Trend 5: Das Zeitalter der Charismatiker

Das Jahr 2010 war das Jahr der Abmahnanwälte. Unternehmen, so konnte man am Beispiel Jack Wolfskin feststellen, wurden nicht mehr vom Manager geführt, sondern vom Rechtsanwalt, was kommunikativ nicht immer gut ausgehen muss, wie das Beispiel zeigte…

Im Fall Jack Wolfskin stieg der CEO erst in der dritten Runde wieder in den Ring und siehe da: Ober sticht Unter oder: Persönlichkeit ist dann doch besser als Anwalt.

Die Zeit ernennt in diesem Zusammenhang das Jahr 2010 sogar zum Jahr der Charismatiker. Obama, zu Guttenberg und Julian Assange werden hier als Paradebeispiele diskutiert.

Der strahlende Held: zu Guttenberg. Er verstand es im Gegensatz zu Obama sein Anderssein zu inszenieren. Es wird verdeutlicht, dass der US-Präsident in der Phase seines Aufstiegs als der Charismatiker schlechthin galt. Er wird dargestellt als wundervoller Redner, als schöner Mann (den Aspekt des Lookismus gilt es später unter Trend 7 zu vertiefen), als etwas ganz Besonderes. 2010 nun der rasante Fall: Als Teil des politischen Systems kann Obama seine strahlende Sonderstellung, die er im Rahmen des Wahlkampfes gehabt hatte, nicht behaupten. Es fehlt autonome Position.

Im Gegensatz zu Obama ist  Karl-Theodor zu Guttenberg mit weitaus weniger vorteilhaften Attributen ausgestattet. Das Zeit Magazin unterstreicht, dass er längst nicht so gut reden kann, aber dennoch vermochte er sein Charisma zu behaupten und auszubauen. Dem fränkischen Politiker nimmt man es ab, dass er als adeliger, reicher Mann gegenüber Politik und Gesellschaft autonom ist. Es ist ihm egal, wer unter ihm Kanzler ist.

Während in der Politik die finanzielle Unabhängigkeit im Vordergrund zu stehen scheint (ob mit oder ohne anonyme Mäzene sei dahingestellt), scheinen sich die Charismatiker in der Wirtschaft schwer zu tun. Vorbei die Zeiten, in denen charismatische Führer medienwirksam ins Licht der Öffentlichkeit traten und Mitarbeiter wie Gesellschaft mitrissen.

Ein Blick in die Rubrik „Biographien“ bei amazon verdeutlicht: Im Vordergrund Biographien mit hohem “Neidfaktor“, aber passend zur Inszenierungsstrategie natürlich auch eine Biographie von zu Guttenberg zu finden zahlreiche weitere allerdings ziemlich tote politische Persönlichkeiten wie Karl Marx oder Stalin, zu finden auch literarische, aber auch tote Größen wie Thomas Mann oder Heinrich Heine, aber auf Seite 26 immer noch keine Biographie eines noch lebenden charismatischen Wirtschaftsbosses.

Wo sind sie geblieben, die Spitzenmanager mit Charisma, die auch noch in der Lage waren, dies in Wort und Schrift zu fassen, wie beispielsweise ein Daniel Goeudevert oder Akio Morita (Sony). Die Helden der Wirtschaft schreiben heute nicht mehr, nicht mal mehr in einem eigenen Blog, obwohl das zeitgemäß und zielführend wäre.

An dieser Stelle wird unterstrichen, es wird nicht behauptet, dass es keine charismatischen Führer mehr gibt, im Gegenteil: Es gibt sie, allen voran sicherlich auch ein Mann wie Dr. Josef Ackermann. Kennzeichen: Auch er ist autonom und auch ihm war und ist es egal, wer unter ihm Kanzler ist und deshalb verkündete er lautstark, dass er sich schämen würde, wenn er staatliche Hilfe in Anspruch nehmen müsste und am Ende des Tages war er es, der als Gewinner aus dem Spiel ging und verdeutlicht, dass Gradlinigkeit, Charisma und Mut zum Fehler machen Erfolgsgaranten sind.

Autonomie ist der zentrale Begriff in Zusammenhang mit der charismatischen Persönlichkeit. Nota bene: Autonomie ist nicht immer deckungsgleich mit Reichtum. Es gibt genügend Beispiele, die zeigen, dass Charisma nicht auf finanziellem Wohlstand aufgebaut sein muss. Morton Lund, einer der Gründer von skype, verdeutlicht dem Außenstehenden, dass eine starke Persönlichkeit nicht von einem vollen Geldbeutel, sondern vom Glauben an sich und die eigene Sache abhängt. Brandeins hat den Entrepreneur treffend präsentiert: „Auf seine Visitenkarten hat Morten Lund nicht nur seinen Namen drucken lassen, sondern auch das Programm, mit dem er sich aus dem Bankrottschlamassel befreien möchte: “no strategy – no plan – no weapons – no porn – no assholes“.

Und nun, zwei Jahre nach seiner Insolvenz, steht er wieder aufrecht auf der Bühne des Lebens. Seine Botschaft: Be Focused. Geld bedeutet immer weniger, der Mensch, der dahinter steht, bedeutet alles. Mit einem entschlossenen Charismatiker und der richtigen Vision (siehe Trend 1: Gründung von Visionsabteilungen) kann ALLES ein Erfolg werden. Weitere Erfolgsfaktoren: Networking – mit Menschen, die begeistern und mit nach oben ziehen.

Persönlichkeiten wie Morton Lund führen vor Augen, dass Erfolg keine Frage des Geldes ist und schon lange keine Frage der eingeprügelten Motivation à la Anthony Robbins oder sonstiger selbsternannter Gurus, Heilsbringer oder Handaufleger, die selbst keine Ahnung haben, aber predigen, wie man sie bekommen könnte. Morton Lund steht wie kaum ein anderer für ein autonomes und rebellisches Leben. Und wenn man ihn nach Trends fragt, kann er sich eine ehrliche Meinung erlauben: I have noch fucking Clue.

Markenaufbau von innen, wird nicht von oben aufoktroyiert, SPIRIT kommt von innen und Spirit kommt aus Überzeugung, Spirit wird geprägt von einem starken Charismatiker, der an sich glaubt, der das, was er tut, aus LEIDENSCHAFT tut (oder es ansonsten sein lässt), Spirit hat etwas mit TRÄUMEN zu tun.

Charismatiker sind Menschen ohne Job und Beruf.

Charismatiker sind Manager aus Berufung.

 

Trend 1: Arbeiten im WIRRklichkeitsRAUM

 

Trend 2: Die Religiosität der Marke

 

Trend 3: Echtzeitkommunikation

 

Trend 4: Sozial-kognitive Dissonanz

 

Trend 5: Das Zeitalter der Charismatiker

 

Trend 6: Intuitive Ballistik – Das Ende der Zielgruppe

 

Trend 7: Das Ende der Politischen Korrektheit



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