bahn.sinn – der wahn hat einen neuen sinn. wo aber bleibt die kundenorientierung bei der bahn?

Wenn einer eine Reise tut, so kann er viel erzählen, sagte dereinst Matthias Claudius und bei allen Lesern schillert es: Das war nicht Goethe und auch nicht der mit der Glocke…

Wenn einer eine Reise mit der Bahn tut, so hat er meist noch mehr zu erzählen: Nein, die Rede ist heute nicht von den an anderer Stelle beschriebenen Jedi Rittern in Bahnuniform und auch nicht von komischen Schildern an der Zugtoilette, sondern vielmehr vom schwierigen Procedere, seinen hart erkämpften Kundenstatus zu erhalten.

Bei einer Fluggesellschaft ist man entweder hoch geschätzter Vielflieger, der mit allen Mitteln umgarnt wird oder aber man wird als Sesselpupser geduldet und zumindest ordnungsgemäß am Zielflughafen abgesetzt, denn es könnte ja noch ein Vielflieger draus werden. Nicht so bei der Bahn, der Bahn-Vielflieger erhält eine Bahn-Comfort-Karte. Wenn er die verliert, oder mit dem Anzug in die Reinigung gibt oder was auch immer, wird er erst einmal wüst beschimpft…

Das kommt vielleicht deshalb, weil der Bahn-Comfort-Kunde zunächst einmal bei einer profanen Sammelnummer anrufen muss, bei der auch der gemeine Bahn-Kunde anruft. „Sie verlieren Ihre Bahn-Card ja sehr oft“, sagt die ansonsten aber sehr freundliche Berlinerin. Der Hinweis, dass dies das erste Mal ist und der letzte Kartenwechsel aufgrund eines Zusatzauftrages für die Bahn (=teurere Bahn-Card) zustande kam, interessiert die freundliche Bahn-Card Mitarbeiterin nicht. Es wird eine Nummer vergeben, mit der man eine vorläufige Bahn-Card am Schalter oder am Automaten erhalten kann. Das Wort Automat verwirrt: Kann der denn auch eine Bahn-Card-Comfort ausstellen??

Die Frage, ob man damit auch wieder in die DB Lounge gelangen kann, löst sofort Entsetzen bei der Bahn-Card-Mitarbeiterin aus, sie alarmiert sofort ihre Chefin. Auch hier der dezente Hinweis, dass schon bestraft werden müsse, wenn man sein Bahn-Card verschlampt – 10 bis 14 Tage DB Lounge Verbot!

Der Hinweis, dass Fluglinien wesentlich freundlicher mit Vielfliegern umgehen, veranlasst die Bahn-Card-Oberaufseherin, zur Bahn-Card-Comfort-Annahmestelle durchzustellen. Hier bekommt man dann den Hinweis, mit der weiter oben ausgestellten Normal-Bahn-Card-Ohne-Comfort-Nummer zum Schalter zu gehen, der dort zuständige Beamte solle dann eine ihm bekannte Bahn-Card-mit-Comfort-Nummer anrufen können, also die mit der man selber gerade telefoniere, die dann die Rechtmäßigkeit des Bahn-Card-Comfort-Status bestätige und dann könne der Bahn-Card-mit-Comfort-Schalterbeamte auf der vorläufig ausgestellten Bahn-Card-Ohne-Comfort den Bahn-Card-mit-Comfort-Status bestätigen.

Wenn man dann aber als Bahn-Card-Comfort-Kunde zum Bahn-Card-Comfort-Kunden-Schalter kommt, passiert, was passieren muss: Man wird zunächst zum Bahn-Card-Ohne-Comfort-Automaten geschickt. Wenn man dann darauf hin weist, dass dieser aber den Bahn-Card-Comfort-Status nicht bestätigen kann, wird die Argumentationskette des Telefons in die Realität umgesetzt. Also wer verliert, muss bestraft werden etc. pp. und dann aber der erlösende Anruf mit der Bahn-Card-Comfort-Annahmestelle und die erlösende Bestätigung, dass man doch nicht so schlimm ist (dass man tausende Euro bei der Bahn ausgegeben hat, interessiert eigentlich niemanden dort, aber das ist eine andere Sache).

Es folgt ein strenger Beamtenblick und der majestätische Griff zum Stempel: Der Ritterschlag vom ordinären Bahn-Card-ohne-Comfort-Kunden zum Bahn-Card-MIT-Comfort-Kunden wird vollzogen. Mit einem OK-aber-nur-ausnahmsweise-Blick wird die vorläufige Bahn-Card-Comfort überreicht und alle in der Schlange beten, dass ihnen so etwas NIE passieren möge und passen ab sofort VIEL besser auf ihre Bahn-Comfort-Card auf.

An dieser Stelle fragt sich der geneigte Leser natürlich, warum dieser prokrastiantionsfördernde Text ins Netz gestellt wurde? Dass die Bahn noch nicht in der Neuzeit angekommen ist, weiß jedes Kind. Warum dann einen Text, in dem 36 Mal das Wort Bahn (also jetzt 37x) vorkommt??

Ganz einfach: Wir wollten zum Wochenbeginn testen, ob die Bahn ein Social Media Monitoring Tool hat? Wenn nein, können wir uns über die Bahn an dieser Stelle getrost weiter belustigen oder sie wahlweise zu einem unsere Social Media Monitoring Workshops einladen. Alternativ kommen wir gerne mal vorbei und erklären, was das alles ist, aber das liest hier ja eh keiner bei der Bahn…

Oder doch??

Mind Store Marketing wünscht einen guten Start in die neue Woche

und freut sich auf das Event „Media Lounge meets Experts“ in München

.

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1 Kommentar zu „bahn.sinn – der wahn hat einen neuen sinn. wo aber bleibt die kundenorientierung bei der bahn?“

  • Marko:

    “…wo bleibt die kundenorientierung bei der bahn?”

    …ganz stilecht: “auf der Strecke!”

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