Jeder Kettenraucher, sofern er noch lebt, kennt den Camel Mann. Das war derjenige, der kernig durch alle Dschungel der Welt streifte. Markenzeichen, weil er immer unterwegs war, ein Loch im Siebenmeilenstiefel. Das Loch in der Sohle zeigte er am Ende jedes Kino Spots und auch in der Print- und Plakatwerbung war das Loch deutlich zu sehen: Ich geh meilenweit für eine Camel…

Aus der Marktforschung wusste man, dass das Motto der Camel Raucher zum Loch im Schuh passte: Der Weg ist das Ziel. Wer „angekommen“ war, i.e. Studium beendet, geheiratet oder Kinder bekommen hatte, wechselte die Marke oder hörte auf zu rauchen. Und dann eines Tages passierte es: Reynolds switchte die Werbung vom harten Camel Mann zum Plüschtier. Superwitzig, JEDER, absolut jeder LIEBTE das Stoffkamel. Es war witzig, man lachte herzhaft darüber, es war ein Sympathieträger und es war in aller Munde. Die Markenbekanntheit nahm rapide zu, ABER: Die Marke verlor (vorsichtig geschätzt) ca. 10 Prozent Marktanteil, weil der kernige Camel Raucher sich nicht mit den plüschigen Stofftieren identifizieren wollte und konnte.

Ähnlich ergeht es jetzt auch der FDP: Der kernige Außenminister wird durch zwei Plüschtiere ersetzt (und auch der alte Wirtschafts-Brummbär kommt nach heftiger  und trotziger Gegenwehr auf den Kuscheltierfriedhof). Wir erinnern uns vage: Am Jahresanfang Stutenbissigkeit unter den FDP-“Frauen“. Eine Doppelbenamte hat keine Lust mehr auf alte und/oder schwule Männer und will Frischfleisch in der Führungsriege. Auf die Bühne treten zwei  junge Plüschtiere frisch aus dem Kuschelzoo und versprechen, dass sie sich auf immer und ewig lieb haben werden. Der kernige, gestandene Stammwähler, wir hatten ihn Robinson Krösus genannt, kehrt nicht nur der Partei, sondern auch dem Land den Rücken zu. Er wartet nicht, bis das vietnamesische Kuscheltier endlich in der richtigen Kuschelposition liegt und sich dann endlich Vize-Kuschler nennen darf, er wandert einfach ab…

Was bleibt ist eine ruinierte Marke. Camel musste damals einen kompletten Relaunch fahren und sogar die Packungen stark modifiziert auf den Markt bringen. Dies sollte jetzt auch die vietnamesische Unternehmerpartei ohne Unternehmer tun. Intelligenter Relaunch: Entsorgung gealterter Doppelnamen-Mädels in die SPD (dort hat man eigens dafür Auffangstationen gebaut und ist auf das Aussprechen langer komplizierter Nachnamen spezialisiert) sowie das Ablegen politischer Korrektheit. Die Piraten machen es vor: Statt Wählerinnen und Wähler sagen sie einfach nur „Wähler“ und kommen aber dann schnell zu Inhalten. Die Frage, warum sie keine Quotenfrauen bzw. zu „wenig“ Frauen haben, übergehen sie intelligent. Ist ja auch egal, wer in der ersten Reihe steht, Hauptsache der Rest, und das sind 8,9 Prozent statt 1,8 Prozent, steht dahinter. Außerdem fällt es bei mancher Politikerin ohnehin schwer, noch von „Frau“ zu sprechen, aber das ist eine andere Geschichte…

Last but not least: Das Land, die Wirtschaft und der gelbe Minderheitenkuschelzoo brauchen dringend Charismatiker statt smarter Playstationspieler. NEIN, wir wollen an dieser Stelle nicht unseren alten Kaiser Guttenplag wiederhaben, aber der Guttenfall hat gezeigt, wie hoch der Bedarf an ECHTEN Charismatikern ist, die Zahl der Nicht-Wähler unterstreicht dies zudem deutlich.

Fazit: Aus dem kernigen Mister 18 Prozent sind in Berlin nun 1,8 Prozent geworden, etwas mehr als die Tierschutzpartei. Ergo: Wer Könige vom Thron stürzt, muss lange Zeit und vor allem viele Scherben fegen…

Oder hatte sich am Ende gar Mister Guido 18 Prozent Hut ab vor diesem Mann vielleicht nur ganz einfach um eine Komma-Stelle verrechnet…??