Monthly Archives: November 2011

Die Ambivalenz von Weihnachtsgebäck: Einerseits ist es gut und andererseits muss es weg (Gedanken anlässlich des plötzlich auftretenden 1. Advent)

Plötzlich haben wir den 1. Advent und wie jedes Jahr hat wieder einmal niemand darauf hingewiesen. Die im Supermarkt aufgetürmten Spekulatius fallen einer kognitiven Dissonanz zum Opfer, keiner kann sie mehr sehen, sie sind als Warnhinweise demzufolge nicht zu gebrauchen (ob es Sinn macht, angesichts einer steigenden Religionsmüdigkeit, über neue Symbole zu diskutieren, soll an dieser Stelle nicht vertieft werden).

Fakt: Angesichts des heutigen 1. Advents kann damit gerechnet werden, dass auch bald Ereignisse wie der unheilige Abend und Silvester vor der Tür stehen und somit der traditionelle Jahresrückblick ansteht.

Selbstverständlich wird auch an dieser Stelle ein kritischer Blick auf die Trends 2011 geworfen, z.B.  Trend : Echtzeitkommunikation. Ordnen Sie die folgenden drei Begriffe des Jahres 2011 den Peaks in der Grafik zu (Doppelklick vergrößert die Ansicht):

  1. Guttenberg
  2. EHEC
  3. Fukushima

Für alle, die nicht selbst googeln wollen, kommt die Auflösung an dieser Stelle in den nächsten Tagen. Und hier auch noch ein erster Ausblick auf die Trends 2012. Es gilt wichtige Fragen zu beantworten wie „EHEC und wie wir lernten, die Bombe zu lieben und die prometheische Scham auch ohne Timeline Kompatibilität zum zentralen Gesellschaftsthema wurde oder: Wer kennt heute schon Thamus?

Mind Store Marketing wünscht
einen schönen 1. Advent

 

 

Dementi: Nespresso & co.

Nach dem gestrigen Dementi soll erwähnt werden, dass die koffeinfreie Haltung des Hauptdarstellers (Georg Clooney) im neuen Nespresso TV Spot nichts mit dem Schlag in die Eier zu tun hat. Wir erinnern uns: Unfair gehandelter Espresso, führt immer zum Shitstorm (ob das wohl das Unwort des Jahres wird) oder zu einem Tritt in die Eier (wahlweise beides zusammen…)

Erstes Urteil zum neuen Nespresso Spot: nett …

ABER: wer will schon nett…??

Fazit: So langsam wird es Georg Clooney gegenüber unfair: Die Werbeindustrie stellt ihn als Looser hin und lässt ihn nicht auf Parties (No Martini, no Party), er wird mit Klavieren beworfen, bekommt Schilder in die Eier und nun wird er auch noch als Softi “beschimpft” (und das auch noch von einer Baumarkt-Amazone, aber zu dieser neuen Typologisierung mehr im nächsten Jahr…)

Gute Schweine braucht das Land!

wir wussten es ja schon immer…

Dementi: Lügenbaron et al.

Dementi: Es ist nicht wahr, dass Herr ohne Doktor von und zu Guttenberg nach dem gestrigen Ohne-Gel-Auftritt in Halifax sich zukünftig nur noch Nutella in die Haare schmiert aus Gründen der Solidarität, weil Nutella ja auch nur ein kleinwenig  schwindelt…

Fakt: Schwindel, so scheint gesichert, ist gesellschaftlich akzeptierte Parallel-Wirklichkeit – vollkommen ok, wenn Putenwurst aus Schweinefleisch besteht und fette und zuckerreiche Kindernahrung auch mal mit Hilfe prominenter Sportler als “leichte Zwischenmahlzeit“ bezeichnet wird…

Griechify your life – übersetzt: Schulden machen auf Kosten der Wähler, Umweltbilanzen auf Kosten der nächsten Generationen, Wählerverdummung, Konsumentenverarsche, Schaum schlagen und Blenden mit und ohne Gel…

Echtzeitkommunikation, Leben auf der Überholspur (Burn-Out inklusive), Denken war gestern…

Und welche TRENDS siehst DU??

Tripple EX Münchhausen is Back

Der Ex-Verteidigungsminister ist wieder auf der politischen Bühne (ohne Gel und ohne Brille) und die Twitter-Gemeinde ist in großer Sorge, dass der Ex-Doktor wohlmöglich sein Comeback vorbereitet. Darüber hinaus wird die Frage gestellt, wann Seehofer wieder „Ausländer raus fordert“ und Guttenberg als Kanzler nominiert.

