Monthly Archives: November 2010

Info-Picking: Die metro-A-sexuelle Frau. Oder: Ich geh dann mal laufen…

Es gibt verschiedene Möglichkeiten an wissenschaftliche Ergebnisse zu kommen. Eine davon wäre zum Beispiel über empirische Forschung in Verbindung mit Einzelexploration und einer nachfolgenden Clusterung. Eine weitere, und die macht deutlich mehr Spaß, ist die gezielte Beschimpfung von Probanden und die anschließende Auswertung. Letzterer Weg wird an dieser Stelle eingeschlagen. Statt wüster Beschimpfungen wird jedoch der moderatere Weg einer soziologisch orientierten „Provokation“ gewählt, will heißen, es werden willkürlich Zitate von namhaften Bloggerinnen herausgegriffen und in einen erklärungswilligen konzeptionellen Bezugsrahmen gestellt, stets in der Hoffnung, dass daraus ein wissenschaftlicher Disput entsteht.

Um möglichst gezielt einzusteigen und garantiert auch zu polarisieren, startet man, indem man Männer zwischen 20 und 39 zunächst als Weichei beschimpft. Der Playstationspieler wurde in diesem Zusammenhang schon hinreichend typologisiert. Er steht  als Synonym für eine Gattung von  Männern oder besser: Männchen, die leider für 1-2 Generationen von Frauen komplett „ausfallen“ .  Wie aber kommt es, dass immer mehr Männer in die Passivität abdriften und der „Markt“ für junge Frauen somit immer kleiner wird?

Es scheint jedoch an der Zeit, das weibliche Pendant zum Playstationspieler einer näheren Betrachtung zu unterziehen, denn die Göttin im Sandkasten, wie sie vor 10-15 Jahren noch durchaus mehrheitlich anzutreffen war, scheint zur Minorität zu mutieren. Dieser Typ Frau wird zunehmend abgelöst durch die dauerhaft verpeilte metro-A-sexuelle junge Frau, die den Claim „wasch mich, aber mach mich nicht nass“ für sich beansprucht und entsprechend kultiviert hat.

Den Ursprung des Phänomens der metro-A-sexuellen Frauen könnte man u.a. aus einem Forschungsergebnis von Horx ableiten. Er spricht vom „überinformierten Einsteiger“. In seiner Forschung kommt er zum Ergebnis, dass Teenager im Alter zwischen 14 und 20 Jahren heute “wesentlich früher und detaillierter über Sex Bescheid wissen als jede Generation zuvor”. Sie holen sich Rat im Internet und Sex hat nichts Verruchtes oder Verbotenes und somit nichts Reizvolles mehr.  Allerdings, so stellt Horx fest, sind die überinformierten Einsteiger beim ersten Mal ebenso unsicher wie ihre Altersgenossen früherer Jahrzehnte.

Als weiteren erklärenden Faktor könnte man das Thema „Hormone“ heranziehen. Hierbei stehen nicht zwingend Sexualhormone im Zentrum der Betrachtungen, sondern der Umstand, dass ein lukrativer Industriezweig mit starker politischer Lobby die Landwirtschaft vom Kunstdünger bis zur Hormonspritze mit allen notwendigen Hilfsgütern versorgt, unsere Nahrungskette ist somit wesentlich hormoneller als noch bei früheren Generationen. Die metro-A-sexuelle Frau wurde zudem noch seit ihrem 14. Lebensjahr mit der Pille „versorgt“, was ihren Hormonspiegel nochmals deutlich erhöht und das Denken nicht von der rechten in die linke Gehirnhälfte verlagert, sondern in den Unterleib.

