Monthly Archives: Juni 2012

Es ist kompliziert: münchen.de oder: Wem gehört eigentlich eine Stadt?

Seit einer gefühlten Ewigkeit kämpfen Stadtväter, dass Bürger von „ihrer Stadt“ sprechen, sich identifizieren, sich einbringen, sich für IHRE STADT einsetzen und jetzt kommt ein amerikanisches Zucker-Burschi und sagt, dass die Stadt niemand gehört…

Diktatorisch, anders kann man das nicht bezeichnen, wird seitens facebook, einfach mal so die Seite der Stadt München geschlossen. Dramatisch für die Politik: Da wollte man bürgernah sein und dann so etwas…

München.de

An dieser Stelle wird deutlich, dass die Politik nicht mehr streitbar ist. Statt sich der eigenen Stärken bewusst zu werden und (parteiübergreifend) die Bürger der Stadt München zu mobilisieren, wird München einfach in München.de umbenannt. Der massive Eingriff eines amerikanischen Unternehmens in die Bayerische Kultur wird nonchalant übergangen. Wo, fragt man sich, ist Herr Seehofer, der mit der selben Inbrunst wie er Gutti zurückholen wollte, jetzt die Landeshauptstadt verteidigt? Statt Presseerklärungen abzugeben, dass er auch in die Oposition gehen würde (wo sind wir nur gelandet, Franz Josef muss sich im Grabe umdrehen…), sollte er lieber die patriotische Faust zum Bayerischen Shitstorm ballen (Übersetzung für Herrn Seehofer: Schleich di, du Zucker-Burschi).  Und wo ist der sonst so wackere Ude? Warum verbieten wir nicht Facebook Mitarbeitern einfach mal so den Besuch des realen Oktoberfestes? Sollen sie doch virtuell in München.de feiern… und auf der Wiesn.de eine virtuelle Maß trinken, die  Saupreißn, die amerikanischen…

Abschließend noch eine kurze Frage: Was wäre eigentlich wenn die Stadt Hamburg beispielsweise mal eben über Nacht das Büro von Facebook schließen würde…?

Wir schalten zurück zum WIRRklichen Leben. Zurück zu einem alten Sponti Spruch:

Stell dir vor, es ist facebook und keiner geht hin…

Social Media Analyse: Die Göttin im Sandkasten und die XBOX Jungs

Die Playstation bzw. der Playstationspieler wurde an anderer Stelle hinreichend thematisiert. Der „Playstationspieler“ war hierbei Platzhalter für junge Männer, die sich mit der Playstation besser auskennen als mit jungen Frauen. Um nun nicht den Wettbewerb Xbox und Wii zu vernachlässigen, haben wir uns entschlossen, eine kurze Social Media Analyse zu starten, um uns ein genaueres Bild der Playstation bzw. Xbox Szene zu verschaffen.

XBOX

Die Fragestellung: Wie wird wo über die Xbox und wii gesprochen? Durchsucht wurden die Weiten des WWW mit Schwerpunkt Xbox. Betrachtet wurde der Zeitraum vom 1.1.2012 bis 10.6.2012. Gefunden wurden 4.062 Beiträge in 277 relevanten Netzen.

Die Social Media Analyse hat gezeigt, dass viele Diskussionen Spekulationen um die Marktvorstellungen neuer Spielekonsolen der achten Generation aufgreifen. Gaming-affine Nutzer hoffen auf technische Innovationen und mitreißende Spiele. Die Präferenzen zwischen Xbox, Wii und PlayStation entsprechen den persönlichen Vorlieben der Spieler.

Xbox und PlayStation gelten dabei weniger als Gesellschaftskonsolen, sondern werden von regelmäßigen „Zockern“ bevorzugt (was die These von der Göttin im Sandkasten und den nicht-frauen-kompatiblen Playstationspieler nochmals unterstreicht). Nutzerbeiträge zur Xbox existieren vorwiegend in PC- und Games-Netzwerken. Unternehmensneuigkeiten und Informationen von Spielemessen und –veranstaltungen werden ebenso auf Facebook und Twitter verbreitet.

Erstaunlich: Xbox-Kritiker verweisen immer noch auf die massiven Probleme der Anfangsjahre, wie Überhitzung und das Zerkratzen von Datenträgern. Das Vertrauen in die zukünftige achte Konsolengeneration von Xbox ist bei manchen Nutzern noch nicht wiederhergestellt. Für interessierte Leser des Guerilla Marketing Blogs verschicken wir gerne die komplette Xbox Social Media Analyse .