In alter Gutsherrenart zeigt der Ex-Bayer mit nacktem Finger auf angezogene Menschen, die im Regen stehen und beschimpft sie, dass sie doch keine Ahnung von europäischer Politik haben. Die eine oder andere Twitter-Stimme fragt sich dann doch, ob er denn vergessen hat, dass er ja auch der Ex-Wirtschaftsminister war…

Fakt ist: Man kann von dem Möchtegernwissenschaftler (85% wollen ihn laut WELT ONLINE Umfrage NICHT wieder in der Politik sehen) halten was man will, in einem Punkt hat er Recht. Es gibt zu wenig Charismatiker in diesem Land und so ist es Lieschen Müller egal, ob Herr ohne Doktor von und zu Guttenberg eine Arztpraxis hat oder nicht, Hauptsache er ist wieder im Fernsehen. Her mit den schönen Scheinwelten schreit das post-literarische Medienpublikum und die mittlerweile nicht mehr kulturpessimistische Frage, ob wir uns zu Tode amüsieren scheint berechtigt. Ein Blick auf die Anfänge des Maschinensturms –  den heute ebenso wenige kennen, wie die prometheische Scham (wird das Thema eigentlich noch an Medienfakultäten diskutiert?) scheint durchaus angebracht…

Die Religiosität der Marke: Oder warum es zwischen Reklame und Marketing dann doch gewisse Unterschiede gibt

Es konnte bereits an anderer Stelle gezeigt werden, dass der Vershoven´sche Grundnutzen nicht länger im Vordergrund von Verbraucherentscheidungen steht. Die Religiosität der Marke ist in den Mittelpunkt einer schwindenden Wertewelt geraten, die nur noch aus geil ist geil, statt Geist ist geil zu bestehen scheint.

Statt „ich ernähre mich gesund und schmackhaft“ gilt das Credo: Ich glaube an die Kraft von Nutella, mein täglich Nutellabrot gib mir heute und erlöse uns von schlechten Brotaufstrichen.

Und jetzt so etwas: Ein Frankfurter Gericht bescheinigt den Päpsten der Nuss-Nougat-Sekte, dass sie die Gläubigen getäuscht hat. „Ferrero muss irreführendes Nutella-Etikett ändern“ müssen wir im Spiegel lesen.

Die Nutella-Götter hatten auf dem Etikett unterschiedliche Grundmengen benutzt. Die Angaben zum täglichen Bedarf an Nährstoffen wie zum Beispiel Fett wurden in Bezug auf eine Portionsgröße von 15 Gramm berechnet, die von Vitaminen dagegen auf eine Menge von 100 Gramm. Das hatte zur Folge, dass bei Vitaminen Werte von 30 und 78 Prozent erreicht werden, bei Kohlenhydraten oder Fett dagegen nur von drei bis sieben Prozent. Gesund also, zumindest bis ketzerische Verbraucherschützer auf einen weltlichen und entmystifizierenden Kreuzzug gegen die heilige Sache zogen. Kleingeister eigentlich, das bisschen Fett…

Die Marketing-Presse bezeichnet die ganze Sache deshalb auch nicht als Irreführung der Verbraucher, sondern lediglich als ein bisschen „schwindeln“. Denn: Wenn das göttliche Nutella Manna den Verbraucher bewusst hinter das Licht führen würde, das wäre ja sonst so, als ob die katholische Kirche Minderjährige missbrauchen würde…

Stuttgart: Es ist kompliziert

Es ist nicht nur kompliziert, es ist sehr kompliziert: Kommt man nach dem Medienforum in Mittweida (für alle, die es noch nicht wissen: Mittweida war für zwei Tage die Medienhauptstadt der Republik – Mittweida das bedeutet spannende Diskussionen und spannende Vorträge, Mittweida ist aber auch ein Synonym für perfekte Shows, perfekte Abschlussparties und vor allem für PERFEKTE ORGANISATION) in Stuttgart an (das war jetzt ein sehr langer Einschub, aber ein sehr wichtiger) dann stellen sich einem dort ankommenden Münchner viele Fragen:

