Der zornige Manager oder: Warum uns die Waldorfisierungsprozesse nicht weitergebracht haben

In der nächsten Zeit (hatten wir erwähnt, dass im November DAS Marketing Buch fertig sein wird), gilt es, sich mit einigen Kernthemen der aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation auseinanderzusetzen.  Ein wichtiges Thema der nächsten Tage wird dabei eine transsubjektive Annäherung an den WIRRklichkeitsRAUM sein. Es gilt die atopische Insel zwischen uneingeschränktem Fortschrittsglauben und kulturpessimistischer sichtWAISE aufzustöbern. Neben dem Blick durch eine technologisch mediale Brille wird ein weiterer Fokus auf dem Thema “Waldorfisierungsprozesse” liegen.

Bevor wir dieses Thema jedoch herausarbeiten werden, tun wir das, was wir am besten können: Wir schocken zunächst den zart besaiteten Leser fordern, provokativ wie wir sind,  nicht nur eine Rückkehr der Charismatiker, sondern in Anlehnung an Sloterdijk auch noch den zornigen Manager.

Beim reinen Zorn, so Sloterdijk, gibt es kein verknotetes Innenleben, keine psychische Hinterwelt und kein privates Geheimnis, durch das der Held menschlich verständlicher würde (Sloterdijk, S. 21). OMG (für die älteren Leser: Oh mein Gott!), der spricht von Helden! Für das von Waldorfisierungsprozessen geprägte Individuum (tbd.) nahezu unvorstellbar. Der Zorn als motivationale Schubkraft kann im Zeitalter übertriebener politischer Korrektheit nicht nachvollzogen bzw. akzeptiert werden. Durch den Aufbruch des entflammten Helden in dem Kampf , so nochmals Sloterdijk, verwirklicht sich eine Identität des Menschen mit seinen treibenden Kräften, von denen die häuslichen Menschen in ihren besten Momenten träumen (Sloterdijk, ebda.).

Sloterdijks sesshafter Mensch wurde hier als unautonomer Angstgartenzwerg kategorisiert mit Ausprägungsstufen von „liebevoll“ (=Loriot „das Bild hängt schief) bis „väterlich liebevoll“ (= Michael Douglas im Film „Falling Down“).  Nach Sloterdijk geben die zögernden Tugenden die Richtung für den sesshaften Menschen vor und wer auf der Tugendbank sitzt, kann gewöhnlich nicht wissen, wie seine nächste Aufgabe lautet. Er muss den Rat verschiedener Seiten hören und sein Entscheidung aus einem Gemurmel herauslesen, in dem kein Tenor die Hauptstimme verkörpert. Für die Alltagsmenschen ist Evidenz im Augenblick unerreichbar, ihnen helfen bestenfalls die Krücken der Gewohnheit weiter (Sloterdijk 21f).

Die zögernden Tugenden, so wurde weiter oben festgestellt, bestimmen aber leider auch das Management, die Führungskraft lebt zeitnah und farblos und sie schleppt sich unzornig von Meeting zu Meeting und von Urlaub zu Urlaub. Einen streibaren Manager zu fordern gilt jedoch als politisch unkorrekt. Um nochmals Sloterdijk zu zitieren: “Der glühende Angriff weiß, wohin er will“, der Manager mit glühender Leidenschaft auch, allerdings hat die Fehlervermeidungskultur und zunehmende Waldorfisierungsprozesse ihn zum aalglatten Erfolgsmenschen gemacht, der seinen Erfolg jedoch mehr schön rechnet und herbeiredet als ihn tatsächlich zu erreichen. Das Beispiel zu Guttenberg hat verdeutlicht, dass Medienwirksamkeit wichtiger ist als Tatendrang und konkrete Umsetzung und so stimmt der zeitnahe Manager mit allen anderen ab, bis die Entscheidung obsolet oder die Firma insolvent ist.

Die Forderung nach einem zornigen Manager ist politisch unkorrekt, darüber besteht Einigkeit, da aber erkennbar ist, was übertriebene Waldorfisierungsprozesse mit allzu zögernden Tugenden  angerichtet haben, wird sie an dieser Stelle bewusst aufrecht erhalten. Es waren Helden wie Bill Gates oder Steve Jobs, die angstfrei und gegen jede Vernunft Imperien aufgebaut haben, es waren Macher wie Richard Branson, Bill Gates oder Steve Jobs, die mit einer Vision und mit Mut, Arbeitsplätze geschaffen haben, zeitnahe Manager verwalten sie lediglich und übergeben sie an die Revisionsabteilung.