Weitere Erkenntnisse aus der Social Media Analyse fließen am 10.7. in einen Vortrag ein: „ Die Flucht der Göttin im Sandkasten aus dem automobilen WIRRklichkeitsRAUM oder: wie gelangt die Marke in die Lebens-Fernbedienung und begeistert den multioptionalen Ich-Sender?“ (Beginn 19.00 Uhr, Ort: Gesellschaftsraum, Augustenstr. 7 in München)

Betreutes Kochen mit Bernd Arold

Ab September starten wir wieder gemeinsam mit Bernd Arold mit unseren beliebten Serien „Betreutes Kochen“ und „Captain´s Dinner ohne Boot“.

Im Rahmen des betreuten Kochens werden Firmen, Abteilungen oder Kunden eingeladen. Im Mittelpunkt steht die wichtige Frage: Was passiert, wenn man 5-6 Menschen bittet, Weihnachtsplätzchen zu backen und zwar mit vor so typischen Zutaten wie Knoblauch, Leberwurst, Blutwurst oder Ahoi Brause?? Wie kocht man aus Red Bull eine Suppe oder mit Fisherman´s Friend ein Risotto?

Erste Erkenntnis: 5-6 Menschen sind noch lange kein Team! Gemeinsam mit Bernd Arold betreiben wir deshalb Team Building der geschmackvollen ART.

Stichwort Compliance: Mit diesem Konzept hebeln wir alle Bedenken aus dem Rahmen. Es geht schließlich um Fortbildung, Weiterbildung oder um Kreativ-Workshops und NICHT um langweilige Kundenbespaßung oder gemeine Bewirtung.

Cooking & Consulting: Speisen mit Niveau – Bildung mit gehobener Küche

Im Rahmen des Captain´s Dinner ohne Boot laden wir regelmäßig Führungskräfte in den Gesellschaftsraum zu einem echt schrägen Dinner ein. Wir servieren beispielsweise elektrisierendes Tonka Schoko Mousse auf Vanille Peperonata und fragen beiläufig nach der persönlichen Einschätzung der Trends für die Branche oder die Konjunktur. Am Ende des Jahres  werden wir den Teilnehmern ein Trendbarometer mit Kochrezepten zukommen lassen.

Wer sich ein Bild von Bernd Arold und unserem kulinarischen Consulting machen will, kann dies gerne am 10. Juli in München tun. Der Gastgeber ist zwar nicht Mind Store Marketing und Bernd Arold, sondern der Kommunikationsfachverband CommClubs Bayern e. V.  Mit dem Gastvortrag in Verbindung mit der Küche des Gesellschaftsraumes kann man sich jedoch schon mal einen erste Eindruck verschaffen. Referent: Dr. Torsten Ambs (Keynote Speaker), Titel des Vortrages:

Die Flucht der Göttin im Sandkasten aus dem automobilen WIRRklichkeitsRAUM oder: wie gelangt die Marke in die Lebens-Fernbedienung und begeistert den multioptionalen Ich-Sender? 

Untersucht werden sozio-virtuelle Welten, das Ende der Zielgruppen sowie eine damit verbundene Notwendigkeit der Clusterung von Zielpersonen. Ansatzweise wird versucht, eine sozio-virtuelle Typologisierung als Orientierung für das Marketing zu geben.

Datum:

Dienstag, 10.7. 2012

Zeit:

19:00 Uhr           

Location:

Der Gesellschaftsraum

Adresse:

Augustenstraße 7, München

Anmeldung:

http://www.doodle.com/wy63gtfuvnxi5z9g

 

 

 

 

 

Aufbruch im Morgengrauen

Was passiert, wenn eine Versicherung in Richtung Social Media aufbricht? Es wird ein Arbeitskreis gegründet, der das Ganze erst einmal diskutiert (unnötig zu erwähnen, dass keiner der Arbeitskreisteilnehmer einen Facebook oder Twitter Account besitzt). In Stufe zwei werden dann Social Media Guidelines erlassen (zu deutsch: machmerned…)

Anders, wenn der Aufbruch in Social Media Welten von der Basis kommt. Dann bekommt die ganze Sache sofort Dynamik. Noch mal anders, wenn der Aufbruch in einer Power Direktion (= Sparkassenversicherung Owen) erfolgt, die verstanden hat, dass Social Media immer Content bedeutet.

sparkassenversicherung owen schwäbische alb

Aufbruch Stufe eins deshalb: Social Media bedeutet nicht immer gleich Facebook. Deshalb: Ein Magazin für Unternehmer und Macher der Region Kirchheim Teck / Owen.