  1. Wie komme ich durch die Nikotinmauer unbeschadet aus dem Bahnhofsgebäude? In München muss man zwar auch die Luft anhalten, wenn man zum Zug will, aber verglichen mit Stuttgart ist das gar nichts, denn hier stehen neben den üblichen rauchenden sozialen Randgruppen auch noch die Stuttgart 21 Gegner und qualmen vor ihrem Zelt und vor den Eingängen. Luft anhalten alleine reicht also nicht, die Sauerstoffmaske ist für den Reisenden nach Stuttgart dringend notwendig. Kompliziert das alles und vor allem ungesund…
  2. Wenn man die Nikotinmauer überlebt hat, dann die nächste Frage: Warum reißen die nicht gleich im Umkreis von einem Kilometer die Betonwüste ab und machen was Schönes aus der Stadt?
  3. Ebenfalls kompliziert: Wer schützt eigentlich die Reisenden und den Rest der Stadt vor den Parkschützern? Fällt denn niemandem auf, dass es ziemlich schmuddelig im Park aussieht?
  4. Nicht kompliziert, aber auffällig: Die Stuttgart 21-Gegner reißen die Pro-Stuttgart-21 Plakate nieder oder zerstören sie.
  5. Kompliziert in diesem Zusammenhang: Die Volksabstimmung wurde „umgedreht“. Wer für Stuttgart 21 ist, muss „NEIN“ ankreuzen und wer dagegen ist sagt einfach JA. Aus bayrischer Sicht nicht nachvollziehbar, aber die Verantwortlichen für diese Aktion scheinen wohl oft Zug zu fahren und die Nikotinmauer hat auch ihnen das Hirn vernebelt…
  6. Wie aber auch immer die benebelte Aktion ausgeht: Es wird ein Veto gegen das vernebelte Ergebnis geben, also: lieber doch nicht abstimmen??

Fazit: Das Leben ist eigentlich unkompliziert, wenn man nicht gerade in Stuttgart lebt. Wobei: Auch hier könnte es unkompliziert sein, WENN NICHT Warlord Mappus hätte zeigen wollen, dass es noch knallharte Männer gibt die Law & Order aufrecht erhalten und gleichzeitig aber die 68er nicht ihren 27ten Frühling bekommen hätten und deshalb eine rührige Nostalgiewahl veranstaltet haben. Dem schwäbischen Landesverkehrsminister ist Stuttgart 21 ohnehin egal, er konzentriert sich auf wirklich wichtigen Themen wie die Helmpflicht für schwäbische Fahrradfahrer, falls die Bahn irgendwann Stuttgart nicht mehr ansteuert, weil sie den Schadensersatz nicht bekommt. Ob der Schadensersatz nun 1,5 Milliarden Euro oder dann doch „nur“ 350 Millionen Euro beträgt ist dabei unerheblich, denn wie die Vergangenheit zeigte, können schon mal 55 Milliarden auf der falschen Seite der Bilanz landen und der schwäbische Steuerzahler hat es ja. Wichtiger als die Helmpflicht wäre natürlich der Schutz des Nichtrauchers am Stuttgarter Hauptbahnhof gewesen, da aber beim schwäbischen Verkehrsminister das Knie oben am Kopf durchkommt, ist ihm die Kopfbedeckung für alle doch sehr ans Herz gewachsen…

Wie gesagt:

Es ist kompliziert…

(Ich will wieder nach Mittweida!)

Robinson Krösus Flucht aus Grünwald oder: Warum Erik Ode doch Recht hatte und es für die Medien immer schwieriger wird, den Konsumenten zu erreichen

„Robinson Krösus Flucht aus Grünwald oder: Warum Erik Ode doch Recht hatte und es für die Medien immer schwieriger wird, den Konsumenten zu erreichen“, das ist der Titel des Vortrages, den ich am 15. November im Medienforum Mittweida halten werde.

