Trend 7: Das Ende der politischen Korrektheit

Posted by on Jan 12, 2011 in Gesellschaft, Kommunikation | No Comments

Bis hierhin konnte gezeigt werden, dass die Umwelt zunehmend komplexer wird, bei gleichzeitigem Verschwinden von Leitbildern und Leitfiguren, die eine zunehmend verwirrtere Masse durch die Parallelwelten führen. Leitfiguren bewegen sich jedoch noch in alten Welten, der Zugang zu sozio-virtuellen Welten ist ihnen aufgrund ihres Arbeitspensums meist verwehrt – der “Hofnarr” wird immer dringender benötigt…

Ein weiteres, bisher noch nicht thematisiertes Kennzeichen sozio-virtueller Welten: Die Überkultivierung der politischen Korrektheit. Bolz skizziert den Weg der politischen Korrektheit anhand der Meilensteine „Kampf gegen (US-amerikanischen) Rassismus über „Kampf gegen Sexismus“ bis hin zu Themen wie Altersdiskriminierung.  Bolz weist darauf hin, dass der Sensibilität für Benachteiligungen mittlerweile keine Grenzen mehr gesetzt sind. Wer einen Behinderten nicht als „anders befähigt“ anerkennt, macht sich des Ableism schuldig und wer in der Schönheit einen Verdienst sieht, leidet an Lookism. Charismatiker, so konnte weiter oben gezeigt werden, haben gelernt, mit ihrem „Leiden“ umzugehen – so manche junge Frau vermag dies nicht und so führt die politische Korrektheit für sie geradewegs in die soziale Phobie.

Der Angriff auf die politische Korrektheit bringt Bolz auch prompt den Vorwurf der Polemik ein. Die FAZ bezeichnet ihn als Zeitgeist-Roadie – eine Ehrenbeschimpfung, die man sich redlich verdienen muss. Aber auch hier greift die unter Trend 5 subsummierte These der Autonomie: Nur der wirklich Starke vermag es gegen den von allen Seiten zwangspostulierten Gleichheitsstrom zu schwimmen.

Um den despektierlich gebrauchten Zeitgeist-Roadie nochmals aufzugreifen: Im modernen WIRRklichkeitsRAUM ist der Zeitgeist-Rowdy, der sich mit gesunder Arroganz und Ignoranz über die  allgemeine Zwangsgleichmachung hinwegsetzt, stärker gefragt als je zuvor. Hatte früher der Mann ritterlich um die Frau gekämpft, so kämpft er heute gegen sie und die moderne Frau wundert sich, warum es nur noch Männchen und keine Männer mehr gibt – was jetzt nicht heißt, dass der Rückschritt zum Macho gefordert wird und auch der gebührende Respekt gegenüber Behinderten soll nicht in Frage gestellt werden.

Respekt jedoch muss das neue Zauberwort der nächsten Jahre heißen. Die Zeit ist reif für einen neuen kosmopolitischen Respekt mit dem Recht auf Ungleichheit.  Kosmopolitismus ist der neue zentrale Begriff, der ein Zusammenleben über sozio-virtuelle und staatliche Grenzen hinweg ermöglicht, ohne dass Eigenheit und Differenz auf dem Altar der unterstellten (nationalen) Gleichheit geopfert werden (vgl. Beck/Grande).

Trend 1: Arbeiten im WIRRklichkeitsRAUM

Trend 2: Die Religiosität der Marke

Trend 3: Echtzeitkommunikation

Trend 4: Sozial-kognitive Dissonanz

Trend 5: Das Zeitalter der Charismatiker

Trend 6: Intuitive Ballistik – Das Ende der Zielgruppe

Trend 7: Das Ende der Politischen Korrektheit


Similar Posts:

Leave a Reply


− sieben = 2