Monthly Archives: Februar 2011

Showdown: Die erfolgreiche Spaltung der Nation

Die Case Study Guttenberg geht in die nächste Eskalationsstufe: Es werden Vasallen vorgeschickt. Allen voran unterstreicht der Landesvater, dass es nun genug sei und auch die Bundeswehr stärkt dem Minister den Rücken und selbstverständlich wird auch der Unionsfraktionschef in die Schlacht geschickt. Nach wikpedia bedeutet „Kauderwelsch“ die abwertende Bezeichnung für eine verworrene Sprechweise, für ein unverständliches Gemisch aus mehreren Sprachen oder eine unverständliche fremde Sprache. Seit gestern muss diese Definition jedoch korrigiert werden: Der Begriff stammt vom Unionsfraktionschef Volker Kauder, der im Rahmen einer ZDF Sendung sehr verWIRRendes von sich gab, wie etwa „Guttenberg habe die Konsequenzen gezogen, indem er auf seinen Doktortitel verzichtet habe und damit müsse es nun gut sein“. Die Bildungsministerin, die sich sehr für das Verhalten Guttenbergs schämte, hatte wohl vergessen, ihm zu sagen, dass man einen Doktortitel nicht zurückgibt, wie eine Waschmaschine, deren Garantie abgelaufen ist. Die Doktorwürde fängt mit einem polizeilichen Führungszeugnis an und endet mit der Nomifizierung und kurz vor selbiger steht noch eine kleine dumme „Nebensächlichkeit“: Der akademische Eid!

Neu in der Case Study der kommunikativen Art: Die von der Kanzlerin verhöhnte Akademikerschaft steht auf und sendet einen offenen Brief an Frau Merkel. Die dazu gehörige Facebook Seite wächst kontinuierlich.

Darüber hinaus ist zu erkennen, dass der eine oder andere C-Politiker zwischen Parteilinie und Gewissen schwankt und die FPD setzt sogar ein Ultimatum.

Aus juristischer Sicht werden hilfreiche Argumente zum Thema Integrität etc. in die allgemeine Diskussion eingebracht und der  angeschlagene Noch-Minister kündigt zwischenzeitlich “dramatische Reformschritte” bei der Bundeswehr an – Schaffung von Tatsachen…

Krisenmanagement vorletzter Teil: Nach wüsten Beschimpfungen im Bundestag in der letzten Woche und einem relativ ruhigen Wochenende nun also geordnete Aufrüstung auf allen Seiten, Showdown und warten auf den Staatsanwalt…

#guttbye

Gestern noch ein Held und eine Lichtgestalt, heute schon ein Betrüger und Hochstapler. Prof. Oliver Lepsus von der Universität Bayreuth spricht das offen aus, was jeder Wissenschaftler denkt: Herr zu Guttenberg ist ein Betrüger.

In der Facebook Gruppe „Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“ noch immer die Jagd auf vermeintliche linke Professoren und immer noch keine Einsicht, dass der eigene Held gelogen und betrogen hat. In der Hauptstadt nun die ersten Demonstrationen: #Guttbye. Dem Lügenbaron den Schuh zeigen!.

Aber nicht nur die vermeintlich linke Ecke fängt an nachzudenken, auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) hält es für fraglich, ob Herr ohne Dr. zu Guttenberg noch lange dem politischen Druck standhalten kann.

Dass selbsternannte Plagiatsjäger jetzt auf die Jagd nach weiteren Plagiaten gehen, muss keinen Wissenschaftler wirklich beunruhigen. Dank Herrn ohne Dr. zu Guttenberg haben wir jetzt nicht nur einen Noch-Minister mit gespaltener Persönlichkeit, sondern eine gespaltene Nation, die bedingungslos zum Noch-Minister hält und der die Wissenschaft und die Bildung somit egal ist. Vielmehr und das ist richtig schlimm: Die bestehende Neidgesellschaft wird nun auch noch zur Misstrauensgesellschaft.