Stufe zwei: Social Media findet auch in der Wirklichkeit statt. Deshalb: Kundenevents, Workshops, Informationsveranstaltung und aber auch Socializing Pakete (übersetzt: mir gehn wandern).

Und wenn es eine Power Direktion ist, dann wandert man natürlich nicht einfach so zum Spaß, sondern dann schon richtig = 50 km und ein paar Zwerquetschte…

Und der Clou: Man teilt der Welt via Twitter mit, wo man sich gerade befindet  und postet auf der Facebook Seite…

Fazit: Es macht Spaß, wenn man Kunden hat, die mit Tempo und Leidenschaft an ein Thema herangehen, ABER: 50 Kilometer entspricht schon einem echten Gewaltmarsch…

Robinson Krösus Flucht aus dem automobilen WIRRklichkeitsRAUM oder: wie gelangt die Automobilindustrie in die Lebens-Fernbedienung und begeistert den multioptionalen Ich-Sender?

Die Reaktionen auf den Beitrag Das Restaurant am Ende Des Universums oder: Warum Autohäuser von einem anderen Planeten sind haben gezeigt, dass Marketing aus Herstellersicht und Sicht des Autohauses durchaus differenziert betrachtet wird. Die Kommentare und Mails belegten, dass die altbekannte These, dass ein Restaurantgedanke in Verbindung mit einem Autohaus nicht unbedingt neu, aber diskussionswürdig ist.  An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für die zahlreichen konstruktiven Mails.

Dank auch für das aggressive Posting in unserer  Xing Gruppe, das unterstrich, dass wohl der Nerv getroffen wurde. Empfehlung an BMW:  Dringend an den Umgangsformen der Gebietsverkäufer arbeiten, denn

erstens: Auch Akademiker mit Dr. Titel spricht man mit “Herr Doktor Name” an und

zweitens: Mit öffentlichen Unhöflichkeiten bezieht man zwar deutlich Position und kann auch gut verdeutlichen, dass man gefrustet ist, gewinnt aber nicht zwingend Sympathien und auch nicht unbedingt neue Kunden…

Danke also nochmals für die Steilvorlage, am 14.6. wird das BWM Negativ-Beispiel im Rahmen eines Vortrages in den Räumen der Akademie der media GmbH in Stuttgart vorgestellt, vertieft und mit Vertretern aus Praxis und Studenten diskutiert.

Natürlich könnte man, wenn der Autoverkäufer alter Schule den Sprung ins neue Jahrtausend noch nicht geschafft hat, ihn durch entsprechende Motivationsmaßnahmen an seinem Schlafplatz abholen und gemeinsam in eine neue Espressokultur mit Abschlusswillen führen, aber wer will das im Zeitalter einer modernen Kommunikation schon?  …ausser vielleicht Nespresso.

Wenn der Käufer nicht zum Auto kommt bzw. der Verkäufer es erfolgreich “beschützt”, muss das Auto wohl zum Käufer kommen und das tut es heute natürlich als APP. Wenn nun dieses Stichwort fällt, dann fällt meist der klassische Marketeer in klassische Kommunikationsfurchen: Jetzt Probefahrt vereinbaren! Die zeitgemäße Formulierung hingegen lautet: Jetzt fahren! Oder neudeutsch: Mobility Now.

Der moderne Mobilitätsjunkie will sich nun mal kein Auto mehr an die Backe binden, sondern lediglich seine Mobilität erhöhen. Er hat gelernt, dass die Bahn fast stündlich durch die gesamte Republik fährt und dass man dort zwar manchmal mit Verspätungen und missgelaunten Schaffnern rechnen muss, aber von Reifenwechsel und TÜV ist man hier befreit.