Mediale Einflüsse sowie u. U. die Frustration der eigenen Mutter stellen für die bis dato noch nicht metro-A-sexuelle Frau eine Leitfunktion dar. Die junge Frau „lernt“, wie sie sich benehmen muss, wie sie sich kleiden muss, wie sie sexy aussieht und, dass sie im Alter von 40 Jahren gegen zwei 20jährige eingetauscht wird, was nicht zwingend motivierend ist – ergo: Männer sind Schweine…

Im Straßenbild erkennt man die metro-A-sexuelle Frau an den Stöpseln im Ohr. Damit sie von niemandem angesprochen wird, bewegt sie sich schneller und in den Ohren macht es ablenkenden Krach. Die metro-A-sexuelle Frau lebt also in sich gekehrt. Die Realität wird nur noch über die Augen und den Tastsinn wahrgenommen (herannahende Autos gehen im Kopfhörergeräusch unter). Dieses Phänomen ist in der VR Forschung (Virtual Reality) als Crossreality bekannt: Die Datenbrille vermittelt dem Gehirn eine elektronisch berechnete VR Welt, wenn die Brille allerdings parallele Einblicke in die „Wirklichkeit“ aufzeigt, kommt es zu Gleichgewichtsstörungen und Übelkeit. Die metro-A-sexuelle Frau ist demzufolge im Dauerungleichgewichtszustand und muss gegen Übelkeit ankämpfen.

Die metro-A-sexuelle Frau ist geprägt durch moderne Kommunikationsformen, sie twittert, sie ist iPhone equipped (twittert mindstens einmal am Tag “mir ist so langweilig“) und lebt ihren Exhibitionismus über facebook aus, selbstverständlich vollkommen „sauber“…

Das iPhone ist neben den Crossreality erzeugenden Ohrstöpseln die zweite Einflussgröße, die das Verhalten der metro-A-sexuellen Frau extrem beeinflusst: Das iPhone ist die Glaskugel, durch die die Welt zu ihr kommt. Es liefert ihr eine Fülle dekontextuierter Informationen, sie weiss, wann ihre Freundin beim Frisör ist, wann ihre zweitbeste Freundin (die eigentlich ein metrosexueller Mann ist) ihre/seine 4,7-Tage-Beziehung beendet hat, wie das Wetter am Bodensee ist und, und, und… ich geh dann mal eben kacken

Keine dieser wirklich wichtigen “Informationen“ kann und will sich die in Echtzeit lebende metro-A-sexuelle Frau entgehen lassen, deshalb schaut sie alle 45 Sekunden auf bzw. in ihre Glaskugel. In einem guten Restaurant gilt nicht mehr die Besteckordnung von außen nach innen, vielmehr gilt: Vom iPhone nach innen, die Glaskugel  liegt immer rechts neben dem Besteck und links neben der Serviette, die man heutzutage auch nicht mehr braucht.

Der eben skizzierte Blick auf die Glaskugel im 45 Sekunden Takt wird natürlich auch im Nobelrestaurant nicht unterbunden, so dass sich für das Gegenüber ein Bild eines nach Körnern pickenden Huhnes ergibt. Wir nennen dieses Phänomen Info-Picking (auch wenn die „Informationen“ im Grunde genommen dekontextuierte Worthülsen sind).

Info Picking löst den sonst üblichen Augenkontakt ab und dient dem Eintauchen in Crossreality Welten – neben den Ohrstöpseln also ein wichtiger Baustein zum Ausklinken aus dem gesellschaftlichen Leben.

Die im Rahmen von Info Picking gewonnenen „Erkenntnisse“ werden jedoch nicht ergebnisorientiert umgesetzt. Die metro-A-sexuelle Frau  unterbindet den  „Zieleinlauf“ durch systemimmanente Verpeiltheit, die zu diversen logischen Überlegungen führt und gute Wünsche nach sich zieht. Ein zwischenmenschliches Chaos scheint nicht nur vorprogrammiert, sondern eher erwartet. Das Chaos als fester Bestandteil des persönlichen Glücksgefühls – nicht vorstellbar, wenn was glatt laufen würde. Was um alles in der Welt sollte man twittern?

Die metro-A-sexuelle Frau ist darüber hinaus Mitglied in Facebook Gruppen wie „es ist kompliziert“ (und soll es auch bleiben) oder „halts maul und küss mich“ (obwohl sie küssen eigentlich doof findet, weil da ja ein Mann am anderen Ende des Küssens hängt), sie unterstreicht ihre Geisteshaltung durch weitere Mitgliedschaften wie „ich schmeiß alles hin und werde Prinzessin“ (was extrem schwierig ist, weil der Playstationspieler sie als solche nicht hofiert und der alte König aufgrund ihrer Dauerverpeiltheit einen großen Bogen um sie macht). Ihre Metro-A-Sexualität kaschiert sie demzufolge erfolgreich durch andere Mitgliedschaften wie „Mädels sind genauso versaut wie Jungs – sie geben es nur nicht zu“ (wehe dem jedoch, der ihr einen “unzüchtigen” Vorschlag macht).