Aus Social Media Monitoring Sicht kann festgehalten werden: #guttbye und Betrüger haben es in die Hitliste der twitter Trends geschafft und es darf abgewartet werden, wie es weitergehen wird. Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht zeigt das Beispiel von Herrn ohne Dr. zu Guttenberg sehr schön: Weiße Flagge sofort hoch, schadet in aller Regel nichts, Zick-Zack-Kurs birgt eine große Chance, dass es dann doch in die Hose geht und das kurz vor dem Klo…

The Day After

Das Beispiel von Herrn ohne Dr. zu Guttenberg fängt an, sich famos zum Paradebeispiel sozio-virtueller Kommunikation zu entwickeln. Nach einer beispiellosen Redeschlacht im Parlament wird deutlich: Social Media Krisenmanagement hat gewisse Grenzen. Durch Ruhe und Besonnenheit konnte der Felix Krull wie die Opposition ihn nannte, zunächst wertvolle Punkte holen.

Der Fall KitKat verdeutlicht, dass konsequente Nicht-Kommunikation als Strategie erfolgreich sein kann, der Fall Wolfskin zeigte, dass rechtzeitige Reue, einen Wendepunkt zur Normalität hervorbringen kann und selbst BP und die Verschmutzung der Meere konnten ohne übertriebene Kommunikationsmaßnahmen wieder in ruhige Fahrwasser kommen.

Salamitaktik hingegen, so zeigt das Beispiel Guttenberg, zieht eine lange Ich-hab-da-auch-noch-was-gefunden-Karawane hinter sich her und die nimmt, wie es aussieht gerade mal Anlauf…

Die „Argumente“ im Freundes- und Helferkreis fangen dann an gleichlautend und platt zu werden: „und ist einer von euch ohne schuld so schmeiß er den ersten stein!! doch es stand keiner auf und schmiß!!“ oder „Hoffentlich wird dieser Mann Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland“ und und und…

Aber auch die ersten kritischen Stimmen mischen sich unter die „Fans“, die rasant steigende Zahl an Fans stagniert und auffallend ist auch die Anzahl der „Profile“, die nur 2-3 Freunde haben und merkwürdigerweise kein Foto und die alle sehr positiv eingestellt sind…

Nächste Eskalationsstufe: die Presse fängt an, sich kritisch zu äußern, es wird auch hier nachgebohrt und weiteres Fehlverhalten kommt an den Tag. In dieser Stufe kommen aber auch gefährliche Fragen ans Tageslicht wie „warum etwa mit zweierlei Maß gemessen wird“ und der eine oder andere stellt fest, dass mit dem „Kavaliersdelikt“ das gesamte Bildungssystem beschädigt wurde. So stellt beispielsweise die Süddeutsche Zeitung fest, dass „die Plagiatsdebatte um Verteidigungsminister zu Guttenberg zeigt, was Merkel & Co. sowie ein Großteil der Bevölkerung von der akademischen Welt halten. Wissenschaft ist für sie so unwichtig, dass man dort krumme Touren drehen kann, Forscher sind nur weltvergessene Eierköpfe. Das Ergebnis: Der Minister ist etwas angesengt, die Wissenschaft in Deutschland aber schwer beschädigt.

Und so kann man gespannt sein auf die nächste Eskalationsstufe: Universitäre Prüfung der Täuschung, Staatsanwalt sowie weitere Aufdeckungen?

„Guttenberg habe“, so sagt  der Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano “systematisch verschleiert, plagiiert und getäuscht. „Den Vorsatz“, so der Bremer Professor, kann man bei diesem intellektuellen Betrug dann im Grunde nur noch dadurch verneinen, dass man den Autor für unzurechnungsfähig erklärt”.

Bis hierhin stellt jedoch der Stern fest. “Minister gerettet – Werte verraten“ und auch hier die Frage, wie lange Herr ohne Dr. zu Guttenberg noch auf der Welle der positiven Vorurteile reiten kann – sozial-kognitive Dissonanz der positiven Art…

Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht ist es nun spannend, ob und wie lange sich eine öffentliche Vertrauensperson mit Spitznamen wie Felix Krull, Paste&Copy Minister, Lügenbaron oder ganz direkt Hochstapler an der Oberfläche halten kann. Wie muss ein effizientes Krisenmanagement aussehen?

