die Ursprünge des Social Media Circus ratsam. Trend 1 rekrutiert sich demzufolge aus der Interaktion des Menschen mit der Technologie: Die prometheische Scham des 21. Jahrhunderts. Sie gliedert sich, wie das Jahr 2011 gezeigt hat, nahtlos in einen weiteren Trend, den Gang über die Rest-Risiko-Brücke.

Unsere empirischen Forschung sowie Ergebnisse der Social Media Analysen zeigten im letzten Jahr deutlich, dass wir eine neue Echtzeitkommunikation als gesamtgesellschaftliches und nicht nur mediales  Phänomen in starker Korrelation mit sozial-kognitiver Dissonanz verzeichnen können. Hier gilt es nun, die beiden Ansätze in einem neuen Trend zu begreifen:  Neu-Zeit oder: Wie bekommt man ein politisch korrektes Verständnis für Vogonen , das neue Raum-Zeit-Verständnis der Gesellschaft, das eng geknüpft ist an Trend 6: Das Zeitalter der Träumer. Entschleunigen als Ausweg aus der Burn-Out-Wüste? Das Gehlen´sche Mängelwesen Mensch scheint am Rande der psychischen Leistungsgrenze angekommen zu sein. Was die Vogonen mit alledem zu tun haben, wird noch zu klären sein….

Anhaltend in 2012 und darüber hinaus wird der Trend der Religiosität der Marke sein. Im Zeitalter verlorener Rituale kommt der Marke in den nächsten Jahren verstärkt eine orientierungsgebende Funktion zu. Magie für eine sinnentleerte Gesellschaft wird in den nächsten Jahren ein großes Thema sein. Für das Marketing bedeutet dies eine neue Herausforderung: Die Marke muss über eine starke Religiosität verfügen, emotionale Aufladung der Marke wird demzufolge ein weiteres, wichtiges Thema des 21. Jahrhunderts sein, und das bei gleichzeitig veränderten medialen Kommunikationsmustern (die Markenbotschaft muss zwingend timeline kompatibel sein, sonst geht sie im allgemeinen Mediagrundrauschen unter) und stark verschwindender Zielgruppe (DER 14-49jährige unterscheidet sich mittlerweile stärker als es der Media-Forschung lieb sein kann) und das noch bei zeitnah lebenden Marketeers, i.e. Marketingnichtentscheidern, die ihr berufliches Überleben über die obligatorische Zweijahresfrist hinaus sichern müssen und deshalb ständig unmutig in Meetings sind und Entscheidungen für die Marke vermeiden.

Im Fokus steht in diesem Zusammenhang mehr denn je die Typologisierung. Auch hier sind neue Ansätze gefragt, die über bestehende Milieus hinausgehen, dem gesellschaftlichen Atomisierungsprozess Rechnung tragen und den Übergang der faustischen in eine zivilisatorische Gegenwelt, eine Auseinandersetzung mit Spenglers organologischem Weltbild und Huntington´s The Clash of Civilizations scheint hilfreich und auch ein Blick auf die Kulturpessimisten, hier speziell der Nachkriegszeit, könnte Licht in den Dschungel  neuzeitlicher Imponderabilien bringen. Anmerkung für gebätschelte und gebeutelte Studenten: Keine Sorge, es wird alles erklärt.

Hoch und heilig versprochen, es wir auch nur g a n z  l a n g s a m geschrieben und hier vorab die Trendthesen, die ab morgen zur Diskussion stehen:

Trend 1: Die prometheische Scham des 21. Jahrhunderts

Trend 2: Intuitive Ballistik – Das Ende der Zielgruppen und die Entdeckung einer neuen Bescheidenheit

Trend 3: Neu-Zeit oder: Wie bekommt man ein politisch korrektes Verständnis für Vogonen

Trend 4: Der Gang über die Rest-Risiko-Brücke

Trend 5: Religiosität der Marke oder: Wer nicht mit dem Wulff tanzt, kann sich köhlern

Trend 6: Das Zeitalter der Träumer

Trend 7: Leben und Arbeiten im WIRRklichkeitsRAUM

 

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