Aus Rücksicht vor einer entbildeten Gesellschaft, die im 140 Zeichen Modus lebt, werden an dieser Stelle die Überlegungen eingestellt, um niemanden zu überfordern. Themen wie „ das androgyne Fahrrad“ oder aber „mit Vespa und Minirock“ werden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Soziologie, so konnte bis hierhin gezeigt werden, ist der Versuch, menschliches Miteinander in denaturalisierten Welten zu analysieren und trotz des Verlustes des Genitivs in ganze Sätze zu fassen.

ich geh dann mal laufen…

Das Ende des Verfolgungswahns

Seit heute gibt es ein neues Produkt für personalisiertes Retargeting. Das Besondere: MEMENTOO verbindet nicht nur Useraktivitäten, Kaufverhalten und Shopinsights in Realtime und erzielt so Conversion-Steigerung von bis zu 600%, sondern steuert die Werbemittel auch so geschickt aus, das die Nutzer die Werbung nicht als nervend sondern als relevanten Mehrwert empfinden.

Die Firma newtention ist seit 2004 Technologieführer im Retargeting. Mit MEMENTOO wird das newtention-Portfolio weiter ausgebaut: Advertiser und Agenturen können von der langjährigen Spezialisierung und Erfahrung im Retargeting profitieren– Network-Reichweite und Service inklusive.

Die Realtime-Kampagnensteuerung basiert auf dem individuellen Verhalten des Users und erfolgt über personalisierte Werbemittel mit visueller Wertigkeit im Kampagnen-Look. Die selbstlernende Optimierung der Kampagne erfolgt unter Zuhilfenahme einer klaren Steuerung und gegebenenfalls Deckelung der Kontaktdichte (Capping), sowie der Option einer Inszenierung der Kontaktstrecke „Kampagne + Produkt“ im Rahmen eines intelligenten Story Tellings.

Dadurch wird auch das Gefühl, von ein- und demselben Werbemittel oder Produkt „verfolgt“ zu werden, von vornherein ausgeschlossen – der User wird in seinem normalen Surfverhalten begleitet, ohne sich gestört zu fühlen. Durch die Fokussierung auf eine nachhaltige Nutzerakteptanz personalisierter Retargeting-Kampagnen wird das Thema Mehrwert klar in den Fokus gerückt und markenkonform visualisiert erlebbar gemacht.

Media Lounge Academy – Ein neues Workshop Konzept geht an den Start.

Don´t Waste Your Time oder: Managementzeit ist zu kostbar, um Sie mit schlechten Seminaren zu vergeuden. Das ist die Grundidee der beiden Initiatoren der neuen Media Lounge Academy.

Die Academy hat ihre Wurzeln in der Media Lounge, die als exklusive abendliche Dinnerveranstaltung bereits bestens bekannt ist. In ständig wechselnden Top Locations in mittlerweile 10 deutschsprachigen Städten treffen sich Führungskräfte aus der Media- und Marketingbranche zum Networking. Organisiert wird die Media Lounge über eine Vielzahl bestehender Xing Gruppen, aus denen dann mit maximal 60 Teilnehmern an 5-6 Tischen jeweils ein brandaktuelles Thema diskutiert wird. Jedes dieser Themen wird von einem Experten moderiert, bei dem es  sich immer um einen Top Entscheider handelt.

Mind Store Marketing setzt diese Experten-Tradition fort und bietet ab sofort gemeinsam mit unserem Kooperationspartner die Media Lounge Academy an. Der Academy Gedanke bedeutet, dass wir firmenspezifischen Probleme gemeinsam mit unserem Expertenpool mit mehr als 12.000 Experten aus der Marketing- und Mediabranche lösen. Best Practice für unsere Kunden und Ihre individuellen Problemstellungen. Organisiert und moderiert werden die Workshops von Dr. Torsten Ambs, der als erfahrener Berater Ihre Situation analysiert und dann ein Team der jeweils besten Spezialisten für den Kunden zusammenstellt.