Salamitaktik, so steht an dieser Stelle fest, ist kein adäquates Mittel des Krisenmanagenentes.

Und ich ich betone vorübergehend….

Geschissen sei auf BilDUNG

Die Gruppe „„Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“ wächst munter weiter. Aktueller Stand: 253.879 Fans und die Polarisierung „dafür“ oder „dagegen“ schreitet weiter fort (ein deutliches Indiz für sozial-kognitive Dissonanz). Primitive Postings wie „Mindestens 60% aller Doktorarbeiten weisen ähnliche abkupferarbeiten auf. oh man über was reden wir den hier“ (Zitat Ende) verdeutlichen, dass Herr ohne Dr. zu Guttenberg der Wissenschaft keinen guten Dienst erwiesen hat, der Pöbel erhebt das Mittelmaß zum kategorischen Imperativ der Gesellschaft. Das bestehende Bildungsdefizit wird zum Maß aller Dinge, das intellektuelle Mittelmaß erfährt einen adeligen Ritterschlag. Die FAZ weist unter der Überschrift „Entlassen“ zu recht darauf hin, dass Herr ohne Dr. zu Guttenberg mit seiner Vorgehensweise die von ihm vertretenen Werte beschädigt hat.

Unabhängig davon verdeutlicht die Zeit, dass es nicht Herr ohne Dr. zu Guttenberg ist, der auf den Titel verzichtet, es ist die Universität, die ihn aberkennt oder nicht und es ist die Staatsanwaltschaft, die entscheidet, ab wann so ein  „Kavaliersdelikt“ geahndet wird. So verfolgte beispielsweise die Staatsanwaltschaft Göttingen einen falschen Doktor wegen Urheberrechtsverletzung. Hier lag eine Bestrafung im öffentlichen Interesse, auch wenn sich durch den geistigen Diebstahl kein privater Kläger geschädigt fühlte. Der Beschuldigte beugte sich einem Strafbefehl von 9.000 Euro oder 90 Tagessätzen.

Nota bene: Niemand wünscht Herr ohne Dr. zu Guttenberg wirklich, dass nun auch noch der Staatsanwalt eingeschaltet wird. Im Gegenteil: An dieser Stelle soll aus eigener Erfahrung (inkl. „drohender“ Geburt eines Sohnes) unterstrichen werden, dass nach sieben Jahren Promotion durchaus eine gewisse Orientierungslosigkeit eintritt, der dann mit Flucht nach vorne begegnet wird. An dieser Stelle ist jedoch ein Mal mehr die gesamte Politik gefragt, die nun verhindern muss, dass ein gebacheltes (fränkisch: gebädscheld) und gebeuteltes Bildungssystem medienwirksam in die Tonne getreten wird.

Der Doktortitel, das darf an dieser Stelle nicht übersehen werden, ist eben keine private Angelegenheit, die nach Gutdünken genommen oder abgegeben werden darf. Der Titel ist eng an die staatliche Ordnung geknüpft, erst wenn ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorliegt, entscheidet ein Professorengremium (ebenfalls eine offizielle Institution), ob die Doktorarbeit geschrieben werden darf.

Unabhängig davon fängt es an dieser Stelle an, aus Kommunikationssicht richtig spannend zu werden: Ab welchem Zeitpunkt beginnt ein System zu kippen oder wie viele Attacken können negiert werden, wie viele Anschuldigungen (egal ob berechtigt oder nicht) verträgt eine Marke, eine herausragende Persönlichkeit, ein Produkt etc.

Wie erinnern uns: Stuttgart 21 wurde vor Weihnachten vom „Schnee verdrängt“, vor Weihnachten war sich die Nation sicher, dass der nächste Landesvater grün sei, heute hingegen die Ernüchterung: Die Grünen sacken ab.