Auch die Airlines bringen den Mobilitätsfreak schnell von A nach B, die Frage ist nur, wie kommt man zum Flughafen, aber hierfür gibt es ja die Taxi App oder Car Sharing (der näher am studentischen Leben stehende Homo Mobilis nimmt halt dann die Mitfahr APP). Für den antiquierten Autoverkäufer, der sich vor Kunden im Autohaus immer hinter dem Computer-Monitor versteckte, bedeutet diese Entwicklung denknotwendigerweise: APP aufs Altenteil…

Für den Hersteller bedeutet diese Tendenz: APP zum Verbraucher! Verkauft wird nicht länger das Automobil, sondern das Lebensgefühl. Warum immer das selbe Auto fahren und am Ende wohlmöglich noch Parkplätze suchen und Reifen wechseln? In Anlehnung an die existierenden Car Sharing Ansätze kann der bis dahin gelangweilte Autoverkäufer das Auto auch vor die Haustür bringen (das kann ein Student auch, aber das sagen wir dem Autoverkäufer heute noch nicht). Der Trick: Der Student ist besser gelaunt und das Auto kann heute ein Cabrio für den Abend am Tegernsee sein und morgen für das Wochenende in den Bergen ein SUV oder am Wochenanfang für die Geschäftreise eine Limousine.

Wenn die Marke aber dann im Vershofen´schen Sinn nur den Grundnutzen im Auge hat, kann sie in einem neuen, vernetzt denkenden Markt nicht überleben. Erst wenn sie den Weg in die Fernbedienung des Lebens gefunden hat und der Zusatznutzen im Vordergrund steht, erst wenn die Religiosität der Marke vom Verbraucher erkannt wird und er an sie glaubt, kann die Marke in den Olymp der Konsumenten aufsteigen.

Hierzu aber muss die Marke die Pfade kennen, auf denen der Verbraucher wandelt. In der Großstadt wird wohl aus Parkplatzgründen weniger die Limousine geordert, sondern eher Car Sharing mit Chauffeur gesucht, i.e. die Taxi App und auch der ICE vom Hauptbahnhof ist ein zentraleres Thema als auf dem Lande, wo er nur durchrauscht. Gefragt ist also nicht die Automarke APP, sondern die Einbettung einer Marke in eine Mobilitäts APP.

Emotionale Allianz statt strategische Allianz!

Keynote: Robinson Krösus Flucht aus dem automobilen WIRRklichkeitsRAUM oder: wie gelangt die Automobilindustrie in die Lebens-Fernbedienung und begeistert den multioptionalen Ich-Sender?

Datum: 14. Juni 2012

Zeit: 16.00 Uhr bis 18.00 Uhr

Ort: Akademie die media GmbH in Stuttgart

Adresse: Tübinger Straße 12-16 in 70178 Stuttgart

Launische Überlegungen zum Thema „Identitätsmanagement“ (Fortsetzung) nach einem Feiertag, den nur die Wessis feiern während unsere ostdeutschen Freunde hart arbeiten müssen.

Aus der Sloterjik´schen Sicht des übenden Individuums, das die Stütze der Religion verloren hat und sich nun allzu oft psychotechnischen Konzernen gegenüber sieht, wären religiös orientierte Feiertage wie der gestrige Happy Cadaver Tag gut geeignet, um dem Wutbürger Öl auf die Lampe zu gießen. Zumindest dem ostdeutschen Wutbürger, denn während auf der einen Seite der Mauer ein Brückentag gefeiert wird, wurde im Osten hart gearbeitet.

Man hätte noch einen drauf setzen können, indem man zu Shopping Touren in die Zone aufruft, aber auf derartige Aktionen wurde, obwohl wir eine Guerilla Marketing Agentur sind, ausnahmsweise verzichtet.

Stichwort Wutbürger: Es kann festgehalten werden, dass er nicht wirklich wütend auf die Politiker ist, sondern dass er selbst sich nicht traut, die politisch vorgelebten Schweinereien ebenfalls zu machen. Und wenn dann ein vermeintlicher Saubermann Bundespräsident wird, ist man nicht entsetzt, dass er schlimme Sachen macht, sondern dass so ein entsetzlicher Langweiler so etwas tut. Des Volkes Zorn hat Wulff nicht auf sich gezogen, weil er Urlaub geschnorrt hat, sondern weil ein Langweiler nun mal spießig und langweilig zu sein hat und kein Bösewicht. Gegenbeispiel: Berlusconi, den mag zwar auch keiner, böse Buben sind immer verhasst, aber der ist halt cool…

Der Wutbürger ist auch deshalb wütend, weil der eigene Arbeitsplatz stets gefährdet ist, während Wulff, nachdem er sich endlich geköhlert hat, noch mit Chauffeur und Sekretärin ausgestattet wird und von den 200.000 Euro per anno mal ganz zu schweigen…