Was aber, so war die Frage der Studenten, wollen Sie uns damit sagen? Zugegeben der Titel ist schon etwas verwirrend, aber wir leben und arbeiten nun mal im WIRRklichkeitsRAUM und da darf man keine langweiligen Titel verwenden – die würden sonst nicht zu den Trendtagen passen, die wir veranstalten und wären auch nicht timeline kompatibel, aber das ist nochmals eine ganz andere Geschichte…

Zurück zur Überschrift und somit zur Aussage zwei: Mind Store Marketing vertritt die These, dass die klassischen Zielgruppen der Vergangenheit angehören. Deshalb arbeiten wir mit Typologisierungen. Die erste Typlogisierung war die Göttin im Sandkasten, die auf einer Aussage einer Freundin,  einer blonden Studentin resultierten: „ich bin blond und intelligent und wenn ich jetzt noch promoviere, bekomme ich überhaupt keinen Mann mehr ab, die haben nämlich jetzt schon Angst vor mir“. Die Göttin im Sandkasten ist aber nicht nur für die verängstigte  Männerwelt schwer zu erreichen, sondern auch für die Marketingabteilungen. Zur Göttin im Sandkasten würde, und damit schließt sich der Kreis zur Überschrift, Robinson Krösus gut passen, wenn er nicht das Land verlassen hätte, um auf einer Schweizer Insel zu leben und somit weder für Frauen noch für Marketeers zu erreichen ist. An dieser Stelle ein kurzer Warnhinweis für alle Studenten am 15.11.: Den Teil mit den Playstationspielern werde ich natürlich NICHT auslassen und freue mich vielmehr auf eine heftige Diskussion…

Warum aber dann Flucht aus Grünwald? An dieser Stelle sei kurz angedeutet, dass dies etwas mit Christian Louboutin zu tun hat und mit unseren Trendtagen für die Immobilienbranche, aber dass natürlich vorab nicht ALLES verraten werden kann…

Und warum wird es für die Medien immer schwerer? Auch das wird vorab natürlich NICHT verraten. Aus Gründen der Fairness so viel schon jetzt: Es hat etwas mit Parallelnutzung von Medien zu tun, mit Echtzeitkommunikation und mit dem Thema sozial-kognitive Dissonanz (Frage an de Hochschule: ist das Bestandteil eines modernen Lehrplans?)

So, und jetzt wird es nochmals spannend. Frage an die Jugend: Wer war eigentlich Erik Ode? So viel vorab: Als er im Fernsehen lief, war es noch schwarzweiss (und, Achtung jetzt kommt´s: Es gab nur drei Programme!), Raider hieß noch Raider und nicht twix, es gab noch jede Menge Plattenspieler (nein, die Rede ist nicht von DJs) und die Parkuhren haben noch 10 Pfennig gekostet…

An dieser Stelle wird eingeräumt, dass sich der eine oder andere Leser jetzt RICHTIG alt fühlt, aber genau DAS gehört zum Vortrag in Mittweida: Er reicht die Hand über Generationen und bietet das, was wir am besten können:

Provozierendes Infotainment.


Profane Überlegungen zum faktischen Zugriff auf das Normative

Es ist immer wieder das selbe Spiel: Warum haben Sie denn kein Bild bei XING? Antwort: Das ist ein alter Trick von Guerilla Marketing Agenturen – machen Sie sich gerne selbst ein Bild und dann folgt die Telefonnummer 089-18954973

In anderen Portalen fand man das „Portraitfoto“ des Agentur Inhabers: Den hinteren Reifen eines amerikanischen Motorrades (dessen Namen wir bewusst nicht nennen).

Wer dann Lust auf ein Gespräch mit einer schrägen Agentur mit außergewöhnlichen Ideen und Konzepten hatte, konnte sich gern melden und hat dann auch den Vorderreifen sehen können.

Ist das denn seriös? So ganz ohne Bild? Antwort: Die Frage nach der Seriosität ist genau so komplex wie die Frage „wie wirklich ist die Wirklichkeit“ und erinnert an die Diskussion über den faktischen Zugriff auf das Normative. Ab wann wird eine Norm zur Norm…??

Fakt: Seitdem der Agentur Inhaber Trendtage veranstaltet in deren Mittelpunkt ein schräger Vortrag zu gesellschaftlichen Phänomenen wie die metro-A-sexuelle Frau oder die Göttin im Sandkasten steht, konnte die lange Tradition des Hinterreifens nicht aufrecht gehalten werden. Seit dem Startschuss mit/für Google tauchten vermehrt Fotos auf und auch filmisches Material wurde schon gesichtet…

Deshalb: Seit heute Mind Store Marketing mit einem Gesicht an der Spitze. Mind Store Marketing: Rebellisch, streitbar und auf Wunsch auch mit Jackett…

Danke an Fatma Yüksel für die fotografische Umsetzung unserer Firmen-Philosophie und allen Kunden, Freunden und Besuchern ein schönes Herbstwochenende…