Projiziert man dies auf Herrn zu Guttenberg, dann kann man grob festhalten:

  1. Kundus Tanklastzug kommunikativ nicht so gut gelaufen, aber nicht mehr timeline kompatibel (allerdings auch noch nicht vergessen)
  2. Gorch Fock – auch hier hätte man (weniger medienwirksam) den Generalinspekteur vorschicken können und auch die Entlassung des Kapitäns kann diskutiert werden.
  3. Familienausflug mit Gattin und Fernsehteam – medienwirksam und gut inszeniert, gibt aber, wenn es wie jetzt hart auf hart geht, einige Abzüge in der B-Note…
  4. Doktorarbeit mit kleinen kommunikativen „Stolperfallen“ – durch massive Stärkung seitens des Kanzlers und der eigenen Partei könnte die „dumme Geschichte“ überstanden werden (auch wenn erste Zweifel hinsichtlich der Vorbildfunktion laut werden)

Fazit: Es wurde in Facebook gut und populistisch gegengesteuert, die BILD Zeitung unterstützt durch flankierende Kommunikation und die These, dass wir im Zeitalter der Charismatiker leben, bestätigt sich täglich. Allerdings: Irgendwann, das steht ausser Zweifel, ist Alles dann doch eine Frage der Ehre

Timeline kompatibel

Echzeitkommunikation, so konnte gezeigt werden ist kernig, witzig und vor allem timeline kompatibel. Nachrichten, die nicht „religiös“ sind, werden sofort als Spam deklariert. Die Reduktion der Sprache auf 140 Zeichen hat eine weitere Steigerung erfahren: „gefällt mir“ und Punkt. Der fehlende Dislike-Button verhindert eine kontroverse Diskussion und stürzt statt dessen Informationen ohne „gefällt mir“-Charakter in den Sandkasten der Bedeutungslosigkeit.

Anhand der politischen Diskussion kann festgestellt werden, dass es weniger auf Argumente als auf die Anzahl der Likes ankommt. Es ist vollkommen unerheblich, ob der Kanzler nochmals den verlängerten Rücken stärkt, in den  jeder treten will oder ob die w&v als Tochter des „Bombenlegers“ Süddeutsche Zeitung nochmals unterstreicht, dass Herr Dr. zu Guttenberg nicht mal selbst twittert, facebooked oder sonst etwas tut. Selbst die eigenen Beteuerungen, die Doktorarbeit sei nach besten Wissen und Gewissen angefertigt, sind für den Kommunikationsprozess unerheblich, die Fronten stehen fest: „gefällt mir“ oder gefällt mir halt nicht…

Die „Fakten“ in Form von 124.907 gefällt mir-Menschen (Stand 21.2.) sprechen für sich. Die „Argumente“ von GutenPlag werden im nächsten Moment den ebenso gewichtigen Argumenten von Tuten Gag weichen, die Karawane zieht weiter, Vorgrühlingsfegühle haben eindeutig Vorfahrt…

Krisenmanagement bekommt, wie das Beispiel zeigt, eine neue Dimension. Nicht Gegenargumente gilt es zu finden, sondern im Gegenteil: Voll rein in die Kerbe! Und so ist Guttenbergs „Flucht nach vorne“ eine von vielen Möglichkeiten, ein Aussitzen wäre angesichts der Situation auch eine Alternative gewesen, denn wie die FAZ aufzeigt gibt es in diesem Zusammenhang das „Die-paar-Fehler“-Argument, das „Alles-Vorverurteilung“-Argument, das „Gibt-es-denn-nichts-Wichtigeres?“-Argument und das „Wir-brauchen-den-Mann“-Argument.

