Collaborative Consumption, Habermas, die Undemokratisierbarkeit der Märkte und die Macht der Marke oder: Das Sommerloch muss gefüllt werden…

Posted by on Aug 13, 2012 in Marke, Gesellschaft | No Comments

Der politische Liberalismus, so stellt Habermas fest, versteht sich als eine nichtreligiöse und nachmetaphysische Rechtfertigung der normativen Grundlagen des demokratischen Verfassungsstaates. Habermas subsummiert, dass der liberale Staat seinen Legitimationsbedarf aus den kognitiven Beständen eines von religiösen und metaphysischen Überlieferungen unabhängigen Argumentationshaushaltes bestreiten kann.  So weit der theoretischen Denkansatz. Im politischen Alltag machen sich dann jedoch vermehrt vorpolitische Einflüsse bemerkbar, von kirchlichen Radioansprachen zur besten Sendezeit bis hin zur Diskussion, ob homosexuelle Ehen gleichgestellt werden können, was einem liberalen Denken, nicht aber einer katholisch geprägten C-Parteipolitik entspräche. Das Gleichstellungsthema verdeutlicht einmal mehr, dass die Trennung von Staat und Kirche noch nicht wirklich vollzogen ist. Die Ehe also doch keine Institution eines liberalen Staates, sondern nur die Ehe, die auch den kirchlichen Segen bekäme. Ungleichheit also zur Rettung des konservativen Lagers, bis dass das Verfassungsgericht es scheidet. Die Rede ist natürlich vom bundesdeutschen Verfassungsgericht, ein bayerisches Gericht, wüsste schon, was zu entscheiden wäre und deshalb wird das Sommerloch gefüllt und ein  eigenständiger bayerischer Staat gefordert.

Verlassen wir den Politzirkus und kehren, irgendwie muss das Sommerloch schließlich gefüllt werden, zurück zu Habermas. Märkte, so stellt er fest, übernehmen zunehmend Steuerungsfunktionen in Lebensbereichen, die bisher normativ, also entweder politisch oder über vorpolitische Formen der Kommunikation zusammengehalten worden sind. Dadurch werden nicht nur private Sphären in wachsendem Maße auf Mechanismen des erfolgsorientierten, an je eigene Präferenzen orientierten Handelns umgepolt. Verlassen wir in einem weiteren Schritt den bei Habermas folgenden Diskurs über Vernunft und Offenbarung und wenden uns den Märkten zu, dann folgt die gänzlich unphilosophische Feststellung des Zerrüttetseins der Märkte, ein Fehlen der Nachtwächterfunktion, statt dessen gezielte staatliche Eingriffe in bis dahin „funktionierende“ System (über ethische Aspekte wird an dieser Stelle nicht diskutiert), es folgt die Feststellung staatlicher Überschuldungen (welche Regierung macht sich schon gerne unbeliebt) und schon ist man auf der pragmatischen Seite der Welt angekommen. Schluss mit Philosophie und lustig…

Was bleibt, ist die Notwendigkeit, den WIRRklichkeitsRAUM im Spannungsfeld zwischen Vernunft und Offenbarung zu durchleuchten, die Herleitung der Religiosität der Marke unter dem Aspekt des Nicht-Funktionieren von Marktmechanismen und gesellschaftlicher Strukturen anzustreben und auch das Thema digitale Demenz als Fortführung kulturpessimistischen Gedankengutes gilt es zu vertiefen, aber bitte nicht mitten im Sommerloch, wo es ohnehin kaum jemand liest…

Ja, auch der Megatrend Collaborative Consumption wird ausführlich nach dem Sommerloch gewürdigt und das Thema Sublimierung als Steigbügel für die Schamgesellschaft und selbstverständlich gilt es auch den Übergang von Opaschowski´s Freizeitgesellschaft hin zum Hedonismus auf Pump zu untersuchen, aber halt dann nach dem Sommerloch, denn Bayern steht vor einem der wichtigsten Feiertage: Ferragosto. An diesem Tag leeren sich italienische Städte (München ist die nördlichste italienische Stadt), man verlagert das Leben an den Strand, zumindest diejenigen, die es sich finanziell nicht leisten können und lässt es sich bis Mitte September gut gehen. Griechify your life oder: Generalstreik im Bikini – sexy einen Staat lahmlegen…

 

 

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