Die Forderung nach dem zornigen Manager fällt in Deutschland auf besonders kritischen Boden, hat doch der Nationalsozialismus den Terminus „Kampf“ sehr ins Negative gezogen. Pfaller hält dem jedoch entgegen, dass der Faschismus letztendlich nur durch Gewalt besiegt werden konnte, dass ein Diskurs nicht zielführend gewesen wäre.

Um es nochmals zu unterstreichen, es wird hier kein wirtschaftliches Schlachtfeld angestrebt, denn auch Sloterdijk ist sich mit Blick auf die Ilias bewusst, dass es nicht nur der Kampfgeist ist, der den Sieg hervorruft, im Falle Trojas war es der Kampfgeist in Verbindung mit Agamemnons List, es ist vielmehr die Kombination zwischen einem klaren Ziel, einem starken Spirit, Streitbarkeit, Mut und Entschlossenheit und auch die Bereitschaft, Fehler zu machen, zu ihnen zu stehen und aus ihnen zu lernen gehört mit ins Gesamtbild des zornigen Managers. Die Domestikation des Zorns (Sloterdijk 25), so muss man an dieser Stelle festhalten, hat uns nicht wesentlich weiter gebracht…

Das Thema “Zorniger Manager” wird am 16.10. im Schloss Monrepos im Rahmen des ManagerTrendForums für TOP Manager vertieft. Titel der Veranstaltung: „Unternehmer und TOP Manager im Spannungsfeld zwischen Social Media Verlockungen und technologischen Stolpersteinen“

Titel des Vortrages: „Halb zog sie ihn, halb sank er nieder oder: Warum Führungskräfte ihr Social Media Know How von 14jährigen Töchtern beziehen, die Religiosität der Marke immer bedeutungsvoller wird und Marketing ohne charismatischen Vollkörpereinsatz im Zeitalter dekontextuierter Ich-Sender  nicht mehr funktioniert“,

Information und Amnmeldung: ManagementTrendForum Monrepos

Und hier nochmals alle Termine im Überblick:

28.09.

Media für den Mittelstand in Owen (Nähe Stuttgart)
In Zusammenarbeit mit crossvertise

11.10.

Workshop Virales Marketing in Owen (Nähe Stuttgart)

12.10

Startschuss: Virales Marketing die Hochschule, Kurs für Studenten der Akademie der media in Stuttgart
Das Ergebnis dieses Kurses wird am 30.1.2013 ein Trendtag “Media für den Mittelstand” sein, organisiert von den  Studenten

16.10.

„Unternehmer und TOP Manager im Spannungsfeld zwischen Social Media Verlockungen und technologischen Stolpersteinen“ – Workshop mit dem Social Media Monitoring Spezialisten, IT-Profis und der Forderung nach mehr zornigen Managern.

Ort: Schloss Monrepos, Ludwigsburg

20.10.

Trendtag Automotive Eberspächer (Standheizungen)
Nur geladene Gäste
Keynote Speaker: David Roland, Leiter Industry Automotive von Google Deutschland

 

29.10.

Vortrag Medienforum Mittweida: “Die Flucht der Göttin im Sandkasten aus dem automobilen WIRRklichkeitsRAUM oder: Warum die Marke unbedingt Teil der Lebens-Fernbedienung werden muss, um den multioptionalen Ich-Sender begeistern zu können und der Bundestraffic Minister Ramsauer Thomas Gottschalk bald nur noch im Klapprechner sehen kann

Medienforum Mittweida

06.11.

Vortrag (Social Media Schwerpunkt) Akademie des deutschen Buchhandels

Vortragstitel: Die Göttin im Sandkasten an der ansprechBAR oder: Warum Verlage neue Markenstrategien und Vertriebswege brauchen könnten

Ort: München

12.11.

Vortrag (Media Schwerpunkt): “Robinson Krösus Flucht aus Erlenstegen oder: Warum die Marke unbedingt Teil der Lebens-Fernbedienung werden muss, sich die Kommunikation verändert und der  Bundestrafficminister Ramsauer Jopi Gottschalk bald nur noch im Klapprechner sehen kann”

Nürnberg zusammen mit dem

Kommunikationsfachverband CommClubs Bayern e. V

15.11.

Buchvorstellung im kleinen Kreis (Schwerpunkt: Immobilien Marketing)
Ort: Areal-7, Stuttgart

31.01.2013

Media für den Mittelstand – Trendtag organisiert von Studenten der Akademie der media als Abschlussarbeit des Kurses “Virales Marketing”

 

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1 Comment

  1. Media Lounge – das Network für Media Professionals » Zornige Manager braucht das Land!
    24. September 2012

    [...] Der zornige Manager als Gegenkraft zu zunehmenden Waldorfisierungsprozessen ist eine Anlehnung an Sloterdijk´s Zorn und Zeit. [...]

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