Herr nun doch ohne Dr. zu Guttenberg hat sich für eine Mischung aus Alternative drei und vier entschieden und auch wenn eine n-tv Umfrage besagt, dass er seine Glaubwürdigkeit verloren hat, so ist dies für das langfristige Endergebnis irrelevant. Timeline kompatible Kommunikation muss lediglich gut inszeniert sein und hier ist Herr zu Guttenberg Meister: Heroischer Einzug in die Halle mit AC/DC Sound, den lästigen Doktortitel abgeben und dann heldenhaft zurück zum Tagesgeschäft. Die Gesellschaft, so zeigt das Thema “Dissertation”, braucht dringend Helden, die deutlich aus der Masse herausstechen und auch nach Abgabe des Titels (von dem man ohnehin nicht wusste, dass er ihn hatte) hört die facebook Fangemeinde nicht auf zu wachsen:  192.678 Fans unterstützen „Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“ – die Argumente treten hierbei deutlich in den Hintergrund, gefolgt wird unisono der weiter oben zitierten FAZ-These „Wir-brauchen-den-Mann“…

Der Exkurs in die wundervolle Welt der Doktorarbeiten zeigt eindrucksvoll die Regeln Social Media Kommunikation: Finde ein timeline kompatibles Thema das a) streitbar ist, das b) eine hohen Neidfaktor hat und das c) in ein „Wir-haben-das-ja-schon-immer-gewusst-Schema“ passt. Wenn das Thema dann noch stark polarisiert, greift es die Journalie bereitwillig auf und wenn man dann noch mit einem Social Media Monitoring die Entstehungsherde identifiziert und potenziert, ist man dauerhaft in allen Timelines und Facebook Profilen. Was dann zählt ist nicht mehr der sachlich richtige Inhalt, sondern lediglich die neue Botschaft. Sozial-kognitive Dissonanz: Erlaubt ist, was gefällt

Fußnoten Gate: Der Verteidigungsminister im Guerilla Krieg

Normalerweise verteidigt ein Doktorand seine Doktorarbeit nur ein Mal. Als Minister, so zeigt der Presse Hype, verteidigt Mann sie zwei Mal. Laut Statistik führen 1,3 Prozent der Bevölkerung diesen Titel, aber 98,7 Prozent tun gerade so, als ob sie Ahnung davon hätten. 99,9 Prozent der Bevölkerung besitzen nicht einmal mehr die Höflichkeit, jemanden mit vollem Namen anzureden. Um nicht missverstanden zu werden: WENN Herr Dr. zu Guttenberg geklaut hat, gehören ihm die Eier UND der  Titel abgeschnitten, das steht außer Zweifel, aber bis dahin stellt sich die Frage, was ist wirklich wichtig in diesem Lande?

Ein Blick in die Google Trends zeigt, dass Herr Dr. zu Guttenberg es zumindest noch nicht in die “Aufsteiger geschafft hat. DSDS, das Dschungelcamp oder Ägypten sind Begriffe, die in den Aufsteigern der Suchmaschine stehen. Eine gezielte Suche “doktorarbeit” verdeutlicht jedoch die große “Nachfrage”…

Kurz vor dem Wochenende nun der einzig wahre Schritt: Konzentration auf das Wesentliche und das sollte qua Amt die Politik sein. Über den Titel hat ohnehin nur die Universität zu entscheiden und nicht die halbgebildete Masse und die Universität wird wissen, was zu tun ist…

Konzentration auf die Politik, das ist das Problem derer, die es hauptberuflich betreiben, kommt seit Erfindung dieses Berufszweiges ohnehin zu kurz, denn ist ein gewählter Politiker in Amt und Würden, benötigt er ca. ein gutes Jahr, um sich einzuarbeiten, dann arbeitet er ca. ein Jahr so, wie es das Grundrecht vorsieht und dann ist er damit beschäftigt, sich wiederwählen zu lassen…

Und was die “Diskussion” um den Titel anbetrifft, so gilt das Gesetzt der Echtzeitkommunikation und in wenigen Tagen ist wieder eine Schneedecke des Vergessens über dem Thema (Dioxin-Eier schmecken schließlich auch wieder lecker) oder wie Postman es nannte: “Und jetzt…”

Zitat Ende.