Lösungen aus der Praxis für die Praxis.

Wir freuen uns auf Ihren Anruf: 089 – 18954973

Und wenn auch Sie Experte werden wollen, schreiben Sie uns eine kurze Nachricht oder rufen Sie an.

Media Lounge Academy

Information Marketing für Entscheider.

Mit Vollgas und Motorsport-Total.com ins neue Jahr

Die Tuning Branche beschließt das Jahr gleich mit zwei Messen und dann gehen die Tuner wieder in ihre Garagen, um im nächsten Jahr mit neuen Sensationen an den Start gehen zu können. Die Eicma hat in Mailand ihre Tore geschlossen und auch die Motorradsaison neigt sich dem Ende zu. Die ideale Zeit also, das Jahr Revue passieren zu lassen, neue Ideen zu sammeln und (Marketing)Strategien für das nächste Jahr zu planen.

Auch wir nutzen die Zeit für Kreatives und bereiten den Start unseres neuen Motorrad Magazins auf Motorsport-Total.com vor. Wir machen einen kreativen Boxenstopp, um im neuen Jahr mit einem Tuning- und Motorrad-Magazin an den Start zu gehen. Finden kann man uns dann auf www.Motorsport-Total.com (nähere Info im Januar).

Wir freuen uns ganz besonders über unseren neuen Partner, denn Motorsport-Total.com ist das reichweitenstärkste Motorsportportal in Deutschland. Motorsport-Total.com ist bekannt für aktuelle News, umfassende Analysen und spannende Hintergrundberichte zu allen Geschehnissen in der Formel 1, der Königsklasse des Motorsports, sowie zu zahlreichen weiteren attraktiven Rennserien rund um den Globus.

Ab dem 15. Januar geben wir nun auch auf Motorsport-Total.com Vollgas. Neben den klassischen Themen wie Neuvorstellungen und Fahrberichten wollen wir aber auch über Touren und Regionen berichten. Da der Lifestyle orientierte Motorradfahrer schon lange nicht mehr im Zelt übernachtet, stellen wir auch hochwertige Hotels mit exzellenter Küche und Wellnessbereich vor, denn Motorrad fahren ist ein ganzheitliches Erlebnis, mit vielen Emotionen und noch mehr Genuss und das auch vor und nach der Tour.

Berichten wollen wir ebenso über Messen und Events und auch die Bereiche Zubehör und Mode sollen nicht zu kurz kommen. Im Mittelpunkt unseres neuen Online Magazins steht der Fahrer, nicht nur der Rennfahrer, auch der leidenschaftliche Privatmann und natürlich wollen wir auch den einen oder anderen Macher hinter den Kulissen vorstellen.

Aber auch ausgewählte Tuningbeiträge werden wir den Motorsport-Total.com Usern präsentieren und auch hier wollen wir herausstechende Fahrzeuge emotional in schönen Regionen präsentieren. Wir fahren für unsere Kunden in die Zielgruppe.

Für die Macher der Motorrrad- und Tuningszene halten wir noch zusätzliche „Schmankerl“ bereit: Marken und Produkte der Fahrzeugveredler werden nicht nur redaktionell im Magazin vorgestellt, auch auf der Startseite können wir Tuningmarken mit entsprechenden Advertorials ins rechte Licht rücken.

Motorsport-Total.com bedeutet: männliche Zielgruppe, einkommensstark und motorsport- und automobilaffin. Motorsport-Total.com bedeutet 2,3 Mio. Visits und 13 Mio. PageImpressionen pro Monat.

Wir freuen uns auf eine kurvenreiches und spannendes Jahr!