Zum Wutbürger könnte man auch werden, weil die Heerschar der Berufspolitiker ständig wächst. Nachdem die Röttgen-Strahlen verblasst sind und Seehofer öffentlich und laut im Fernsehen „nachgedacht“ hat, schnell noch ein neues Energie-Ministerium, weil der alte und auch der neue Umwelt-Minister das Thema Energie offensichtlich nicht gebacken kriegen und noch ein paar Staatssekretäre dazu und noch ein paar Pöstchen, Lieschen Müller ist sauer…

Während Seehofer das ZDF als Transportvehikel für seine Schmucktelegramme an die Kanzlerin nutzt, nutzen es Vertreter verschiedener Religionen, um sich vor laufender Kamera anzubrüllen,  um der  Gegenseite medienwirksam klarzumachen, dass nur sie die Religion der wahren Liebe verstanden haben. Verfassungsmäßig verordnetes Hartz-IV Fernsehen mit Heiligenschein.

Und machmal dann ziehen die selbst ernannten Vertreter der göttlichen Transzendenz die Kreise etwas weiter und zeigen auch Minderjährigen, was echte Liebe ist und und ein alter Mann aus Rom muss dann gegen seine Überzeugung wieder schlichtend vor die Fernsehkameras treten und versöhnliche Worte sprechen, dass Misshandlung doch ein arg böses Wort für Verfehlungen von eigentlich ganz guten Männern ist.

Es kann also festgehalten werden, dass der Versuch, eine Komplexitätsbewältigung durch Verlagerung zu Moral-Themen zu erreichen, nicht zielführend ist und auch der humanistische Gleichmachungsansatz erscheint wenig hilfreich, die Kulturpessimisten setzen sich anscheinend doch durch mit der Erkenntnis der menschlichen Unzulänglichkeit. Die prometheische Scham ist omnipräsent.

Die Götter, so stellt Norbert Bolz fest, die aus dem Himmel der Religionen verdrängt wurden, kehren wieder als Idole des Marktes. Die Kreuzritter vor der Kamera gehören demzufolge einer aussterbenden Rasse an. Geschützt werden sie allerdings noch kräftig von der Politikerkaste und dürfen zur besten Sendezeit brave Radiohörer mit langweiligen Horrorgeschichten aus der ontologischen Märchenkiste vergraulen. So wie die Sektsteuer seit Bismarck noch lebt, leben auch die Klerikalen in öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten noch als Gespenster und Geister, die niemand rief, aber dennoch niemand los wird. Sie leben als Untote zwischen den Welten, die die Lebendigen zu Tode langweilen und jeder fragt sich, ob die Alliierten von einst bitte nochmals zusammentreffen und bitte ihre Fehler korrigieren könnten, wir leben ja nicht mehr im Krieg bzw. wir tun es doch, weil keiner sich traut, den kirchlichen Brainwash Krieg zu stoppen und endlich Staat und und private Sinnsuche nicht nur auf dem Papier zu trennen.

Dem Polytheismus der Marken zum Trotz tun alte Männer dann doch noch so, als ob sie eine wichtige Stütze der Gesellschaft sind und nette ältere klerikale Damen fahren betrunken durch die Lande, um dann als Medienstar wieder aufzuerstehen. Sloterdijk bringt es auf den Punkt: Der homo religiosus, der sich mit surrealen Riten an die Überwelt wendet, darf den verdienten Abschied nehmen.

Die Marke, so kann festgehalten werden, hat es angesichts schwindender Werte gebender Welten schwer, die fehlende Orientierung anzubieten. Religiosität der Marke, so konnte an anderer Stelle gezeigt werden, gibt zwar keine Antworten auf die individuelle Sinnsuche, bietet jedoch angesichts reduzierter Sprachwelten zumindest rudimentär Orientierung. Gefällt mir…

Die Frage, die an dieser Stelle laut wird: Was hat das alles mit Identitätsmanagement zu tun? Die einfache Antwort lautet: Überhaupt nichts. Aber es konnte ein weiteres Mal gezeigt werden, dass Überschriften wichtiger sind als die Botschaft.

Identitätsmanagement: Launische Überlegungen zur Identität des Menschen im Zeitalter der informativen Cholera unter besonderer Berücksichtigung multipler Markenpersönlichkeiten.

Identitätsmanagement (Identity Management), so kann man bei Wikipedia nachlesen, ist der zielgerichtete und bewusste Umgang mit Identität, Anonymität und Pseudoanonymität bezeichnet.