Herr Dr. zu Guttenberg

Und wieder herrscht ein Sturm im Wasserglas: Der Vorzeigeminister hat angeblich abgeschrieben. Die Bildzeitung bringt es auf den Punkt: Endlich hat man etwas “Solides” gefunden, auf das man sich stürzen kann, der Saubermann hat geklaut…

Wie die Forschungsergebnisse der Echtzeitkommunikation zeigen, haben solche Attacken jedoch nur eine begrenzte Halbwertzeit und spätestens der Ombudsmann der Universität wird Klärung bringen. Einem Charismatiker, so haben die Studienergebnisse ebenfalls gezeigt, kann so etwas nicht schaden.

Was der (sicherlich richtige) Kommentar der Bildzeitung allerdings zeigt: “Lieber Dr. zu Guttenberg” bedeutet übersetzt, dass a) die Bildung der Nation vollkommen im Arsch ist. Nomifizierung hin oder her, ein höfliches “Herr” zwischen “Dr.” und “zu” hätte schon noch Platz gehabt…

Und dass b) ein “summa cum laude”, auch wenn es sich die Halbgebildeten nicht vorstellen können, von einem Professoren Kollegium vergeben wird und nichts mit der Großzügigkeit eines einzelnen Doktorvaters zu tun hat.

Und was will uns der vorliegende Beitrag zeigen? Ganz einfach: Herr Dr. zu Guttenberg ist einfach perfekt, um einen Artikel in die Twitter Trends zu heben und darüber hinaus auf die eigene Trendforschung zu verlinken.

Guerilla Marketing im Praxistest

Der Doktortitel ist echt, aber dennoch: wir sind käuflich

Termine

Das „Social“ im Social Media wird meist vollkommen ignoriert. Man shiftet Budget aus den klassischen Medien in den Social Media Bereich (der dann auch noch auf facebook reduziert wird) und freut sich, dass man so viele Werbedollars “gespart” hat…

Social Media bedeutet jedoch vernetztes Denken. Märkte sind Gespräche, so kann man es bereits im Cluetrain Manifest nachlesen. In Vergessenheit geraten ist in diesem Zusammenhang auch die zweite These „Märkte bestehen aus Menschen, nicht aus demographischen Daten“.

Und so haben wir ALLES daran gesetzt, Menschen in einen DIALOG zu bringen. Im Rahmen der Media Lounge veranstalten wir zwei Afterwork Treffen in Stuttgart und München (weitere Städte und Events folgen in Kürze).

Die Media Lounge ist als exklusive abendliche Dinnerveranstaltung bereits bestens bekannt. In ständig wechselnden Top Locations in mittlerweile 10 deutschsprachigen Städten treffen sich Führungskräfte aus Media und Marketing zum Networking. Organisiert wird die Media Lounge über eine Vielzahl bestehender XING Gruppen, aus denen dann mit maximal 60 Teilnehmern an 5-6 Tischen jeweils ein brandaktuelles Thema diskutiert wird. Jedes dieser Themen wird von einem Experten moderiert, bei dem es sich immer um einen Top Entscheider handelt.

Abweichend von der Dinner Idee treffen wir uns am 17.2. im Lava in Stuttgart-Degerloch und am 21.2. sind wir im Parkcafé in München. Cluetrain: Menschliche “Communities” basieren auf Austausch – auf menschlicher Sprache, auf menschlichen Interessen.

Am 17.2. und 21.2. jeweils ab 19.00 Uhr

Exkurs: Glauben

Lang, lang ist´s her, da gab es einen Fernsehfilm, der sich mit Herrn Fabrizi oder besser mit dem System Fabrizi beschäftigte. Herr Fabrizi wohnte in einer großen Villa (hoch leben die Klischees) in einem kleinen Dorf und hatte in seinem großen Wohnzimmer eine große Truhe, in der sich Geldscheine befanden. Wer Geld brauchte, kam zu Herrn Fabrizi, griff in die Kiste und nahm sich was er brauchte und zahlte fünf Prozent Zinsen und wurde in ein kleines Büchelchen eingetragen. Wer Geld hatte, brachte es in die Truhe und bekam zehn Prozent Zinsen.