S21 – Echtzeitkommunikation unter besonderer Berücksichtigung von medialer Parallelnutzung

Bereits vor Wochen schmunzelten die Hörer von SWR3 als die Moderatoren anlässlich einer Umfrage die Kommentare der Stuttgart21-Befürworter und -Gegner vorlasen. Unisono, egal aus welcher Ecke: Ihr seid parteiisch…

Schnell wurde deutlich, dass die Diskussionen nur noch parteipolitisch und unter dem Aspekt der kommenden Wahlen geführt werden. Es geht ums „Durchziehen“, ums hart sein, cool sein und es geht um ein vermeintlich neues Demokratieverständnis und es geht um Echtzeitkommunikation. Der Tagesspiegel stellt fest, dass es nur „dafür“ und „dagegen“ gibt, ein „dazwischen“ geht nicht.

Es sind, so der Tagesspiegel, die Stuttgart 21 Gegner, die sich über die „einseitige“ Berichterstattung beklagen. Ob das nun zu Recht oder Unrecht, sei an dieser Stelle vernachlässigt. Fakt ist: Seit vielen Jahren ist den Medienwissenschaftlern das Phänomen der medialen Parallelnutzung bekannt.

Vor dem Hintergrund der Medienkonvergenz wird das Fernsehen immer mehr zu einem Parallelmedium, wie schon zuvor das Radio – was dem eingangs zitierten SWR3 Beispiel für beiden Seiten die Brisanz nehmen würde. Die Parallelnutzung von TV und Internet gehört zur täglichen Normalität.

Während die angeblich einseitige Berichterstattung aus dem TV  Gerät rieselt, zwitschert jung und alt fröhlich über #s21 – Echtzeitkommunikation: Empörung über geschmacklose T-Shirts und sofort die „Gegenattacke“: Die T-Shirts wurden untergejubelt, um die Stuttgart 21 Befürworter zu diskreditieren

Echtzeitkommunikation, so zeigt das Web 2.0 derzeit, wägt keine Argumente ab, sondern erwartet, dass der Kommunikationsstream im Fluss bleibt. Es ist eine Art Kommunikations-Tennis – Aufschlag der einen Seite: “Sieg der Demokratie – Gegner sagen Demo (aus Einsicht) ab”  – Untermalung durch entsprechende Links… Matchball der gegnerischen Seite  und sofortiger Gegenschlag

Die “demokratische” Abstimmung erfolgt über Facebook: Kein Stuttgart 21 = 91.790 Fans  vs. Für Stuttgart = 114.914 Fans… im Fernsehen läuft die Diskussion über den Castor Transport… parallel twittert es neue Erkenntnisse und im Hintergrund singt Roger Waters „Comfortably Numb“…

Echtzeitkommunikation, das bedeutet Verzicht auf stringente Geschichten und wenn sie „funktioniert“, dann bedeutet das in diesem Fall 12 (in Worten zwölf) geöffnete Fenster und der finale Satz „Freut sich auf Dienstag“…

Freut sich auf Dienstag

Während die Agenturszene in der neuen w&v weiterdiskutiert, ob nun das Ende von Social Media naht oder doch nicht, hat die PR Agentur mit dem Monitoring System ganze Arbeit geleistet und das angelsächsische Seitensprungportal in den deutschsprachigen Markt geworfen, ohne den häßlichen Beinamen “Betrugsportal”. Da wir aber noch nicht ganz überzeugt sind, ob das Monitoring Tool der PR Agentur wirklich so gut ist, oder ob es einfach nur  google alert ist, lassen wir diesmal sowohl den Namen der PR Agentur weg als auch den Namen des Fremdgeh-Portals (aber das nur am Rande…).

Die Presse ist zwiegespalten: Ist ein Portal dieser Art nun verwerflich oder sehr verwerflich. Der Leiter einer Organisation für Seelsorge und Sexualethik findet keine freundlichen Worte für “solche” Angebote (von geistlichen Übergriffen an Kindern und Schutzbefohlenen spricht er nicht).