Die klassischen Datensammler alter Prägung hatten es noch einfach: Telefonbücher durchsuchen oder dann „Interviewer“ in Wohngebiete schicken und schon hatte man die Verknüpfung mit Namen und Doppelhaushälfte aus der man dann Max Mustermann, Musterallee in Musterstadt machen konnte (Marktforschung statt Identitätsmanagement…)

Was aber, wenn Max die Identität wechselt und sich Maximus Max nennt? Jetzt könnte man zwar aufgrund des Geburtsdatums und anderer Identitätsmerkmale zurück schliessen, dass Max und Maximus irgendwie gleich sind, einen echten Erkenntnisnutzen hat man aber noch nicht gewonnen (und das Thema Doppelmoral wäre auch nicht abschließend diskutiert). Eine Person, so stellt Wikipedia trocken fest,  kann durchaus mehrere Identitäten besitzen, während eine Identität gewöhnlich nur einer Person zuzuordnen ist. Dabei ist die Identität eine Sammlung von personenbezogenen Attributen, die die Person, die sich dieser Identität bedient, individualisiert.

Das trickreiche an der Sache: Multiple Identitäten sind in manchen Bereichen durchaus gewollt, man denke an den Fall, dass Maximus Max ein Computerspiel spielt und sich via Kreditkarte ein höheres Level kauft. Plötzlich weiss „jeder“, dass Maximus Max eigentlich Max Mustermann heisst. Identitätsmanagement macht aber nicht nur in diesem Fall Sinn. Die Liste könnte beliebig verlängert werden (da es sich an dieser Stelle jedoch zunächst nur um launische Überlegungen handelt, wird sie nicht vertieft).

Wann aber trifft Identitätsmanagement (Identity Management) auf Datenschutz? Wie viele Verknüpfungen sind gewünscht und erlaubt? Auch hier würde die Vertiefung dieses Themas die launischen Überlegungen erheblich stören, wir behalten das Thema also zunächst im Hinterkopf….

Jetzt aber wird es spannend, wir kommen zum Thema Identitätsmanagement und multiple Markenpersönlichkeit: Nehmen wir an, Max Mustermann ist im Vorstand eines internationalen Konzerns. Die Marke, die ihn mit einer Werbebotschaft erreichen will, träfe ihn also nie auf dem klassischen Fernsehweg an und auch die Direktmail würde entweder im Spamordner oder beider rechten Hand landen. Max Mustermann ist morgens anzutreffen, wenn er seinen Sohn in den Kindergarten bringt (statistisch gesehen, ist er 37.3 Jahre alt und hat 1,2 Kinder), danach trifft man ihn in der Senator Lounge einer Airline (dort holt er sich das Handelsblatt, um die Bild-Zeitung darin einzuwickeln, die er offiziell NIE lesen würde…), abends dann trifft man ihn mit seiner Ehefrau im Swingerclub oder aber alleine bei der Domina (die Frage ist jetzt natürlich, wie man das Thema Swingerclub oder Domina mit Identitätsmanagement in den Griff bekommen kann…)

Für die Marke bedeutet dies auf alle Fälle, dass Max Mustermann zwei Gesichter hat: Die Führungspersönlichkeit und die devote Seele, wenn er bei der Domina ist, was er natürlich NIE zugeben würde. Und auch die Ehefrau, würde nach dem Swingerclub-Besuch beim Kaffeekränzchen mit dem Brustton der Überzeugung sagen: Also mein Mann machst SOWAS ja Gott sei Dank nicht…

Ob sie die „echte“ Ehefrau ist, oder nur „zufällig“ mit dem selben Namen im selben Hotelzimmer eingecheckt hat, bleibt noch herauszufinden und spannend natürlich die Frage, ob ein gutes Identitätsmanagement so etwas berücksichtigen kann?

An dieser Stelle bleibt (launisch) zum Thema Identitätsmanagement (Identity Management) launisch anzumerken:

  1. Marken müssen multipler werden, um im WIRRklichkeitsRAUM überleben zu können.
  2. Wird die Ausbildung zum Psychiater bald Voraussetzung für ein Marketingstudium sein?
  3. Fakt: Identitätsmanagement (Identity Management) ist ein spannendes Thema, das es zu vertiefen gilt…
  4. Kann man mit Identitätsmanagement die Doppelmoral in der Gesellschaft in den Griff bekommen?
  5. Und wer kennst sich nun mit Identitätsmanagement wirklich aus?

Fragen über Fragen und das zum Wochenbeginn…

Es kann jedoch festgehalten werden: Auch ohne Identitätsmanagement gibt es hier keine Identitätskrise.

Mind Store Marketing wünscht einen guten Start in die neue Woche!