Und so kam es wie es kommen musste: Die Kleingeister des Dorfes rechneten fleißig nach und kamen auf das Ergebnis, dass Herr Fabrizi eigentlich schon pleite sein müsste, denn er zahlt mehr Zinsen als er einnimmt und so schickten sie die Polizei in sein Haus und dann wollten alle Menschen ihr Geld zurück und dann brach das System von Herrn Fabrizi zusammen und dann war der Film aus…

Klar, dass die blanke Mathematik dieses System tötet, aber so ist das nun mal mit Märchenwelten: Wer an sie glaubt, hält sie am Leben. Die Welt des Herrn Fabrizi funktionierte, weil nicht alle auf einmal ihr Geld zurück wollten und so war immer genug Geld in der Truhe und jeder konnte sich nehmen so viel er wollte (und wenn sie nicht gestorben sind…). Diejenigen, die Geld zur Verzinsung gegeben hatten, konnten jederzeit kommen und in die Truhe greifen und nur wen alle alles zurück wollten, war nicht genug in der Truhe. Betrug sagen die einen, Umverteilung sagen die anderen, ein schönes Märchen könnte man es auch nennen und dann ist es wieder wie im richtigen Leben: Wer einen Traum hat und ihn lebt, kann seine Mitmenschen mitreißen, kann faszinieren und kann eine Vision in die graue Welt des Mittelmaßes setzen.

Und die Moral von der Geschichte? Was immer du tust, glaube daran und glaube an dich. Und was immer du tust, tu es mit Leidenschaft oder lass es…!

Heizkostenabrechnung

Ein Blick in die Besucherzahlen dieses Blogs zeigt, die Trends 2011 werden heftig geklickt, was jetzt nichts wirklich neues ist. Darüber hinaus ist die Göttin im Sandkasten sowie die metro-A-sexuelle Frau sehr “gefragt”, aber auch das ist nicht verwunderlich. Besucher, die über Google Suchen zu diesem Blog gelangen, kommen aber nicht über Suchbegriffe wie “social media”, “guerilla marketing”, “social media monitoring” oder “open innovation”, sondern hauptsächlich über Keywords wie “es ist kompliziert“, was nochmals unterstreicht, dass wir in einem WIRRklichkeitsRAUM leben…

Was etwas verwunderlich ist: Dicht nach den “komplizierten” Suchen kommen die Suchen “ISTA”, Techem”, “Minol”, “Heizkostenabrechnung”, “heizkostenabrechnung ista” oder “heizungsableser” und das, obwohl dies hier KEIN  Immobilien Magazin ist. Die Häufigkeit der Suchen zeigt, dass das Thema Heizkostenabrechnung ernsthaft unter den Nägeln brennt. Jede zweite Heizkostenabrechnung ist falsch, schreibt die Stiftung Warentest unter Berufung auf den deutschen Mieterbund.

In einem Social Media Monitoring hatten wir im letzten Sommer herausgefunden, dass sich alle Heizkostenablesedienste in sozialen Netzen “vornehm” zurückhalten und an der Kommunikation nicht teilnehmen,  auf eventuelle Vorwürfe wird demzufolge nicht aktiv eingegangen, Krisenmanagement findet nicht statt.

Da die Anschuldigungen ausserhalb der Heizperiode kamen, war Krisenmanagement auch nicht explizit gefordert. Was aber, wenn ein (im Grunde genommen unspektakuläres youtube Video, das letztes Jahr im Sommer 2.588 Zuseher hatte und heute auf 3.772 steigerte, eine kritische Schwelle überschreitet und virale Effekte eintreten? Der Fall kitkat (Nestlé) hat verdeutlicht, dass man virale Infekte aussitzen kann und auch Stuttgart 21 verdeutlichte, dass am Ende des Jahres der Schnee die Geschichte überdeckte, aber wie in der Medizin stellt sich auch im Marketing die Frage:

Wie viele virale Infekte verkraftet die Marke…

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