Die Frage, die sich an dieser Stelle stellt: Warum nur herrscht in diesem Lande ein derartiger Aufschrei? Schließlich gibt es seit ewigen Jahren wesentlich bessere Erotik-Portale, die zudem noch kostenlos sind. Man gibt seine Neigungen an und kommt unkompliziert und gezielt zur “Lösung”. Warum also stürzt sich die Presse jetzt so gezielt gerade auf dieses Portal? Ist es die Person des Gründers? Wenn er Zuckerberg heißen würde, könnte man das ja vielleicht noch nachvollziehen…

Die Antwort auf diese Frage könnte man natürlich mit dem Begriff “gesellschaftliche Doppelmoral” fixieren, aber so einfach soll man es sich ja doch nicht machen. Ein weiterer Lösungsansatz könnte die zunehmende Asexualität in Kombination mit Kommunikationsverlust sein. Eine ganze Gesellschaft hat ihre Seele und vor allem ihre Sexualität an ein puritanistisches Facebook verkauft. Und plötzlich kommt ein weiteres angelsächsisches Portal und bietet Anonymität und Sexualität an – ein wahrhafter Skandal.

Einen weiteren Erklärungsansatz liefert das Phänomen “Echtzeitkommunikation“. In die asexuelle Reihe von Postings wie “schwingt sich aufs Motorrad und geht einen Espresso trinken“, “salzburg”, “ich geh mal eben kacken”, “sonne”… reiht sich ein kurzes “skandal” und dann kann man wieder zum “ich geh mal eben espresso trinken” übergehen…

Wahlweise, um die Spannung zu erhöhen: Freut sich auf Dienstag

Der König ist tot – es lebe der König

„Angst vor Spionage“ betitelte Spiegel Online seinen Artikel und wies darauf hin, dass immer mehr DAX-Konzerne ihren Mitarbeitern den Zugang zu facebook verwehren. Es dürfte dabei aber weniger die Angst vor Ausspähungen oder Viren sein, denn letztere können durch den Mailaccount ebenso eindringen, es ist die Angst vor Unproduktivität (cluetrain nennt man das Phänomen auch und es ist seit über zehn Jahren bekannt).

Wenn große DAX-Firmen Mitarbeitern den Facebook Zugang blocken, dann bedeutet dies für viele Kritiker das Ende einer Werbe-Ära und die Unkenrufe „wir haben es ja gleich gewusst“ werden lauter. Und wenn dann noch in der aktuellen Printausgabe der w&v einer der Geschäftsführer der größten Mediaagenturgruppen des Landes das Thema Social Media als overhyped bezeichnet, dann wird daraus schnell der Hefttitel „Social Media? Nein, Danke!“

Sätze wie „Prinzipiell ist Social Media schon geeignet, um mit den Digital Natives zu kommunizieren“ gehen dann schon mal unter und der Chefredakteur fragt, ob das Ende des Hypes um Social Media erreicht ist.  Der Untertitel der w&v „Immer mehr Unternehmen prüfen, ob Facebook, Twitter & Co. überhaupt Sinn machen“ bedeutet nicht: Social Media – Nein Danke, sondern das was Unternehmen in allen Fällen tun sollten: eine Kosten-Nutzen-Analyse. Die Frage, ob sich die gewünschte Zielgruppe bei Facebook befindet, ist durchaus nicht altmodisch.

Was den Mitarbeiter anbetrifft, so ist es ein zweischneidiges Schwert. Einerseits besteht die Angst, dass durch Surfen am Arbeitsplatz ein volkswirtschaftlicher Schaden entsteht oder dass ein Arbeitnehmer durch „unintelligentes Posten“ der Firma oder der Marke einen großen Imageschaden zufügen kann. Auch der Tagesspiegel sprang auf das Mitarbeiterthema und wies darauf hin, dass Facebook den Job kosten kann. Auch hier werden zahlreiche Firmen aufgeführt, die den Zugang zu Facebook und Co, verwehren. Es werden aber auch andere Fälle aufgeführt, wie beispielsweise die Deutsche Bank, die auf das Urteilsvermögen ihrer Mitarbeiter vertraut und die differenziert, dass Mitarbeiter durchaus auch über ihr iPhone zu Facebook gelangen können. Misstrauen war noch nie ein guter Nährboden für Produktivität.

Unabhängig von der Facebook-oder-nicht-Diskussion: Nicht erst seit der „Erfindung“ von Social Media ist bekannt, dass motivierte Mitarbeiter mehr für das Unternehmen leisten. Wir nennen es Markenaufbau von innen und wundern uns, dass Konzerne der Internalisierung von Märkten oftmals mehr Aufmerksamkeit schenken als der Kraft der menschlichen Persönlichkeit. Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.